Im ersten Saison-Ligaspiel hatten sowohl Peter Hyballa bei Sturm Graz als auch Roger Schmidt bei den Salzburgern einiges zu beweisen. Nach der Pleite in... Doppelpack von Jonathan Soriano: Red Bull Salzburg siegt bei Sturm Graz mit 2:0!

Im ersten Saison-Ligaspiel hatten sowohl Peter Hyballa bei Sturm Graz als auch Roger Schmidt bei den Salzburgern einiges zu beweisen. Nach der Pleite in der Qualifikation zur Champions League war der Meister auf Schadensbegrenzung aus, während die Grazer zuhause unbedingt gewinnen wollten.

Hyballas Handschrift zeigte sich von Beginn an. Ein neues System und eine interessante Herangehensweise an die Salzburger hatten letztlich ihre Vor- und Nachteile. Die Grazer hatten mehr vom Spiel und zeigten sich offensiv wie defensiv gut, allerdings verschliefen sie die ersten zwanzig Minuten – und da stand es bereits 2:0 für die Bullen. Zwei schnelle Aktionen sorgten dafür, dass die Salzburger auch später zu zehnt nie unter Bedrängnis gerieten und souverän ihre Führung über die Zeit bringen konnten. Sturm Graz hatte etwas Pech im Abschluss und suchte zu oft den direkten Weg auf das Tor, was letztlich in mehr Torschüssen, aber weniger qualitativen Chancen mündete. Jene, die sich boten, wurden letztlich knapp oder unglücklich vergeben.

Red Bull ohne Maierhofer

Mit Soriano als zentralem Mittelstürmer und ohne den Brasilianer Cristiano im Mittelfeld stellte Schmidt ungemein modern auf. Hierländer, der auch als Außenverteidiger auflaufen kann, agierte als zentraler offensiver Mittelfeldspieler in einem 4-2-3-1. Mit Teigl und Jantscher auf den Außenbahnen gab es zwei Spieler, die sowohl zur Grundlinie als auch Richtung Strafraum oder Mittelfeld ziehen konnten. Hierländer half dabei auf den Flügeln aus, um die nötige Breite im Spiel aufrechtzuerhalten, wobei ihm hier die Außenverteidiger halfen.

Hierländer auch defensiv sehr aktiv

Im eigenen Aufbau- und Umschaltspiel war es ebenfalls Hierländer, der sich viel bewegte. Immer wieder verschob er auf die ballseitige Seite und bot sich für weite Pässe oder Kombinationen mit den Flügelspielern an. Seine Aufgabe war es mit viel Bewegung offensiv raumöffnend zu agieren und defensiv im Pressing sowie dem Defensivspiel aufzuhelfen. So war es oftmals zu sehen, wie er sich weit ins defensive Mittelfeld fallen ließ, um dort mit Ilsanker und Mendes da Silva den Gegner zu bedrängen. Teigl und Jantscher hingegen halfen nur hinten mit, wenn der Außenverteidiger auf ihrer jeweiligen Seite mitrückte, sie agierten somit stärker in einer mannorientierten Raumdeckung.

Teigl und Jantscher mit gutem Pressing nach außen

Stattdessen suchten sie eher die Verbindung zu Soriano und bildeten bei Kontern ein Pärchen mit ihm, während Hierländer die Kanäle beackerte. Er suchte die Lücken in der Viererkette und kam gleich zu Beginn zu einer Chance, die nur knapp vergeben wurde. Gleichzeitig wurde sichtbar, wie gut Teigl und Jantscher beim gegnerischen Spielaufbau auf den Außenverteidiger pressten – was im 2:0 mündete. Hyballas Elf baute extrem breit auf und Teigl konnte einen Pass abfangen. Eine halbhohe Hereingabe auf Soriano führte zum zweiten Treffer.

Gezieltes Flügelspieler der Roten Bullen

Der erste Treffer entstand nach einem schnellen Konter aus der eigenen Hälfte heraus. Der Ball wurde auf die Seite geschoben und Hierländer bewegte sich wie erwähnt auf den Flügel und gab dann einen schnellen Pass auf Soriano weiter, der eiskalt vollendete. Dies war das Hauptschema der Salzburger Angriffe: schnelle Konter über die Flügel, welche entweder von Hierländer oder einem der beiden Außenstürmer besetzt wurden. In weiterer Folge entstand mit Soriano als ballsicheren und spielstarken Zielspieler eine Kombination oder der Spanier wurde sofort in den Rücken der hochstehenden gegnerischen Abwehr geschickt. Neben der gut funktionierenden Abseitsfalle der Grazer war diese schnelle Spielweise auch der Grund, wieso die Salzburger fünf Mal ins Abseits liefen – und die Hausherren nicht ein einziges Mal.

Hyballas System

Interessant wird es, wie die Grazer sich im weiteren Saisonverlauf unter Hyballa schlagen. Taktisch waren einige interessante Dinge dabei. Etwas überraschend formierten sie sich in einer Raute, also im 4-1-2-1-2.

Taktische Fehler bei Bukva

Dabei wechselte das Vierermittelfeld oftmals bei ballseitigem Verschieben auf eine Doppelsechs, während der gegnerische Ballführende ballnah von zwei Mann attackiert wurde. Der ballferne Spieler in der Halbposition ging dann etwas tiefer und unterstützte den Sechser Säumel. Dies machte Weber etwas disziplinierter als Bukva, welcher einige Male im freien Raum hängen blieb und sich nur unzureichend beim Verschieben beteiligte. Außerdem ging Bukva weiter mit nach vorne und wechselte auch von seiner Position als halblinker Mittelfeldspieler zum nominellen Zehner. Diese Rolle hatte eigentlich Bodul inne, der mit seiner Technik und Torgefahr eine Mischung aus zentralem Spielgestalter und hängendem Stürmer spielen sollte. Wenn Bukva nach vorne ging, dann rückte Bodul selten auf die halbrechte Seite oder rochierte mit ihm und ging auf Bukvas linke Seite. Dadurch entstanden jedoch Lücken und bei schnellen Kontern waren weite Räume offen.

Salzburger Außenverteidiger zwingend

Dies war der Grund, wieso die Salzburger Außenverteidiger aus der Kette wichen. Sie versuchten entweder die aufrückenden Achter sofort zu pressen oder sich nahe an den aufrückenden gegnerischen Außenverteidiger zu positionieren. Wären sie tief geblieben, hätte Sturm Graz mit einfachen Lochpässen diagonal in die Schnittstelle gefährlich hinter die Linie kommen oder ihre Überzahl in der Mitte und den Halbpositionen geltend machen können. So taten sie sich etwas schwerer, da die Salzburger Außenverteidiger keinen großen Geschwindigkeitsnachteil mehr hatten und einige Pässe früher abfingen sowie den Gegner bei Ballbesitz schneller unter Druck setzten. Die Doppelsechs ließ sich tiefer fallen und half den Innenverteidigern dabei, breiter zu agieren und die defensiven Außen zu unterstützen.

Sturms System spontan veränderlich

Ohnehin musste Salzburg sich stark anpassen. Szabics zeigte sich spielfreudig und ließ sich in die Tiefe fallen, was zur Folge hatte, dass ihm gelegentlich ein Salzburger Innenverteidiger folgte. Auch beim Defensivspiel half Szabics oft mit aus, während vorne Sukuta-Pasu zockte und auf Ballgewinne spekulierte. Seine sich ihm bietenden Chancen konnte er jedoch mehrmals nicht effektiv ausnutzen und so ließ er die Möglichkeit zu einem schnellen Ausgleich verstreichen. Dennoch waren dies viele interessante Spielzüge Hyballas. Er ließ ein verkapptes 4-5-1 mit kompaktem Zentrum agieren, welches bei Bedarf zu einem 4-2-2-2 oder einer modernen Raute mit hängendem Stürmer statt klassischem Spielgestalter werden konnte.

Breiter Spielaufbau bei Sturm

Im Defensivspiel wollte er die Schwächen der Raute auf der Seite durch starkes Verschieben des Sechsers und des Zehners neutralisieren. Beide bewegten sich dynamisch auf die Außenbahn und bildeten mit dem Achter dazwischen eine Linie, während der ballferne Achter wie oben dargelegt eine Doppelsechs bildete. So hatte der Sechser Säumel sämtliche Freiheiten, um aggressiv zu pressen und den Außenverteidiger zu unterstützen, zeitgleich sicherten Weber oder Bukva die Zentrale. Weite Spielverlagerungen waren wenig gefährlich, da sie aus einer solch seitlichen Position unter doppelter Bedrängnis kaum gespielt werden konnte. Der breite Spielaufbau rächte sich allerdings beim zweiten Tor und sicherte bereits in der frühen ersten Halbzeit den Salzburger Sieg.

Salzburger Abwehr zu solide

Auch die Wechsel Hyballas nach der gelbroten Karte für Ilsanker brachten wenig. Er stellte auf ein 4-3-3 mit drei Stürmern um und packte in der Schlussphase mit einem vierten nominellen Mittelstürmer die Brechstange aus, doch Innenverteidiger Sekagya organisierte im defensiven Mittelfeld das Defensivspiel der Salzburger, welche solide standen.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric schreibt auch für spielverlagerung.de

Rene Maric

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