In Hütteldorf ist man noch ein ganzes Stück davon entfernt, mit der Gesamtsituation zufrieden zu sein, aber eines kam in den letzten Wochen in... Analyse: Rapid nützt Admira-Blackouts dank mehr Tiefe im Spiel

In Hütteldorf ist man noch ein ganzes Stück davon entfernt, mit der Gesamtsituation zufrieden zu sein, aber eines kam in den letzten Wochen in die Spiele des SK Rapid zurück: Spektakel.

Nach dem mehr als kuriosen 3:4 gegen Hartberg und der unglücklichen, aber letztendlich verdienten Niederlage im Cup-Finale, rehabilitierte sich Rapid in der Südstadt. Der 4:3-Sieg gegen die Admira war hochverdient, aber nicht ungefährdet. Auf drei Rapid-Tore in nur sechs Minuten folgten nach der Pause drei Treffer der Admira in zehn Minuten. Erst Dibons 4:3 sorgte für die Entscheidung.

Ivan verletzt – Bolingoli rückt nach vorne

Die erste größere Änderung im Spiel – zugleich auch eine entscheidende – fand nach einer knappen halben Stunde statt, als Andrei Ivan verletzt raus musste. Der Rumäne hatte in der Anfangsphase stark gekämpft, verbuchte einen Lattenschuss und man hatte den Eindruck, dass er um einen neuen Vertrag spielt. Seine Verletzung bremste ihn schließlich, macht seine Gesamtsituation nicht einfacher und verhalf seinem Freund Boli Bolingoli zu einer offensiveren Position.

Mehr Tiefe durch offensiveren Bolingoli

Diese Positionsrochade wirkte sich nachhaltig auf das Spiel Rapids aus. Während Ivan eher invers agierte, suchte Bolingoli die Tiefe und den direkten Zug aufs Tor. Das war seiner etatmäßigen Position als Linksverteidiger geschuldet, zumal er das Spiel normalerweise vor sich hat und als Hintermann des Linksaußen vor allem auf seine Spielhöhe, weniger auf die horizontale Staffelung achten muss.

Rapid nützt Admira-Blackouts

Das Resultat war, dass Rapid nicht mehr so statisch agierte bzw. das „klein-klein“-Spiel wegfiel. Rapid wurde zielstrebiger, erwischte die Admira am falschen Fuß und traf dreimal binnen kürzester Zeit. Dabei nützte Rapid aus, dass die Admira wenige Minuten lang ein Blackout nach dem anderen produzierte und es hätte mit einer noch höheren Rapid-Führung in die Pause gehen können.

Badjis erstes großes Ausrufezeichen

Der Senegalese Aliou Badji tat sich besonders hervor. Seinen ersten Treffer erzwang er nach einer Kopfballvorlage von Schwab mit seinem stärkeren rechten Fuß, sein zweites Tor erzielte er ohne lange zu fackeln mit dem schwächeren linken Fuß, ohne sich den Ball vorher herzurichten. Auch bei einem Gestocher in der zweiten Halbzeit behielt er den Überblick und servierte Dibon seinen Siegtreffer.

Chancenmaschine

Allgemein ist festzuhalten, dass Rapid mit Badji einen Volltreffer gelandet haben dürfte. Im Zuge seiner ersten Partien für die Hütteldorfer wirkte er zwar da und dort staksig und zeitweise zu unstrukturiert im Spiel mit dem Ball, aber der 21-Jährige zeigte in den allermeisten Partien eine Qualität, die ihn von allen anderen Rapid-Stürmern abhebt: Er kommt regelmäßig zu Chancen.

Irgendwann fängt er an zu treffen…

Das ist nicht einfach seinen Mitspielern geschuldet; Badji selbst hat den Riecher, wo er stehen muss und welche – oft unauffälligen – Wege er gehen muss, um am Ende zum Abschluss zu kommen. Erinnert man sich an das Spiel in Innsbruck zurück, bei dem Badji drei, vier, vielleicht fünf Tore erzielen hätte können und vergleicht exakt einen Monat danach seine Sicherheit in der Südstadt, sieht man, dass etwas weitergeht. Sobald Badji beginnt, seine Chancen in einer höheren Regelmäßigkeit reinzuhauen, wird Rapid sehr viel Freude mit ihm haben.

Strebingers Formloch

Problematischer ist jedoch das Defensivverhalten der Grün-Weißen. In den letzten fünf Pflichtspielen kassierte Rapid 13 Gegentore, davon 11 in Ligaspielen gegen die vermeintlichen Abstiegskandidaten. Speziell die Form des im Herbst bärenstarken Richard Strebinger bereitet Rapid derzeit Sorgen. Nach einigen Fehlgriffen braucht der 26-Jährige wieder ein Erfolgserlebnis, um die Spur zu kommen. Immerhin war seine letzte Aktion ein gut parierter Schmidt-Kopfball, der Rapid die drei Punkte sicherte.

Mehrere Probleme bei Defensivstandards

Strebinger ist aber natürlich nicht der einzige Grund für die vielen Gegentore. Allgemein ist das Verhalten Rapids bei Defensivstandards derzeit mangelhaft. Die Zuteilungen passen zu häufig nicht, offensive Entlastung ist kaum gegeben und nach Ballgewinnen schwärmen die Hütteldorfer zu langsam aus, weshalb man häufig via Ausschuss den langen Ball sucht, der aber praktisch nie von Erfolg gekrönt ist und dem Gegner eine neuerliche Balleroberung recht einfach macht. Hier braucht Rapid in den nächsten Wochen mehr Struktur – immerhin ist man mittlerweile bei Offensivstandards wieder brandgefährlich, aber mehr Ausgewogenheit in Bezug auf defensive Standards wäre wünschenswert.

Das Rechnen beginnt

Mit dem Sieg in der Südstadt hat Rapid nun alle Trümpfe in der Hand. Theoretisch und mit entsprechender Schützenhilfe könnte man schon am kommenden Wochenende den Sieg in der „Qualifikationsgruppe“ fixieren, was zur Folge hätte, dass Rapid in den letzten beiden Partien gegen Mattersburg und Altach rotieren und Leistungsträger schonen könnte, bevor es im Playoff ans Eingemachte geht. Falls Rapid dann den Achten schlagen und ins Europa-League-Playoff gegen den Fünften kommen würde, ist ein Derby nicht unwahrscheinlich. Die Austria muss sich im Meisterplayoff aber noch ordentlich abrackern, um den fünften Platz zu halten…

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen