Am siebten Spieltag der Meistergruppe, kam es in Wien zum Topspiel zwischen der Wiener Austria und dem frischgebackenen Pokalsieger Red Bull Salzburg. Die... Analyse: Salzburg krönt sich gegen die Austria zum Meister

 

Am siebten Spieltag der Meistergruppe, kam es in Wien zum Topspiel zwischen der Wiener Austria und dem frischgebackenen Pokalsieger Red Bull Salzburg. Die violetten Gastgeber wollten dabei die Gunst der Stunde nutzen und spekulierten auf einen müden Gegner, weshalb man sich einen Punktegewinn ausrechnete, der im Hinblick auf die Qualifikation für den Europacup sehr wichtig wäre. Auf der anderen Seite, reisten die Bullen mit einem Titelgewinn im Gepäck in die Hauptstadt und hatten die Chance, diese Woche zu vergolden und die Meisterschaft in Wien zu feiern.

Salzburger Rotationsmaschine hemmt eigenes Spiel

Der Trainer der Salzburger, Marco Rose, entschied sich für dieses Spiel im großen Stil zu rotieren und so wechselte man die halbe Mannschaft aus, um frische Kräfte für dieses Spiel zu bringen. Das System behielt man dabei bei und lief im rautenförmigen 4-3-1-2 auf. Bei der Austria gab es dagegen wesentlich weniger Änderungen. Einzig der formstarke Angreifer Turgeman musste verletzungsbedingt passen und wurde durch Sax ersetzt, während Prokop für Matic in das Team rückte. Die Gastgeber behielten ebenfalls ihr gewohntes 5-2-3/3-4-3 bei, natürlich gepaart mit einigen gegnerspezifischen Anpassungen.

Im Hinspiel zeigte die Austria über weite Strecken bereits eine sehr ordentliche Leistung gegen den Liga-Krösus, wo man sich einen guten Matchplan zurechtlegte. Auch in diesem Spiel hatte man sich klarerweise etwas ausgedacht, um u.a. bereits den Spielaufbau des Gegners einzudämmen. So verteidigte man aus einem klaren 5-2-3, wobei die beiden Flügelverteidiger situativ nach vorne rückten, um die gegnerischen Außenverteidiger anzulaufen. Die Schlüsselrolle nahmen dabei die drei Angreifer ein, die einen gewissen Plan verfolgten und unterschiedliche Schwerpunkte mitbekamen. Mittelstürmer Monschein sollte ausschließlich den Sechserraum versperren und diesen abdecken, während sich die beiden Flügelstürmer um die Innenverteidiger kümmern mussten. Prokop etwa sollte im Bogen Gegenspieler Ramalho anlaufen und dadurch den Passweg auf Rechtsverteidiger Lainer abschneiden, damit Ramalho nach innen und weg von der rechten Seite gedrängt wird. Der andere Flügelstürmer Sax sollte dagegen sich um Vallci kümmern und ihm die vertikalen Passwege abschneiden und ihn ebenfalls auf den Flügel oder zum Zurückspielen drängen. So entstand dadurch in der vordersten Reihe eine 2-1 Staffelung, in der Monschein etwas tiefer zurückblieb, während die beiden Flügeltürmer nach vorne auf die beiden Innenverteidiger rückten.

Der Matchplan der Austria sah es also durch die Blume vor, das Spiel der Salzburger auf den linken Flügel zu leiten, wo mit Todorovic ein nomineller Rechtsverteidiger aufgeboten wurde. Sobald Todorovic an den Ball kam, rückte der violette Flügelverteidiger Klein nach vorne und wurde von Halbverteidiger Madl abgesichert, wodurch der Mechanismus der pendelnden Viererkette ausgeführt wurde.

Die Salzburger hatten in der Anfangsphase mit dieser Herangehensweise der Austria so ihre Probleme. Nach und nach fand man aber Lösungen dagegen und griff zu Ablagen über die beiden Achter auf Sechser Bernede, der trotz der Bewachung von Monschein sehr aktiv ins Spiel involviert war und sich immer wieder durch sein kluges Bewegungsspiel freischieben konnte. Das Problem war also nicht der Spielaufbau der Gäste, sondern weiter vorne zu finden. Es fehlte im letzten Drittel bei den Bullen oft an Genauigkeit und Klarheit, weshalb man meist an der dichtgestaffelten Abwehr der Austria hängen blieb. Aber auch die Defensive der Violetten agierte äußerst umsichtig, denn man stach immer wieder aus den Positionen heraus und wenn z.B. ein Halbverteidiger auf den Flügel herausrückte, nahm Kapitän Grünwald die Position in der Verteidigung ein und füllte damit die eigene letzte Linie auf, um die Stabilität zu erhöhen. Aber auch die Flügelverteidiger rückten immer wieder ins Zentrum ein und sollten damit das Feld kompakt und eng halten, wodurch man den Druck auf den Ball erhöhen konnte. Erschwerend hinzu kam es für Salzburg, dass man sich einerseits leichtfertige Ballverluste leistete, andererseits nicht immer Zugriff über das eigene dominante Gegenpressing auf den Gegner herstellte.

Das führte dazu, dass die Austria immer wieder zu guten Ballgewinnen kam und sich aus der Umklammerung der Salzburger mehrmals befreien konnte, wodurch die violetten Gastgeber zu einigen gefährlichen Situationen und den klar besseren Tormöglichkeiten kamen. Speziell die drei Stürmer der Austria, bewegten sich immer klug zwischen den Linien und hatten mit ihrer hohen Direktheit durchaus Erfolg in ihren Angriffsbemühungen nach den Ballgewinnen, was durchaus als bemerkenswert zu betrachten war, da man meist in klarer Unterzahl agierte und dennoch die Situationen auflösen konnte. Man merkte den Bullen sichtlich die „Uneingespieltheit“ an und die Abläufe saßen nicht blind, wie man es ansonsten von Salzburg gewohnt ist. Das führte dazu, dass die Austria die Angriffsbemühungen mit einer disziplinierten Defensivarbeit abwürgen konnte und selber immer wieder durch gefährliche Umschaltaktionen gefährlich wurde. Salzburg vermochte es sogar erstmals in dieser Saison nicht, in der ersten Halbzeit einen einzigen Schuss auf den gegnerischen Kasten anzubringen, was Bände spricht.

Salzburg stellt um und wird besser

Nach der Halbzeitpause musste der Trainer der Gäste auf die schlechte Performance seiner Mannschaft klarerweise reagieren. Und man nahm auch einige Anpassungen vor, mit denen man das eigene Spiel in Schwung brachte. Einerseits betraf dies die Rolle von Rechtsverteidiger Lainer, der seine Positionierung etwas tiefer auslegte und damit nicht nur das Anlaufen von Prokop aushebeln, sondern mit dem Ball dann darüber hinaus über die Flügelzone nach vorne stoßen sollte. In weiterer Folge kam dann die nächste Anpassung zum Tragen, nämlich welche Zone man bespielen wollte. Rose wies seine beiden Stürmer nämlich an, sehr breit in ihrer Positionierung zu agieren und in der Schnittstelle zwischen den Halb- und Flügelverteidiger zu verweilen – womit sie mehr als Flügelstürmer, statt wie gewohnt als Mittelstürmer agierten. Mit diesem Schachzug wollte man nämlich das Zentrum für Zehner Minamino freiblocken und öffnen, indem man die Verteidiger am Herausschieben hinderte und sie in der Abwehr band.

Diese Anpassung fruchtete auch prompt, denn Minamino bewegte sich nicht nur klug im Rücken der beiden Sechser der Austria und konnte nicht mehr so gut verteidigt werden, da ihn keiner so richtig markieren konnte. Dadurch konnte speziell Lainer aus seiner tiefen Position nach vorne gehen und den Japaner dann mit diagonalen Zuspielen bedienen, womit man wesentlich sauberer und flüssiger in das Angriffsdrittel kam. Doch das blieb nicht die einzige Anpassung, denn auch das Gegenpressing wurde zum Leben erweckt und plötzlich sah man das gewohnte dominante Balljagen der Bullen, die nach Ballverlust sofort mit mehreren Spielern den Gegenspieler umzingelten und so einen unheimlich hohen Druck auf den ballführenden Gegenspieler aufbauen konnten. Man kam auch zu zwei gefährlichen Situationen in der Offensive, die man jedoch nicht verwerten konnte. So entschied sich der Trainer der Gäste, den eigenen Topstürmer ins Spiel zu bringen und damit ein Signal an alle zu senden, dass man dieses Spiel unbedingt gewinnen möchte.

Schlechte Entscheidungen sabotieren das Spiel der Austria

Und was war mit der Austria? Von den violetten Gastgebern war plötzlich wenig bis gar nix mehr zu sehen. Vom gefährlichen Umschaltspiel aus dem ersten Durchgang blieb nicht mehr viel übrig und man konnte sich aus der Umklammerung und Gegenpressing der Gäste kaum einmal befreien. Immerhin funktionierte zumindest die Strafraumverteidigung, wodurch man nur selten in Bedrängnis kam.  Dennoch ging man mit dem ersten Schuss im zweiten Durchgang in Führung. Torhüter Stankovic faustete einen Eckball heraus direkt auf Prokop, der volles Risiko nahm und den Ball mit einem Sonntagsschuss zum umjubelten 1:0 in den Winkel schweißte. Die drei Punkte schienen für die violetten zum Greifen nahe und eigentlich sollte nun noch einmal der Fokus geschärft und von der Trainerbank Anpassungen vorgenommen werden, um die Defensive auf den Sturmlauf der Gäste vorzubereiten und zusätzlich zu stabilisieren. Die Reaktion von Austria-Trainer Ibertsberger? Es gab schlicht keine.

So etwa im Vorfeld des 1:1, als die Austria eigentlich einen eigenen Eckball ausführte. Die Violetten verzichteten darauf, die eigene Hälfte mit einem zusätzlichen Verteidiger abzusichern und behielt nur zwei Spieler hinten.  So wurde man dann nach einem eigenen Eckball über Umwegen ausgekontert, da man mehrere Zweikämpfe verlor und in der Rückwärtsbewegung und Hektik keine Ordnung zustande brachte, weshalb Schlager den Ausgleich erzielen konnte. Viel gravierender war allerdings die Tatsache, dass der Austria-Trainer keinen Austausch im defensiven Mittelfeld vornahm, obwohl die beiden Sechser Grünwald und Demaku mit einer gelben Karte vorbelastet waren und in den Zweikämpfen wesentlich vorsichtiger zu Werke gehen mussten – wobei letzterem auch sichtlich allmählich die Kräfte ausgingen.

Diese Versäumnisse im In-game Coaching sollten für die Austria verheerende Folgen haben und im 1:2 münden, wie man das anhand des nächsten Bildes gut erkennen kann:

Szene im Vorfeld des 1:2, Demaku hätte hier die Möglichkeit gehabt, Wolf am aufdrehen und Tempo aufnehmen zu hindern und notfalls ein Foul zu begehen, muss sich jedoch aufgrund seiner gelben Karte zurückhalten, da er sonst vom Platz geflogen wäre, Auch der herausrückende Igor kann nicht voll in den Zweikampf gehen, da er ebenfalls mit gelb vorbelastet war. So kann Wolf in Richtung Strafraum ziehen und mit seinem abgefälschten Schuss den 2:1-Siegestreffer erzielen.

Damit drehte Salzburg die Partie in den letzten Minuten der Partie und krönte sich schlussendlich doch noch zum österreichischen Meister.

Fazit

Für die Austria war diese Niederlage zweifellos in die Kategorie „äußerst bitter“ einzustufen, da man vor allem im ersten Durchgang eine gute Leistung abrief. Man stand nicht nur in der Defensive gut und konnte die Angriffsbemühungen der Gäste abwürgen, sondern man setzte selber immer wieder Nadelstiche nach vorne und erspielte sich so einige Chancen, die man mit etwas mehr Genauigkeit auch in einen Treffer hätte ummünzen können. Im zweiten Durchgang fiel man dann deutlich zurück, konnte kaum mehr für Entlastung im eigenen Spiel sorgen und war ausschließlich in der Defensive beschäftigt. Dennoch ging man dank eines Traumtreffers von Prokop in Führung und schien die drei Punkte einsacken zu können. Doch letztlich kosteten falsche Entscheidungen von der Trainerbank den Veilchen zumindest den Punktegewinn, so harsch muss man das Ausdrücken. Da wirte sich die mangelnde Routine von Robert Ibertsberger aus, der schon im letzten Heimspiel gegen den SKN dahingehend keine gute Figur machte und auch da schwerwiegende Fehler beging. Es ist dahingehend ärgerlich, da die Arbeit von Ibertsberger ansonsten schwer in Ordnung ist und es ihm gelang, das Auftreten der Mannschaft deutlich zu stabilisieren, auch wenn es sich nicht in den Ergebnissen widerspiegelte.

Auf der anderen Seite krönte sich Salzburg verdientermaßen erneut zum österreichischen Meister. Über die gesamte Saison war man die klar beste Mannschaft und spielte auf einem Niveau, was man in der Vergangenheit nur selten von einer Mannschaft zu sehen bekam. Auch in diesem Spiel zeigte man nicht nur die individuelle Klasse, die man mit den Einwechslungen nachliefern konnte, sondern auch die eigene Anpassungsfähigkeit und guten Entscheidungen des Trainerteams, die auf die Gegebenheiten sofort reagieren können, ehe es die Spieler dann in die Tat umsetzen. So ist der Sieg letztlich zwar aufgrund der abgefälschten Treffer etwas glücklich, kam allerdings wegen des dominanten Auftretens im zweiten Durchgang nicht überraschend.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic