Es mutete schon ein wenig seltsam an: Der 19-jährige Dejan Ljubicic wurde von Rapid als Kooperationsspieler an den SC Wiener Neustadt abgegeben, damit er... Dejan Ljubicic – Rapids neuer, kaum zu stressender Passhafen

Es mutete schon ein wenig seltsam an: Der 19-jährige Dejan Ljubicic wurde von Rapid als Kooperationsspieler an den SC Wiener Neustadt abgegeben, damit er auf höherem Level ausreichend Spielpraxis sammeln kann. Nach knapp sechs Wochen war er aber auch schon wieder daheim in Wien-Hütteldorf – und mit seinen Leistungen machte er schnell klar, dass er (zurück)gekommen ist, um zu bleiben.

Sieben Spiele bestritt Dejan Ljubicic zu Saisonbeginn für den SC Wiener Neustadt, inklusive Cup fünf weitere für Rapid. Als Verlierer ging er in der laufenden Saison noch kein einziges Mal vom Platz. Der flexible Defensivmann ist aber nicht einfach ein Glücksbringer für seine „beiden“ Vereine, sondern eine nicht zu verachtende Spielfacette.

Stammspieler unter Mählich und Djuricin

In Wiener Neustadt pendelte Ljubicic zwischen der Innenverteidigung und der Sechserposition. Unter Roman Mählich war er unumstrittener Stammspieler. Dass er das auch unter Goran Djuricin schnell werden würde, war nicht absehbar. Allerdings stand er mittlerweile in vier Ligaspielen und einer Cup-Partie von Beginn an auf dem Platz, spielte dreimal durch und wurde zweimal in der Schlussphase ausgewechselt.

Fünf direkte oder indirekte Torbeteiligungen

Was jedoch noch eine Spur beeindruckender ist: Neben seinem Premierentor in Salzburg und seinem (nicht schwierigen) Premierenassist beim 4:2 gegen Wolfsberg war der Eigenbauspieler an der Entstehung von drei Bundesligatoren beteiligt, leistete also „Assist-Assists“. Unglaublich aber wahr: Wenn Ljubicic für Rapid in der Liga auf dem Feld stand, erzielten die Grün-Weißen acht Tore – und an fünf davon war er direkt oder indirekt beteiligt.

Ein kaum zu stressender Passhafen

Für diese starke Bilanz gibt es klare Gründe: Während er im Schnitt deutlich weniger Zweikämpfe als sein Nebenmann Stefan Schwab führen muss, ist Ljubicic ein sicherer Passhafen, wenn es darum geht das Spiel zu verlagern, abzusichern oder Raum zu gewinnen. So weist der Youngster bisher in der Bundesliga eine Passgenauigkeit von 81,40% auf, was angesichts seiner bisherigen Aufgaben bemerkenswert ist.

In beiden „Spielarten“ stark

Ljubicic wurde nämlich nicht nur bei den vermeintlichen Pflichtsiegen (in diesem Fall die Heimspiele gegen den LASK und Wolfsberg), sondern auch bei den richtig schwierigen Auswärtspartien in Salzburg und Altach ins kalte Wasser geworfen, in dem er weitgehend gut schwamm. Gerade die nicht immer einfache Rolle eines Rapid-Sechsers bzw. –Achters daheim gegen eher destruktiv auftretende Gegner füllte er sehr stark aus, indem er häufig möglichst kurze, aber dennoch vertikale Lösungen suchte, um dem Spiel Rapids in der Zentrale etwas mehr Tiefe zu geben.

Nach der Mittellinie wird sofort umgedacht

Ein Blick auf seine Passmuster verrät, dass Ljubicic in der eigenen Hälfte sehr stark auf Sicherheit bedacht ist, gleichzeitig mit dem Überschreiten der Mittellinie deutlich direkter wird und die Tiefe sucht. Fast alle seine Fehlpässe in der Bundesliga waren Versuche über eine etwas größere Distanz – und praktisch jeder einzelne Ljubicic-Fehlpass wurde nach vorne gespielt. Spielt das Talent in die Breite oder gar zurück, war er bis dato so gut wie fehlerlos.

Mutigeres Passmuster, mehr Output

Da seine durchschnittliche Position eine gute Balance zwischen Sechs und Acht darstellt, befindet er sich aber relativ häufig in Zonen, in denen er das Spiel der Hütteldorfer ankurbeln möchte. Dies unterscheidet ihn ein wenig von seinen vorsichtiger agierenden Konkurrenten um die Position neben Kapitän Schwab. Auch diese – beispielsweise Auer und Petsos – haben gute Passwerte und auf ihre Weise den einen oder anderen besonderen Vorzug, allerdings sind ihre Passmuster einfacher zu verteidigen bzw. zuzustellen. Ljubicic sucht deutlich häufiger nach Lösungen, die auf der so wichtigen Zentralachse drei, fünf, vielleicht entscheidende Meter für die Hütteldorfer gewinnen.

Etwas mehr Freiheiten für Murg und Schaub…

Die Tatsache, dass Ljubicic in seinen bisherigen Partien ein wichtiger Tiefengeber in der Zentrale war, erklärt auch den Leistungsanstieg der beiden statischeren Rapid-Mittelfeldspieler in der Offensive. Schaub und Murg werden durch kleine Bewegungen immer wieder freigeschaufelt, bekommen häufiger eine Nuance mehr Platz bei Ballbesitz eines Mitspielers – häufig eben Ljubicic. Dies wiederum bringt sie fast automatisch in befreitere Situationen, sobald sie an den Ball kommen.

…während Schwab eher „das Weite“ sucht

Den Konterpart zu diesem Passmuster gibt wiederum Schwab, der mehr für die längeren, eine Abwehr zerreißenden Pässe steht, wie Schobesbergers 4:1 gegen den WAC gut bewies. Man könnte also sagen, dass Schwabs Passspiel Gegner mit einem Moment zerreißen kann, Ljubicic‘ Herangehensweise den Gegner hingegen langsam und systematisch zermürbt. Eine große Erleichterung für Rapids Zentrumsspiel, weil Schwab bei der Findung kurzer, vertikaler Lösungen im Kopf oft nicht schnell genug war bzw. vielleicht auch zu stark auf das „Mattsetzen“ des Gegners und nicht ausreichend auf die dazwischenliegenden Züge fokussiert ist.

Zwei-Klassen-Sprung

Der Grund für das Hickhack um seine Person ist ebenfalls schnell erklärt. Es war schlichtweg nicht klar, ob der 19-Jährige sein volles Potential auch konstant in der Bundesliga abrufen könnte. In Wiener Neustadt funktionierte er praktisch auf Anhieb, der neuerliche Aufstieg zu Rapid bedeutete dennoch einen Sprung von zwei Klassen innerhalb weniger Monate. Dass Ljubicic ein Thema für die „Erste“ sein könnte, geisterte bei Rapid intern schon monatelang herum. Dass er im Fall der Fälle derart cool bleibt, seine Ruhe am Ball und die für einen 19-jährigen durchaus beeindruckende Systematik in seinem Spiel aufrechterhält, konnte aber niemand ahnen. Deshalb behielt man die Exit-Strategie Wiener Neustadt in petto, die nun aber logischerweise keine Option mehr sein kann. Auch klar ist aber natürlich, dass es noch den einen oder anderen Rückschlag für die Nachwuchshoffnung geben wird – diese sind aber wiederum ein weiterer wichtiger Faktor, an der man den einstigen Akademiespieler zur gegebenen Zeit messen kann.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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