Am dritten Spieltag der Meisterrunde kam es im Lavanttal zum Aufeinandertreffen zwischen dem Wolfsberger AC und der Wiener Austria. Die Wiener wollten dabei... Analyse: Austria erkämpft in Unterzahl ein Remis in Wolfsberg

 

Am dritten Spieltag der Meisterrunde kam es im Lavanttal zum Aufeinandertreffen zwischen dem Wolfsberger AC und der Wiener Austria. Die Wiener wollten dabei nach den zuletzt vier Niederlagen am Stück im Frühjahr, endlich wieder einen Sieg holen und gleichzeitig auch Robert Ibertsberger den ersten Erfolg als Cheftrainer bescheren. Während auf der einen Seite die Austria eine Negativserie weiterhin mitschleppt, konnte sich der WAC mit dem 3:1-Auswärtssieg beim SKN seiner entledigen. Daher erhofften sich die Kärntner, mit diesem gewonnen Selbstvertrauen, die nächsten drei Punkte holen zu können und sich auf den dritten Platz zu etablieren.

Austria überrascht mit Aufstellung

Nach dem ersten geglückten Sieg in der Meisterrunde, hatte der gastgebende Wolfsberger AC klarerweise nur wenig Grund Veränderungen vorzunehmen. Wie bereits gewohnt, schickte WAC-Trainer Christian Ilzer seine Mannen im rautenförmigen 4-3-1-2 aufs Feld und setzte dabei vor allem in der Spitze auf das bewegliche Duo Schmid und Koita. Während es also auf der einen Seite keine Überraschungen gab, sah das auf der anderen Seite gänzlich anders aus. Dies hing in erster Linie mit Kapitän Alexander Grünwald zusammen. Zwar konnte man durchaus damit rechnen, dass der Kreativspieler in die Mannschaft rücken wird, allerdings auf die gewählte Position wäre wohl niemand gekommen. Da Schoissengeyr angeschlagen und Borkovic 90 Minuten bei den Young Violets in den Beinen hatte, entschied man sich Grünwald als zentralen Innenverteidiger in der Dreier-/Fünferkette aufzubieten, womit Grünwald so etwas wie den Hoffenheimer Kevin Vogt der Austria gab, der einen ähnlichen Weg hinter sich hat.

Mit Grünwald erhoffte sich die Austria vor allem im Spielaufbau einen Vorteil herausschlagen zu können und so noch mehr Struktur zu schaffen. Der Trainer der Austria scheint in dieser Hinsicht sehr großen Wert auf die Spieleröffnung zu legen, was man auch in der letzten Woche im Heimspiel gegen Sturm Graz sehen konnte, wo die Austria mit dem Spielaufbau zu überzeugen wusste. Darüber hinaus rückten auch noch Demaku für den gesperrten Jeggo in die Mannschaft und Monschein für Offensivspieler Sax. Das System der Austria blieb dabei erneut beim 3-4-3/5-2-3, wobei es einige kleine Anpassungen gab. Neben der bereits angesprochenen Position von Grünwald, sollte auch Offensivspieler Monschein eine Schlüsselrolle zukommen. Der nominelle Stürmer agierte nämlich wesentlich direkter in seiner Spielweise als Sax und fand sich öfter auf einer Höhe mit Stürmer Edomwonyi wieder, weshalb er ein Zwischending aus Stürmer und Flügelspieler gab. Während Monschein also sehr hoch positioniert wurde, bewegte sich Prokop in erster Linie im Zentrum und in den Halbräumen, weshalb das System situativ auch zu einem 3-5-2 tendierte.

Dabei zeigte die Austria von Anfang an, wie man gedachte, die Wolfsberger zu knacken. Im Spielaufbau sollte Grünwald mit seinen Pässen in erster Linie das Spiel auf den Flügel verlagern und von dort dann der Angriff nach vorne gestartet werden. Die Violetten wollten nämlich vor allem die Räume hinter den beiden Außenverteidiger der Gastgeber attackieren und ihr Herausrücken dann gezielt ausnutzen. Das Herausziehen der Außenverteidiger klappte auch gleich nach wenigen Minuten, als Prokop den Rücken seines Gegenspielers attackierte und völlig frei zum Flanken kam, ehe Klein den Ball an die Stange setzte. Das Ziel im Matchplan der Austria kann man beim nächsten Bild gut erkennen:

Die Austria in Ballbesitz, man greift gezielt über den Flügel an und versucht, den gegnerischen Außenverteidiger aus dessen Position herauszuziehen, weshalb Prokop sich im richtigen Moment aus dem Zentrum in Richtung Flügel orientiert und den Rücken des Außenverteidigers attackiert, der damit nicht rechnet und sich auf Sechser Leitgeb verlässt. Daher steht Prokop vollkommen frei und wird von Martschinko auch angespielt, um dann eine schöne Flanke auf Klein zu schlagen.

Dieser strategische Kniff war auch der richtige Ansatz, denn die Wolfsberger haben mit ihrem 4-3-1-2 zwar guten Zugriff in den zentralen Bereichen des Feldes, allerdings müssen die beiden Achter auf den Flügel herausschieben und viel Laufarbeit leisten, weshalb es dazu kommen kann, dass man zu spät dran ist und den Außenverteidiger dann mehr oder weniger alleine lässt. Speziell über links versuchte die Austria mit dem andribbelnden Igor immer wieder Gegenspieler anzulocken und herauszuziehen, um dann Überzahl auf dem Flügel zu bekommen. Da zahlte sich dann nach dieser Logik auch die Aufstellung von Grünwald als Innenverteidiger aus, der mit seinen Verlagerungen immer wieder diese Räume suchte und diesen Plan initiieren sollte. Aber auch sonst zeigte der Austria-Kapitän auf einem schwierigen Geläuf schöne Zuspiele in der Spieleröffnung und fand die beiden Flügelstürmer in den Halbräumen. Die Austria ging dann auch relativ rasch in Führung, nachdem der gefoulte Monschein den fälligen Elfmeter selber verwandelte.

Gegen den Ball dachten sich die Gäste aus Wien natürlich auch etwas aus und hatten es dabei vor allem auf die linke Seite des Gegners abgesehen. Da läuft mit Linksverteidiger Schmitz nämlich ein sehr spielmachender Typ auf, der den Veilchen schon im letzten Spiel große Probleme bereitete und auf über 100 Ballkontakte kam. So hatte der strategische Plan der Austria einen Doppeldeutigen Charakter. Auf der einen Seite nutzte man auf der rechten Seite verstärkt das Mittel der pendelnden Viererkette, weshalb Flügelverteidiger Klein sehr weit vorne attackierte und Druck auf Schmitz ausüben sollte, während sein Hintermann Madl nachschob und kurzzeitig den Rechtsverteidiger mimte. So gab es eine klare Zuteilung und der Mechanismus sollte für Klarheit in der Defensive und beim Zugriff auf die starke linke Seite des WAC sorgen. Auf der anderen Seite sollte mit diesem Kniff aber auch Offensivspieler Monschein zumindest situativ freigeschoben werden, denn dieser konnte dadurch auch mal etwas höher stehen und agierte wie bereits erwähnt gelegentlich als zweite Spitze, weshalb er vor allem nach Ballgewinnen auf das Umschaltspiel lauerte und mit seinen Tiefenläufen mehr Direktheit in das Offensiv- und Konterspiel seiner Mannschaft bringen sollte.

Seine höhere Position zeigte sich auch im situativen Pressing der Austria, denn Monschein attackierte in dem Fall Innenverteidiger Rnic, während Klein nach vorne rückte und Schmitz übernahm. Die Austria veränderte in der Anfangsphase auch recht häufig den Rhythmus und verlegte die Pressinglinie auch mal weiter nach hinten, wobei man nach der Führung in der Hinsicht abwartender wurde.

WAC und die Liebe zum Flankenspiel

Durch den recht guten Matchplan der Austria, taten sich die Wolfsberger zu Beginn etwas schwer, in das Spiel zu finden. Durch das Pressing der Austria, konnte man den eigenen Spielaufbau nicht wirklich etablieren und die eigene linke Seite wurde gut unter Druck gesetzt, weshalb der spielstarke Schmitz auch kaum Räume vorfand. So legte man dann auch selber den Fokus auf das Spiel gegen den Ball und presste auch höher, um die Austria zu unkontrollierten Bällen nach vorne zu zwingen und über das Spiel um den zweiten Ball sich in der gegnerischen Hälfte festzusetzen. Im 4-3-1-2 wurde dabei eine recht klare Zuordnung gewählt, in der die beiden Stürmer zunächst die Passwege auf die beiden Sechser der Austria verschließen sollten, ehe sie durch geschicktes Anlaufen die Austria auf eine Seite lenken sollten, wo dann die gesamte Mannschaft nachrücken und den Gegner zustellen sollte. Eine Sonderaufgabe erhielt dabei Spielmacher Liendl, der sich sehr oft an Matic orientierte und den spielstarken Serben zustellen sollte, um ihn aus dem Spiel zu nehmen. Die klare Zuordnung der Gastgeber im Pressing kann man beim nächsten Bild auch gut erkennen:

Austria mit dem versuchten Spielaufbau, der WAC geht ins Pressing und setzt den Gegner unter Druck und hat dabei eine klare mannorientierte Zuteilung, wodurch man Monschein zu einem gefährlichen Ballverlust zwingt und prompt eine Chance vorfindet.

Generell lag der Fokus im Offensivspiel der Kärntner in erster Linie auf das Zentrum, was bei der systematischen Raute auch nicht verwundert. Man versucht dabei, mit Zuspielen auf die Stürmer und deren Ablagen auf Spielmacher Liendl, den Gegner ins Zentrum zu ziehen, ehe man dann auf die aufrückenden Außenverteidiger spielt, die dadurch folglich mehr Platz auf den Flügel vorfinden, da sich der Gegner ins Zentrum orientiert. So laufen dann die Angriffsbemühungen der Wolfsberger meist nach dem gleichen Muster ab und nach dem Pass ins Zentrum folgt dann das Zuspiel auf die aufrückenden Außenverteidiger, die anschließend eine Flanke nach der anderen in den Strafraum schlagen. So verwundert es auch nicht, dass die Wolfsberger nach Salzburg ligaweit die zweitmeisten Flanken schlagen. Dadurch ist man allerdings leicht ausrechenbar und die Gegner haben sich mittlerweile auf diese Spielweise eingestellt, weshalb auch in den letzten Wochen und Monate die Mannschaft Probleme hatte, vor allem, da mit Orgill der Abnehmer dieser Flanken abhanden kam.

Dadurch hatte die Austria mit der Fünferkette auch wenig Probleme, diese Flanken zu verteidigen und die Gastgeber wirkten zunehmend recht ideenlos und übte keinerlei Gefahr aus. Dass man dann dennoch zum Ausgleich kam, hatte man einem Elfmetergeschenk von Schiedsrichter Muckenhammer zu verdanken, der ein handelsübliches leichtes Ziehen als ein strafbares Vergehen interpretierte. WAC-Spielmacher Liendl nahm dieses Geschenk dankend an und stellte auf 1:1. Das Spiel wurde dadurch ausgeglichener, da auch der WAC u.a. mit dem abkippenden Leitgeb und den zurückfallenden Leitgeb den Spielaufbau etwas besser ins Laufen brachte. Die Austria agierte ihrerseits speziell im vorderen Drittel wie gewohnt oft zu fehlerhaft und ungenau in ihrem Spiel und man beschränkte sich ebenfalls meist auf das Spiel über die Flügel. Die etwas gefährlichere Mannschaft blieb dennoch die Austria, die über Monschein und Prokop zweimal beinahe alleine aufs Tor rannten und noch im letzten Moment gestoppt werden konnten. Die Austria schwächte sich allerdings zum wiederholten Male in dieser Frühjahrssaison selbst und Edomwonyi musste nach einem dummen Foul mit der Ampelkarte vom Platz womit man das Spiel in Unterzahl fortsetzte.

Austria rührt Beton an, WAC ohne Lösungen

So mussten die Violetten nun eine knappe Stunde in Unterzahl überstehen, was die Aufgabe natürlich um ein Vielfaches erschwert. Aus den leichten Ballbesitzvorteilen für die Violetten wurde prompt ein klares Übergewicht für den WAC, da sich die Austria zurückzog und die eigene Hälfte versuchte so gut es geht zu verteidigen. Dabei agierte man in einem 5-2-2/5-3-1 System, in dem vor allem die beiden zentralen Mittelfeldspieler viel Laufarbeit verrichten und unaufhörlich zum Ball verschieben mussten. Prokop unterstützte sie dabei und nahm eine Halbrolle ein, denn er musste nach Ballgewinn gleichzeitig auch die einzige Spitze Monschein unterstützen, der sonst auf sich alleine gestellt gewesen wäre. Die Defensivformation der Austria nach dem Ausschluss kann man beim nächsten Bild erkennen:

Die Defensivformation die Austria, die nach dem Platzverweis mit einem 5-3-1/5-2-2 agiert.

Der WAC versuchte es die meiste Zeit über die bevorzugte linke Seite, allerdings hatte die Austria diese auch nach dem Ausschluss meist gut im Griff. Man verschob gut zum Ball und verengte in der Zone weiterhin passend den Raum, weshalb sich die Wolfsberger kaum spielerisch lösen konnten. Der WAC verabsäumte es dabei, die ballfernen Räume anzuvisieren und man versuchte es etwas plump mit dem Kopf durch die Wand, statt die Ketten der Austria in Bewegung zu bringen und dann die offenen Räume zu bespielen. Das führte dann auch dazu, dass man spielerisch kaum ins letzte Drittel bzw. den Strafraum eindrang und die starke Abwehr der Austria vieles rechtzeitig bereinigen konnte. So verwundert es auch nicht, dass man bis auf einen Schmitz-Schuss nach einer Ecke, in 60 Minuten Überzahl aus dem Spiel heraus zu keiner wirklich klaren Torchance kam. Die Austria verteidigte sehr diszipliniert und gut organisiert, ließ über das Zentrum kaum etwas zu und die vielen Flanken wurden auch weiterhin passend geklärt, weshalb man kaum in Bedrängnis gebracht wurde. Nach vorne ging dafür recht wenig, da man meist nur mit zwei Spielern die Angriffe fuhr und damit in klarer Unterzahl, was von Haus aus schon wenig erfolgsversprechend ist. Viel wichtiger war es der Austria, den Punkt zu verteidigen und sich nicht eine weitere Niederlage einzufangen, was den Gästen auch letztlich gelang und es so beim 1:1 blieb.

Fazit

Letztlich mussten sich beide Mannschaften mit dem 1:1 Unentschieden begnügen. Die Austria war dabei bis zum Platzverweis die etwas bessere Mannschaft, da man sich gut auf die Wolfsberger vorbereitete und der Matchplan zu weiten Teilen aufging. Das riskante Manöver, Grünwald in die Abwehr zu ziehen, erwies sich als keine schlechte Idee, da dadurch nicht nur noch mehr Struktur in den Spielaufbau der Violetten kam, sondern der Kapitän der Austria wusste auch in seinen Defensivaktionen zu überzeugen (u.a. 66 % gewonnene Zweikämpfe) und machte eine nahezu fehlerfreie Partie. Dennoch bleibt zu hoffen, dass diese Maßnahme nur dem Notfall geschuldet war, denn die offensiven Qualitäten eines Grünwald benötigt die Austria vor allem im letzten Drittel wie einen bissen Brot, wo man erneut Probleme hatte.

Nach dem dummen Platzverweis von Edomwonyi, wurden die eignen Pläne mal wieder über den Haufen geworfen und man musste sich fortan ausschließlich auf die Defensive konzentrieren, um zumindest den Punkt mitzunehmen. Das gelang auch recht gut, denn aus dem Spiel heraus ließ man de facto keine klare Torchance zu und überzeugte da nicht nur mit viel Laufarbeit, sondern mit einer guten Organisation und einem disziplinierten Abwehrverhalten. Doch auch wenn man vielleicht moralisch einen kleinen Sieg verbuchen konnte, die Situation bleibt weiterhin angespannt und wenn die Austria nicht bald zum Siegen beginnt, wird man sich vorzeitig aus dem Rennen um den Europacup verabschieden müssen.

Auf der anderen Seite zeigte der WAC, dass man nach dem Wegfall von Schmerböck und Orgill viel Qualität verlor und diese bislang nicht adäquat ersetzen konnte. Dadurch lastet die gesamte Last auf den Schultern von Spielmacher Liendl, der allerdings im Alleingang auch keine Bäume ausreißen kann. Dadurch hat der WAC Probleme, die funktionierende Spielanlage aus dem Herbst zu bestätigen und ein effektives Offensivspiel aufzuziehen, da man die Probleme im letzten Drittel nicht kaschieren kann. In diesem Spiel schlug man sage und schreibe 27 (!) Flanken, von denen nur ganze vier Stück ankamen, was symptomatisch für die Offensivleistung ist. Das zeigt dann auch die offensive Limitiertheit der Wolfsberger und ist letztlich eine Frage der Qualität, weshalb man trotz 60-minütiger Überzahl und viel Ballbesitz, letztlich zu fast keinen klaren Torchancen mehr kam und sich mit dem Punkt begnügen musste.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic

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