Jedes Jahr gehören sie zu den Abstiegskandidaten, doch bisher konnte sich Franz Lederers Team immer wieder retten. Bei den Gegner unpopulär, kein Team für... Bundesliga-Vorschau: Das "Werkl" Mattersburg – mit Kampf zum Klassenerhalt?

Jedes Jahr gehören sie zu den Abstiegskandidaten, doch bisher konnte sich Franz Lederers Team immer wieder retten. Bei den Gegner unpopulär, kein Team für die Feinspitz-Kiebitze, aber effektiv. Doch kann sich der SV Mattersburg auch 2011/12 vor dem Abstieg retten? Alles über den östlichsten Klub der Liga im zweiten Teil der abseits.at-Bundesliga-Vorschau.

TORHÜTER

Borenitsch, Schartner und Heimkehrer Böcskör. Eigentlich ist der 30jährige Borenitsch der „Einser“, doch noch nie konnte der in Antau geborene Keeper eine Saison ohne Verletzung oder gröbere Fehler beenden. Amateurgoalie Schartner, der 2010/11 bereits zu vier Einsätzen in der Kampfmannschaft kam, klopft langsam an, möchte in die Startelf des Bundesligaklubs – zudem kommt mit Markus Böcskör ein solider Routinier zurück zu seinem Ex-Verein. Die Torhüter des SV Mattersburg sind dennoch allesamt Spieler, wegen denen noch kaum ein Gegner ehrfürchtig sagte: „Jössas, heute geht’s gegen den Borentisch/Böcskör!“ Unterer Durchschnitt im Bundesligavergleich.

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ABWEHR

Die Verteidigung um den oft überharten und fehleranfälligen Malic und Alexander Pöllhuber präsentierte sich nicht immer sattelfest und die Fans lechzen schon lange nach einem echten Boss in der Abwehr, wie man ihn früher mit Goce Sedloski oder noch früher mit Tibor Zatek hatte. Nach zwei Jahren in Belgien kehrt nun Adnan Mravac, mittlerweile 29 Jahre alt, nach Mattersburg zurück und soll helfen, die Abwehr der Burgenländer zu stabilisieren. Auch wenn Mravac im bosnischen Nationalteam derzeit nicht überzeugen kann, ist die Verpflichtung eines aktuellen bosnischen Teamspielers ein großer Coup für den SV Mattersburg und wird die Abwehr definitiv facettenreicher machen.

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MITTELFELD

Ebenfalls seit langer Zeit fehlt dem Mattersburger Mittelfeld ein echter Leader. Einer, wie der heutige Admira-Coach Kühbauer es lange Zeit war. Michael Mörz ist längst ein Schatten seiner selbst, der Kroate Ivan Parlov entpuppte sich als solide, aber nicht als absolute Topverstärkung. Die jungen Farkas, Ilsanker, Doleschal oder Seidl spielen ihre Partien taktisch gut hinunter, aus der Mattersburger Durchschnittsmasse sticht dennoch keiner wirklich heraus. Der Verein reagierte weiterhin nicht, noch ist kein echter Führungsspieler für das Mittelfeld der Burgenländer in Sicht.

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ANGRIFF

Auf dem Papier haben die Angreifer des SV Mattersburg großes Potential. Da wäre etwa Patrick Bürger (24), der wuchtige Stürmer, der letzte Saison 14 Saisontore sammelte. Oder der routinierte Robert Waltner (33), der Mann für die wichtigen Tore, der immer mehr zu einem „Super-Sub“ Franz Lederers wurde. Und natürlich Enfant Terrible Ilco Naumoski (27), der Spieler, der wohl bei Fans aller anderen Vereine durchschnittlich die größten Antipathien hervorruft. Dazu kommt mit dem Franzosen Wilfried Domoraud (22) ein zusätzlicher, arbeitender, körperlich starker Stürmer. Die beweglichen, robusten Speerspitzen sind rein spielerisch betrachtet das größte Kapital der Burgenländer. Jeder Stürmer unterscheidet sich vom anderen, mit dem vorhandenen Material lassen sich zahlreiche Spielformen kreieren – und das macht den Angriff des SVM so gefährlich.

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TEAM

Der SV Mattersburg hat sich in den letzten Jahren einen Ruf aufgebaut, der dem Team vorauseilt. Kaum ein Gegner möchte gerne gegen die extrem hart, an der Grenze zur Unfairness agierenden Mattersburger spielen. Die Burgenländer provozieren, suchen die Zweikämpfe, sind speziell in den meisten Heimspielen organisiert wie eine Armee. Das kollektive Umsetzen einer zerstörerischen Taktik, die den Gegner auch mental zu zermürben vermag, macht das TEAM Mattersburg zu einer gut funktionierenden Maschinerie. Auch wenn es mit einigen Spielern gespickt ist, die bei anderen Bundesliga-Klubs maximal auf der Bank sitzen würden.

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TRAINER

Für den scheinbar pragmatisierten Mattersburg-Trainer Franz Lederer spricht, dass er den SVM Jahr für Jahr vor dem Abstieg rettet und hie und da Ausreißer nach oben hat. Letztere waren jedoch eher das Resultat einer tatsächlich starken Mannschaft rund um Kühbauer, Fuchs, Mandreko oder Sedloski. Obwohl Lederer seinen Trainerstuhl auch in schweren Zeiten retten konnte, ist der Mattersburg-Coach für einen Klub mit Perspektive und Konzept – was es in Mattersburg jeweils nur bedingt gibt – kein geeigneter Trainer. Dies ist mit seinem fehlenden Fachwissen/Instinkt, aber auch mit seiner unterdurchschnittlichen Außendarstellung zu begründen. Mattersburg ist der einzige Klub der Liga, der seinen Coach vermutlich auch nach einem Abstieg behalten würde. Und das ist im Sinne potentieller Weiterentwicklung tödlich für einen Verein.

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GESAMT

Mattersburg beschreitet auch die neue Saison mit Spielern, die ohne den passenden Leader nicht bundesligatauglich sind. Einzig in der Abwehr ist durch die Rückkehr von Mravac mit einer Verbesserung zu rechnen. Doch wie immer wird das „Werkl Mattersburg“ im Rahmen seiner Möglichkeiten durch Kampf und Aggression funktionieren. Abseits.at erwartet, dass Mattersburg den Abstieg erneut verhindern kann und rechnet mit einem Rang zwischen 7 und 9.

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Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen