Zum Rückrundenauftakt empfing die Mannschaft der Wiener Austria die Oberösterreicher aus Ried. Im vermeintlichen Spitzenspiel dieser Runde, in welcher das Gros der Spiele abgesagt...

Zum Rückrundenauftakt empfing die Mannschaft der Wiener Austria die Oberösterreicher aus Ried. Im vermeintlichen Spitzenspiel dieser Runde, in welcher das Gros der Spiele abgesagt worden, war es besonders das Debüt von Ivica Vastic auf der Trainerbank in einem Pflichtspiel, welches mit Spannung erwartet wurde. Ohne Roland Linz trat man mit einem neuen Sturm an und trotz des guten Ergebnisses entwickelte sich kein berauschendes Spiel gegen die Gäste im roten Trikot. Die Violetten aus Favoriten können dennoch auf diesem Sieg aufbauen, während die Rieder zwar keine schlechte Leistung zeigten, aber in ihrer eigentlichen Stärke, dem Umschaltmoment, teilweise ungeahnte Schwächen offenbarten.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

Die Gäste begannen mit ihrem klassischen 3-3-3-1-System, welches sich sehr fluid zeigte. Rotpuller und Riegler spielten neben Reifeltshammer in der Innenverteidigung und legten dar, inwiefern sich dieses System von der Dreierkette Barcelonas unterscheidet und der italienischen Version deutlich stärker entspricht. Es sind nicht die Innenverteidiger, welche in einer Zwischenposition agieren, sondern die Außenverteidiger. Ähnlich dem Vorbild aus den 80ern traten Hinum und Schreiner als sogenannte Wingbacks auf, gut deutsch: Flügelverteidiger. Je nach Orientierung der gesamten Mannschaft bewegten sie sich nach vorne oder halfen den Innenverteidigern bei der Bildung eines Abwehrbollwerks. Interessant hierbei war, dass sich jeweils einer oder gar zwei Spieler auch bei Entstehen einer Fünferkette aus jener herausbewegen können und diese defensive Freiheit ist es, die das Rieder System stark macht – und gleichzeitig für ein großes Risiko sorgt, wie man beim ersten Gegentreffer sehen konnte. Ein schneller Einwurf lockte zwei der ballseitigen Verteidiger zum Ball und ebenso Hadzic aus dem zentralen Mittelfeld. An letzteren geht hier kein Vorwurf, seine extreme ballseitige Orientierung mag zwar ein Loch hinterlassen haben, allerdings war dies kein Problem, da schlichtweg keiner aus der violetten Doppelsechs aufgerückt war. Problematisch war allerdings die Herangehensweise an den ballführenden Gegner, welcher zwar unter Druck gesetzt wurde, aber sich mit Leichtigkeit durchsetzen konnte: Kienast brachte Ruhe ins Spiel und zwei Rieder Spieler liefen an ihm vorbei, ohne dass von hinten oder vorne nachgepresst wurde. Er hatte nun Zeit, um eine maßgenaue Flanke  zu schlagen – Pech für die Rieder, denn gegen eine solche wird das Verteidigen natürlich ebenso schwer, wie gegen die technisch brillante Volleyabnahme Gorgons, welche das 1:0 markierte. Auch Schreiner war zu stark Richtung Ball eingerückt und konnte folglich nicht mehr effektiv stören.

Mit der Führung im Rücken war die Austria die stärkere Mannschaft, die Rieder pressten zwar gut im ersten Drittel, doch im letzten Spielfelddrittel, gegen den Spielaufbau der Austria, wurde nur wenig unternommen. Zu vereinzelt attackierte man, um die gegnerische Viererkette konstant unter Druck zu setzen. Ortlechner und Margreitter in der zentralen Verteidigung verlagerten den Ball auf die Außenbahnen und Holland als tiefer postierter Spieler in der Doppelsechs kümmerte sich um das Anbieten von sicheren Anspielstationen in Druckphasen. Hierzu kam die Rolle Stankovics, welcher sich nach hinten fallen ließ und vor Hadzic agierte, um seiner Mannschaft eine weitere Option im zweiten Drittel anzubieten. Eine große Chance entwickelte sich daraus, als er einen Ball auf die Seite prallen ließ und die gesamte Offensivabteilung der Austria sich plötzlich hinter dem Rücken des gegnerischen Mittelfeld wiederfand, die folgende Fünf-gegen-Drei-Situation wurde allerdings nur unzureichend zu Ende gespielt.

4-2 gegen 3-3?

Obiges Beispiel zeigt klar, welche Probleme sich bei diesen Mittelfeldkonstellationen stellen. Die Austrianer können das Zentrum relativ einfach sperren, da sich Stankovic in den Raum fallen lässt und trotz Beichlers tieferer Rolle eine Überzahl im Zentrum herstellt. Hadzic und Beichler sind zumeist durch zwei Gegenspieler getrennt und müssen den Ball auf die Seite bringen, wo sich die Außenverteidiger in 1-zu-1-Situationen wiederfinden. Im Sturm hat man wieder ein ähnliches Match-Up, auf den Außenstürmerpositionen ist man numerisch ebenbürtig und im Zentrum, wo es am gefährlichsten werden kann, ist man überlegen und besitzt die Option einer tiefer postierten Doppelsechs zur zusätzlichen Absicherung.

Rieder Linienspiel

Die Mannschaft aus Oberösterreich trat sehr diszipliniert auf und versuchte den grobtaktischen Nachteil, welcher spätestens nach der Führung in Kraft trat, durch eine hohe Verteidigungslinie zu neutralisieren. Das Ziel war es, den durch die Dreierkette zusätzlichen Mann in der Abwehr nach vorne zu bringen und dadurch gegnerische Angriffe schneller zu unterbinden und generell im eigenen Ballbesitz kompakter zu stehen. Eine Anfälligkeit durch schnelle Konter, wie bei oben beschriebener Chance der Austria, war die logische Konsequenz, welche Gludovatz aufgrund des Rückstandes riskieren musste. Dennoch kamen die Rieder nun besser ins Spiel und waren mindestens ebenbürtig, man kam über schnelle Kombinationen der Außen bis vor das Tor, aber der Erfolg blieb den rot gekleideten Wikingern versagt.

Fazit

Es war kein tolles Spiel und einige Distanzschüsse zeigten, dass den offensiven Akteuren nicht immer kreative Lösungen einfielen. Aus taktischer Sicht positiv ist jedoch das schnelle Umschalten der Austrianer und das mutige Auftreten der Rieder nach dem Rückstand, welche letztlich dafür sorgte, dass sich beide Mannschaften in der Offensive auf die Außen konzentrieren mussten. Die Austria konnte ihrem Trainer Vastic ein gelungenes Debüt schenken und gewann verdient, obwohl die Rieder wohl ebenfalls ein Tor verdient gehabt hätten.

RM

RM schreibt auch für spielverlagerung.de

Rene Maric

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