In der Saison 2015/16 hatte Ried Probleme, stand vor der Winterpause sieben Spieltage lang auf dem letzten Platz, entließ bereits früh den isländischen Coach... BL-Vorschau: Umkrempeln im Innviertel

SV Ried - Wappen mit Farben_abseits.atIn der Saison 2015/16 hatte Ried Probleme, stand vor der Winterpause sieben Spieltage lang auf dem letzten Platz, entließ bereits früh den isländischen Coach Helgi Kolvidsson. Auch Altmeister Paul Gludovatz war mit der Art und Weise, wie seine Mannen auftraten nicht immer happy. Nun gibt’s zwar einen Tapetenwechsel in Ried, aber die Saison 2016/17 wird dennoch enorm schwer.

Der Trainer

Gerhard Schweitzer war zehn Jahre lang der starke Mann im Hintergrund bei der SV Ried, sagt nun aber mit seinem Wechsel nach Vöcklamarkt dem Profigeschäft endgültig adé. Der neue Mann heißt Christian Benbennek, ist auf Profilevel eher unerfahren und will bzw. muss Ried ordentlich umkrempeln. Schon beim Cup-Spiel in Kufstein standen vier von fünf Neuen in der Startelf und Benbennek muss möglichst schnell ein Team formen, was angesichts der doch recht großen Fluktuation im Kader und einigen personellen Fehlgriffen in der Vorsaison nicht einfach wird.

Das System

In Ried wird man 2016/17 wohl zwischen einem 4-4-2 und einem 4-2-3-1-System mit Doppelsechs schwanken. Das unter Gludovatz geprägte 3-3-3-1 dürfte – zumindest vorerst – der Vergangenheit angehören. Ried wird wieder geradliniger spielen, keine Kettenexperimente wagen. Dies wird aber nur gutgehen, wenn die Offensivsten gut nach hinten arbeiten und vor allem die Doppelsechs, die wir später vorstellen, noch mehr Verantwortung als in der Vorsaison übernimmt.

Der Torhüter

Kapitän und Urgestein Thomas Gebauer ist natürlich weiterhin gesetzt. Der mittlerweile 34-jährige Deutsche ist die Beständigkeit in Person, auch wenn er in den letzten Jahren nicht mehr an seine Supersaisonen zu Beginn seiner Ried-Zeit anknüpfen konnte.

Die Abwehr

In der Abwehr der Rieder ist einiges neu. Altbekannt ist Abwehrchef Thomas Reifeltshammer, der auch 28-jährig noch in Ried spielt. Rechts kämpfen Thomas Bergmann, Nico Antonitsch und der mit den besten Karten ausgestattete Florian Hart um den Platz in der Kette. Mit dem 21-jährigen Özgür Özdemir holte Ried einen spielstarken Innenverteidiger aus Nürnberg, der ohne Zweifel gesetzt sein wird. Links ist der kampfstarke Deutsch-Mosambikaner Ronny Marcos eine Bank. Zusätzlich gibt’s mit Dennis Chessa eine weitere Alternative für die linke Verteidigung.

Die Mittelfeldzentrale

Riesige Erwartungen und hohe Verantwortung ruhen auf Marcel Ziegl. Nachdem er weite Teile der letzten Saison aufgrund seines gegen Rapid erlittenen Kreuzbandrisses aussetzen musste, soll er ab sofort zum absoluten spielerischen Boss in der Mannschaft werden. Neben Ziegl wird der ebenfalls sehr defensive Michael Brandner zum Zug kommen, weil mit Gernot Trauner einer der Senkrechtstarter der Vorsaison mit einem Kreuzbandriss noch das ganze Jahr ausfällt. Offensiv wartet man ungeduldig darauf, dass der in der letzten Saison starke Dieter Elsneg wieder zurück ins Team kommt. Dieser laboriert aktuell aber an der gefürchteten Schambeinentzündung.

Die Außenpositionen

Für die Flügel verfügt Christian Benbennek über einige vielversprechende junge Spieler: Peter Zulj ist ebenso ein heißer Starterkandidat wie Mathias Honsak. Der Linksfuß ist derzeit allerdings mit einer Muskelverletzung out und stößt erst später zum Team. Patrick Möschl kann rechts wie links aufgeboten werden, ebenso wie Neuverpflichtung Marvin Egho, der aber wohl eher für den Angriff eingeplant ist.

Der Angriff

Die Achillesferse der Rieder liegt in der Spitze. Nachdem Sikorski und Gavilán überhaupt nicht funktionierten und wieder freigestellt wurden, hat man für die neue Saison lediglich Egho, Fröschl und Schubert zur Verfügung. Nicht zu vergessen ist allerdings Clemens Walch, der eine Art Freigeist, hängende Spitze oder sogar Zehner spielen könnte. Der ehemalige Deutschland-Legionär erzielte im Cup gegen Kufstein gleich drei Treffer. Eigentlich ist Walch rechter Mittelfeldspieler, aber auch in der Vergangenheit spielte er an vorderster Front und so wird in Ried womöglich aus der Not eine Tugend gemacht.

Die Transfers

Gezwungenermaßen tat sich heuer im Innviertel viel. Nicht mehr benötigte Spieler wie Sikorski, Gavilán, Polverino oder Baumgartner wurden freigestellt, mit Janeczek und Filipovic verlor man zwei defensive Leistungsträger. Der Kader wurde also einem echten Reset unterzogen. Neu im Team sind die bereits erwähnten Özdemir, Chessa, Marcos, Zulj und Egho, allerdings wurde bisher die vakante Position des Brecherstürmers nicht nachbesetzt. Ried hat insgesamt gut reagiert, aber nicht agiert, was sicher auch den finanziellen Möglichkeiten geschuldet ist.

Ausblick auf 2016/17

Ein gutes Drittel der Mannschaft wird umgekrempelt, es gibt Dichteprobleme im zentral-defensiven Mittelfeld und im Angriff und möglicherweise wird in der neuen Saison – so gar nicht Ried-Style – mangelnde Physis zu einem Problem der Innviertler werden. So oder so stehen die Rieder vor einer richtig schwierigen Saison, in der wohl auch der Abstieg nicht auszuschließen ist. Platz 8 bis 10.

SV Ried 2016-17Zum Vergrößern klicken

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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