Meisterschaft und Cup sind beendet, es ist Zeit Bilanz zu ziehen. Abseits.at fasst in einer vierteiligen Serie die Geschehnisse auf den Trainerbänken der heimischen... Die Trainer-Bilanz der Bundesliga: Teil 2 – Vastic/Daxbacher & Foda/Kristl

Meisterschaft und Cup sind beendet, es ist Zeit Bilanz zu ziehen. Abseits.at fasst in einer vierteiligen Serie die Geschehnisse auf den Trainerbänken der heimischen Bundesliga zusammen und analysiert, welche Übungsleiter mit der Saison zufrieden sein können und wer hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist.

Ivica Vastic (FK Austria Wien, 20. – 36. Runde)

Der ehemalige Klassespieler ist wohl die traurigste Figur der Saison. Vastic wurde im Herbst, gerüchteweise auf Druck eines Sponsors, zum Nachfolger von Karl Daxbacher ernannt, da man die Europacup-Qualifikation in Gefahr sah. Schlussendlich sollte sich die Austria zum ersten Mal seit zehn Jahren nicht für den internationalen Bewerb qualifizieren.

Vastic setzte vor allem auf die Stabilisierung der Defensive, womit der Austria jedoch jegliche Spielkultur abhanden kam. Freilich lässt sich anführen, dass man im Winter mit Nacer Barazite und Zlatko Junuzovic zwei enorm wichtige Spieler verlor, dennoch war der spielerische Leistungsabfall gegenüber dem Herbst erheblich größer, als dass man diesen nur mit dem Weggang zweier Akteure erklären könnte.

Die neue Austria verfügte über kein offensichtliches System, das auch aufgrund der zahlreichen Umstellungen der Startformationen gar nicht entwickelt werden konnte. Dazu kamen unzählige kuriose Wechsel, wie auch in der letzten Meisterschaftsrunde in Graz, als Vastic das für den Europacup ausreichende Unentschieden mit sechs Abwehrspielern über die Zeit retten wollte – es reichte nicht.

Gekrönt wurde die kurze Ära durch das spektakuläre Zerwürfnis mit Roland Linz, der Vastic schlussendlich aber dennoch beinahe die mit dem Erreichen des Europacups gleichzusetzende automatische Vertragsverlängerung beschert hätte.

Unterm Strich hat Vastic (und die Austria-Verantwortlichen) vielen heimischen Jungtrainern einen Bärendienst erwiesen. Die Vereine werden nun noch genauer überlegen, ob sie nicht lieber auf bereits erprobte Übungsleiter setzen. Zudem wirft der inferiore Auftritt kein gutes Licht auf die nicht erst einmal kritisierte Trainerausbildung des ÖFB.

Karl Daxbacher (FK Austria Wien, 1. – 19. Runde)

Was viele nicht für möglich gehalten hatten, wurde kurz vor Weihnachten Realität: Thomas Parits feuerte seinen Freund Karl Daxbacher als Austria-Trainer.

Entscheidend für die Entlassung war eine Serie von neun Spielen, in denen gerade einmal fünf Punkte erzielt wurden, mit dem Höhepunkt zweier hoher Niederlagen bei Sturm und in Salzburg, wo die Austria mit einer Notabwehr auflaufen musste.

Daxbachers Mannschaft hatte sichtlich Probleme damit, defensive Gegner zu knacken und scheiterte regelmäßig in Heimspielen daran, fix eingeplante Siege einzufahren. Allerdings verfügte die Mannschaft über eine hohe spielerische Qualität, was sich vor allem im Europacup niederschlug, wo man etwa den niederländischen Tabellenführer Alkmaar auswärts an die Wand spielte und respektable acht Zähler in der Gruppenphase der Europa League erreichte.

Was die Austria an Daxbacher hatte, sieht man wohl erst jetzt, wo die Bilanz seines Nachfolgers auf dem Tisch liegt. Dennoch fielen seine Resultate in der Meisterschaft im Herbst unterm Strich zu dürftig aus, so dass die Ablöse nicht jeder Grundlage entbehrte.

Franco Foda (SK Sturm Graz, 1. – 29. Runde)

Böse Zungen werden behaupten, dass man nach einem überraschenden Meistertitel nur scheitern kann. Sturm scheiterte jedoch mit Pauken und Granaten, wofür vor allem Foda, der Trainer und Sportdirektor in Personalunion war, die Verantwortung trägt.

Spielerische Schlaglichter konnte Sturm schon seit einiger Zeit nicht mehr setzen, nun stimmten jedoch auch die Resultate nicht mehr. Dies lag zum einen an der fehlerhaften Kaderplanung, denn zu Saisonbeginn fehlte noch eine stattliche Anzahl an wichtigen Spielern, die erst im Laufe des Sommers verpflichtet wurden. So entstand ein Kader von knapp 30 Spielern, der viel zu überdimensioniert und mit zahlreichen obsoleten Akteuren gespickt war.

Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Sturm nach dem Meistertitel satt war und die verpasste Champions-League-Qualifikation vielen Spielern monatelang im Magen lag. Zudem war das Spiel der Grazer viel zu leicht auszurechnen, jeder kannte das starre 4-4-2-System Fodas, von dem der Mainzer praktisch nie abrückte.

Gekrönt wurde die schwache Hinrunde durch die Abwanderungsgerüchte des 46-Jährigen. Zunächst war er laut Medienberichten Favorit auf den Posten des ÖFB-Teamchefs, danach konnte er sich mit der Vereinsführung nicht über einen neuen Vertrag einigen, ruderte aber bald zurück. Rückblickend wäre eine Trennung im Winter wohl die sinnvollste Lösung gewesen, doch so kam es zur Beurlaubung nach einem blamablen Cup-Aus gegen den Tabellenletzten der zweiten Liga.

Auch wenn es viele Spieler nie öffentlich zugeben würden, so ist man in der Kabine des SK Sturm doch durchaus froh über Fodas Abgang, dessen Wutausbrüche es zuletzt auch in die Medien schafften. Man darf gespannt sein, wo es den Deutschen nach 15 Jahren in Graz nun hin verschlagen wird.

Thomas Kristl (SK Sturm Graz, 30. – 36. Runde)

Der Bayer stand Franco Foda drei Jahre lang als loyaler Co-Trainer zur Seite und hatte nun die schwere Aufgabe, seinen Freund zu beerben. Kristl verlor nie ein schlechtes Wort über den Mainzer, was auch wenig verwundert, wird er doch vermutlich wieder Fodas Trainerteam angehören.

Im ersten Spiel der Ära Kristl spielte Sturm wie befreit und erreichte ein 2:2 gegen Salzburg. Man war vom 4-4-2 abgekommen und Spieler wie Haris Bukva blühten plötzlich auf. Nach einem Remis bei Rapid war der schon verloren geglaubte Europacup wieder in Schlagdistanz, doch man vergeigte ihn wie so oft in dieser Saison gegen die Nachzügler, auch weil man etwa in Wiener Neustadt viel zu ängstlich auftrat.

Sturm hat sich unter Kristl einigermaßen anständig aus der Affäre gezogen und konnte mit dem Heimsieg in der letzten Runde gegen die Austria auch die Fans wieder versöhnen. Der Deutsche war allerdings zu Recht nie ein seriöser Kandidat für den Posten des neuen Cheftrainers.

OoK_PS, abseits.at

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