Nahezu still und heimlich feierte Franz Wohlfahrt erst kürzlich sein dreijähriges Jubiläum als Sportdirektor der Wiener Austria und blickt zweifellos auf eine turbulente Zeit... Drei Jahre Austria-Sportdirektor: Eine Zwischenbilanz für Franz Wohlfahrt

Nahezu still und heimlich feierte Franz Wohlfahrt erst kürzlich sein dreijähriges Jubiläum als Sportdirektor der Wiener Austria und blickt zweifellos auf eine turbulente Zeit zurück. Vor allem der Beginn und die Bestellung zum neuen sportlichen Verantwortlichen der Veilchen war dabei alles andere als ruhig, sondern mit einiger Kritik und zahlreichen Fragezeichen verbunden. Die Außendarstellung war dabei alles andere als glücklich, aber auch die mangelnde Erfahrung auf dieser Schlüsselposition wurde von vielen hinterfragt. Nicht nur die Umstände um die Bestellung, auch die sportliche Situation war zur damaligen Zeit alles andere als rosig. Drei Jahre später ist es nun Zeit für eine Bilanz, auch weil eine mögliche Vertragsverlängerung im Raum steht und in den nächsten Wochen dahingehend eine Entscheidung bevorsteht. Im ersten Teil blicken wir nun auf die letzten drei Jahre zurück und lassen diese Revue passieren.

Schwieriger Start und viele Probleme zu Beginn der Amtszeit

Die Arbeit von Sportdirektoren seriös zu beurteilen, ist für Außenstehende ohne Einblicke in die tägliche Arbeit gar nicht so einfach. Im Gegensatz zu den Trainern, deren Output man zumeist auf dem Feld sieht und dementsprechend bewerten und analysieren kann, ist es bei Sportdirektoren doch wesentlich abstrakter. Oft beschränkt sich dadurch die Bewertung meist nur auf die Transfertätigkeiten und die mediale Außendarstellung, während andere Aspekte wie strategische Pläne und strukturelle Ausrichtungen in den Hintergrund rücken. Dennoch versuchen wir eine nähere Analyse der letzten drei Jahre vorzunehmen, in denen Franz Wohlfahrt das Ruder in der Hand hatte. Wie bereits erwähnt, war die Bestellung von Wohlfahrt alles andere als ohne Nebengeräusche und Kritik verlaufen. Die speziell einberufene „Task-Force“, die nur unzureichend mit sportlicher Fachkompetenz besetzt wurde, entschied sich letztlich für Wohlfahrt, trotz dessen mangelnder Erfahrung auf dieser Position. Als ausschlaggebender Grund wurde dessen vorgestelltes Konzept genannt, das die Task-Force überzeugte. Wenige Wochen später ließ Wohlfahrt jedoch aufhorchen, als er in einem Interview zu Protokoll gab, dass es sein Konzept sei, keines zu haben, um sich flexibel auf die jeweiligen Umstände einzustellen. Das wurde naturgemäß von den Medien ausgeschlachtet, auch wenn er sich wohl nur unglücklich ausdrückte und sich in Wirklichkeit nicht festnageln wollte.

Alles andere als eine glückliche Außendarstellung also und das rückte die Bestellung von Franz Wohlfahrt als Sportdirektor nicht gerade in das beste Licht und wurde mit einiges an Häme begleitet. Nicht nur das, auch die Situation rundum den Verein war alles andere als zufriedenstellend. Die von der violetten Vereinsführung propagierte sportliche Neuausrichtung unter Trainer Gerald Baumgartner und dessen „Pressing-Fußball“ kam nicht so richtig in Gang und man drohte zum zweiten Mal hintereinander die Qualifikation zum Europacup zu verpassen. Schwierige Bedingungen und keine leichten Vorzeichen also, die Franz Wohlfahrt zu Beginn seiner neuen Aufgabe vorfand.

Und die schwierigen Umstände sollten sich auch über die ersten Monate der Ära Franz Wohlfahrt ziehen. Quasi die erste Amtshandlung bestand darin, Trainer Gerald Baumgartner nach einem schwachen Start und Spannungen mit der Mannschaft zu beurlauben. Nicht nur das, damit stampfte man ebenfalls die neu ausgerufene Vereinsphilosophie in den Boden, die wenige Monate zuvor noch von der Vereinsführung ausgerufen wurde. Es übernahm interimistisch der Trainer der Amateure Andreas Ogris und sollte das Ruder nochmal rumreißen. Der Trainereffekt blieb jedoch aus und die Austria beendete die Saison quasi auf einem katastrophalen siebten Tabellenplatz, welcher auch in die Geschichtsbücher eingehen sollte. Also war man erneut gezwungen, einen „Neustart“ auszurufen und damit das gleiche Spiel von vorne zu beginnen, welches man wenige Monate zuvor noch quasi in nahezu identischer Art und Weise in Angriff genommen hatte. Ein neuer Trainer musste her und die Rückkehr zum „Ballbesitzfußball“ wurde ebenfalls propagiert, womit man zu den „Wurzeln“ der Austria wieder zurückkehren wollte.

Neue Philosophie, neuer Trainer und neue Strukturen

Ein neuerlicher Neustart stand also bevor und die Vereinsführung war nach zwei schlechten Jahren und den verpassten Qualifikationen für den Europacup gezwungen, endlich wieder in die Erfolgsspur zurückzufindenund die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dafür nahm man auch einiges an Kapital in die Hand  und zusätzlich wurde ein Kaderumbruch in Angriff genommen, damit wieder frischer Wind in die Mannschaft kommt. Davor musste Sportdirektor Wohlfahrt natürlich noch die elementare Entscheidung treffen, wer der nächste Cheftrainer der Austria werden sollte. Die Wahl fiel letztlich auf Thorsten Fink, der glücklicherweise wenige Wochen zuvor seine Zelte in Zypern abbrechen musste und so auf die Kandidatenliste rutschte. Mit dieser Wahl setzte man bereits deutliches ein Zeichen, da man sich für die Verpflichtung von Fink finanziell sehr weit streckte und ein gewisses Risiko einging.

Die Entscheidung für Thorsten Fink passte auch zur neu erarbeiteten Philosophie, welche Franz Wohlfahrt der Vereinsführung vor der Bestellung des Cheftrainers präsentierte. Es sollte wieder klassischer Ballbesitzfußball in Wien-Favoriten einziehen und der Fokus von der Jugend bis zur Kampfmannschaft einheitlich darauf ausgerichtet werden. Das mag im ersten Moment nach einer Selbstverständlichkeit klingen, doch ein Jahr zuvor versuchte die Vereinsführung der Austria erfolgslos, sich plötzlich rein über das Spiel gegen den Ball und dem „Pressing“ zu definieren und dieses als übergeordnete Leitlinie zu etablieren. Dieser Versuch war natürlich zum Scheitern verurteilt, da der überwiegende Teil der gegnerischen Mannschaften der Austria den Ball überlässt oder auf lange Bälle setzt, um ihr diesen Gefallen eben nicht zu tun. Das sah man dann auch im Verlauf der Saison, als man unter Trainer Gerald Baumgartner gegen schwache Gegner meist ideenlos auftrat, während man gegen die beiden besten Mannschaften Salzburg und Rapid aufgrund der defensiveren Ausrichtung Siege einfahren konnte.

Mit der Ankunft des neuen Trainers sollte sich vieles im Verein verändern. Thorsten Fink brachte wichtiges Know-How und neue Ideen mit, die den Verein moderner und zeitgemäßer gestalten sollten. Es ist kein Geheimnis, dass unter Thomas Parits in einigen Bereichen die Austria noch dem modernen Fußball hinterherhinkte und veraltete Strukturen vorherrschten. Die galt es aufzubrechen und so musste Franz Wohlfahrt im Verbund mit Thorsten Fink nun auch hinter den Kulissen für frischen Wind sorgen und die Profiabteilung auf professionellere Füße stellen. So wurde u.a. das Scouting breiter aufgestellt und das Budget dafür vervielfacht, die medizinische Abteilung wurde auf neue Beine gestellt und Stellen eines Videoanalysten und zweiten Co-Trainer geschaffen, somit das Trainerteam erweitert.

Auch in der Akademie wurde an Synergieffekten gearbeitet, regelmäßige Treffen aller Trainer von unten bis nach oben vereinbart, Trainingspläne für alle Mannschaften erarbeitet und nun eine einheitliche Philosophie von der U15 bis zur Kampfmannschaft vorgegeben, um die Eingliederung der jungen Spieler in die Kampfmannschaft zu vereinfachen. Es gab also reichlich Aufgaben, die es anzupacken galt. Das Hauptaugenmerk galt aber zunächst der Kampfmannschaft, der man ein neues Gesicht geben wollte. Mehr als zehn Spieler verließen den Verein, u.a. gestandene Größen wie Suttner, Holland, Lindner oder Mader und neue Gesichter wie Kayode, Kehat, Martschinko, Vukojevic oder Rückkehrer Almer stießen als Neuzugänge zu der Mannschaft. Die erste Verpflichtung unter dem neuen Sportdirektor Wohlfahrt wurde jedoch bereits im Winter getätigt, als man Raphael Holzhauser an den Verteilerkreis lotste, der nun unter dem neuen Trainer eine Schlüsselrolle in Zukunft übernehmen sollte.

Trotz des großen Kaderumbruches stellte sich relativ rasch wieder der Erfolg in Wien-Favoriten ein und man kehrte wieder zur alten Stärke zurück. Unter dem neuen Trainerteam spielte man einen überaus erfolgreichen Herbst, holte sich den Herbstmeistertitel und hielt den Titelkampf offen. Im Winter verstärkte man sich darüber hinaus mit dem Brasilianer Venuto, der einen starken Herbst spielte und viele Interessenten auf sich zog, sich jedoch für die Austria entschied und für noch mehr Offensivpower sorgen sollte. Den starken Herbstdurchgang konnte man im Frühjahr jedoch nicht mehr bestätigen und baute etwas ab, erreichte jedoch relativ problemlos den Europacup und qualifizierte sich somit nach jahrelanger Abstinenz und einem drohenden Verlust der UEFA-Setzung endlich wieder für einen europäischen Bewerb. Dadurch wurden auch einige Kritiker von Franz Wohlfahrt besänftigt und nicht wenige zeigten sich mit dem geschafften Turnaround durchaus zufrieden.

Folgen des Stadionumbaus führen zu finanzieller Mehrbelastung

Alles in allem konnte man also mit dem ersten Jahr zufrieden sein, auch wenn natürlich noch Luft nach oben bestand. Im zweiten Jahr wollte man den nächsten Schritt setzen und die Weiterentwicklung der Mannschaft vorantreiben. Leicht war das nicht, verlor man doch mit Alexander Gorgon den besten Torschützen und Führungsspieler, dessen Abgang naturgemäß ein großes Loch hinterließ. Darüber hinaus begannen die Umbauarbeiten an der Generali-Arena und das führte zu einigen zusätzlichen Belastungen. Sportlich gesehen musste man einerseits in das große Happel-Stadion ausweichen und andererseits das Trainingszentrum ins burgenländische Steinbrunn verlegen, da man in Wien keine anderen Möglichkeiten vorfand, um einen professionellen Trainingsbetrieb aufrechtzuerhalten. Viel gravierender waren jedoch die finanziellen Auswirkungen, die nun den Spielraum spürbar verengten. So musste das Budget um 15 Prozent gekürzt werden, um diese Mehrbelastung verkraften zu können. Das führte dann auch dazu, dass Trainer Thorsten Fink Abwanderungsgedanken hegte, da er sich unter diesen Umständen nicht imstande sah, die gesteckten Ziele des Vereines umzusetzen. Letztlich gelang es der Vereinsführung doch noch den Trainer vom Verbleib zu überzeugen und man versprach Fink gute Perspektiven für die Zukunft.

Für die sportliche Führung rundum Franz Wohlfahrt war dies insgesamt keine leichte Situation. Einerseits musste man mit Gorgon den besten Spieler ersetzten, andererseits liefen die Leihen von Martschinko und Friesenbichler aus und man musste entscheiden, ob man die Kaufoptionen zieht oder nicht. Bei Martschinko tat man dies, bei Friesenbichler entschied man sich aufgrund der hohen Ablösesumme dagegen und verlängerte stattdessen die Leihe um ein weiteres Jahr. Darüber hinaus verpflichtete man Petar Filipovic, um die Defensive zu verstärken und Flügelspieler Felipe Pires lieh man für zwei Jahre aus. Ismael Tajouri kehrte nach einer Leihe aus Altach wieder zurück und sollte nun eine größere Rolle in Zukunft spielen. Damit war der finanzielle Spielraum jedoch ausgeschöpft und man ging mit einem relativ dünnen Kader in die Meisterschaft. Problematisch war vor allem die Position im defensiven Mittelfeld, die äußerst knapp besetzt blieb, nachdem Vukojevic enttäuschte und den Erwartungen nicht gerecht wurde. Stattdessen sollte nun Tarkan Serbest eine wichtigere Rolle einnehmen und den nächsten Schritt machen. Immerhin konnte man noch den hochveranlagten Roi Kehat für gutes Geld nach Israel verkaufen, da man es vorzog, den talentierten Dominik Prokop mehr Spielzeit zu geben. Dazu verpflichtete man noch kurz vor Transferschluss den Ghanaer Abdul Kadiri als Perspektivspieler, dem man großes Potenzial attestierte.

Die Saison 16/17 verlief dann alles in allem relativ zufriedenstellend. Zu Beginn überstand man drei Qualifikationsrunden im Europacup und erreichte mit zwei Siegen über Rosenborg Trondheim nach fünf Jahren Abstinenz endlich wieder die Gruppenphase der Europa League. Damit erreichte man frühzeitig ein gestecktes Saisonziel und es spülte auch wichtige zusätzliche Einnahmen in die klammen Kassen. Trotz der Dreifachbelastung spielte man insgesamt einen guten Herbst und holte sogar mehr Punkte, als in der Saison zuvor, als man den Herbstmeistertitel erlangte. Der einzige Wehrmutstropfen blieb der verpasste Aufstieg in die K.O. Phase der Europa League, als man zwei Matchbälle leichtfertig liegen ließ und die junge Mannschaft sich einen klassischen Selbstfaller leistete. Darüber hinaus gelang es Wohlfahrt Trainer Thorsten Fink langfristig an den Verein zu binden, nachdem dieser vor der Saison ja noch Abwanderungsgedanken hegte.

Nachdem der Winter transfertechnisch relativ ruhig über die Bühne ging und nur Richard Windbichler den Verein verließ, wollte man zumindest den zweiten Platz ergattern und wenn möglich auch noch Salzburg ärgern. Nachdem das Frühjahr mit Ups & Downs vonstattenging und man das Ziel Vizemeisterschaft erreichte, konnte man durchaus ein zufriedenes Resumeziehen. Einzig das frühzeitige Ausscheiden im Cup gegen die Admira trübte die Bilanz und blieb ein verpasstes Saisonziel. Abgesehen davon schlugen die Transfers überwiegend ein und viele Spieler entwickelten sich weiter und wurden durch das erbrachte Vertrauen zu absoluten Leistungsträgern, wie Filipovic, Pires oder Serbest. Alles in allem kann man auch im zweiten Jahr unter Franz Wohlfahrt von einem erfolgreichen Jahr sprechen. Die meisten Ziele wurden erreicht, viele Spieler entwickelten sich weiter und sollten in den nächsten Monaten auch zu heißen Transferaktien werden.

Ein ungeplanter Umbruch und viele Veränderungen im Kader

Nach der guten Saison mit einer jungen Mannschaft, waren die Aussichten für die aktuelle Saison 17/18 relativ rosig. Man wollte zunächst den Kader optimieren und punktuell verstärken, ohne jedoch einen zu großen Aderlass hinzunehmen. Die finanzielle Situation blieb durch die Mehrbelastungen rundum den Stadionumbau jedoch weiterhin eingeschränkt und man hatte auch nach wie vor nicht wirklich viel Spielraum. Man erhoffte sich durch einen möglichen Abgang von Torschützenkönig Kayode zwar einen warmen Geldregen und zusätzliche Möglichkeiten, jedoch blieben die Angebote zunächst weit unter der geforderten Ablöse. Daher zog sich die „Causa Kayode“ auch in die Länge und blieb in der Schwebe. Dennoch tätigte man bereits einige Vorgriffe, verpflichtete mit Monschein einen Wunschspieler und dessen Ersatz und auch Friesenbichler konnte endgültig an den Verein gebunden werden. Darüber hinaus holte man mit Demaku ein vielversprechendes Talent und zusätzlich den Routinier Heiko Westermann nach Wien, damit dieser die Qualität in der Abwehr noch einmal erhöhen sollte. Dadurch war das Budget für die Mannschaft ausgereizt, auch wenn man noch weitere Transfers tätigen wollte. Einerseits sollte die Baustelle im defensiven Mittelfeld geschlossen werden, andererseits dachte man über einen Ersatz für den verletzten Lucas Venuto nach, der sich im April einen Kreuzbandriss zuzog.

Man legte dabei den Fokus auf ablösefreie Spieler und wollte deshalb auch aufgrund des Österreicher-Topfs Lukas Jäger und Patrick Möschl an den Verteilerkreis lotsen. Jedoch entschieden sich die beiden Spieler lieber für einen Wechsel nach Deutschland und erteilten der Austria eine Absage. Da abgesehen davon die österreichischen Alternativen Mangelware blieben, wollte man den Markt beobachten und auf zusätzliche finanzielle Mittel abwarten, um gegebenenfalls auch etwas tiefer in die Tasche zu greifen, vor allem für die Position im defensiven Mittelfeld. Im August nahm dann das Transferkarussell seinen Lauf. Kayode wurde für einen hohen Millionenbetrag verkauft und spülte einiges an Kapital in die klammen Kassen. Fast gleichzeitig machte Petar Filipovic von seiner Ausstiegsklausel gebrauch und wechselte ebenfalls für eine siebenstellige Ablösesumme in die Türkei.

Aufgrund dessen war Franz Wohlfahrt naturgemäß zum Reagieren gezwungen und musste Ersatz verpflichten, jedoch wollte man auch noch das EL-Playoff gegen Osijek abwarten, da dies naturgemäß große Auswirkungen auf die Planungen hatte und eine Europa League Gruppenphase ein zusätzlicher Anreiz für potenzielle Neuzugänge darstellt, um sich auf der internationalen Bühne zu präsentieren. Davor verpflichtete man mit Lee und Alhassan noch zwei junge Perspektivspieler für die Zukunft, von denen man sich viel versprach. Darüber hinaus trudelte für Stryger Larsen ein Angebot von Udinese ein, das dieser unbedingt wahrnehmen wollte. Da man mit Florian Klein bereits passenden Ersatz in der Hinterhand hatte, erlaubte man den Abgang des dänischen Nationalspielers, da dieser ebenfalls einen siebenstelligen Betrag in die Kassen spülte. Damit hatte man im Kader jedoch einen großen Aderlass letztlich verkraften müssen, da auch Kapitän Grünwald durch eine schwere Verletzung ausfiel und somit viele wichtige Stützen auf einmal wegbrachen. Nach der knapp geglückten Qualifikation für die Europa League lief nun die Zeit, um vor Transferschluss noch passende Verstärkungen zu präsentieren und sich für den intensiven Herbst zu rüsten.

Sportdirektor Wohlfahrt hatte mit dem kroatischen Nationalspieler Marko Leskovic einen hochkarätigen Spieler an der Angel, der sowohl in der Innenverteidigung, als auch im defensiven Mittelfeld zum Einsatz kam. Dafür war man auch bereit tiefer in die Tasche zu greifen und einen neuen Transferrekord (nach der Stronach-Ära) aufzustellen. Die Verhandlungen zogen sich jedoch hin und waren dann wieder kurz vor dem Abschluss, bis dessen Verein Dinamo Zagreb dem Wechsel wenige Stunden vor Ablauf der Transferfrist doch noch ein Veto gab und die Verpflichtung damit endgültig platze. Statt quasi mit einer Fliege zwei Klappen zu schlagen, blieb die Baustelle im defensiven Mittelfeld offen und man musste nun kurzfristig zum Plan B greifen und holte den Brasilianer Ruan, um zumindest in der Innenverteidigung breiter aufgestellt zu sein.

Darüber hinaus hatte man Max Sax an der Angel, den man noch holen wollte. Dies gestaltete sich allerdings schwierig, da das Klima zwischen den beiden Vereinen durch die Causa Monschein nicht das Beste war und die Admira sich als harter Verhandlungspartner präsentierte. Zwar hätte Sax im Juni noch eine Ausstiegsklausel um kolportiere 400.000 Euro gehabt, jedoch hatte man bereits den ablösefreien Patrick Möschl an der Angel und der finanzielle Spielraum war zum damaligen Zeitpunkt begrenzt, da man mit Monschein und Friesenbichler wichtigere Ausgaben zu tätigen hatte. Da die Admira der Aufteilung zwischen fixer Ablöse und Prämie nicht zustimmte, platze letztlich auch dieser Transfer am letzten Tag. Anders als bei Leskovic hatte man diesmal keinen Plan B, da nur eine österreichische Lösung infrage kam und es an Alternativen mangelte.

Somit endete auch eine turbulente Transferperiode, die eine hohe Fluktuation im Kader zur Folge hatte. Alles andere als optimal also, um den intensiven Herbst mit drei Bewerben zu bestreiten, auch wenn man mit dem Brasilianer Ruan zumindest noch einen Defensivspieler verpflichten konnte. Zu Beginn ging es noch gut und das Trainerteam konnte trotz der vielen Umstellungen einige Siege einfahren und auf Tuchfühlung zur Tabellenspitze bleiben. Als jedoch die Verletzungsmisere immer größere Ausmaße annahm und teilweise alleine sechs (!) Defensivspieler ausfielen, wirkte sich dies naturgemäß auch auf die Ergebnisse aus. Im Nachhinein wurden die verpassten Verpflichtungen somit doppelt bestraft, wobei man mit so einem Verletzungspech natürlich nicht rechnen konnte. Dennoch blieb es ärgerlich, dass man es vor allem im defensiven Mittelfeld nicht schaffte, für eine weitere Alternative zu sorgen, auch wenn man es durchaus versuchte. So lief der Herbst alles andere als rund und vor allem das zweite Saisonviertel fiel denkbar schlecht aus. Durch die vielen Ausfälle und den dünnen Kader, kombiniert mit der hohen Belastung war die Aufgabenstellung zu schwierig, als dass man diese noch erfolgreich lösen konnte.

So beendete man den Herbst nur auf dem sechsten Tabellenrang und vor allem die Kritik an Sportdirektor Franz Wohlfahrt und an dessen Kaderplanung wurde immer größer und größer. Selbst Trainer Thorsten Fink meldete sich mit ungewöhnlichen Aussagen zu Wort und kritisierte offen die Planungen der Vereinsführung, mit der er nicht einverstanden war. Damit stieg auch noch zusätzlich der Druck auf Wohlfahrt, das Ruder wieder herzumzureißen und die passenden Rückschlüsse aus dem Herbst zu ziehen, um darauf die richtigen Antworten zu geben. Und das in einer Situation, wo der Verein eine richtungsweisende Entscheidung über eine Vertragsverlängerung treffen muss.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic

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