Bereits vor den brisanten Ereignissen und zum Teil ernüchternden Ergebnissen der letzten Wochen sprachen wir mit der „Stimme Rapids“ Andy Marek, der uns in... Das große Fan-Interview mit Andy Marek (2) – “Mit Negativstimmung ist nichts zu erreichen”

Bereits vor den brisanten Ereignissen und zum Teil ernüchternden Ergebnissen der letzten Wochen sprachen wir mit der „Stimme Rapids“ Andy Marek, der uns in einem langen Interview einen tiefen Einblick in die Fanszene, Marketing- und Merchandising-Arbeit aber auch in sein eigenes Leben gab. In dieser dreiteiligen Interview-Serie möchten wir euch die sympathischen Antworten des Andy Marek präsentieren. Im zweiten Teil geht es um das mannigfaltige Rundherum beim SK Rapid!

K3nny: „Wie schaffst du es, trotz all der Probleme, die hie und da aufgetreten sind und der damit verbundenen schlechten medialen Berichterstattung über dich und den Verein, doch immer ein so menschennaher, positiver Typ zu bleiben.“

Andy Marek: „Ich bin einfach mit dem Virus infiziert. Und wenn man das ist, hat man eine höhere Schmerzgrenze. Man kann immer davonlaufen oder alles hinschmeißen, wenn wieder etwas Unangenehmes passiert. Aber wenn du Rapid so lebst wie ich, bist du wie gefangen. Und es lässt dich nicht los.  Ich bin nicht immer positiv, aber ich denke, dass es nicht nötig ist, sich auf dasselbe Niveau zu begeben wie die ohnehin vielen negativen Menschen, Raunzer und Grantler in diesem Land . Ich denke, dass etwas Schlechtes immer etwas Gutes mit sich bringt. Nehmen wir den Derby-Platzsturm oder Saloniki. Das Schlechte wäre zwar entbehrlich, man braucht’s nicht unbedingt, aber man kann sich’s nicht aussuchen. Mich haben diese letzten 1 ½ Jahre so viel an Substanz gekostet, aber gleichzeitig habe ich auch so vieles gelernt. So lange ich bei Rapid bin werde ich alles für diesen Verein geben und von Leuten ohne Verantwortung, die in der „fünften Reihe“ stehen und immer nur kritisieren, werde ich mich nicht aufhalten lassen, solange ich bei diesem Verein arbeiten darf. Meine Einstellung ist die, dass mit Negativstimmung nichts zu erreichen ist.“

Admirana111: „War es schon immer dein Wunsch für Rapid zu arbeiten?“

Andy Marek: „Nein. Ich hatte das ganz klare Ziel die Firma meiner Eltern zu übernehmen. Ich war zu diesem Zeitpunkt ein Rapid-Fan, der aufgrund der Distanz Waldviertel-Wien nicht jede Meisterschaftspartie gesehen hat. Im Jahr habe ich im Schnitt 10 – 12 Heimspiele besucht, auswärts war ich hie und da auch dabei. Seit meiner Kindheit war ich Rapid-Fan, aber mein Ziel war es, die Firma meiner Eltern zu übernehmen und zu führen, was ich dann auch 17 Jahre lang gemacht habe. Nach diesen 17 Jahren habe ich gedacht, dass es Zeit für eine Veränderung wäre und hatte die Möglichkeit die Firma weiterzugeben. Dann hat es eben den Weg genommen, dass ich hier mitarbeiten und  etwas auf die Beine stellen durfte, aber es war nicht mein jugendliches Ziel für Rapid zu arbeiten.

Wurb: „Warum versprichst du immer wieder etwas obwohl er es dann nicht einhält? (Stichwort: verstorbener Freund dessen Frau das Abo (West) von Ihm auf ebay verkaufen möchte) Bin mir sicher das er es noch weiß was ich meine.“

Andy Marek: „Ich kann mich an die Geschichte erinnern, weiß aber nicht mehr genau den Inhalt. Ich biete hier sofort an, dass ich es wiedergutmachen werde, sollte ich etwas vergessen haben. Bitte melde dich noch einmal bei mir und wir werden die Sache so lösen, wie es richtig und gut ist!“

Zahi: „Welche Aufgaben im Verein würden sie noch interessieren/reizen und wie sehen sie ihre Perspektiven beim Verein?“

Andy Marek: „Ganz banal: Mich reizt alles, was dem Verein hilft und wo wir eine Vorreiterrolle anstreben können bzw. national und über die Grenzen hinaus zeigen können, dass wir etwas Innovatives und Gutes machen. Mich reizt zum Beispiel auch das Stadionprojekt, in dem ich auch involviert bin und das etwas Neues für mich ist. Gemacht habe ich hier jedenfalls schon viel, ich kenne schon eine Menge Stationen 😉 „

Pfarrwiesler: „Retrospektive Kritik: Meiner Meinung nach hat man gewisse Fan-Kreise zu lange hofiert, gewisse Privilegien eingeräumt – und damit ungewollt auch zahlreichen „Erlebnisorientierten“ (…) Oberwasser gewährt. Nicht, dass man das gefördert hätte – aber man hat das doch sicherlich gewusst – und aufgrund positiver fantechnischer Auslandseinsätze (siehe u.a. Birmingham) vielleicht auch stillschweigend toleriert!

Die Idee, Leibchen mit dem Aufdruck „Wir sind Rapid – und wer seid ihr“ zu produzieren, war sicher genial – andererseits glaube ich, dass sich so mancher T-Shirt-Träger als alleiniger Rapid-Repräsentant fühlt/e – und das auch gegenüber anderen Rapid-Fans ohne ein solches… => übersteigertes Sendungsbewusstsein!

Ich kann mich noch gut erinnern, dass du mich in der letzten Europa-League-Saison extra angerufen (!!!) hast – anstatt irgendeine lapidare E-Mail Antwort zu senden – um auf diesem Weg eine Problemlösung zu finden. Das hätte ich damals eigentlich nicht wirklich erwartet und war um so mehr positiv angetan! (Zwischendurch hast du auch irrtümlich meinen mittlerweilen fast 92-jährigen Vater angerufen, der mir heute noch davon erzählt, dass ihn „ein Hr. Marek von Rapid“ angerufen hätte… – SUUUPER!!!)

Einige Fragen, die auch ich ähnlich stellen wollte, sind bereits gepostet – darum nur diese: Wer ist letztendlich seitens des SK Rapid für den Karten-Vorverkauf via WWW (wien-ticket.at) zuständig/verantwortlich? Es gab und gibt etliche „Bugs“ in diesem System – abgesehen von Auslastungsproblemen: Es müsste doch ohne größeren Aufwand möglich sein, sich im geschützten Vorverkauf als Mitglied und/oder Abonnent EINMAL einzuloggen (wenn ich z.B. für meine 15-köpfige Freundesrunde Tickets nebeneinander/in einem Block erwerben möchte) – die gewünschte Ticketanzahl bzw. Saalplatzbuchung zu machen – UND DANN ERST – die benötigten Daten (Mitgliedsnummer, Abonummer) einzugeben…

Absolut schlechter Witz: Das Verlangen einer „Systemgebühr“ plus Verrechnung von exorbitanten Versandkosten PRO (Einzel-)Bestellung. Klar, dass wien-ticket.at nicht gratis arbeitet – aber der SK Rapid erspart sich (theoretisch) „Manpower“ an den Kassen – Warum also diese (unverhältnismäßig hohen) Gebühren bei gleichzeitig mieser Abwicklung?“

Andy Marek: „Pauschale Antwort: Wir wissen sehr wohl, dass unser System sehr, sehr mangelhaft ist und bei weitem nicht dem Zeitgeist entspricht. Wir haben nach der Europa-League-Saison 2010 für uns beschlossen, dass es so nicht mehr geht und, dass wir eine komplett neue Klubsoftware brauchen. Also nicht nur fürs Ticketing, sondern auch CRM und alle anderen Bereiche. Wir haben halb Europa zu uns eingeladen, um Präsentationen von denjenigen zu bekommen, die auf diesem Gebiet Ahnung haben. Mitte 2011 haben wir uns schließlich für ein sensationelles System entschieden. Wir haben damals mit dem anbietenden Unternehmen einen Vertrag unterschrieben und wären jetzt auf einem Topstatus! All diese Dinge wie Nichtbuchung, pro Mitglied nur eine Karte etc. würde es nicht mehr geben. Aber die Firma, die mit uns bereits diesen Vertrag hatte, wurde kurz danach verkauft und unser Ansprechpartner, der auch diese Software geschrieben hat, wurde von der Firma gegangen. Er hat uns zu dieser Zeit in einer klaren Ansage vermittelt, dass wir jederzeit aus dem Vertrag aussteigen können, weil es sich nun um eine neue Firma handelt. Und er riet uns von einer weiteren Zusammenarbeit ab, weil die neuen Eigentümer keinen Wert auf dieses System legen würden. Und plötzlich standen wir wieder mit unserer alten Software da und haben ein halbes Jahr vergeudet. Jetzt haben wir wieder eine neue Situation: In etwa einem halben Jahr werden wir diese Problematik auf solche Beine gestellt haben, sodass alle Leute zufrieden sind – und ich möchte hier keinem Wort deiner Frage bzw. Kritik widersprechen. Wir wussten, dass die Ticket-Software  teilweise an Grenzen stößt und nicht mehr dem Zeitgeist entspricht, aber spätestens ab dem Abo-Verkauf 2013/14 wird es hier eine hundertprozentig sensationelle Lösung geben! Und dazu wird nicht nur das Thema Ticketing gehören, sondern auch wesentliche Verbesserungen der Datenbank, Vorteile im Merchandising uvm.

Buxi40: „Könntet ihr nicht einmal ein Trainingslager auch im schönen Ländle veranstalten den hier habt ihr auch genug Fans die sich über so eines sicher freuen würden!“

Andy Marek: „Diese Anfrage ist natürlich eine Berechtigte, aber ich muss den Ball zurückschießen und sagen, dass der Tourismusverband im Ländle kein großes Interesse an uns hat. Bei den Trainingslagern die wir abhalten, egal ob in Windischgarsten, Bad Tatzmannsdorf oder sonstwo, ist es schon so, dass die jeweiligen Tourismusverbände auf uns zukommen und  sagen: „Wir wollen, dass ihr auf diesem oder jenem Weg Werbung für die Region macht!“ Und dann kommt es meistens zu einem guten Deal und alles funktioniert. Es kommt auch immer aufs Angebot der jeweiligen Region an und wenn man den einen oder anderen Ort schon kennt (zum Beispiel Windischgarsten, wo wir in den letzten fünf Jahren zweimal auf Trainingslager waren) und wieder hinfährt, hat das immer einen Grund. Die kommen mit einem fertigen Konzept, sagen was sie alles brauchen (Fotoshootings etc.), dafür gibt’s für uns wieder dieses und jenes. Unterm Strich kann man also sagen, dass alles zusammenpassen muss. Wir kommen natürlich auch sehr gerne ins Ländle und dass wir das bisher nicht taten hat nichts damit zu tun, dass wir zu faul sind eine 1000-Kilometer-Strecke zu fahren, aber es geht auch ums Angebot der Region.“

John McClane: „Die Mehrheit der Shirts haben noch immer einen außerordentlich kurzen Schnitt. Hat man Einfluss auf den Schnitt? Wer legt das Design der einzelnen Produkte fest?“

Andy Marek: „Das Design kommt in einem Brainstorming zustande, das wir gemeinsam abhalten und wo auch immer zwei, drei Damen und zwei, drei Herren dabei sind, die aus der Fanszene kommen. Der Schnitt an sich ist eher eine Sache, wo wir vom Produzenten abhängig sind. Wir bestellen’s also nicht kürzer geschnitten, sondern das passiert leider manchmal. Bei der Layout- und Designfindung sind wir ein Team von sieben, acht Leuten.“

John McClane: „Wäre es möglich in Zukunft im Fanshop eine eigene Designlinie zu haben? Das (Kleidungs-)Angebot besteht eigentlich aus den Sportsachen und aus Shirts und Westen die nicht gerade unauffällig sind. Eine eigene Kategorie mit Understatement die nicht nur aus zwei Hemden, einer Krawatte und zwei Polos besteht wäre da eine feine Sache.“

Andy Marek: „Ich wäre da ganz auf deiner Welle. Ich würde Understatement machen, wo es geht, auch weil ich mich selbst so kleide. Aber ehrlicherweise muss man sagen, dass die Produkte am Besten verkauft werden, mit denen du dich klar zu Rapid definierst, wo du klar das Rapidwappen oder SCR Symbol zeigst. Aber jetzt  in der neuen Kollektion haben wir  das Thema Understatement schon forciert.

Gold_Roger: „Könnte man in Zukunft bei den Fanartikeln, vor allem den T-Shirts, nicht enger mit Adidas kooperieren? Meiner Meinung nach haben die Momentanen alle einen etwas komischen Schnitt bzw. sind sie ziemlich schnell ausgeleiert.“

Andy Marek: „Wir haben zum Beispiel in der neuen Kollektion  einige Adidas Sportswearteile dabei. Das Problem an dieser Sache ist einfach, dass es eine Preisfrage ist. Adidas ist grundsätzlich preislich höher angesetzt und wenn du mit den Artikeln auch noch etwas für den Verein verdienen möchtest, dann kommst du insgesamt in ein Preissegment, das etwas zu hoch ist. Daher sind wir diesen Weg bisher nicht intensiv gegangen. Klar ist aber auch, dass wir an der Qualität arbeiten müssen, wenn diese nicht gut ist und daher ist Kritik wichtig.“

John McClane: „Adidas besitzt ja jährlich sowas wie Standarddesigns für Trikots. Es gab ja bereits in der Vergangenheit den Vorschlag eine Abstimmung zu machen. Eigene Designs sind ja laut Adidas nicht möglich aber könnte Rapid nicht einfach eine Vorauswahl machen (aus dem Adidas Angebot) und dann die Fans entscheiden lassen welches das neue werden soll?“

Andy Marek: „Da muss man aufpassen. Wir leben in einem Kommunikationszeitalter. Wenn du etwas schon tötest, bevor es erscheint, wird es beim Erscheinen nicht mehr gut. Wenn du im Internet drei mögliche Trikots postest und die Fans sind der Meinung, dass alle drei mies sind, schießen wir das Trikot schon ab, bevor wir es überhaupt präsentiert haben. Wir haben gewisse Vorgaben, gegen die wir nicht wirken können. Mitbestimmt wird immer von Vertretern aus der Fanszene bzw. vom Ältestenrat und solche Dinge werden nicht am Tisch des Herrn Marek oder am Tisch des Herrn Edlinger beschlossen.  Es gibt einen Partner, also unseren Ausrüster, der uns  so weit wie möglich entgegenkommt. Aber wir können nur das machen, wo uns Adidas produktmäßig hinführt.“

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen