In der 17. Runde der österreichischen Bundesliga und der einzigen englischen Woche in dieser Saison gastierte die Wiener Austria beim Tabellenschlusslicht aus St. Pölten.... Analyse: St. Pölten schlägt müdes Rumpfteam der Austria


In der 17. Runde der österreichischen Bundesliga und der einzigen englischen Woche in dieser Saison gastierte die Wiener Austria beim Tabellenschlusslicht aus St. Pölten. Dabei wollten die Violetten nach dem späten Befreiungsschlag gegen den WAC und dem Ende der Negativserie nun nachlegen und das zweite Spiel hintereinander gewinnen. Leicht wurde dieses Unterfangen nicht, denn der personelle Aderlass speziell in der Defensive war zum wiederholten Male riesig und alle vier Innenverteidiger fielen aus. Der SKN St. Pölten hingegen wartete bereits seit der vergangenen Saison auf einen Sieg und hechelte dem Rest der Liga punktemäßig nur hinterher. Zwar konnte der neue Trainer Lederer die Leistung seiner Mannschaft stabilisieren und vor allem das spielerische Auftreten verbessern, jedoch spiegelte sich dies kaum in den Ergebnissen wieder. Letztlich sollte in einem taktisch interessantem Spiel zwischen zwei Trainern, die beide zu den Verfechtern des Positionsspieles gehören,  der Befreiungsschlag und die Erlösung für den SKN  tatsächlich gelingen und die Durststrecke an diesem Abend enden.

Austria muss notgedrungen ohne Innenverteidiger und Sechser auflaufen

Die personelle Lage bei der Wiener Austria ist nun seit mehreren Wochen höchst prekär und nimmt partout kein Ende, weshalb es innerhalb der Mannschaft ständig Umstellungen gibt, so auch in diesem Spiel. Da nun auch noch Kadiri und Holzhauser gesperrt ausfielen, vergrößerten sich nochmal die Sorgen von Trainer Fink und dieser musste alleine in der Defensive  nun sechs Abwehrspieler vorgeben und noch dazu mit (Ersatz-Ersatz) Kapitän Holzhauser auch noch eine der letzten verbliebenen Stützen der Mannschaft. So musste gegen St.Pölten mit Innenverteidiger Marco Stark nun ein neues Gesicht aus dem Hut gezaubert werden, der im Sommer eigentlich nur für die Amateurmannschaft in der Regionalliga verpflichtet wurde und nun aus der Not heraus sein Bundesliga-Startelfdebüt feiern durfte. Darüber hinaus musste der Sechser Serbest erneut in der Innenverteidigung aushelfen, da auch Innenverteidiger Borkovic nicht rechtzeitig fit wurde.

Gebraucht hätte man Serbest aber auch im Mittelfeld, da nun kein defensiver Mittelfeldspieler mehr verfügbar war, wobei man ja nur zwei davon überhaupt im Kader hat. Kooperationsspieler und Sechser Cancola, der nach Wiener Neustadt verliehen wurde, konnte ebenfalls nicht zurückgeholt werden, da er sich seine fünfte gelbe Karte im vergangenen Spiel holte und nun eine Sperre absitzen muss. Aus diesem Grund veränderte Trainer Fink die Anordnung seiner Mannschaft etwas und stellte auf ein 4-2-3-1 um, wobei Alhassan und De Paula die Rollen als defensive Mittelfeldspieler übernehmen sollten. Nicht nur die Anordnung der Wiener wurde verändert, Trainer Fink wählte durch die zahlreichen Ausfälle auch eine andere Spielanlage und wollte mehr aus der Defensive heraus auf das Umschaltspiel nach vorne setzen.

Man verzichtete zunächst auf ein höheres Pressing, formierte sich tiefer in der eigenen Hälfte und überließ den St. Pöltnern auch mal den Ball, um dann auf Ballgewinne zu lauern und im Anschluss schnell nach vorne zu kommen. Man versuchte dabei die defensive Zuordnung etwas umzustellen und griff statt der üblichen Raumorientierung öfter auf Manndeckung zurück, wobei speziell die Mittelfeldspieler ihre Gegenspieler verfolgen und sich an ihnen orientieren sollten. So destruktiv wollte man dann aber auch nicht sein, weshalb man dennoch versuchte auch bei Ballbesitz nicht nur schnell nach vorne zu kommen, sondern den Ball auch in den eigenen Reihen zu halten und auch mal das Tempo herauszunehmen. So übernahm Alhassan quasi Eins zu Eins die Rolle von Holzhauser und kippte immer wieder nach hinten ab, während sich De Paula etwas höher bewegte. Salamon sollte das Fehlen von Holzhauser ebenfalls kompensieren, indem er noch öfter ins Zentrum einrückte und dort als Anspielstation fungieren sollte, während Gluhakovic wie gewohnt sehr breit und hoch stand.. Jedoch sollte sich der Ausfall von Holzhauser als zu gravierend darstellen und vor allem der Spielaufbau darunter leiden, wobei Gegner St. Pölten dabei auch eine große Rolle spielen sollte. Vorne übernahm Prokop die Rolle auf der Zehn, wobei er viel auf die Seiten ausweichen sollte, um die Flügelspieler Tajouri und Pires zu unterstützen und Dreiecke zu bilden.

Mutige St. Pöltner mit gepflegtem Spiel und einem speziellen Pressingkonzept

Die Gastgeber aus der niederösterreichischen Landeshauptstadt hatten sich mit ihrem akribischen Trainer Lederer natürlich einen guten Matchplan zurechtgelegt und damit die eigene Mannschaft entsprechend auf den Gegner eingestellt. Man agierte dabei aus einer 4-1-4-1 Grundformation heraus und setzte dabei einige Schwerpunkte im eigenen Spiel. Als Underdog war dabei natürlich zunächst einmal die defensive Stabilität im Vordergrund, ohne die man auch gegen eine angeschlagene Austria nicht bestehen kann. Dabei agierte man sehr flexibel und wechselte immer wieder zwischen intensiveren Pressingphasen, in denen man den Gegner höher attackierte und versuchte unter Druck zu setzen. Allerdings zog man sich auch mal etwas zurück und formierte sich in der eigenen Hälfte, um dann auf Umschaltaktionen zu lauern.

Für das Angriffspressing hatte man sich dabei etwas ganz besonderes ausgedacht und einen speziellen Pressingauslöser gewählt. Das Ziel war dabei der Debütant bei der Austria, nämlich Marco Stark. Wenn die Gäste den Ball hinten zirkulieren ließen, sah man sich das zunächst etwas entspannter an und ließ sich tiefer (um den Mittelkreis herum) fallen. Sobald jedoch Innenverteidiger Stark angespielt wurde, reagierte Achter und Kapitän Hofbauer sofort, startete im Vollsprint und attackierte den Gegner, um diesen entweder zu einem Fehler oder zumindest zum unkontrollierten langen Ball zu zwingen. Dies kann man beim nächsten Bild gut nachvollziehen:

Alhassan spielt auf Stark, Hofbauer spekuliert bereits auf den Pass zu Stark und läuft diesen im Sprint an, um ihn unter Druck zu setzen.

Wenn Stark auf die Seite spielte, rückte auch der Rest der Offensive mit nach und versuchte den langen Ball zu forcieren. Dieses Konzept schien auch gut durchdacht zu sein, da die Austria im Aufbau sehr breit bzw. gestreckt mit der Formation steht und oft Probleme hat sich schnell wieder zu formieren, sobald man den langen Ball spielt und dieser vorne nicht gesichert werden kann.

Wenn sich die Austria dennoch mal durchspielen konnte, zogen sich die St. Pöltner zu einem 4-1-4-1 Block in die eigene Hälfte zurück und versuchten da die Räume zu verschließen. Dabei wurde das Augenmerk darauf gelegt den Raum zu verteidigen, eine gute Staffelung aufrechtzuerhalten und die Abstände zwischen den Mitspielern eng zu halten. Ab und zu wurde daraus auch ein 5-4-1, da die Flügelspieler der Wölfe die Außenverteidiger der Austria verfolgten und damit nach hinten gezogen wurden. Auch in tieferen Zonen hatte sich Trainer Lederer etwas überlegt. Vor allem die linke Seite der Austria wurde massiv überladen und mit vier bis fünf Spielern zugestellt, damit vor allem Flügelspieler Pires nicht aufdrehen und Tempo aufnehmen konnte. Nicht nur das, auch die letzte (Abwehr)Linie der Gastgeber rückte immer wieder mutig nach vorne und stand sehr hoch, da man auch nicht zu befürchten hatte, durch die gefährlichen langen Bälle von Holzhauser ausgehebelt zu werden. Das ermöglichte eine sehr hohe Kompaktheit und enge Abstände, wodurch man einen guten Zugriff auf den Gegner hatte und dieser vor allem im Zwischenlinienraum wenig Platz vorfand. Es gab auch weitere Kniffe wie zum Beispiel Deckungsschatten, die von den beiden Achtern immer wieder genutzt wurden, um den Raum hinter sich zu verstellen und Gegenspieler zuzudecken.

Im Ballbesitz lautete bei den Gastgebern die Devise – Fußball spielen! Gemeinhin versuchen Mannschaften, die gegen den Abstieg spielen, sich nur auf das Spiel ohne Ball zu fokussieren und das Spiel mit dem Ball zu vernachlässigen. Der SKN unter Trainer Lederer verfolgt hingegen eine andere Philosophie. Es wird ständig versucht, spielerische Lösungen zu finden und hohe Bälle so gut es geht zu vermeiden. Dabei spielt das Zentrum der Niederösterreicher die größte Rolle bei diesem Vorhaben und ihm kommt wie so oft im Fußball entscheidende Bedeutung zu. Die drei zentralen Mittelfeldspieler Rasner, Ambichl und Hofbauer wechseln sich immer wieder ab und lassen sich fallen, wobei man meist zu zweit versucht Kontakt zu den Innenverteidigern zu halten, während der dritte Spieler im Zentrum etwas höher steht und  oft den Halbraum besetzt. Dies kann man beim folgenden Bild gut sehen:

Hofbauer und Rasner halten Kontakt zu den aufbauenden Verteidigern und laufen sich frei, während Ambichl (links oben) den Halbraum besetzt und auf Zuspiele lauert.

Die Prinzipien des Positionsspiels nehmen bei Trainer Lederer eine große Rolle ein und diese sieht man auch bereits im Spiel der Niederösterreicher. Wie man bei dem Bild zum Teil gut sieht, ist jede Zone auf dem Spielfeld besetzt. In diesem Rahmen bewegen sich auch die Spieler flexibel und versuchen den Ball in den eigenen Reihen zirkulieren zu lassen. Dabei rückt man mutig weit auf und scheut sich auch nicht bei Ballverlusten möglicherweise offen zu stehen, da man durch ein gutes Positionsspiel auch gleich in der Lage ist ins Gegenpressing zu gehen und dementsprechend darauf vorbereitet ist. Das Spiel mit dem Ball fließt somit in das Spiel gegen den Ball bereits mit ein und verbindet diese Elemente, anstatt sie wie von vielen noch gesondert zu trennen und voneinander zu abstrahieren.

Die St. Pöltner haben dabei immer den Blick nach vorne gerichtet und versuchen vertikal die Linien zu überspielen, aber die Pässe auch nicht zu erzwingen und die Angriffe entsprechend vorzubereiten, wodurch man auch mal Angriffe abbricht und von hinten neu aufbaut. In vielen Details erkennt man also durchaus Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Teams, da beide Trainer auf die Prinzipien des Positionsspieles setzten und es ihren Spielern vermitteln.

St. Pölten etwas konkreter und gefährlicher, Austria tut sich sichtlich schwer

Das Spiel begann zunächst mit einem Abtasten auf beiden Seiten und der Ballbesitz wechselte immer wieder die Seiten, da keine der Mannschaften ihn so richtig in den eigenen Reihen zirkulieren lassen konnte. Die Austria versuchte dabei durchaus von hinten heraus das Spiel aufzubauen und auch eigene Ballbesitzphasen zu verbuchen, jedoch waren die vielen Umstellungen und mangelnden Automatismen nicht zu übersehen und wirkten sich auf das Aufbauspiel der Veilchen aus. Vor allem Debütant Stark war immer wieder das auserwählte Ziel des Pressings der St. Pöltner und war damit sichtlich überfordert, wodurch er zu vielen langen Bällen griff und keine Sicherheit ausstrahlte. So lagen die Lasten auf Kapitän Serbest, der zwar versuchte auch mal nach vorne zu spielen, jedoch stellten die St. Pöltner die linke Seite der Austria wie bereits erwähnt gut zu und verdichteten sie dementsprechend. Dadurch waren die Veilchen quasi gezwungen, über rechts anzugreifen und da gab es auch durchaus Platz, wovon speziell Gluhakovic profitierte und viele gute Szenen hatte. Jedoch konnten die Angriffe durch die Probleme von Innenverteidiger Stark nicht gut vorbereitet werden, weshalb man wenig Kapital daraus schlagen konnte. Aber auch die beiden Sechser taten sich schwer, wobei vor allem De Paula heillos überfordert wirkte, Probleme in der Positionsfindung hatte und im Kopf oft zu langsam wirkte. Alhassan machte zwar einen besseren Eindruck und verbuchte immerhin einige gute Ballgewinne, jedoch konnte er nur selten Akzente nach vorne setzen und spielte viel quer, ergo konnte er Holzhauser in der Spieleröffnung nicht ersetzen.

Die St. Pöltner hingegen trauten sich nach und nach immer mehr zu und traten von Minute zu Minute selbstbewusster auf. Das lag auch daran, dass man in der Anfangsphase einige gute Situationen in der Offensive hatte und auch eine gute Chance durch einen Kopfball von Entrup vorfand, der nur knapp vorbeiging. Dadurch wurde man nun auch im Ballbesitz mutiger und versuchte die Austria quasi mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen. Dabei war die Ballzirkulation der Gastgeber durchaus ansehnlich und vor allem in den ersten beiden Spielfelddritteln stabil, wodurch man sich wenige Ballverluste leistete und den Gegner gut bespielte. Vor allem Stürmer Entrup ließ sich immer wieder klug fallen und die Bälle gut prallen, wodurch man der eigenen Offensive ein neues Element hinzufügte. Jedoch hatte man auch nach wie vor Probleme im letzten Drittel und konnte da nur selten für Durchschlagskraft sorgen. Man beschränkte sich meist auf das Spiel über die Außen und brachte vor allem über die beiden inversen Flügel viele Flanken mit Schnitt in den Strafraum, jedoch wurde es da nur selten wirklich gefährlich.

Die Austria auf der anderen Seite verbuchte in der Offensive nur wenige gefährliche Szenen. Pires wurde auf links gut zugestellt und konnte kaum Fahrt aufnehmen und Prokop tat sich ebenfalls schwer und wurde nur selten gut in Szene gesetzt. Am meisten ging noch über Tajouri, der mehr Raum als Pires hatte, jedoch befindet sich der Flügelspieler seit Wochen in keiner guten Form und kann kaum Durchschlagskraft im letzten Drittel entwickeln, da er zurzeit oft die falschen Entscheidungen trifft, was man auch bei diesem Spiel oft sehen konnte. Dennoch gab es einige aussichtsreiche Umschaltaktionen und Gelegenheiten das offensive Auftreten der Gastgeber zu bestrafen, jedoch spielten die Violetten diese meist schlecht zu Ende und sie ließen die Gelegenheiten etwas leichtfertig liegen. In der Defensive hatte man vor allem im Mittelfeld Probleme mit der Kompaktheit, da die beiden Sechser sich oft zu leicht herausziehen ließen und so oft ein großes Loch im Zentrum klaffte, aber auch Pires konzentrierte sich oft nur auf den Außenverteidiger und rückte nicht ein, um so einen engen Abstand zu seinen Mitspielern zu halten . Beim nächsten Bild sieht man diese Problematik relativ deutlich:

Alhassan und De Paula (links) orientieren sich an Gegenspielern und rücken nicht heraus, Pires (rechts oben) ebenfalls, wodurch ein riesiges Loch im Halbraum aufgeht und Ambichl (im Kreis) alle Zeit der Welt hat.

Auch durch solche Schwierigkeiten hatte St. Pölten keine Probleme, den Ball in den ersten beiden Dritteln zirkulieren zu lassen und die Austria zu bespielen. Durch die Unzulänglichkeiten der beiden Mannschaften im letzten Drittel blieb es in der ersten Halbzeit jedoch weitestgehend ereignislos und es gab kaum gefährliche Szenen. Abgesehen vom Kopfball von Entrup, hatte nach einem Fehler von Stark noch Schütz eine gute Möglichkeit, die jedoch Torhüter Hadzikic gut parierte. Auf der anderen Seite hatte Tajouri bei einem Konter alle Möglichkeiten, entschied sich jedoch für die schlechteste und setzte einen Schlenzer über das Tor. So blieb es zur Halbzeit beim torlosen Unentschieden.

Fink versucht Spielaufbau zu beleben und stellt Formation um

Nachdem man große Probleme im Spielaufbau hatte und kaum in der Lage war, das Spiel behutsam aufzubauen und die Angriffe entsprechend vorzubereiten, versuchte der Trainer der Austria mit einigen Anpassungen Abhilfe zu schaffen und diese Problematik zu entschärfen. Nun wurde Salamon nach hinten gezogen und kippte in die erste Aufbaulinie ab, während  Serbest in die Mitte der Dreierkette gezogen wurde und Alhassan sich nun vor der ersten Aufbaulinie bewegte. Gleichzeitig sollte aber auch Prokop auf die linke Seite abkippen und sich dort positionieren, während Pires noch höher stehen sollte. Dies sah dann ungefähr so aus:

Serbest nun im Zentrum der ersten Aufbaulinie, Salamon halblinks und Prokop tief und ganz links draußen.

Dadurch kann Pires höher stehen, bindet Rechtsverteidiger Stec und Prokop sorgt somit für Zuordnungsprobleme, wer ist für ihn verantwortlich?

Durch diesen taktischen Kniff versuchte Fink die strategische Ausrichtung nach links zu verschieben und auf diese Seite das Hauptaugenmerk zu legen, um auch dem Pressing der Gastgeber auf Stark zu entgehen. Diese Umstellung schien auch sofort zu fruchten und stellte St. Pölten vor einige Probleme, wie bereits beim letzten Bild angemerkt wurde. Prokop und Pires sorgten mit ihrer Positionierung für Zuordnungsschwierigkeiten und einer von ihnen stand oft komplett frei. Stec orientierte sich an Pires, Bajrami blieb im Umkreis von Salamon. Ambichl versuchte Prokop nach wie vor in Deckungsschatten zu nehmen, jedoch waren die Räume dafür nun zu groß und die Austria konnte die linke Seite nun wesentlich besser bespielen. Das verbesserte somit das Ballbesitzspiel der Austria und man kam nun einige Male gut durch bis ins letzte Drittel.

Darüber hinaus nahm man noch weitere Änderungen vor. Gluhakovic wurde nun noch offensiver und sollte sich auch mal ins Zentrum fallen lassen, um auch mal den Halbraum zu besetzen und sich mit Tajouri abzuwechseln. Gegen den Ball wurde man auch aktiver, presste nun wesentlich höher und versuchte die St. Pöltner unter Druck zu setzen und ihnen nicht mehr so viele Ballbesitzphasen zuzugestehen. Das Spiel gegen den Ball blieb jedoch nicht wirklich gut und durch die zahlreichen Manndeckungen ließen sich die Austrianer zu leicht aus den Positionen herausziehen, wodurch das Zentrum oft komplett freigelassen wurde. Beim nächsten Bild gut zu erblicken:

Austria presst SKN an, De Paula verfolgt Rasner (oben links) und Alhassan Ambichl (unten rechts), dadurch das komplette Zentrum völlig offen und unbesetzt. Entrup (Pfeil) erkennt das und kommt entgegen und wird auch von IV Huber angespielt. 

Der SKN bespielte die Manndeckung der Austria vorbildhaft und zog die Gegenspieler immer wieder  raus aus ihren Positionen, während man diese Löcher dann im Anschluss besetzte und auch bespielte, was man beim letzten Bild gut sehen kann. Dadurch umspielte man einigen Male das Pressing der Gäste und konnte sich so bis ins letzte Drittel kombinieren. Das Spiel wurde nun offener und besser, wobei die Austria durch das verbesserte Aufbauspiel nun wesentlich mehr Ballbesitz verbuchte als der Gegner, auch wenn man durch die eigenen Probleme gegen den Ball nicht für noch mehr Kontrolle sorgen konnte. Einige Male konnte man auch gut auf den Seiten durchbrechen, jedochblieb man dann beim letzten Pass zu ungenau oder traf die falsche Entscheidung.

In der besten eigenen Phase sorgte man mit einem unnötigen Fehler für die Führung der Gäste. Nachdem Innenverteidiger Stark den Ball nicht annahm und Schütz übersah, lief dieser auf links durch und wurde vom übermotivierten Hadzikic unnötigerweise fast an der Strafraumkante zu Fall gebracht, was einen Elfmeter für den SKN zur Folge hatte. Kapitän Hofbauer übernahm die Verantwortung für den Strafstoß und verwertete dieses Geschenk des Gegners zur Führung für die Gastgeber. Der Trainer der Gäste versuchte nochmal von außen zu reagieren, brachte mit Sarkaria und Monschein zwei frische Kräfte und stellte auf ein 4-4-2 mit zwei Spitzen um. Das sollte das Spiel seiner Mannschaft jedoch überhaupt nicht beleben und man tat sich noch schwerer als zuvor, gegen die gut organisierte Abwehr des Gegners durchzukommen. Der SKN hatte wenig Mühe, die Offensivbemühungen der Wiener zu verteidigen und ließ bis zum Schluss auch nichts mehr zu, während man selber noch die Chance auf das 2:0 durch Huber und Sobczyk vergab. So blieb es beim 1:0 Heimsieg für den SKN und die drei Punkte blieben in St. Pölten.

Fazit

Dem SKN gelang letztlich nach siebzehn langen Runden endlich der erste Saisonsieg und damit der Befreiungsschlag. Dabei belohnte sich die Truppe von Trainer Lederer für das eigene gute Spiel, nachdem man die letzten Wochen durchaus ordentliche Leistungen zeigte, aber dennoch am Ende meist mit leeren Händen dastand. Gegen die Austria legte man sich einen passenden Matchplan zurecht und setzte ihn über weite Strecken gut um, wobei vor allem das eigene Ballbesitzspiel schon sehr gute Ansätze zeigt und die Mannschaft im Vergleich zum Saisonstart in diesem Punkt nicht wiederzuerkennen ist. Auch wenn man nach wie vor im letzten Drittel zu wenig Durchschlagskraft entwickeln konnte, was wohl auch eine Qualitätsfrage ist, wird es dennoch spannend sein zu sehen, welche Sprünge die Mannschaft von Trainer Lederer noch machen wird. Mit einer Vorbereitung und einigen zusätzlichen Verstärkungen, könnte es im Abstiegskampf nochmal richtig spannend und für Mattersburg und den WAC noch gefährlich werden.

Die Austria hingegen muss nach dem Sieg gegen den WAC wieder einen deftigen Rückschlag verkraften und geht momentan durch schwere Zeiten. Der größte Faktor war dabei zweifellos die vielen Ausfälle, die für die Mannschaft und das Trainerteam nicht mehr zu kompensieren sind. Dadurch müssen Spieler wie u.a. Stark einspringen, die mit dem Niveau teilweise überfordert und in den entscheidenden Momenten zu fehlerhaft sind (wie beim Elfmeter zu sehen), wobei dies auch für Spieler wie Alhassan, De Paula, Sarkaria etc. gilt. Vor allem das wichtige Gerüst im Zentrum (Innenverteidigung & defensives Mittelfeld) fehlt der Mannschaft von Trainer Fink komplett, wodurch keine Automatismen mehr vorhanden sind, da ständig umgestellt werden muss. Nur wenige Mannschaften der Welt könnte Ausfälle von sechs Abwehrspielern verkraften und noch dazu die des Spielmachers. Dazu kommen auch die vielen englischen Wochen, die man de facto mit 13-14 Feldspielern bestreiten muss, wodurch Spieler wie Pires und Prokop quasi jedes Spiel machen müssen und langsam überspielt & müde wirken, was sich vor allem auf die Spritzigkeit auswirkt. Nach der durchwachsenen ersten Halbzeit reagierte Trainer Fink nochmal gut und belebte das Spiel seiner Mannschaft durch die Umstellungen, ehe man sich mit der Szene zum Elfmeter quasi selbst in Rückstand brachte und die eigenen Bemühungen zunichte machte. Danach hatte man nicht mehr genügend Sprit im Tank, um nochmal nachzusetzen und dem SKN gefährlich zu werden. Jetzt stehen bis zur Winterpause in der Liga die Duelle gegen Salzburg, Altach und Sturm bevor und noch das Finale um den Aufstieg in die K.O. Phase der Europa League. Für diese Spiele muss man nochmal alle Kräfte bündeln, um diese erfolgreich zu bestreiten und sich in die Winterpause zu retten.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic

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