In jeder Generation gab es bisher die großen Hoffnungsträger. Die wenigsten konnten halten, was andere versprochen haben. Die neue Generation von Goalgettern steht bereits... Die neue Stürmergeneration und ihre Stärken: Bodul, Bürger, Hosiner & Co.

In jeder Generation gab es bisher die großen Hoffnungsträger. Die wenigsten konnten halten, was andere versprochen haben. Die neue Generation von Goalgettern steht bereits in den Startlöchern. Wem die Youngsters nachfolgen und was die drei auffälligsten Bundesliga-Stürmer auszeichnet.

 

Prominente Vorgänger

„Um die beiden wird uns noch ganz Europa beneiden.“ Wer kennt den mittlerweile legendären Satz des damaligen Teamchefs Hans Krankl nicht? Gemeint war das damals blutjunge Sturmduo Wallner-Linz. Was aus ihnen wurde, ist ebenso hinlänglich bekannt. Linz kehrte nach mehr oder weniger erfolgreichen Auslandsabenteuern in Frankreich, Portugal und der Türkei nach Österreich zurück, Wallner gondelte ebenfalls durch halb Europa, bevor ihn sein Weg wieder in die heimische Bundesliga führte. Halb Europa hat Österreich leider nie um die beiden beneidet. Ebenso wenig wie um die nächste Generation von Stürmerhoffnungen. Im Sommer 2007 wurde der gesamten U-20-Mannschaft Österreichs eine große Zukunft vorausgesagt. An vorderster Front stürmten zu dieser Zeit Erwin „Jimmy“ Hoffer und Rubin Okotie für Rot-Weiß-Rot. Nach dem vierten Platz bei der WM in Kanada sollte die große internationale Karriere der beiden beginnen. Hoffer zerbombte bei Rapid die Liga, Okotie feierte mit der Austria in der Europa League erste Erfolgserlebnisse. Der Sprung zu einem internationalen Top-Klub blieb aber beiden bisher verwehrt. Okotie sucht in der belgischen Provinz St. Truiden sein Glück, Hoffer kämpft in Deutschlands 2. Liga mit Frankfurt um den Aufstieg. Nicht gerade das, was man sich von den beiden noch vor vier Jahren erwartet hatte.

Drei Talente, drei Karrieren

Das Land braucht neue Helden – doch wer sind sie, die Nationalspieler von morgen? Welche Torjäger sollen Österreich zur EM 2016, die laut ÖFB-Präsident Leo Windtner Pflicht ist, schießen? Abseits.at nimmt die drei hoffnungsvollsten Striker in der Bundesliga unter die Lupe.

Der Nationalspieler: Philipp Hosiner

Der 22-Jährige muss sich in den letzten Jahren wie in einem Traum vorkommen. Bis Juli 2010 stürmte der 178cm große Hosiner für den SV Sandhausen in Deutschlands 3. Liga, bekam dort aber nie eine echte Chance. Es folgte der Wechsel zur Vienna in Österreichs zweithöchste Leistungsstufe. Bei den Döblingern erwartete ihn von Anfang an Abstiegskampf pur – der Goalgetter machte aber schnell auf sich aufmerksam. In der ersten Runde gelang ihm beim 4:0-Auswärtssieg über den FC Lustenau gleich sein erster Treffer für die Blau-Gelben, 12 weitere Treffer sollten noch folgen. Dank Hosiner rettete sich die Vienna schlussendlich in die Relegation, in der es gegen Parndorf um den Verbleib in der ADEG Erste Liga ging. Die beiden Barrage-Partien sollten die letzten für Hosiner bei der Vienna sein. Mit seinem Tor beim 3:0 im Hinspiel legte er den Grundstein für den Klassenerhalt des Kultvereins aus dem 19. Wiener Bezirk. In insgesamt 39 Partien für die Vienna erzielte Hosiner respektable 16 Tore, darunter jeweils ein Tor gegen Wattens und Altach im ÖFB-Cup. Danach hieß es für den gebürtigen Burgenländer Koffer packen. Didi Kühbauer wurde auf den Shootingstar aufmerksam und lotste ihn zur Admira in die Südstadt. Der gerade in die Bundesliga aufgestiegene Klub stellte für Hosiner eine echte Herausforderung dar. Mit Benjamin Sulimani, Issiaka Ouedraogo oder Froylan Ledezma gab es extrem viel und durchaus starke Konkurrenz im Sturm. Doch Hosiner setzte sich auf Anhieb durch, machte in den ersten 15 Spielen zehn Tore und führte wochenlang die Schützenliste der Bundesliga an. Der kometenhafte Aufstieg blieb auch dem ÖFB nicht verborgen. Willi Ruttensteiner nominierte Hosiner für die „Asien-Tournee“, im Spiel gegen Aserbaidschan (4:1) gab Hosiner sein Debüt im Nationalteam. Seine größte Stärke, die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, scheint er aber seitdem verloren zu haben. Bleibt zu hoffen, dass er wieder zu seiner alten Form zurückfindet.

Die Lebensversicherung: Patrick Bürger

Wo wäre der SV Mattersburg ohne Patrick Bürger? Mit Sicherheit lässt sich diese Frage nicht beantworten, doch ein Blick auf die Saison 2010/2011 lässt erahnen, wie wichtig der Stürmer für die Burgenländer ist. 14 Tore sprechen eine deutliche Sprache. Am Ende der Saison hatten die Mattersburger 31 Punkte am Konto und schafften souverän den Klassenerhalt. Der LASK stieg mit 19 Punkten sang- und klanglos aus der Bundesliga ab. Doch ohne Bürgers Tore wäre der Abstiegskampf möglicherweise ganz anders verlaufen. Ohne die 14 Tore des Sturmtanks hätten die Burgenländer nämlich theoretisch 13 Punkte weniger am Konto gehabt – also nur 18. Allein in den direkten Duellen mit dem LASK erzielte Bürger das Goldtor beim 1:0-Sieg in Linz, sowie ein Tor beim 3:3 in Mattersburg. Warum der mittlerweile bereits 24 Jahre alte Oberwarter immer noch nicht bei einem größeren Klub unter Vertrag steht, bleibt ungewiss – gut möglich, dass es an den hohen Ablöseforderungen von Martin Pucher liegt, denn der SVM-Präsident weiß ganz genau, dass Bürger im letzten Jahr die Lebensversicherung für seinen Klub war. Für den Moment der größten Aufregung bei Pucher sorgte ebenfalls Bürger. Nachdem er nach seinem zweiten Tor beim 2:2 gegen Rapid vor Freude über seinen Treffer auf die Bande sprang, zeigte Schiedsrichter Eisner dem bereits verwarnten Bürger Gelb-Rot. Pucher kriegte sich überhaupt nicht mehr ein und sprach von Wettbewerbsverzerrung. Bürger selbst meinte dazu: „Ich kenne so eine Regel nicht, das war eine Frechheit. Ich war nach meinem zweiten Tor vor 10.000 Zuschauern und gegen Rapid voll Emotionen, das muss doch verständlich sein.“ An das Gefühl sollte sich Bürger gewöhnen. Wer weiß, vor wie vielen Zuschauern er in Zukunft seine Treffer feiern darf. Wenn der aktuell Führende der Torschützenliste weiterhin so trifft wie beim 3:3 gegen Sturm, als er den Ball volley mit der Ferse ins Tor beförderte, wird es nicht mehr lange dauern, bis große Vereine anklopfen.

Der Wandervogel: Darko Bodul

Wie viele Vereine stehen im Lebenslauf eines durchschnittlichen 22-jähriger Profikickers? Normalerweise einen, nämlich jenen Klub, der den Spieler ausgebildet hat. Darko Bodul ist aber nicht wie alle anderen. Er wechselte mit 14 von der Vienna in die Niederlande zu Heerenveen, um dort die berühmte Nachwuchsschule zu absolvieren. Fünf Jahre später wurde Ajax Amsterdam auf den 183cm großen Stürmer aufmerksam und nahm ihn unter Vertrag. Den Durchbruch schaffte Bodul bei Ajax aber nicht, er wurde stattdessen zu Sparta Rotterdam verliehen. Dort spielte er zwar 24 Mal in der Eredivisie, durfte sich aber nur einmal über einen Torerfolg freuen. Danach ging die Reise weiter nach Portugal zu Nacional Funchal. Aber auch auf der iberischen Halbinsel wurde Bodul, dem ähnlich wie Marko Arnautovic das Image eines schwierigen Charakters anhaftet, nicht glücklich. Ganze vier Pflichtspieleinsätze gab es bei Funchal zu verbuchen. Wie so oft wurde Sturm Graz unter Franco Foda zu einer Anlaufstelle für einen Kicker in der Krise. Und wie so oft brachte Franco Foda einen jungen Spieler wieder auf den rechten Weg zurück. Seit Bodul bei Sturm auf Torjagd geht, läuft es wie am Schnürchen. Zehn Tore in 15 bewerbsübergreifenden Spielen zeigen, dass der in Sarajevo geborene Österreicher weiß, wo das Tor steht. Mit seinen zwei Toren im Cup gegen Tabellenführer Admira hatte er wesentlichen Anteil am Einzug ins Viertelfinale, in der Meisterschaft erlöste er die Grazer gegen Kapfenberg in der 96. Minute mit einem Schuss ins lange Eck. Zuvor verteufelte ihn sein Coach schon, weil er bei einer Chance vor dem praktisch leeren Tor zu lässig agierte. Bezeichnend für die Karriere des jungen Stürmers. Bleibt er auf dem Boden, wird der schussgewaltige Bodul nur schwer aufzuhalten sein.

Archimedes, abseits.at

Archimedes

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