In einer packenden Begegnung trennten sich der LASK und Red Bull Salzburg im Spitzenspiel der zwölften Runde mit einem gerechten 3:3 Unentschieden. Auch aus... Analyse zum Spitzenspiel: Rose überrascht, Glasner hält dagegen

In einer packenden Begegnung trennten sich der LASK und Red Bull Salzburg im Spitzenspiel der zwölften Runde mit einem gerechten 3:3 Unentschieden. Auch aus taktischer Sicht wurde die Partie durchaus höchsten österreichischen Ansprüchen gerecht. Auf der einen Seite das gewohnt aggressive Linzer Pressing aus der gut geordneten 5-2-3 Ordnung heraus, welches auf dem kleinen Platz in Pasching besonders effektiv zur Geltung kommt. Auf der anderen Seite hielt Marco Rose mit seinem Team wieder eine kleine System-Kniffe parat, durch die vor allem der Raum hinter der ersten Linzer-Pressinglinie besser genutzt werden sollte, was in den ersten 25 Minuten auch eindrucksvoll gelang.
Wir schauen uns in dieser kurzen Analyse die Systemumstellung samt den gewünschten Wechselwirkungen von Marco Rose an und erklären in diesem Zusammenhang auch, wieso der LASK nach einer schwierigen Anfangsphase besser in die Partie fand und zwischenzeitlich sogar in Führung gehen konnte.

Hohes Pressing des LASK provozieren, Raum dahinter durch mehr Breite im Spiel besser nutzen

Das dürften wohl die ausschlaggebenden Gründe für die Systemumstellung von Marco Rose gewesen sein. Er strukturierte seine Mannschaft nämlich nicht in der gewohnten 4-1-2-1-2 Ordnung, sondern in einem 4-2-3-1 mit einer Doppelsechs vor der Viererkette. Die Youngsters Schlager und Haidara besetzten diese beiden Positionen vor der Abwehr, Minamino agierte meist als hängende Spitze hinter Dabbur auf der Zehn. Die beiden breiten Flügelpositionen nahmen Hannes Wolf auf rechts und Ray Yabo auf der linken Seite ein, die zusammen mit den beiden Außenverteidigern Ulmer und Lainer die Flügelzonen dadurch konsequent doppelt besetzen konnten.

Mit dieser Grundordnung hatten die Bullen im Mittelfeld eine flachere Anordnung und deutlich mehr Breite im eigenen Spiel als mit der Raute, was gegen die Linzer Spielweise fast schon unumgänglich ist.
Bevor wir die Ideen von Marco Rose bei eigenem Aufbau und Ballbesitz etwas detaillierter erläutern, muss man zuvor die Systematik und Mechanismen des LASK-Pressings kennen und verstehen und welche potentiellen freien Räume vom Gegner bespielt werden könnten, denn für diese Räume hatte Rose sein Team umgestellt und dementsprechend positioniert.

Oliver Glasner hielt auch gegen den überlegenen Tabellenführer an seiner allseits bekannten und erfolgreichen Spielidee fest und schickte sein Team in der gewohnte 5-2-3 Grundordnung auf das Feld. Was man im Vorfeld der Begegnung auch so erwarten konnte war die Fokussierung des LASK auf das Spiel gegen den Ball mit ihrem aggressiven und hoch angelegten Angriffspressing, was dem Gegner keine Zeit bei eigenem Spielaufbau lässt und ihn durch den kompakten 2-3 Block im Zentrum und in den Halbräumen immer wieder bewusst auf die Flügel abdrängen lässt.
Ein anderer Aspekt in diesem Kontext ist, dass die Flügelverteidiger Ullmann und Ranftl situativ immer wieder weit nach vorne schieben und den gegnerischen Außenverteidiger aktiv unter Druck setzen, wodurch sich der Großteil der Linzer Mannschaft weit in der gegnerischen Hälfte befindet und die Restverteidigung aus den drei Innenverteidigern besteht, die einen extrem großen Raum in Breite und Tiefe abzudecken hat. Durch das hohe Aufrücken der Flügelverteidiger gehen kurzzeitig in den Zonen hinter den Außenverteidigern immer wieder Räume auf, die aufgrund des großen Drucks auf dem ballführenden Außenverteidiger von vielen Mannschaften nicht bespielt werden können. Marco Rose wollte genau an diesem Punkt dem LASK-Pressing seine Zähne ziehen.

Die eben genannten Punkte wurden vom LASK auch gegen den Meister in dieser Art und Weise auf den Platz gebracht. Die erste Pressinglinie aus Joao Victor, Otubanjo und Thomas Goiginger positionierte sich hoch und schloss durch enge Abstände die Passwege für die Salzburger Innenverteidiger ins Zentrum und in die Halbräume. Bei geeigneten Pressingauslösern schoben diese drei Akteure im Verbund nach vorne und attackierten Pongracic und Onguene bzw. nahmen Torhüter Stankovic die Anspieloptionen. Dabei kam es auch häufig vor, dass die beiden Halbstürmer (vor allem Goiginger auf der rechten Seite) direkt die Innenverteidiger anliefen und attackierten, was in weiterer Folge zu den oben erläuterten Aufrückbewegungen der Flügelverteidiger führte.
Auch die Zuordnungen dahinter waren meist recht klar und sauber umgesetzt. Die beiden Sechser Holland und Michorl konnten sich dabei deutlich an Schlager und Haidara orientieren und verfolgten auch deren entgegenkommenden Freilaufbewegungen mannorientiert, wodurch Salzburger Positionsangriffe über das Zentrum wie erwartet äußerst schwer und risikobehaftet umsetzbar waren.

In dieser Grafik ist exemplarisch die Struktur vom LASK im Spiel gegen den Ball sowie die Raumaufteilung und -besetzung der Salzburger bei eigenem Spielaufbau zu erkennen. Man sieht die kompakte 2-3 Ordnung des LASK im Zentrum sowie die Laufwege der beiden Flügelverteidiger bei deren situativen Aufrückbewegungen im aktiven Pressing. Eingezeichnet auch die potentiellen freien Räume hinter diesen beiden Akteuren, die Marco Rose mit der 4-2-3-1 Ordnung und den dadurch doppelt besetzten Flügeln druckvoller bespielen wollte.

Trotz dieses hohen und aggressiven Pressings lieferte die Truppe von Marco Rose eine beeindruckend stabile und druckvolle Performance im eigenen Aufbauspiel ab, vor allem in den ersten 20 Minuten. Die beiden Innenverteidiger fächerten breit auf und bildeten zusammen mit Torhüter Stankovic fast schon eine Art Dreierkette in der ersten Linie. Die beiden Außenverteidiger Ulmer und Lainer hielten gewohnt die Breite und schoben nicht zu früh nach vorne, um einerseits für die Innenverteidiger anspielbar zu sein und andererseits die Linzer Flügelverteidiger zum Aufrücken regelrecht zu provozieren. Die Sechser Schlager und Haidara boten sich abwechselnd kurz an, wurden dabei aber wie bereits angesprochen von den gegnerischen Sechsern mannorientiert verfolgt.
Ab und zu konnten die Salzburger im Aufbau den gesamten kompakten Mittelfeld-Block vertikal überspielen, weil sich abwechselnd Minamino und Dabbur hinter den beiden Sechsern im Zwischenlinienraum gut anboten, die notwendige Bindung der Dreier- bzw. Fünferkette war durch die breite Positionierung der Flügelspieler sowie einem zentralen Stürmer ebenfalls gegeben.

Durch die Systemumstellung von Marco Rose wurde das Angriffsspiel der Bullen bewusst auf die Flügel verlagert, weil sie dort aufgrund der bekannten Pressingbewegungen des LASK Räume vorfinden konnten und mit ihren dynamischen Flügelpärchen Zug zum Tor und eine schnelle Überbrückung des zweiten Spielfelddrittels herstellen konnten.
Nach einer starken Anfangsphase schlichen sich aber bei den Salzburgern ungewohnt viele einfache Fehlpässe im Spielaufbau ein und die kontrollierten Ballbesitzphasen wurden immer weniger. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass der LASK spätestens ab Mitte der ersten Hälfte mit seinen Mitteln ins Spiel fand und das große Zwischenziel erreicht hat, nämlich den Rhythmus und Spielfluss beim Meister zu brechen. Schlager und Co. wussten sich aber mit einer disziplinierten Leistung gegen den Ball zu wehren und brachten sich mit gnadenloser Effizienz in einen Zwei-Tore Vorsprung, der allerdings in einem intensiven Spiel nicht für die notwendige Ruhe reichen sollte.

Zwei Viererketten sorgen für Kompaktheit und Zugriff

Werfen wir noch kurz einen Blick auf das Spiel gegen den Ball des Meisters, der auch in dieser Spielphase gut vorbereitet wirkte und die Ideen zum größten Teil auch griffig und konsequent auf dem Platz umsetzte. Drei Gegentore sprechen zwar nicht unbedingt dafür, lässt man aber die Standardsituationen mal außen vor, kann man durchaus zu diesem Schluss kommen.

Salzburg verteidigte dabei meist aus einer 4-2-3-1 / 4-4-1-1 Ordnung heraus. Höhe und Intensität des Anlaufens wurden dabei etwas dosierter eingesetzt als wie normal in der Raute. Das heißt, dass die Ballzirkulation zwischen den drei Akteuren der Linzer Dreierkette meist zugelassen wurde, stattdessen fokussierten sich die Bullen auf das Einhalten der Abstände innerhalb und zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen, um im Kampf um den zweiten Ball bestmöglich vorbereitet zu sein.

Die Flügelspieler Wolf und Yabo rückten in diesem Kontext auch nie in die erste Pressinglinie vor und übten Druck auf die gegnerischen Halbverteidiger aus, vielmehr hielten sie ihre tiefere Position im Mittelfeld und orientierten sich immer lose an den Flügelverteidigern Ranftl und Ullmann, deren Offensivbemühungen dadurch überwiegend neutralisiert werden konnten.
Auch in den restlichen Mannschaftsteilen waren die Zuordnungen ähnlich klar. Schlager und Haidara konnten sich problemlos an Holland und Michorl orientieren, die Außenverteidiger Ulmer und Lainer kümmerten sich im Verbund mit den ballnahen Innenverteidigern um Joao Victor und Thomas Goiginger und wirkten in Summe mithilfe der 4 gegen 3 Überzahl stabil und in der Gruppe gut abgesichert.

Red Bull Salzburg im 4-4-1-1 gegen den Ball gegen das 3-4-3 im Aufbau von Oliver Glasner. Pressinghöhe und -intensität wurden etwas reduziert, dafür wurde aber die Kompaktheit im Kampf um die zweiten Bälle erhöht. Durchaus eine kluge Idee gegen das vertikal ausgerichtete Angriffsspiel der Oberösterreicher.

Fazit

In Summe geht die Punkteteilung absolut in Ordnung. Bezüglich Tempo und taktischer Konsequenz war es mit Sicherheit eines der besseren Spiele in diesem Bundesliga-Herbst, einem Spitzenspiel auf jeden Fall würdig. Marco Rose hat mit seiner Systemumstellung durchaus für einen Überraschungseffekt gesorgt, der definitiv eine interessante Antwort auf das Linzer Pressing gewesen ist. Oliver Glasner auf der anderen Seite hat erneut die Bestätigung erhalten, dass er mit seiner Herangehensweise unabhängig von gegnerischen (individuellen) Qualitäten und Anpassungen jedem Spiel seinen Stempel aufdrücken kann. Wir überlassen aber Marco Rose das Schlusswort, der das Spiel wieder einmal prägnant auf den Punkt brachte:

„Es war ein Spitzenspiel. Jeder Zuschauer ist heute auf seine Kosten gekommen. Wir wussten, dass es ein schwieriges Spiel wird und hier in Linz muss man erst auch mal gewinnen. Es war Werbung für den Fußball. Oli und ich können beide zufrieden nach Hause gehen“.

Sebastian Ungerank