Für Hyballa war dieses Spiel ein ausgesprochen wichtiges: bereits einige Kritik musste der Deutsche einstecken und gegen einen Außenseiter Punkte zu lassen hätte ihn... Befreiungsschlag für Hyballa und den SK Sturm: 4:1 über den Wolfsberger AC!

Für Hyballa war dieses Spiel ein ausgesprochen wichtiges: bereits einige Kritik musste der Deutsche einstecken und gegen einen Außenseiter Punkte zu lassen hätte ihn wohl noch zugänglicher für kritische Worte gemacht. Der WAC hatte auswärts gegen die Grazer zwar nur wenig Hoffnung wegen der Anpassungsphase Hyballas und seiner Mannschaft sowie den Gerüchten um interne Querelen erhofften sie sich durchaus einen Punkt. Außerdem fehlte Sturm ein Sextett an Spielern, doch sie ließen sich vor heimischem Publikum nicht von einer gewagten Aufstellung abbringen.

Ein 4-2-4?

Mit Okotie, Bodul, Sukuta-Pasu und Urgestein Szabics stellte Hyballa vier nominelle Stürmer auf, welche in einer Art 4-2-1-3 agierten. Dadurch sollte der Gegner und seine 4-4-2-Formation neutralisiert werden, in sämtlichen relevanten Aspekten. Durch das 4-2-1-3 konnte im zentralen Mittelfeld Überzahl hergestellt werden, während das gegnerische Aufbauspiel durch ein hohes Pressing schon im defensiven Mittelfeld scheitern sollte. Falls die Außenverteidiger aufrücken sollten, so würden sich die Außenstürmer fallen lassen und auch Defensivaufgaben übernehmen. Ein riskantes und komplexes System, welches allerdings ziemlich gut funktionierte.

Schneller Rückstand und schnellere Rückkehr

Die Gefahr in dieser Spielweise bestand in einem zu hohen Fokus auf die Offensive und einer mangelnden vertikalen Kompaktheit. Beim Gegentreffer kam eine zu breite Kettenaufteilung hinzu, weswegen ein langer Ball auf Jacobo relativ einfach gespielt worden konnte. Dieser verarbeitete den Pass sehenswert und kam dadurch zu einem wundervollen Führungstreffer. Nur wenige Minuten später war es jedoch ein Fehler der Wolfsberger-Abwehr, welcher die Führung wieder zunichtemachte. Beim Treffer wird Szabics von Liendl laufen gelassen und der Hintermannschaft übergeben. Das Problem ist – neben dem Geschwindigkeitsvorteil des Ungarn -, dass es hier klar an der Kommunikation mangelte. Dadurch kam Szabics von hinten, konnte sich besser als die Abwehrspieler positionieren und mit ebendiesem Geschwindigkeitsvorteil schnell an den Ball kommen, was im Treffer mündete.

Die Aufstellung Szabics‘

Auch beim zweiten Treffer war Szabics ursächlich beteiligt, als er einen Freistoß schnell ausführte. Alles in allem zeigte Szabics auf der vermeintlichen Zehnerposition einen erfrischenden Sinn für Vertikalität, freie Räume und das Einleiten torgefährlicher Aktionen. Gemeinsam mit Bodul bildete er ein Pärchen zweier hängender Stürmer hinter einem klassischen Sturmduo. Lediglich die Seiten waren verschoben, so dass es teilweise noch wie ein 4-3-3 wirkte. Bodul agierte aber tiefer als Okotie und schob nach innen, was wiederum Szabics etwas halbrechts verschob. Vorne rückte dann Sukuta-Pasu mit Okotie ins Sturmduo und bildete eine Art 4-2-2-2. Innerhalb dieses Systems wurde viel rochiert und Positionen getauscht, insbesondere natürlich von Sukuta-Pasu und Okotie.

Die Außenverteidiger von Sturm Graz

Damit diese Aufstellung funktionierte, benötigte Sturm auch die dazu passenden Außenverteidiger. Diese mussten nämlich bei Bedarf die Breite ins Spiel bringen und im richtigen Moment nach vorne rücken. Des Weiteren hatten Ehrenreich und Klem etwas unterschiedliche Aufgaben. Links ging Klem einige Male auch diagonal nach innen, Bodul konnte aus seiner Halbposition auf den Flügel gehen und Räume öffnen. Klem hatte dann weite Räume und brachte Unordnung in die gegnerische Abwehr. Im Normalfall gibt es nämlich eine Mannorientierung der gegnerischen offensiven Flügel auf die Außenverteidiger. Doch da Klem in die Mitte zieht, wird er oftmals dem zentralen Mittelfeld überlassen, was aber für Löcher sorgt. Einerseits ist die Kommunikation schwer, andererseits stehen die Sechser in solchen Situationen weit in der eigenen Hälfte und formieren sich kompakt vor der Innenverteidigung. Dadurch kann ein diagonal hereinziehender Außenverteidiger weite Wege gehen und viel Raum machen, auch wenn er nur im seltensten Fall für Torgefahr sorgt. Dennoch bringt er den Ball ins letzte Drittel und kann von dort aus einem kreativeren Spieler den Ball überlassen.

Ehrenreich auf der rechten Außenbahn hatte keinen Spieler wie Bodul, der ihm die Räume öffnete – im Gegenteil, er sollte die von Okotie verwaiste Außenbahn füllen und das Spiel breit machen. Je breiter das Spiel war, umso schwerer tat sich der WAC, denn ihre Schnittstellen waren geweitet und die Rochaden der Grazer waren immens gefährlich. Auf dem Papier kann jeder der vier Spieler sämtliche Offensivpositionen besetzen und für Gefahr sorgen. Durch die enge Stellung der vier Spieler können sie dynamisch miteinander kombinieren und schnell vor das Tor kommen, was ihre größte Waffe war. Doch auch defensiv konnten interessante Aspekte beobachtet werden.

Sturm Graz im Pressing

Die Hausherren überließen den Wolfsbergern in deren eigenen Hälfte durchaus den Ball, insbesondere nach der Führung, wo sie sich verstärkt aufs Kontern verlegten. Aber dennoch gab es einige sehr intensive Pressingphasen, wo im Angriffspressing die Gäste stark unter Druck gesetzt wurden. Durch das 4-3-3 waren die Räume eng und auch das defensive Mittelfeld, allen voran Weber, beteiligte sich am Pressing. Beim Tor von Sukuta-Pasu war es Weber, der einen schwachen Pass antizipierte und ihn erlief. Doch anstatt den Ball abzuspielen und auf seine Position zurückzukehren, nutzte er seinen Geschwindigkeitsvorteil. Er überlief den Gegenspieler und schaltete sich instinktiv in den Angriff mit ein, was die richtige Lösung war. Dadurch wurde die vom Aufbauspiel noch deformierte Abwehr der Wolfsberger schnell unter Druck gesetzt und reagierte falsch: Weber wurde attackiert, er spielte Sukuta-Pasu in den Lauf, der sich den Ball einmal mitnahm und verwandelte. Das Spiel war gegessen und in der zweiten Halbzeit ließ das Tempo sichtlich nach. Die Grazer hatten aber noch einige Chancen und hätten durchaus höher gewinnen können.

Beim WAC fehlt viel – bei den Grazern wenig

Eine herbe Schlappe trübt die Stimmung beim Aufsteiger. Bislang zeigten sie individuell wie taktisch klare Mängel und es sieht so aus, als ob nur die miserable Form von Wiener Neustadt ihnen im Kampf um den Nichtabstieg helfen kann. Allerdings ist die Grundidee eines schnell konternden 4-4-2 eine gute, es fehlt jedoch etwas an der individuellen Qualität. Ein anderer Punkt ist natürlich auch, dass Mannschaften wie Sturm Graz über ein hohes spielerisches Niveau verfügen. Mit Okotie, Bodul und Sukuta-Pasu sind drei junge, technisch starke und dynamische Akteure an vorderster Front, welche an einem guten Tag jede Mannschaft in der österreichischen Liga schwindelig spielen können. Insbesondere mit dem erfahrenen Szabics dahinter sind sie gefährlich. Aktuell fehlt es noch an der Konstanz und der defensiven Stabilität in gewissen Spielszenen, um ein Favorit im Meisterschaftsrennen zu sein.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

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