Im Spiel der 15. Runde der österreichischen Bundesliga gastierte die Wiener Austria in der Südstadt beim Duell der beiden „Krisenclubs“. Sowohl die Austria, als... Analyse: Austria beendet gegen Admira den Negativlauf

Im Spiel der 15. Runde der österreichischen Bundesliga gastierte die Wiener Austria in der Südstadt beim Duell der beiden „Krisenclubs“. Sowohl die Austria, als auch die Admira liefen nun schon seit mehreren Wochen einem vollen Erfolg hinterher und befinden sich aktuell in keiner guten Verfassung, weshalb man im Vorfeld dieser Partie auch von keinem Leckerbissen ausgehen konnte, was dann letztlich auch den Tatsachen und den Geschehnissen auf dem Feld entsprechen sollte.

Austria legt sich auf System fest

Nach der zweiwöchigen Länderspielpause, war man auf Seiten der Austria gespannt, ob man etwas von der oft erwähnten „Entwicklung“ zu sehen bekam und es Verbesserungen im Spiel der Veilchen gab  Man nutze die spielfreie Zeit auch dafür, um sich für die kommenden Wochen bis zur Winterpause auf ein System festzulegen und dieses zu verfeinern, statt jede Woche etwas neues zu probieren. Kontinuität sollte also in die Mannschaft gebracht werden und Austria-Trainer Letsch entschied sich dafür, von nun an dass 4-1-4-1/4-3-3 zu etablieren und aus dieser Basis heraus an der Struktur des Teams zu feilen. Dies war auch dringend notwendig, denn in der Offensive hatte man nicht nur in den letzten Spielen, sondern schon seit Monaten große Probleme und kämpfte mit dem eigenen unsauberen Positionsspiel  und strategischen Defiziten. Mit dem 4-3-3 sollte in erster Linie wieder mehr Breite in das Spiel der Austria kommen und das Flügelspiel in Gang gebracht werden, weshalb man mit Monschein und Sax de facto seit längerer Zeit mal wieder mit zwei klassischen Flügelspielern auflief, die sich immer wieder in der Breite anboten. Das klare 4-3-3 der Austria kann man beim ersten Bild auch gut erkennen:

Die Austria läuft nun mit einem klaren 4-3-3 auf und legt sich auf diese Struktur fest.

Dabei wurde die Rollenverteilung der beiden Flügelstürmer in weiterer Folge noch etwas spezifischer auf das jeweilige Fähigkeitsprofil angepasst. Während Monschein eigentlich laufend ganz breit und weit draußen auf dem Flügel stand, bekam auf der anderen Seite Sax eine wesentlich freiere Rolle zugewiesen, weshalb er dadurch oft im Zentrum auftauchte und sich dort als Kombinationspartner anbot, um Überzahl herzustellen. Gleichzeitig rückte dafür Rechtsverteidiger Klein weiter nach vorne, aber auch Stürmer Friesenbichler agierte recht frei und ließ sich immer wieder fallen oder tauchte auf dem Flügel auf. Es war sichtlich erkennbar, dass man versuchte mehr Bewegung in das Offensivspiel  und ein saubereres Positionsspiel zustande zu bringen, wo sowohl Breite, als auch Tiefe gegeben sind.

Admira und der Versuch das Zentrum zu kontrollieren

Wie reagierten die Südstädter auf die Austria und was hatten sie sich für einen Matchplan zurechtgelegt? Unter Neo-Trainer Geyer laufen die Niederösterreicher nun mit einer klassischen Fünferkette auf und versuchen damit in der Defensive eine gewisse Stabilität zu erlangen, um aus dieser dann Nadelstiche nach vorne zu setzen. Dabei fokussiert sich dieses 5-2-3 vor allem auf die Kontrolle des Zentrums und die Positionierung der Feldspieler ist darauf ausgerichtet, sich zunächst raumorientiert zu Verhalten und den Gegner auf den Flügel zu leiten. Dies kann man beim nächsten Bild auch gut erkennen:

Austria im Ballbesitz, die Admira verteidigt in einer klaren 5-2-3 Anordnung und mit dem strategischen Fokus auf das Zentrum, welches man gezielt versucht abzudecken, um den Gegner auf die Flügelzone zu zwingen.

Man ließ dabei die beiden gegnerischen Innenverteidiger die meiste Zeit in Ruhe und die Pressinghöhe verlegte man in die eigene Hälfte, wo man versuchte für die notwendigen Ballgewinne zu sorgen. Wenn die Austria dann auf die Flügel geleitet wurde, rückten die beiden Flügelstürmer auf den jeweiligen Gegenspieler im Sprint heraus und versuchte ihn zu stellen, um ihn an einem Vorwärtskommen zu behindern und zu einem Rückpass zu zwingen.  Allerdings klappte diese Überlegung nur unzureichend und die Austria kam oft relativ problemlos über die Flügelzone in die gegnerische Hälfte, wo in weiterer Folge aus dem 5-2-3 der Admira ein tiefes 5-4-1 wurde. Dass die Austria im Spielaufbau oft problemlos nach vorne kam lag auch daran, dass die Mannschaft nicht konsequent nachschob und die Räume auf dem Flügel verdichtete, weshalb sich die violetten Gäste konstant über diese Zone in die gegnerische Hälfte arbeiten konnten.

Für die Austria war dies natürlich eine optimale Ausgangslage, um eine gewisse Dominanz und Kontrolle über dieses Spiel zu erlangen. Dementsprechend schraubte man die Ballbesitzzeiten auch in die Höhe und kam recht rasch auf einen Anteil von knapp zwei Dritteln und versuchte so den Gegner spielerisch zu knacken. Dabei gab es immer wieder den Versuch, den Gegner mittels Spielverlagerungen aufzureißen und so Räume auf dem Flügel zu kreieren. So lockte man die Admira immer wieder auf die linke Seite, spielte dann zurück auf Innenverteidiger Schoissengeyr, die Admira schob in Richtung Ball nach und der Austrianer spielte dann quasi gegen die Bewegung des Gegners die Spielverlagerung zurück auf die linke Seite, um die Admira aufzureißen. Generell gab es immer wieder den Versuch, mit hohen Bällen hinter die Abwehr der Admiraner zu kommen und auch die beiden Achter der Austria starteten oft in die Spitze, um den langen Ball zu fordern.

Doch man probierte es auch immer wieder mit Überladungen auf der rechten Seite  und sich über diese Zone nach vorne zu kombinieren. Dabei versuchte man strategisch die nominelle Überzahl im Zentrum zu nutzen, da die Admira nur zwei zentrale Mittelfeldspieler hatte und diese von der Verteidigung oder dem Sturm unterstützt werden musste, um nicht in Unterzahl zu geraten, was sehr gut einstudiert sein muss. Die Überladungen der Austria  auf der rechten Seite kann man beim nächsten Bild gut erkennen:

Die Austria im Angriff, man versucht mit einer Überladung eine Überzahl auf der rechten Seite herzustellen und sich so durchzukombinieren, weshalb gleich sechs Spieler in Ballnähe postiert sind.

Durch diese strategischen Kniffe hatte man eine ordentliche Ballzirkulation im ersten und zweiten Spielfelddrittel, wodurch man eine gewisse Grundlage schuf, um die Kontrolle über diese Partie zu erlangen. Allerdings funktionierte ab diesen Punkt an, bis in den gegnerischen Strafraum, das Offensivspiel der Austria nur unzureichend bis gar nicht. Zu oft lief man sich irgendwo fest, agierte man technisch unsauber und verlor leichtfertig den Ball oder traf die falsche Entscheidung. Vereinzelt wurde es dann gefährlich, wenn man über die beiden hinterlaufenden Außenverteidiger Durchbrüche kreieren konnte, aber abgesehen davon tat man sich unheimlich schwer, in den gegnerischen Strafraum zu gelangen, weshalb auch viele Flanken bereits aus dem Halbfeld in die Spitze geschlagen wurden. Über das Zentrum ging quasi gar nichts, da Matic speziell im ersten Durchgang nahezu jeden Ball verlor und auch sonst es an Ideen im Spiel der Austria mangelte, da man nach wie vor es nicht schafft, den Gegner über die ballfernen Räume zu attackieren und ihn in Bewegung zu bringen. Als es ein einziges Mal klappte und nach einem Querpass Sax völlig offen stand, entschied sich dieser für einen Lupfer in die Spitze, statt selber aus aussichtsreicher Position abzuziehen. So musste letztlich eine Standardsituation her, um für die Führung zu sorgen. Auch danach lief das Werkl bei den Veilchen nicht wirklich runder und man tat sich im letzten Drittel schwer, Lösungen zu finden und Kreativität auszustrahlen.

So problematisch das Spiel im letzten Drittel war, immerhin zeigte man sich im Spiel gegen den Ball ordentlich und verbessert, was speziell das Pressingverhalten betrifft. So versuchte man nach Ballverlust geschlossen nachzusetzen und den Ball rasch zu erobern, aber auch die Verteidigung rückte gut nach und gewährleistete damit eine mannschaftliche Kompaktheit. Bis auf wenige Ausnahmen klappte dabei das Gegenpressing recht gut und man konnte sich viele Bälle wieder rasch zurückerobern, wobei man das gute Gegenpressingverhalten beim nächsten Bild erkennen kann:

Die Austria mit dem Ballverlust, allerdings reagieren die Spieler sofort darauf und setzen geschlossen danach, weshalb der Admiraner Hjulmand aus drei Richtung attackiert wird und aufgrund dieses Druckes den Ball wieder prompt abgeben muss.

Auch in der zweiten Halbzeit änderte sich an der Charakteristik des Spiels recht wenig. Die Austria hatte überwiegend die Kontrolle, tat sich allerdings im letzten Drittel sehr schwer. Die Admira wurde aber zumindest etwas besser, da man einige Anpassung vornahm und die offensiven Abläufe optimierte. So ließ sich nun Sahanek aus der Spitze immer wieder fallen und versuchte quasi als „falsche 9“ Überzahl im Mittelfeld zu kreieren und da seine spielmachenden Qualitäten besser zur Geltung zu bringen, weshalb Jakolis und Bakis mehr ins Zentrum tendierten und nicht mehr konstant auf dem Flügel standen, während Flügelverteidiger Spasic nun noch höher stand und auf dem linken Flügel Breite gab. Dadurch wurde das Offensivspiel der Admiraner zumindest etwas besser und man belohnte sich auch aufgrund genau dieser Rochade prompt mit dem Ausgleich. Die Austria brachte danach mit Edomwonyi noch einen weiteren Angreifer und versuchte damit mehr Robustheit und Direktheit in den Angriff zu bringen. Der Nigerianer holte dann auch den Freistoß heraus, den Sax anschließend sehenswert zum 2:1 Führungstreffer ins lange Eck zirkelte. Danach verwaltete die Austria den Vorsprung weitestgehend und brachte mit Madl und Jeggo zwei Defensivspieler, die das Ergebnis über die Zeit bringen sollten. Die Admiraner blieben dann auch in weiterer Folge zu harmlos und fanden keine Lösungen mehr gegen die Defensive der Austria, weshalb es auch beim 2:1 Sieg der Austria blieb.

Fazit

Dieses Spiel war wahrlich kein Augenschmaus und für die Fans der beiden Mannschaften nur schwer mitanzusehen. Das lag einerseits am schwer zu bespielenden Rasen, aber andererseits waren auch die beiden Mannschaften in der Offensive insgesamt zu limitiert, um eine Vielzahl an qualitativen Abschlüssen zu kreieren. Zwar zeigte sich die Austria in Sachen Struktur und Positionsspiel etwas verbessert und stringenter, allerdings konnte man dennoch im letzten Drittel daraus kaum Kapital schlagen und erspielte sich in Wirklichkeit in 90 Minuten nicht einmal eine Handvoll an guten Torchancen, was gegen den angeschlagenen und sehr jungen Tabellenletzten eigentlich Bände spricht. Wenn man etwas positives aus dieser Partie mitnehmen will, dann ist in erster Linie das Ergebnis und die defensive Stabilität, allerdings ist das Offensivspiel nach wie vor das große Problem der Austria und wenn man diese Problematik nicht bald in den Griff bekommt, wird man auch weiterhin um den Einzug in das Meister-Playoff zittern müssen.

Dalibor Babic