Der SK Rapid besiegte in der 10.Runde der tipico Bundesliga den SV Mattersburg auswärts mit 1:0 und ist damit bereits seit fünf Ligaspielen ungeschlagen.... Analyse: Rapid gewinnt kurioses Spiel in Mattersburg

Der SK Rapid besiegte in der 10.Runde der tipico Bundesliga den SV Mattersburg auswärts mit 1:0 und ist damit bereits seit fünf Ligaspielen ungeschlagen. Bei den Hütteldorfern kam dabei das Glück des Tüchtigen zurück.

Den Hütteldorfern sah man das gesteigerte Selbstvertrauen auf den ersten Blick an. Die Passsicherheit im Mittelfeld, wie auch in der Abwehr war sehr hoch und auch bei aggressivem Attackieren der Mattersburger fand man immer wieder Lösungen. Allerdings weitgehend ohne zwingend zu werden.

Kuriose erste Halbzeit

Die Partie ist allgemein als kurios zu werten, weil Rapid zwar drei Abseitstore zuließ und das Goldtor durch Stefan Schwab mit dem Arm erzielt wurde, gleichzeitig aber nichts weiteres zuließ. Mattersburg verbuchte am Ende keinen einzigen Schuss aufs Tor und strahlte nur aus unübersichtlichen Situationen nach hohen, weiten Bällen Gefahr aus.

Rapid verteidigt das Zentrum weitgehend gut

Aus derartigen Situationen kann immer etwas passieren, wie Rapid auch beim ersten Saisonduell – dem 2:2 im Westen Wien – auf bittere Art und Weise zur Kenntnis nehmen musste. Doch diesmal verteidigten die Hütteldorfer besser, profitierten bei gegnerischen Angriffen von der großen Kampfkraft des starken Maximilian Hofmann, sowie der vorgelagerten Doppelacht mit Schwab und Ljubicic. Einzig wenn Mattersburg die Außenverteidiger Rapids bespielte, konnte man konstante Raumgewinne schaffen – allerdings ohne in letzter Instanz konkret zu werden.

Starker Linksfokus im Aufbau

In Ballbesitz wies Rapid einen ausgeprägten Linksfokus auf. Die Gründe dafür lagen bereits in der Defensive: Lucas Galvao baute das Spiel halblinks sehr stark auf, hatte am Ende auch die beste Passquote aller Akteure auf dem Platz. Auch vertikale Lösungen waren für den Brasilianer kein Problem. Durch Galvaos hohe Durchschnittsposition wurde auch Linksverteidiger Bolingoli weiter nach vorne gedrückt und band seine Gegner tief.

Berisha als Zuarbeiter für die linke Seite

Eine nicht unwesentliche Rolle auf der linken Seite spielte auch Veton Berisha, der zwar spielerisch nichts zustande brachte und die meisten seiner Zweikämpfe verlor, aber immer wieder für wichtige Überladungen sorgte. Dies schaufelte unter anderem Bolingoli, aber auch den immer wieder pendelnden Schaub frei. Auf der rechten Seite konnte Rapid nie diese Überladungen herstellen und war häufig auf Einzelaktionen von Thomas Murg angewiesen. Und das obwohl Auer eine ähnlich hohe Feldposition hatte wie Bolingoli.

SVM zunächst als „seltener“ tief stehender Gegner

Rapid sah sich allgemein einer Situation gegenüber, mit der man in den letzten Monaten selten konfrontiert war: Der SV Mattersburg stand im Verhältnis zu anderen Gegnern extrem tief, erkannte also richtig, dass Rapid spielerische Linie und Sicherheit zurückerlangte. Zwei Ketten standen dicht gestaffelt und im Zwischenlinienraum spielte Jano den Freigeist. Dennoch fand Rapid Lösungen, setzte sich an den Flügeln immer wieder mit Dynamik durch, bespielte auch die Halbräume gut. In manchen Situationen, etwa bei guten Passversuchen von Ljubicic und Schaub fehlte das Glück und immer wieder ein bisschen Schnelligkeit in der Entscheidungsfindung. Manche Pässe wurden einen Kontakt zu spät gespielt, weshalb sich die jeweilige Situation wieder verengte oder ein Rapid-Spieler ins Abseits gestellt wurde.

Tor geht auf die Kappe der FIFA

Das Tor durch Stefan Schwab war der Knackpunkt der Partie. Plötzlich musste Mattersburg ein wenig aufmachen und Rapid fand mehr Räume vor. Der Kapitän der Hütteldorfer erzielte sein viertes Saisontor mit dem Arm, nachdem er von Jano angeschossen wurde. Somit handelte es sich um einen Treffer, der natürlich nicht hätte zählen dürfen, auch wenn Schwab die Aktion völlig unabsichtlich abschloss. Hier geht’s wohl um eine Grundsatzfrage. Beim Fußball sollte grundsätzlich kein mit der Hand erzielter Treffer zählen – das FIFA-Regulativ ist dennoch schwammig und gab Schiedsrichter Schüttengruber ausreichend Spielraum, um den Treffer doch als solchen zu werten.

Rapid kommt etwas „zu aktiv“ aus der Pause

In weiterer Folge kam Mattersburg etwas besser ins Spiel, wurde aber trotzdem nur durch Hauruck-Aktionen gefährlich. Rapid rettete sich in die Pause und startete die zweite Halbzeit strategisch nicht ideal. Da die Mattersburger am Ball schwere Probleme hatten, hätte man ihnen den Ball für längere Zeitspannen überlassen können. Jano war der einzige Spieler, der spielerische Lösungen suchte und fand, die intensiven Läufe von René Renner waren ebenfalls phasenweise gefährlich. Zu verteidigen war dennoch alles, was die Mattersburger anboten.

Mehr Räume durch Schobesberger-Einwechslung

Die Einwechslung von Schobesberger für den schwachen Kvilitaia nach einer Stunde war schließlich doch die logische Reaktion. Prompt gab Rapid das Konzept des kompakten Blocks auf und zog die Mannschaftsteile weiter auseinander. Dies sollte den nun offensivsten Spielern Schobesberger, Murg und Berisha die Möglichkeit geben, Räume in der Tiefe zu suchen. Es dauerte nicht lange, bis sich genau diese Räume boten, aber wieder mangelte es an der Schnelligkeit in der Entscheidungsfindung.

Um den Strafraum nicht konkret genug

Rapid kombinierte sich teilweise fast zu Tode und versuchte den Ball zu oft ins Tor zu tragen. Dabei waren die Konteransätze der Hütteldorfer gut und immer wieder konnte man – weiterhin zumeist über links – Gegenspieler läuferisch oder spielerisch hinter sich lassen und in Richtung Tor ziehen. Erst als man sich bereits an der Strafraumgrenze befand, wurde das Spiel wieder zu kompliziert. Noch ein Haken, noch eine kurze Verzögerung, noch ein Pass. Rapid trachtete nicht intensiv genug nach konkreten Abschlüssen und so blieben ein Schlenzer von Auer und ein versuchter Heber von Schobesberger die besten Chancen auf die Entscheidung.

Rapid mental im Vorteil – aber es hätte immer was passieren können

Die Burgenländer präsentierten sich bieder, ließen Ideen vermissen, strahlten aber dennoch immer ein wenig Gefahr aus. Ein später Ausgleich aus einem Gestocher hätte niemanden überraschen dürfen. Am Ende hatte Rapid aber das Glück des Tüchtigen und der Verlauf der Partie brachte Rapid einen psychologischen Vorteil. Durch drei (allesamt zurecht) aberkannte Treffer und demgegenüber das irreguläre Tor Rapids wurde Mattersburg auch mental geschwächt. Wie fast immer im Duell dieser beiden Teams gewann der SVM mehr Zweikämpfe (57,7%), aber spielerisch ging einfach nichts zusammen.

Wann knipst ein Stürmer?

Rapid prolongiert seinen angehenden Lauf und konnte wieder etwas Neues beweisen: Auch gegen sehr tief stehende Gegner findet man spielerische Lösungen, kann sich durchkombinieren und auch mit der neu gefundenen Dynamik, speziell über die linke Seite, punkten. Gleichzeitig offenbarte sich aber auch, was Rapid auf dem Weg zu einer Top-Mannschaft fehlt: An vorderster Front ist man eine Mischung aus zahnlos, mutlos, unkonkret und eigensinnig. Speziell die Leistung Kvilitaias sollte zu denken geben. Wenn Djuricin es schafft, in den nächsten Wochen einen seiner Stürmer zum Knipsen zu bringen, dann ist diese Rapid-Mannschaft für jeden Gegner nur sehr schwer zu knacken.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • Teiwaz

    1.Oktober.2017 #1 Author

    Ja, das Tor war irregulär und dürfte nicht zählen. Man muss aber auch sagen, dass Schörgenhofer dieser Linie treu blieb, sonst hätte es Elfer für Rapid geben müssen. So oder so, Rapid hätte mit 99,999%-iger Sicherheit wohl gewonnen.

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