Jeden Sonntag wollen wir an dieser Stelle Briefe aus aktuellem Anlass versenden. Mit Gruß und Kuss direkt aus der Redaktion – Zeilen zum Schmunzeln,... Briefe an die Fußballwelt (14) – Lieber Peter Stöger!

Jeden Sonntag wollen wir an dieser Stelle Briefe aus aktuellem Anlass versenden. Mit Gruß und Kuss direkt aus der Redaktion – Zeilen zum Schmunzeln, Schnäuzen und Nachdenken an Fußballprotagonisten aus allen Ligen. Diesen Sonntag adressieren wir unseren Brief an einen (wahrscheinlich) heimkehrenden Wiener.

Lieber Peter Stöger!

Gestern vor fünfzig Jahren hieß es für die Menschheit „The Eagle has landed!“: Apollo 11 flog zum Mond und die Welt hielt den Atem an. Soweit ist es in Wien 10 zwar noch nicht gekommen. Aber irgendwie ist der „Eagle“ jetzt auch zurück in Favoriten: Du, letzter Meistermacher der Veilchen, heuerst wohl wieder bei jenem Verein an, den du in der Saison 2012/13 mit Punkterekord zum Meistertitel geführt hast.

Ich kann mich noch gut an diese Zeit, besonders an das anschließende Hickhack als bekannt wurde, dass der 1. FC Köln an dir dran ist, erinnern. „Wir reden nur über Moral, wenn gute Leute sich trotz bestehenden Vertrags verbessern wollen. Wir reden nicht über Moral, wenn Trainer trotz Vertrags gefeuert werden.“, hast du damals gesagt. Ganz recht. Im Dezember 2017 hast du diese Seite, über die wir nicht reden, am eigenen Leib erfahren müssen. Aber so ist das Spiel, so ist Fußball.

Jetzt wirst du wieder ein Violetter. Kritiker sprechen von Rückschritt, die Austria klammert sich an jene Hoffnung, die mit den Erinnerungen an den letzten Tellergewinn verbunden sind. Ich frage mich, wie es dir damit geht. Über dein Können und Wissen lässt sich schwer streiten, doch die Trauben hängen hoch: Viel wird von dir erwartet, als Sportdirektor ist es aber noch schwerer schnell sichtbare Ergebnisse zu erzielen. Vor allem, wenn man so knapp vor Saisonstart einsteigt.

Dennoch, lass dir eines sagen, Peter: Du hast schon viel erreicht. Du hast deinen österreichischen Landsmännern die Tür zur deutschen Bundesliga geöffnet. Seit deiner erfolgreichen Zeit im Rheinland strecken die Vereinspräsidenten jenseits des Weißwurstäquators – der FC Hollywood fischt bekanntlich in anderen Gewässern – ihre Fühler auch nach Österreich aus. Zumindest kann man behaupten, dass sie die Trainer der hiesigen Bundesligisten am Radar haben. Oder warum wird ein Adi Hütter (via Bern) Trainer in Frankfurt? Warum wechselt ein Oliver Glasner vom LASK zum Wolfsburger Werksklub? Diese Errungenschaft war für den österreichischen Fußball wahrscheinlich wichtiger als es jeder Klubtitel sein kann. Diesen Erfolg kann man dir ebenso wenig wie all deine Titel nehmen. Egal was die Zukunft bringt, wohin es dich verschlägt: Irgendwann wird man dir für diese (und andere) Leistungen Tribut zollen.

Alles Gute bei der Austria oder anderswo wünscht dir

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag

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