13.400 Zuschauer im Allianz Stadion, 6.500 in der Merkur Arena und 3.900 in der Red Bull Arena – man lehnt sich mit der Behauptung,... Bundesliga-Spielplan: Der Horror-Termin ist endlich Geschichte

13.400 Zuschauer im Allianz Stadion, 6.500 in der Merkur Arena und 3.900 in der Red Bull Arena – man lehnt sich mit der Behauptung, dass Rapid, Sturm und Salzburg in der 17. Bundesligarunde ihr Saisonminus in puncto Besucherzahlen aufgestellt haben, nicht allzu weit aus dem Fenster. Der Grund dafür liegt freilich auf der Hand: Eine englische Runde Ende November lockt nur die hartgesottensten Fans in die Stadien.

Familien trifft man zu diesem Termin nicht auf den Tribünen an, zudem ist es für viele Berufstätigte schwierig, nach Dienstschluss noch das Stadion aufzusuchen. Spielt dann auch noch das Wetter nicht mit und der Winter schneit herein, was Ende November schon einmal vorkommen kann, ist das Zuschauer-Desaster perfekt.

Das gilt übrigens nicht nur für Österreich, denn auch in der Schweiz wurde zuletzt unter der Woche gespielt. Bei den Eidgenossen stand das Cupviertelfinale auf dem Programm, ebenfalls mit sehr überschaubaren Zuschauerzahlen. So durfte der FC Basel gegen Luzern lediglich 7.400 Unentwegte im St. Jakob Park willkommen heißen. In Bern waren es ebenfalls nicht mehr, in Zürich verirrten sich gar nur 4.600 Personen ins Stadion, während die Partie Lugano gegen Grasshoppers mit 1.500 Schaulustigen den absoluten Tiefpunkt darstellte.

Ligareform bringt weniger Winterfußball

Die gute Nachricht für die österreichischen Fußballfans lautet: Sie mussten zum letzten Mal in einer englischen Woche im Winter auf den Tribünen frieren. Und die Bundesliga musste sich zum letzten Mal über gähnend leere Stadien ärgern, die weder dem Image zuträglich sind, noch dem angepeilten Zuschauerschnitt von 10.000 Besuchern pro Partie.

Ab der Saison 2018/19 ist dieser unliebsame Termin nämlich Geschichte. Dann greift die Ligareform, und statt 20 Partien vor der Winterpause wird es nur noch deren 18 geben. Zwar ist der Rahmenterminplan noch nicht offiziell, doch fest steht bereits, dass die winterliche englische Runde eingespart wird, außerdem wird die Winterpause vermutlich eine Woche früher beginnen. In dieser Saison wird noch bis zum 17. Dezember gekickt.

Nach der Winterpause, die wahrscheinlich auch eine Woche später als bisher, also Mitte Februar, enden wird, stehen noch vier Runden im Grunddurchgang auf dem Programm, ehe Mitte März die Teilung in Meister- und Qualifikationsgruppe erfolgt. In diesen werden je zehn Spiele ausgetragen, danach stehen Meister und Absteiger fest.

Um das letzte Europa-League-Ticket gibt es schließlich ein Playoff zwischen dem Bestplatzierten der Qualifikationsgruppe beziehungsweise zwei Teilnehmern aus der Meistergruppe. Drei Spiele stehen insgesamt auf dem Programm, die binnen einer Woche absolviert werden. Hier gibt es also eine englische Runde, die allerdings kein Problem darstellt. Schließlich ist Ende Mai auch abends mit angenehmer Witterung zu rechnen, außerdem wird der Endspielcharakter das seinige dazu beitragen, die Stadien zu füllen.

Für die Ligareform mag es viele Gründe geben, sei es die notwendige Überarbeitung der dahinsiechenden zweithöchsten Spielklasse oder die bessere Vermarktbarkeit der Bundesliga mit mehr Spannungsmomenten. Ein positiver Effekt ist jedenfalls die Reduzierung der Spieltage, das wird an kalten November-Abenden besonders deutlich.

Aufgeblähter Europacup fordert Konsequenzen

36 Runden sind für ein Land wie Österreich, in dem eine ausgeprägte Winterpause aufgrund der klimatischen Verhältnisse unabdingbar ist, heutzutage schlicht und ergreifend zu viel. Das mag vor 25 Jahren, als die Zehnerliga eingeführt wurde, noch anders gewesen sein, aber die damalige Fußballwelt ist mit der heutigen kaum vergleichbar.

Während Austria Salzburg in der Saison 1993/94 inklusive UEFA-Cup-Finale lediglich zwölf internationale Partien bestritt, wird Red Bull Salzburg nach der Beendigung der Europa-League-Gruppenphase bereits dieselbe Anzahl in den Beinen haben – und dann steht erst das Sechzehntelfinale auf dem Programm.

Durch die sukzessive Aufblähung des Europacups, der um Gruppenphasen und Qualifikationsrunden erweitert wurde, gibt es für die nationalen Bewerbe kaum noch Platz. Eine englische Runde im September oder Oktober ist undenkbar, weil entweder Europacup ansteht oder das Nationalteam spielt. Was bleibt, sind unattraktive Termine wie jener Ende November.

Die Reduzierung der Spieltage ist die einzig logische Konsequenz. Dadurch verliert zwar jeder Verein zwei Heimspiele, was auf den ersten Blick ein Minusgeschäft sein mag, doch da sich die wegfallenden Partien im Winter befinden, hält sich der finanzielle Schaden in Grenzen. Allzu hoch werden die Einnahmen angesichts der schütteren Zuschauerkulissen zuletzt wohl nicht gewesen sein, zumal Fixkosten wie Stadionmiete und Sicherheitsdient auch bei kalten Temperaturen zu bezahlen sind.

Die Schweiz hat sich nach eingehender Analyse übrigens gegen eine Ligareform entschieden, wird weiterhin mit einer Zehnerliga spielen und folglich den Termin Ende November unter der Woche in Anspruch nehmen müssen.

OoK_PS, abseits.at