Mit einem ungefährdeten 2:0-Sieg bei der WSG Tirol wendet Rapid eine wahre Horrorwoche ab. Zuvor hatte man in Arnheim eine der schwächsten Europacupdarbietungen der... Analyse: Rapid wendet mit Pflichtsieg eine Horrorwoche ab

Mit einem ungefährdeten 2:0-Sieg bei der WSG Tirol wendet Rapid eine wahre Horrorwoche ab. Zuvor hatte man in Arnheim eine der schwächsten Europacupdarbietungen der letzten zehn Jahre auf den Platz gebracht.

Die Reise in die Niederlande verlief für Rapid in jederlei Hinsicht gebraucht. Bereits die Nacht vor dem Spiel war für die Rapid-Spieler keine ruhige. Einige Vitesse-Fans hatten das Mannschaftshotel der Grün-Weißen mit diversen Knallfröschen und Feuerwerkskörpern aufgesucht, um den Wienern den Schlaf zu rauben. Die Polizei schien dies aber erwartet zu haben und nahm einige Fans fest.

Mit der Polizei hatten auch die meisten Rapid-Fans am Tag darauf zu tun. In der Innenstadt von Arnheim kam es zu Tumulten, tief fliegenden Gläsern und einer niederländischen Polizei, teilweise beritten, die keinen Spaß verstand. Nicht nur die wenigen, die an den Ausschreitungen beteiligt waren, sondern alle Rapid-Fans mussten von hier weg praktisch vor der Polizei fliehen, die mit Schildern unterwegs war und mit Knüppeln auf alles einschlug, was sich (nicht schnell genug) bewegte. Und wenn es sich dabei um Frauen handelte, war es den PolizistInnen auch ziemlich egal…

Diese Unverhältnismäßigkeit ist nichts Neues, wenn es um die niederländische Polizei geht, deren Humorpegel gerade bei Fußballanhängern recht niedrig angesiedelt ist. Das haben die Gesetzeshüter mit ihren Nachbarn in Belgien und einigen Ländern Südeuropas gemein. Für viele Fans, die nur das Spiel sehen wollten, war aber bereits der Weg zum Stadion stressig. Auch wegen eines „Kessels“, der vor der Abfahrt in einer Unterführung entstand und in dem einige Rapid-Fans ausharren mussten. Fast ein kleines Déjà-vu, aber nach einer Dreiviertelstunde ging’s dann doch in Bussen zum GelreDom. Zumindest für die meisten: Einige Fans wurden kurzzeitig inhaftiert, einige verletzt. Angesichts der Geschehnisse beides unnötig, denn hier wäre rechtzeitige Deeskalation kein außerordentliches Problem gewesen.

Im Stadion angekommen war der Rapid-Fanblock also schon ein wenig aufgeheizt, die Stimmung passte allerdings im Großen und Ganzen. In der windigen Kälte von Arnheim war im Grunde alles angerichtet für den Aufstieg ins Achtelfinale der UEFA Europa Conference League. Selten zuvor bei einem Europacup-Auswärtsspiel war der Optimismus unter den Fans so groß, speziell wegen der starken ersten halben Stunde im Heimspiel.

Doch schon nach knapp 150 Sekunden hatten die Rapid-Spieler (schon wieder) die Hosen voll und konnten sich nach Grbic’ 0:1 nicht mehr selbst aus ihrer Bredouille herausziehen. Vitesse spielte sich nahezu in einen Rausch, präsentierte sich spielfreudig und nutzte die extreme Verunsicherung der Hütteldorfer eiskalt aus. Eine Chance für Robert Ljubicic auf das 1:1 war nicht nur die einzige echte Torchance, sondern auch die einzige zu Ende gespielte Aktion der Grün-Weißen. Das 0:2 durch Bero machte Rapid wieder zum Jäger, statt zum Gejagten.

Und auch wenn die Rolle eines Jägers eigentlich der „neuen Philosophie“ entsprechen sollte, kommt Rapid derzeit mit dieser Aufgabe schlichtweg nicht zurecht. Sah man in den ersten Spielen unter Feldhofer noch die Bereitschaft hoch zu pressen, intensiv anzulaufen, stets in Bewegung zu sein, so verfallen die üblichen Verdächtigen bei Rapid nun wieder in den Relaxment-Modus. Bei manchen Spielern hat man den Eindruck, dass ihnen die Anforderungen, die Feldhofer an sie stellt, zu anstrengend sind. Dass man es prinzipiell könnte, zeigte man unter Feldhofer bereits in Ansätzen, aber schon nach wenigen Spielen fällt man in alte, passive Muster zurück. Mangelnde Frische darf keine Ausrede für die Spieler sein.

Um Feldhofers Spielidee durchzuziehen und damit ein „Rapid-Spiel“ zu etablieren, fehlen Rapid die Spieler. Der Offenbarungseid in Arnheim zeigte alle Schwächen auf, sowohl kämpferisch, als auch läuferisch, aber auch spielerisch und vor allem wieder mental. Personell fehlt es bei Rapid nahezu an allem. Es fehlen Zweikampfmonster, Zweite-Bälle-Jäger, Aufbaukoryphäen, Leader – speziell wenn mit Hofmann und Stojkovic die einzigen Führungsfiguren ausfallen. Dass man mit Kara und Ullmann zwei Stammspieler abgab und mit Fountas ein weiterer erneut krank (?) war und voraussichtlich keine Partie mehr für Rapid bestreiten wird, machte die Sache nicht einfacher. Zentrale Ausfälle gab es zwar nur drei – aber mit den Abgewanderten und „dem noch Abwandernden“ war der Qualitätsunterschied zum möglichen Best Case schlicht zu hoch.

Relativ ungezwungene Umstellungen durch Ferdinand Feldhofer machten am Donnerstag die Sache nicht einfacher. Die Umstellung auf die Dreierkette verkomplizierte mehr als sie brachte, öffnete Schnittstellen, die sonst zuletzt eher sicher zugestellt waren. Speziell auf der linken Abwehrseite der Wiener. Von der Bank konnte der Rapid-Coach einmal mehr nicht viel nachlegen und so war Rapid mit dem 0:2 am Ende sogar gut bedient.

Glücklicherweise folgte ein Auswärtsspiel gegen einen „Lieblingsgegner“. Am Tivoli gegen die WSG Tirol sah Rapid in der Vergangenheit zumeist gut aus und die Wattener sind ihrerseits selbst schwerst verunsichert und starteten enttäuschend ins Frühjahr. Ab Freitag kaserniert in einem ruhigen Hotel in Tirol bereitete sich Rapid auf eines von zwei Endspielen vor. Hätte man am Tivoli nicht gewonnen, wäre das Meisterplayoff wohl bereits dahin gewesen.

Aber Rapid raffte sich auf und begann in Tirol wieder so, wie man es unter Feldhofer in Ansätzen bereits sah. Der junge Bernhard Zimmermann gab sehr beherzt die erste Pressinginstanz, Ferdy Druijf spielte tiefer, wohl auch um mehr Physis im Zehnerraum zu bekommen. Zudem sorgten auch Grüll und Arase mit ihren nach innen stechenden Pressingbewegungen für Unruhe im Wattener Spielaufbau und Robert Ljubicic, im Frühjahr bisher der beste Rapidler, konnte mit gezielten, cleveren Bewegungen aus dem Achterraum in die Spitze zahlreiche Bälle absammeln.

Gute 25 Minuten reichten Rapid schließlich, um einen zunächst dominanten und läuferisch-kämpferisch beherzten, später schlichtweg staubigen Sieg einzufahren. Die Pflicht wurde erfüllt, auch wenn die WSG Tirol vor allem in der Defensive und im Spielaufbau kaum das Rüstzeug hatte, um den Wienern gefährlich zu werden. Wenn Rapid sich auf einen dominanten, aktiven Matchplan besinnt und die WSG mit sich selbst hadert, ist dies eine der wenigen Partien, in denen man noch einen Klassenunterschied zwischen Rapid und einem Bundesliga-Gegner ausmachen kann.

Das ist nämlich zumeist gegen Teams wie den Wolfsberger AC oder auch gegen Hartberg und die eigentlich krisengeschüttelte, aber sportlich strukturiert arbeitende Austria nicht der Fall. Auch das bevorstehende Endspiel um die Meistergruppe gegen den SK Austria Klagenfurt wird gegen die hart arbeitenden Pacult-Burschen kein Selbstläufer werden. Gut ist aber, dass womöglich sogar ein Unentschieden für die Top-6 reichen wird. Dafür braucht es zwar Schützenhilfe anderer Teams, die aber durchaus realistisch erscheint.

Auch wenn das Überwintern im Europacup als schöner Erfolg zu werten ist, ist aber auch klar, dass die Darbietung in Arnheim erneut nach einem klar strukturierten Umbruch auf dem Spielersektor schreit. Zahlreiche Verträge laufen aus, zu einer klaren Spielidee unter Feldhofer hat sich Rapid grundsätzlich bekannt. Wohin die Reise im Sommer gehen soll, dürfte also allseits bekannt sein. Nun geht es an die Umsetzung – besser früher als wieder einmal zu spät und zu dünn, wie es etwa im Winter der Fall war.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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