Um seine fußballerische Zukunft scheint sich der SK Rapid Wien keine Sorgen zu machen brauchen, wenn man betrachtet, wie viele hochtalentierte Nachwuchsspieler in den... Die zahlreichen Talente des SK Rapid: Wer schafft’s, wer bleibt auf der Strecke?

Louis Schaub - SK Rapid WienUm seine fußballerische Zukunft scheint sich der SK Rapid Wien keine Sorgen zu machen brauchen, wenn man betrachtet, wie viele hochtalentierte Nachwuchsspieler in den letzten Jahren den Sprung in die Kampfmannschaft schafften. Aber welche der vielen Rapid-Talente schaffen es tatsächlich gestandene Klassefußballer zu werden? abseits.at analysiert Rapids Eigenbauspieler und zugekaufte Talente.

Louis Schaub (19, offensives Mittelfeld)

Das größte Talent im Kader der Grün-Weißen ist zweifelsfrei Louis Schaub. Schon im Alter von 16 Jahren machte er bei den Amateuren mit großartigen Partien auf sich aufmerksam und drei Monate vor seinem 18.Geburtstag kam er zu seinem Bundesligadebüt gegen Sturm Graz. Seitdem erzielte Schaub neun Pflichtspieltore für den SK Rapid. Schaub ist ein äußerst wendiger, dynamischer und trickreicher Spieler, der von allen Rapid-Youngsters unbestritten das größte Potential hat und sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auf lange Sicht in einer Top-Liga durchsetzen wird.

Marko Maric (18, Torhüter)

Ein weiterer Spieler mit großem Potential ist Marko Maric, der aber aufgrund seiner Position noch etwas mehr Zeit hat bzw. mehr Geduld braucht als Schaub. Der lange Austro-Kroate ist Torhüter und aktueller U17-Keeper Kroatiens. Maric, der im Jänner 18 Jahre alt wurde, ist körperlich schon sehr weit, gut bei Flanken und glänzt vor allem mit großartigen Reflexen und hohem Einsatz. Wenn er geduldig bleibt und früher oder später Chancen bekommt, wird er ein Top-Mann – was auch die Meinung so manches routinierteren Spielers bei Rapid ist.

Marcel Sabitzer (19, Linksaußen)

Er kann als Linksaußen, Rechtsaußen und im Angriff eingesetzt werden: Marcel Sabitzer gilt nicht erst seit kurzem als eines der größten Talente des heimischen Fußballs und wurde schon in jungen Jahren mit internationalen Topklubs in Verbindung gebracht. Der vierfache A-Nationalspieler muss allerdings in Bälde einen merklichen Schritt nach vorne machen und sein Spiel variantenreicher gestalten. Bei Rapid konnte Sabitzer bisher kaum überzeugen. Auf ein, zwei gute Leistungen folgten immer wieder Leerläufe.

Dominik Wydra (19, zentrales Mittelfeld)

Ähnliches, wenn auch noch drastischer, trifft auf Dominik Wydra zu. Der 19-Jährige, der mittlerweile 35 Bundesligaspiele in den Beinen hat, wurde schon im Alter von 16 Jahren mit einem Jungprofivertrag ausgestattet. Wydra zeichnet vor allem seine Übersicht, sein Ballgefühl und ein gutes Passspiel aus. Bei den Rapid Amateuren überzeugte er zudem mit Torgefährlichkeit und zahlreichen tödlichen Pässen, die schließlich zu Assists wurden. Leider bringt er diese Vorzüge in der Kampfmannschaft noch nicht auf den Rasen. Wydra ist im Spiel zu passiv, obwohl er das spielerische Potential hätte, Spiele an sich zu reißen. Noch problematischer ist aber die Leichtfüßigkeit bzw. Körperlosigkeit, mit der er auf Profilevel zu Werke geht. Schafft man es, Wydra körperlich und mental zu einem „Killer“ zu machen, kann er ein Top-Mann werden. Seine aktuellen Leistungen verheißen aber nichts Gutes…

Brian Behrendt (22, defensives Mittelfeld, Innenverteidiger)

Von allen jungen Kickern im Kader Rapids ist der „Zentralachsen-Allrounder“ Brian Behrendt einer der komplettesten Spieler. Allerdings stellte er sein großes Potential im Profibereich bisher erst selten zur Schau. Behrendt ist ein enorm umsichtiger Spieler, der das Spiel lesen und auch die Bewegungen seiner Mitspieler vorausahnen kann. Seine beiden größten Probleme zum aktuellen Zeitpunkt: Er ist an das Tempo in der Bundesliga noch nicht gewöhnt bzw. schafft es noch nicht sich daran zu adaptieren; und er präsentiert sich aktuell noch etwas zu gedankenlangsam und verliert so Zweikämpfe und Bälle. Der lernfähige Deutsche, der auf den ersten Moment den Eindruck eines etwas biederen Fußballers macht, könnte aber durchaus noch zu einem fixen Stammspieler beim Rekordmeister werden.

Mario Pavelic (20, rechter Verteidiger)

Der 20-jährige Pavelic ist eines der Rapid-Talente, die am meisten unterschätzt werden. Pavelic kam bisher erst in acht Bundesligaspielen zum Einsatz, ließ aber in Ansätzen bereits sein großes Spielverständnis und souveränes Passspiel aufblitzen. Noch zeigte er sich etwas verhalten und traute sich nicht sonderlich viel zu. Gerade für einen jungen Außenverteidiger ist es aber sehr schwierig, in eine nicht gefestigte Mannschaft gestellt zu werden. Die Verantwortung auf der Position des „modernen Spielmachers“ ist sehr groß. Dennoch hat der „Spätzünder“ Pavelic das Zeug zu einer Stütze bei Rapid zu werden. Nach Christopher Trimmels Abgang im Sommer wird seine Zeit kommen!

Dominik Starkl (20, Stürmer)

Schwieriger verhält es sich bei Dominik Starkl. Der explosive Offensivspieler hätte grundsätzlich auch das Potential ein Großer zu werden, könnte aber auch zu einem Systemopfer verkommen. Der U21-Teamspieler, dessen Vertrag vor kurzem bis 2017 verlängert wurde, ist eigentlich ein Stürmer, hat aber das Problem, dass er aufgrund seiner Statur und Spielweise nicht in die Rapid-Philosophie eines 4-2-3-1 oder 4-3-3 passt. Zumindest nicht an vorderster Front. Starkls Paradesystem wäre ein 4-4-2, in dem er gemeinsam mit einem physischeren Angreifer stürmt. Da dies bei Rapid aber nicht absehbar ist, wird Starkl zwar immer eine willkommene Alternative für die Außenpositionen oder situativ für den Angriff sein, aber wahrscheinlich nie zu einer echten Stütze der Mannschaft reifen.

Maximilian Hofmann (20, Innenverteidiger)

Talent hat Maximilian Hofmann zweifellos und im Derby gegen die Wiener Austria zeigte er, dass er auch in jungen Jahren defensiv zweikampfstark und offensiv enorm torgefährlich ist. Jedoch könnte seine mangelnde Größe von 183cm noch zum Verhängnis für den jungen Abwehrspieler werden. Rapid verfügt allgemein über keine klassischen großen Innenverteidiger und da Sonnleitner, der noch mindestens bis Sommer 2016 bei Rapid bleiben dürfte, wohl nicht aus der Mannschaft gespielt wird und der Verbleib Dibons unklar ist, wird Rapid in Zukunft eher nach einem „Cheftypen“ suchen, anstatt den jungen Hofmann neben einem auch eher kampfstarken älteren Innenverteidiger aufzubieten. Hofmann ist absolut bundesligatauglich und aktuell eine nicht unwichtige Ergänzung – auf Dauer wird er sein Glück aber wohl bei einem anderen Bundesligaklub finden.

Osarenen Okungbowa (19, defensives Mittelfeld)

Für den 19-jährigen „Osa“ Okungbowa spricht, dass er körperlich schon sehr weit ist und im Vergleich zu vielen anderen Nachwuchskickern Rapids eine gute Athletik aufweist. Was gegen ihn spricht, ist jedoch seine Position. Okungbowa ist defensiver Mittelfeldspieler und Rapid wird für die nächsten Saisonen eher nach einem gestandenen Sechser suchen, der zu einer echten Säule im Team werden soll, anstatt noch einen Nachwuchskicker in den engeren Kreis der Kampfmannschaft einzubauen. Für Okungbowa sehen wir demnach keine große Zukunft beim SK Rapid Wien.

Lukas Denner (22, linker Verteidiger)

Am derzeit an Wiener Neustadt verliehenen Linksverteidiger Lukas Denner scheiden sich die Geister. Einerseits überzeugt Denner mit Dynamik und Selbstvertrauen, kann mit seinen Tempodribblings über die linke Abwehrseite für große Gefahr sorgen, andererseits wird er im Juni schon 23 Jahre alt und ist körperlich zu schwach für die Bundesliga oder noch höhere Aufgaben. Nur wenn Denner ein sensationelles Halbjahr in Wiener Neustadt spielt, wird er bei Rapid noch eine Rolle spielen – auch wenn Zoran Barisic grundsätzlich ein „Fan“ seines einstigen Amateurschützlings ist.

Eldis Bajrami (21, offensives Mittelfeld)

Das gleiche Problem hat der feine Techniker und starke Freistoßschütze Eldis Bajrami. Der 21-Jährige ist körperlich einfach nicht gut genug für die Bundesliga, obwohl es technisch mehr als nur reichen würde. Der 172cm große Bajrami, der für die U21-Auswahl Mazedoniens aufläuft, muss spätestens im Laufe der nächsten Saison seinen Durchbruch schaffen, oder sein Weg geht in Richtung zweite Spielklasse und darunter.

Lukas Grozurek (22, Linksaußen)

Mittlerweile absolvierte Lukas Grozurek 70 Pflichtspiele für die Kampfmannschaft des SK Rapid. Durchsetzen konnte er sich jedoch nicht und seine Entwicklungskurve geht sogar eher nach unten, denn nach oben. Grozurek lässt nicht nur Variabilität, sondern auch technische Stärke und vor allem Einsatz vermissen, wodurch er ein eindeutiger Kandidat für einen Abschied nach (oder schon vor) Ende seines Vertrags ist. Der 22-Jährige steht noch bis Sommer 2015 in Hütteldorf unter Vertrag, seine weitere Karriere wird ihn aber maximal in die zweithöchste Spielklasse führen.

Philipp Prosenik (21, Stürmer)

Die große Unbekannte ist aktuell Philipp Prosenik. Der Angreifer, der sich in den Nachwuchsabteilungen von Chelsea und dem AC Milan nicht durchsetzen konnte und immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte, war bei den Rapid Amateuren der Torschütze vom Dienst in der Vorbereitung. Auch in der Regionalliga Ost hält er bei zwei Toren aus seinen ersten zwei Spielen. Wenn der mittlerweile 21-Jährige seine Einstellungsprobleme in den Griff bekommt und sich endgültig dazu entscheidet Fußballprofi zu werden, könnte er noch zu einer gefährlichen Waffe für Rapids Kampfmannschaft werden.

Was kommt nach?

Die Rapid Amateure durchlebten zuletzt einen schwierigen Generationswechsel, aber dennoch gibt es zahlreiche Kicker, die über kurz oder lang den Sprung in die „Erste“ schaffen können. Auch, wenn sie jetzt wohl teilweise noch zu jung sind. Kapitän Peter Haring (20) schnupperte schon phasenweise in die erste Mannschaft, ist auf lange Sicht aber vermutlich kein Thema. Anders verhält sich das bei Tamás Szántó, der als riesiges Talent gilt. Der 18-jährige Ungar muss wie viele andere Kicker noch an seiner Physis feilen, könnte aber in Zukunft zu einer Stütze im Rapid-Spiel werden.

Auch die Fußballerfamilie Ildiz darf man nie vergessen: Ahmed Ildiz, 17-jähriger Bruder von Muhammed Ildiz, gilt ebenfalls als großes Talent, ist wie sein Bruder ein zentraler Mittelfeldspieler und dürfte im Frühling in der Regionalliga Ost Fuß fassen.

Und dann stellt sich noch die Frage, was nun aus Christian Schoissengeyr wird. Der 19-jährige Innenverteidiger, der in der Dominikanischen Republik geboren wurde, riss sich im vergangenen Sommer das Kreuzband und kämpft sich derzeit wieder zurück. Der 194cm große Abwehrspieler würde alle körperlichen Voraussetzungen mitbringen, Bundesligafußball zu spielen. Nun ist die Frage, wie schnell er nach seiner Verletzung wieder in die Spur findet und auch wie viel er in seine Comebackbestrebungen investiert…

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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