Der SK Rapid startete am 20.Oktober eine neue Mitgliederoffensive, die über die gesamte Saison andauern wird. abseits.at traf sich mit Rapid-Stimme und Klubservice-Leiter Andy... Andy Marek im Interview: „Wieso sollte Rapid nicht 30.000 Mitglieder haben?“

Der SK Rapid startete am 20.Oktober eine neue Mitgliederoffensive, die über die gesamte Saison andauern wird. abseits.at traf sich mit Rapid-Stimme und Klubservice-Leiter Andy Marek, sowie mit Lorenz Kirchschlager aus dem Rapid-Marketing, um über die Maßnahmen, die Erwartungen und das bereits Erreichte zu plaudern.

abseits.at: Wie viele Mitglieder hat der SK Rapid zurzeit? Wie hat sich die Mitgliederanzahl in den letzten zwölf Monaten entwickelt?

Andy Marek: Wir hatten unseren Höchststand an Mitgliedern am 7.Juli 2017 – da waren es inklusive der Greenies 16.200. Da sagt natürlich jeder „Wahnsinn, nach so einem Grottenjahr gibt’s einen Höchststand an Mitgliedern“. Das war für uns auch sehr überraschend. Was weniger überraschend war: Seit August haben wir fast 900 Mitglieder verloren. Die Gründe dafür liegen auf der Hand,  die Saison hat sportlich nicht nach Wunsch begonnen, und die beiden Spielunterbrechungen, die auch live im TV zu sehen waren und in der medialen Berichterstattung schwer übertrieben wurde, haben auch einige bewegt die Mitgliedschaft  nicht zu verlängern. Dass wir nicht international spielen hat sicher auch eine Auswirkung. Es gab an die 400 Mitglieder, die wir im letzten Jahr wegen des Vorkaufrechts dazugewinnen konnten,  da haben heuer auch viele nicht verlängert. Mit der Entwicklung sind wir somit natürlich nicht ganz glücklich, weil wir in den letzten Monaten Mitglieder verloren haben.

Lorenz Kirchschlager: Erfreulich ist, dass wir gleichzeitig mit 2.705 einen Höchststand an Greenies haben.

Andy Marek: Das ist etwas, was uns sehr stolz macht, vor allem wenn man immer wieder skeptische Stimmen hört, wie „naja, mit einem Kind zu Rapid gehen…“

abseits.at: Gab es in letzter Zeit konkrete Aktionen für Greenies, die diesen Höchststand erklären können?

Lorenz Kirchschlager: Wir haben die Patenschaft für Greenies eingeführt. Das bedeutet, dass man als Vollmitglied eine günstigere Greenie-Mitgliedschaft bekommt und somit einen Greenie als Patenkind begleiten kann. Das hat sicher geholfen. Außerdem haben wir für unsere jüngsten Mitglieder einen eigenen Greenie-Tag sowie personalisierte Schals als Geburtstagsgeschenk – all diese Bemühungen kommen richtig gut an.

Andy Marek: Was den personalisierten Schal angeht: Wir haben bei Rapid noch nie so viele Dankesschreiben bekommen. Oft auch mit Selfie oder Foto. Die Greenies tragen stolz ihren Schal mit eigenem Namen draufgedruckt. Bei Kindern haben wir also den Eindruck, dass es gut läuft. Es ist sicher nicht so, dass wir jede Woche hunderte Greenies dazubekommen, aber wir  wachsen stetig, sind am Höchststand.

abseits.at: Präsidiumsmitglied Andy Kamper hat Patenschaften für 114 Nachwuchsspieler des SK Rapid übernommen. Was ist die Patenschaft genau und was bringt sie mir und meinem Patenkind?

Lorenz Kirchschlager: Du bekommst als Vollmitglied die Greenie-Mitgliedschaft günstiger. Die Idee dahinter ist, dass du dein grün-weißes Patenkind begleiten kannst, bis es erwachsen ist. Du führst „deinen“ Greenie bis zur Jugendmitgliedschaft, wo es ebenfalls eine Patenschaft gibt und führst ihn dann zu dem Alter weiter, wo er sich eigenständig eine Vollmitgliedschaft kaufen kann. Das hat natürlich etwas sehr Verbindendes und auch Verantwortungsvolles, was perfekt in das Bild der „Rapid-Familie“ passt.

abseits.at: Wie viele Fans haben sich bisher die Lebenslange Mitgliedschaft geleistet?

Andy Marek: Bis jetzt 729.

abseits.at: Zufriedenstellend?

Andy Marek: Da muss ich ein bisschen ausholen. Als Präsident Krammer im November 2013 bei 4.859 Vollmitgliedern und 380 Jugendmitgliedern – also rund 5.250 insgesamt – auf der Bühne stand und die erste Mitgliederoffensive ‚10.000+‘ ausrief, dachte ich mir: „Was will er da jetzt genau? Das ist schön gesagt, aber…“ – ich wusste ja durch meine langjährige Arbeit annähernd, was geht und was nicht geht. Ich dachte mir: Setzen wir uns doch ein kleineres Ziel – vielleicht 1.000 oder 1.500 neue Mitglieder bis Ende des nächsten Jahres und  schauen wir, dass wir die halten. Aber was dann abgegangen ist, war nicht zu erwarten. An dieser Stelle auch ein Dank an unsere Arbeitsgruppe Mitglieder, die mit großer Feinfühligkeit und Dynamik daran gearbeitet hat, dass wir einen echten Boom erlebt haben. Das lag sicher auch daran, dass in dieser ARGE viele Profis aus unterschiedlichen Bereichen saßen, die uns Dinge gezeigt haben, mit denen wir davor keine Erfahrungen hatten. Genaue Analysen, wer, wo, wie unsere Mitglieder eigentlich sind. Ich habe nie geglaubt, dass wir in diesem Bereich so hoch hinaus kommen können.  Wenn du von 4.859 auf 12.600 Vollmitglieder kommst, ist das ein Wahnsinn. Auch die Jugendmitglieder haben wir mehr als verdoppelt.

Aber um zu den „lebenslangen“ Mitgliedern zurückzukommen: Auch das war eine Idee aus der ARGE Mitglieder. Mein erster Gedanke war: 1.899€ ist mega-viel Geld, speziell in Zeiten wie diesen. Und jetzt haben wir 729 Personen, die das gezahlt haben und wenn du den Umsatz ausrechnest, den wir in nicht einmal drei Jahren damit gemacht haben, dann ist das sehr, sehr viel Geld! Außerdem hört das ja nicht auf. Es kommen monatlich 10 bis 15 neue dazu. Und im Laufe der Zeit kann man wirklich dort hinkommen, dass die limitierten 1.899 Lebenslangen Mitgliedschaften eines Tages ausverkauft sind. Eine tolle Sache und viel Geld für den Rapid Nachwuchs!

Lorenz Kirchschlager: Man darf auch nie vergessen, dass die Lebenslange Mitgliedschaft nichts ist, was man sich im Vorbeigehen leistet. Das ist richtig viel Geld. Die Lebenslange Mitgliedschaft ist natürlich auch ein tolles Geschenk zu besonderen Anlässen, wo deine Freunde zusammenlegen. Und die Vergleichswerte aus Köln und Bremen, die bei dieser Idee nachgezogen sind, zeigen uns ebenfalls, dass diese Art der Mitgliedschaft zu Beginn schnell verkauft wurde, weil die Ersten, die sich das problemlos leisten können, begeistert waren und sich die Lebenslange Mitgliedschaft gleich mal sicherten. Und jetzt geht’s bei denen auch langsam und stetig voran.

Andy Marek: Beim Thema Vollmitglieder dachte ich niemals, dass der Wunsch des Präsidenten in diesem Zeitraum realisierbar ist. Bei der Lebenslangen Mitgliedschaft hatte ich überhaupt keine Erwartung und bin heute auch sehr zufrieden. Es gibt auch viele Leute, die eine Lebenslange Mitgliedschaft haben, die mir sagen „heuer gibt’s keinen Urlaub, weil ich mir das kaufen will“. Das sind also nicht nur 729 Leute, denen der Preis nicht weh tut, sondern auch viele Rapid-Fans, die darauf sparen müssen, eben weil sie diese besondere Mitgliedschaft unbedingt haben möchten.

abseits.at: Gibt es eurer Meinung nach eine Grenze oder einen Richtwert, bei dem man sagen muss: Wir sind am Zenit angekommen. Mehr geht in Österreich einfach nicht.

Andy Marek:  Wenn ich schnell einen Vergleich anstellen darf: Ich habe geglaubt, dass unser neues Stadion im ersten Jahr immer voll sein wird, so unter dem Motto „Gemma Allianz Stadion schauen“.  Dass der sportliche Erfolg so unglaublich wichtig ist, habe ich nicht gedacht. Wir haben am Anfang unter Büskens nicht schlecht gespielt und waren trotzdem nie ganz ausverkauft. Bei den Mitgliedschaften ist es ähnlich. Rapid hat hunderttausende Fans und Sympathisanten, warum sollte Rapid nicht irgendwann einmal 30.000 Mitglieder haben, allerdings muss es da sportlich auch perfekt passen und wir doch den einen oder anderen Titel einfahren. Nach oben hin sollten wir uns also keine Grenze setzen. Ich dachte 2013 nicht mal annähernd, dass wir den Stand von heute erreichen können. Nicht einmal die Hälfte hätte ich mir erwartet. Ich wusste, dass es da nicht um die 100€ geht, sondern um die Frage: „Wozu soll ich das machen?“ Ich kannte damals schon viele Leute, die die Mitgliedschaft und ihre Vorteile ganz genau  berechnet haben. Wir haben derzeit viele Mitglieder, die ihre Mitgliedschaft aus Liebe zum Verein kaufen und natürlich auch unsere Nachwuchsspieler unterstützen wollen. Ich kann also nicht sagen, wo die Grenze nach oben ist – aber wir werden bei der nächsten Hauptversammlung eh  vom Präsidenten hören, wo er die nächste Grenze ansetzt. (lacht)

abseits.at: Aber was ist hier in der Geschäftsstelle das nächste Etappenziel?

Andy Marek: Wir wollen so schnell wie möglich wieder den Höchststand erreichen, also die 900 verlorenen Mitglieder zurückgewinnen. Dafür setzen wir jetzt natürlich alle möglichen Werkzeuge ein. Bis dahin gehend, dass wir die Leute anrufen und fragen warum sie nicht mehr Mitglied sind. Manche vergessen auch einfach die 100€ einzuzahlen und ihre Mitgliedschaft damit zu verlängern. Von den 900 „Verlorenen“ wird das ein gutes Viertel sein.

Lorenz Kirchschlager: Genau deswegen ist es auch wichtig, dass du mit der Mitgliedschaft in den Köpfen der Menschen bleibst, ständig kommunizierst. Dann kann auch niemand die Verlängerung der Mitgliedschaft vergessen. Auch weil es natürlich immer noch Leute gibt, die gerne mit Zahlschein bezahlen und nicht per Einziehungsauftrag. Bei denen funktioniert die Verlängerung nicht automatisch.

abseits.at: Hattet ihr in der Zeit des großen Booms ab 2013 ein internationales Vorbild, an dem ihr euch orientieren konntet?

Andy Marek: Ich glaube, dass es europa- und weltweit viele Vereine gibt, wo es nicht so entscheidend ist, was du für die Mitgliedschaft bekommst und wie die Leistung der Mannschaft ist. Es gibt Vereine bei denen das nicht so wichtig ist – nennen wir zum Beispiel St.Pauli oder auch Mitgliedermagnet Benfica, der auch nicht immer Meister in Portugal werden kann, auch mal schwächere Saisonen dabei hat, etwa wenn mal wieder Porto alles gewinnt und trotzdem weit sechsstellig ist. Als Vergleich hatten wir aber vor allem Vereine im Kopf, die sportlich recht erfolgreich sind und wir auch auf Augenhöhe agieren können. Da konnten wir uns einiges abschauen.  Aber wir brauchen uns auch nicht vor größeren Klubs verstecken. Im Merchandising sind wir vergleichsweise im Mittelfeld der deutschen Bundesliga, zudem haben wir eine Millionenstadt im Rücken, was so mancher deutsche Bundesligaklub nicht hat. Wieso also nicht noch höher hinaus wollen? Klar brauchen wir nicht an Bayern, Dortmund oder Schalke denken – aber bei allem was danach kommt, sind wir schon gut dabei!

abseits.at: Vor allem in Südamerika gibt es eine Menge Klubs, wo sich Fans mit sehr niedrigem Einkommen eine Mitgliedschaft leisten, weil sie Teil ihres Herzensklubs sein wollen. Was ist DER EINE Vorteil einer Mitgliedschaft bei Rapid, wegen dem man unbedingt Mitglied werden sollte?

Andy Marek: Ganz sicher das Mitspracherecht. Das ist definitiv etwas Besonderes. Es gibt aber sicher viele Mitglieder, deren Schwerpunkt woanders liegt, zum Beispiel am 15%-Rabatt auf das Abo und 10%-Rabatt im Fanshop. Aber jedes Mitglied ist nach drei Jahren bei der Hauptversammlung wahlberechtigt und kann mitentscheiden, wer im Präsidium sitzt und der nächste Präsident ist, in der Hauptversammlung seine Ideen einbringen und so eine wesentliche Stimme des Vereins sein.

Lorenz Kirchschlager: Und je mehr Mitglieder es gibt, desto stärker wird aus der Rapid-Community heraus die Eigenständigkeit für den Verein gesichert. Die Einnahmen aus der Community sind höher je größer diese ist und so ist man auch weniger wirtschaftlichen Schwankungen ausgeliefert.

Andy Marek: So ist es. Und wenn ich mit irgendetwas nicht zufrieden bin, was im Verein passiert, kann ich bis eine Woche vor jeder Hauptversammlung einen Antrag stellen und über diesen Antrag wird von den Mitgliedern abgestimmt. Und gerade wenn ich einer bin, der auf von Investoren gesteuerte Klubs schimpft, dann bin ich doch hier bei Rapid genau richtig. Hier kann ich aktiv werden, wenn mir etwas gegen den Strich geht.

Lorenz Kirchschlager: Es ist aber schwer einen einzigen besonderen Punkt herauszustreichen. Die einen rechnen nach, wollen die monetären Vorteile ausnutzen, die anderen wollen einfach dabei sein und sind stolz bei Rapid zu sein. Bei den meisten Mitgliedern ist es eine Mischung aus beidem. Gestern Abend hat unser Special Needs Team gespielt und ich habe vier Spielern ihre schön verpackte Rapid-Mitgliedschaft vorbeigebracht. Die Spieler haben die Kuverts geöffnet und wenn du das Strahlen der Jungs gesehen hättest… denen ist es völlig egal, dass sie 15% Rabatt aufs Abo oder 10% im Fanshop bekommen, die waren einfach nur stolz, ein Teil von diesem Verein zu sein. Ich verstehe natürlich jeden, der sich seinen finanziellen Vorteil holen will, aber es ist immer gut, wenn es beide Seiten gibt.

abseits.at: Ihr sagt, dass das Mitspracherecht DER Grund ist. Viele Leute werden rechnen, viele werden die Mitgliedschaft aus Liebe zum Verein nehmen, noch mehr wahrscheinlich eine Kombination aus beidem. Was hat man zu Beginn der Kampagnen 2013 aus der Community vernommen, was denn nun die Gründe waren?

Lorenz Kirchschlager: Wir haben damals mehrere Umfragen gemacht und man bekam die unterschiedlichsten Antworten. Der eine ist Mitglied, weil er bei einem unvergessliches Erlebnis wie zum Beispiel beim Auswärtsspiel in Kazan live dabei war, der andere, weil er Vorkaufsrecht auf Europacupspiele hat oder sich Geld beim Abo spart…

Andy Marek: Ich denke, dass es eine Summe aus allem ist. Nehmen wir als Beispiel Paul Österreicher (Ultras-Mitglied, ehemaliger Vorsänger Block West, Anm.), der hat die Mitgliederwerbung so ernst genommen, der hat so viele Rapidler zu Mitgliedern gemacht, der ist aktiv auf die Menschen zugegangen und das war sehr erfolgreich. Fakt ist, dass der Verkauf der Mitgliedschaften keine Sekunde ein Selbstläufer ist. Man muss immer dahinter sein. Wir im Verein müssen versuchen, die Community zu vergrößern und sie dann auch gut zu betreuen. Wenn wir dabei Unterstützung aus der Community heraus haben, wird es natürlich einfacher. Aber trotzdem darf man nie auf der faulen Haut liegen. Man muss auch sagen, dass wir kein Patentrezept dafür haben, dass über Nacht 3.000, 4.000 Leute sagen „So, jetzt werde ich auch Mitglied“. Am ehesten war dieses Rezept die Knappheit rund um die Europacup-Karten, aber auch da geht es später natürlich darum, dass wir diejenigen im nächsten Jahr halten, auch wenn wir eventuell nicht im Europacup spielen. Also wenn man mal ein Mitglied gewonnen hat, aus welchen Gründen auch immer, heißt das natürlich nicht, dass man es für immer hat.

abseits.at: Das heißt ihr bekommt auch sehr unterschiedliche Informationen darüber, warum jemand seine Mitgliedschaft nicht verlängert.

Andy Marek: Gerade heuer habe ich Mails bekommen, in denen stand: „Ich kündige meine Mitgliedschaft, ich will nicht die Strafen zahlen, die die Fans verursachen.“ – wenn ich so etwas bekomme, schreibe ich nicht zurück, sondern rufe direkt an. Und am Ende heißt’s sehr  oft „Herr Marek, danke für den Anruf, sie haben mich jetzt über gewisse Dinge aufgeklärt und ich werde doch Mitglied bleiben“ – und meistens bleibt er Mitglied. Wichtig ist, was Präsident Krammer in einem Mitglieder-Video erklärt. Es gibt die GmbH, den Verein und seine Mitglieder. Und das, was die Mitglieder in den Verein einzahlen, kommt zu 100% dem Nachwuchs des SK Rapid zugute. Die Mitgliederbeiträge sind zweckgebunden und haben nichts mit irgendwelchen Strafen zu tun.

abseits.at: Wie viele Abonnenten sind gleichzeitig Mitglieder?

Andy Marek: 64% der Abonnenten sind Mitglieder. Das ist sehr gut. Auch im Block West sind es mittlerweile weit über 50%. Das war nicht immer so. Ich finde das sehr gut.

abseits.at: Ihr habt vorher über das Stimmrecht als DEN Vorteil gesprochen. Was bringt die Rapid-Mitgliedschaft derzeit außerdem, was vielleicht noch nicht jeder weiß? Was wird zu wenig beachtet?

Andy Marek: Auch hier ist das Mitspracherecht zu nennen. Zumindest für eine sehr große Gruppe unserer Vollmitglieder. Wir haben im November eine Hauptversammlung, zu der unseren Informationen nach etwa 1.000 Leute kommen werden – das heißt über  11.000 kommen nicht. Also das ist jetzt gleich eine Einladung für den 27. November 2017.

Lorenz Kirchschlager: Im Zuge unserer neuen Mitgliederkampagne haben wir nicht nur die verschiedenen Mitgliedschaften an sich als Thema. Wir werden bei den nächsten Heimspielen ein Mitgliederzelt vor dem Stadion haben, wo wir natürlich auch bestehende Mitglieder informieren wollen – nicht nur Neue werben. Das soll helfen, alle Unklarheiten aus der Welt zu schaffen. Jeder soll genau wissen, was er für seinen Mitgliedsbeitrag alles bekommt und wofür dieser verwendet wird, nämlich zu 100% für unseren Nachwuchs.

abseits.at: Du hast die neue Mitgliederoffensive angesprochen, die am 20.10. begann. Worum geht’s da?

Lorenz Kirchschlager: Obenauf steht die Aussage „Wir sind Rapid – werde Teil des Mythos – werde Mitglied“. Das haben wir mit einem richtig großen Bild untermalt, wo die Mannschaft vor der Rapid-Familie im vollen Allianz Stadion steht. Das ist die Grundbotschaft mit der wir in die Öffentlichkeit gehen. Zudem gibt’s zahlreiche Maßnahmen, die wir sukzessive ausrollen: Direct Mailings, zielgruppengenaue Newsletter, Facebook-Ads, Werbeeinschaltungen bei Print- und Onlinepartnern, Videos, Story Telling auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen und vieles mehr. Aber wir suchen natürlich vor allem auch die direkte Ansprache. In erster Linie sind wir ein Verein zum Anfassen und deshalb kamen wir auf besagte Idee mit dem Mitgliederzelt, wo Mitglieder oder die, die’s noch werden wollen, hinkommen können. Dort stehen wir für alle Fragen am Spieltag bereit. Abseits der Spieltage bleibt unser Fancorner Anlaufstelle Nummer eins für unsere Fans.

abseits.at: Wie wurde der Zeitpunkt für diese Mitgliederoffensive gewählt? Wieso gerade jetzt?

Lorenz Kirchschlager: Die Kampagne haben wir schon vor einem knappen halben Jahr für die Saison 2017/18 geplant. Wir wollen in dieser Saison viel Energie reinstecken, um die Community zu vergrößern. Unmittelbar vor dem ersten Derby des Doppels haben wir mit der Mitglieder-Offensive begonnen. Wichtig war nämlich auch, in der Woche vor einem Heimspiel zu starten, damit wir das Mitgliederzelt noch rechtzeitig anwerben können. Außerdem wollten wir die Kampagne einen Monat vor der Hauptversammlung starten, um den Leuten klar zu kommunizieren, welche Vorteile sie haben. Das Mitspracherecht hat man zwar erst nach drei Jahren, aber zur Hauptversammlung werden alle Mitglieder, auch neue, eingeladen. Dann kann man sich das Ganze mal ansehen, Fragen stellen, erhält den Geschäftsbericht – das ist schon ein interessanter Abend und absolut ein Grund Rapid-Mitglied zu sein.

abseits.at: Wie funktioniert im Zuge dieser Kampagne das Geo-Targeting? Beschränkt ihr euch mit eurer Werbung eher auf Wien und Umgebung oder habt ihr auch vor den Süden und den Westen zu „erobern“?

Lorenz Kirchschlager: Wir sehen uns als gesamtösterreichischer Verein, wie es auch in unserem Leitbild steht. Regional verwurzelt, aber dennoch mit großer Bedeutung in ganz Österreich und darüber hinaus. Wir wissen, dass wir bei den Mitgliedern sehr ost-lastig sind und wollen daher die neue Kampagne auch dazu nutzen, im Westen des Landes neue Mitglieder zu gewinnen.

abseits.at: Andy, du bist früher sehr häufig mit Spielern oder Mitgliedern des Trainerteams in die Bundesländer gefahren und hast Klinken geputzt. Stammtische, Fanklubtreffen, Grass Roots Arbeit eben. Das war eine Zeit, in der Rapid zuschauertechnisch nicht oft fünfstellig war. Machst du das auch heute noch?

Andy Marek: Gutes Timing mit deiner Frage. Es ist tatsächlich so: Wir beginnen im Zuge der neuen Mitgliederkampagne heute mit einer Stammtischtour. Heute geht’s noch ins Mühlviertel an die tschechische Grenze, 240 Kilometer eine Strecke. Um 15 Uhr kommen Hofmann, Schwab und Bolingoli und wir fahren los. Dort erhoffen wir uns heute ca. 100 Leute.

Lorenz Kirchschlager: Letztes Jahr haben wir ein Pilotprojekt mit fünf Stationen der Stammtischtour gemacht. Wir wollten uns anschauen, wie das überhaupt ankommt. Der Zuspruch war richtig gut und jetzt wollen wir wieder einen Schritt weitergehen.

Andy Marek: Wir haben eine Zielsetzung von einem Stammtisch pro Monat. Damit versuchen wir die Dinge, die uns am Herzen liegen, auch außerhalb Wiens weiterzugeben. Wir erzählen bei diesen Stammtischen alles, was die Leute wissen wollen, weil wir ein transparenter Verein zum Anfassen sein wollen. Außerdem haben wir auch hiermit klare Ziele in Sachen Mitgliedschaft, wir wollen bei der Stammtischtour viele von der Rapid-Mitgliedschaft überzeugen.

Lorenz Kirchschlager: Das ist auch der Grund, warum wir viele Autogrammstunden machen, wieso wir in Käfige in Wien gehen und zahlreiche Eigenevents veranstalten. Wir wollen anfassbar sein, ein Verein zum Angreifen. Hie und da bekommen wir den Vorwurf, dass wir zu viel abseits des Sportlichen machen. Aber Rapid ist ein Verein, mit dem man sich identifizieren kann und soll, nicht nur am Samstag beim Match, sondern die ganze Woche.

Andy Marek: Hier schließt sich der Bogen zur eigentlichen Frage. Klinken putzen jenseits von fünfstelligen Zuschauerzahlen: Ja, war so. Und hätten wir das nicht gemacht, dann wären wir vor einigen  Jahren auch nicht fünfstellig gewesen.

Lorenz Kirchschlager: Als Ernst Dokupil in den 90ern Trainer wurde, war ich 14 Jahre alt. Sommer 1994, Rapid war im Trainingslager in Oberpullendorf im Sporthotel Kurz. Ich habe meine Eltern bekniet, dass wir von Hartberg rauffahren. Wir waren die einzigen Trainingsgäste. Kühbauer, Mandreko, Barisic und Co. haben ihre Runden gedreht und ich war mit Fotoapparat ausgestattet und sehr nah dran. Ich habe Ernst Dokupil gefragt, ob ich das eh darf – er meinte „klar“. Und nach dem Training kam Dokupil zu mir, setzte mir sein Kapperl auf und sagte „schön, dass du da warst“. Das Kapperl hab‘ ich heute noch. Und genau das ist es, was ich unter Rapid zum Anfassen verstehe. Du musst es einfach zulassen, dem Fan ein Erlebnis bescheren, das ihn nicht mehr loslässt. Und wenn’s nur bei einem öffentlichen Training ist.

abseits.at: Wie sucht ihr bei der Stammtischtour aus, wo ihr hinfahrt?

Andy Marek: Wir suchen uns zuerst eine Region aus und kooperieren dann mit einem Fanklub, der für die Vor-Ort-Organisation sorgt. Location aussuchen, alles mit dem Wirten ausmachen und die Werbung… und wenn der Fanklub dann irgendwas vor Ort braucht, Deko zum Beispiel, schicken wir alles rüber.

abseits.at: Kann ein solch schnell wachsender Verein überhaupt noch immer ein Verein zum Anfassen sein? In den 90ern war doch einiges anders…

Lorenz Kirchschlager: Das eine schließt das andere nicht aus, wenn du diese Einstellung lebst. Wenn du Wert darauf legst, darauf achtest, anfassbar zu sein, dann macht Schnelligkeit nichts aus.

Andy Marek: Da gehören immer die richtigen Protagonisten dazu. Wenn du in einem Verein nur Leute hast, die ihr ganzes Leben zu schnell leben und dadurch die Wärme verlieren, die der Zugang zu Fans erfordert, dann wird’s vielleicht eines Tages nicht mehr so sein. Wenn du Leute hast, die verstehen worum es geht, dann wird man weiterhin ein Verein zum Anfassen sein. Wir fahren heute eben nach Oberösterreich und vor ein paar Tagen bekam ich ein Schreiben über einen Buben aus Oberösterreich, bei dem ein Tumor im Kopf diagnostiziert wurde. Der Vater hat uns gefragt, ob es nicht irgendwie möglich wäre, dass ein Spieler zu seinem Buben nach Hause kommen könnte, weil ihm das so viel Kraft geben würde. Ich habe ihm zurückgeschrieben: „Wir kommen“ – und er konnte es gar nicht glauben. Aber das hat so wunderbar gepasst! Der Besuch ist heute auf unserer halben Strecke, wir fahren da genau vorbei. Solange der Trainer, der die Spieler abstellt und sämtliche Verantwortliche sich einig sind, dass man ein Verein zum Anfassen sein soll, dann kannst du noch so schnell wachsen – dann wirst du das auch zusammenbringen.

Das Interview führten Daniel Mandl & Stefan Karger (19.10.2017)

abseits.at Redaktion

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