Was bereits absehbar war, bewahrheitete sich heute Vormittag: In Fußball-Wien tut sich was! Rapid verpflichtete mit Christopher Dibon den gesuchten (?) Innenverteidiger, während die... Dibon zu Rapid, Stöger nach Köln: Was bedeutet das für die Wiener Großklubs?

Christopher Dibon (Red Bull Salzburg)Was bereits absehbar war, bewahrheitete sich heute Vormittag: In Fußball-Wien tut sich was! Rapid verpflichtete mit Christopher Dibon den gesuchten (?) Innenverteidiger, während die Austria mit Peter Stöger ihren Trainer nach Köln ziehen lässt. Was bedeuten diese Transfers für die Zukunft?

Rapid verpflichtete Christopher Dibon von Red Bull Salzburg für ein Jahr leihweise. Es ist der erste Transfer von Salzburg nach Wien-Hütteldorf, seit Dietrich Mateschitz den Verein aus der Mozartstadt mit Geld versorgt. Kaufoption auf den 22-jährigen Abwehrspieler hat Rapid keine. Das für die Fans nicht hundertprozentig zufriedenstellende Gesamtpaket ist der schwierigen finanziellen Lage Rapids geschuldet.

Klassespieler, aber (wieder) jung

In der aktuellen Lage muss Rapid Klassespieler nehmen, auch wenn die Rahmenbedingungen nicht ideal sind. Trainer Zoran Barisic sieht Dibon als einen solchen Klassespieler. Mit seinen 22 Jahren passt der ehemalige Admira-Abwehrchef zwar nicht genau ins Anforderungsprofil des routinierten Innenverteidigers, die Chance einen einst angehenden Teamspieler zu holen, wollte man sich in Wien-Hütteldorf dennoch nicht nehmen lassen.

Ist Dibon in Form?

Nun stellen sich rund um den Dibon-Transfer drei Fragen: Die erste betrifft den körperlichen Zustand des 181cm großen Defensivmannes. Auf Klubebene stand Dibon in den letzten 15 Monaten nur siebenmal auf dem Platz, hinzu kommen zwei Spiele für das U21-Nationalteam. Dibon wirkte speziell in den letzten Monaten nicht fit, leistete sich unter anderem beim 3:3 gegen Rapid Schnitzer, spielte beim 1:2 im Cup-Semifinale gegen den FC Pasching eine miserable Partie. Von seinem Wadenbeinbruch, den er im Februar 2012 bei einem Zusammenprall mit dem eigenen Keeper erlitt, erholte er sich zumindest nicht schnell. In Salzburg schaffte er es nie, sich an die etatmäßigen Innenverteidiger ranzupirschen. Hätte er sich in Salzburg durchgesetzt, würde Rapid aber heute noch nach einem Innenverteidiger suchen.

Ausbildung für spätere Aufgaben in Salzburg?

Ein weiteres Problem stellt das Leihgeschäft ohne Option dar. Bereits zu Mittag wurden in Fanforen und auf Facebook die Stimmen laut, dass Rapid mit diesem Transfer lediglich einen Spieler für einen direkten Ligakonkurrenten stärkt. In Hütteldorf wird Dibon gesetzt sein – und im Sommer 2014 würde er frisch und mit genügend Spielpraxis nach Salzburg zurückkehren. Dem ist jedoch entgegenzusetzen, dass man sich im Sommer 2014 gegebenenfalls noch immer über einen fixen Transfer einigen könnte – auch wenn man keine automatische Kaufoption ziehen darf. Dibon hat in Salzburg Vertrag bis 2015.

Säule für ein Jahr

Damit einhergehend: Rapid holte mit Dibon einen potentiellen Abwehrchef für ein Jahr. Doch gerade die gesuchten Positionen in Innenverteidigung und Mittelfeld sollten auf lange Sicht Säulen für das spielerische Konzept Barisics darstellen. Würde Dibon einschlagen und bereits nach einer Saison den Verein verlassen müssen, weil Red Bull Salzburg sich eventuell querstellt, wird Rapid in der mittel- bis langfristigen Planung bereits nach kürzester Zeit wieder gestoppt. Angesichts der schwierigen Lage in Hütteldorf musste man dennoch versuchen Dibon zu holen. Für ihn gilt wie vergangenen Sommer bei Gerson: Er ist ein Spieler, der Rapid sofort helfen muss, andernfalls wäre der erste Deal zwischen Rapid und Red Bull Salzburg sinnlos.

Organisation in Violett aufrecht erhalten

Die Austria verliert mit Peter Stöger in erster Linie einen guten Trainer. Dass dies eine Erschwerung der Gesamtsituation nach sich ziehen könnte, ist nicht zu erwarten. Stöger bewies sich in Wien-Favoriten als guter Motivator, innovativer Fußballlehrer und vor allem als erster Austria-Trainer seit langer Zeit, der dem Spiel der Veilchen eine geradlinige Organisation gab. Dieses organisierte Spiel aufrecht zu erhalten wird die Hauptaufgabe des neuen Mannes sein. Einen Zerfall der Mannschaft muss der neue Trainer nicht befürchten, wodurch auch die Kaderplanung in den Hintergrund rückt und maximal der eine oder andere spontane Abgang punktuell ersetzt werden muss.

Kaderplanung außen vor

Ein Trainerwechsel zum aktuellen Zeitpunkt ist für einen Klub normalerweise problematisch. Auch weil der alte Trainer schon für die neue Saison vorausgeplant und Spieler geholt haben könnte. Bei der Austria tat sich auf dem Transferzeit bisher nicht viel und auch wenn einige Meisterkicker immer wieder mit anderen Klubs in Verbindung gebracht werden, dürften die Abgänge – wenn überhaupt – dünn gesät sein. Der neue Trainer übernimmt demnach ein intaktes Team und hat voraussichtlich keinen Grund auf dem Transfermarkt aktiv zu werden.

CL-Quali steht über persönlichen Befindlichkeiten

Auch weil die Spieler der Austria nicht gezwungenermaßen wechseln müssen. Zwar war Stöger innerhalb der Mannschaft sehr beliebt und sein Abgang wird den einen oder anderen Akteur schmerzen, aber der Anreiz Champions-League-Qualifikation spielen zu können, wird die persönlichen Befindlichkeiten übertünchen. Die Austria verliert eine wichtige Personalie, muss sich aber keine Gedanken über eine mögliche Meuterei auf Spielerebene machen. Der neue Trainer sollte nun allerdings arbeitstechnisch von einem ähnlichen Schlag wie der neue Köln-Trainer sein…

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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