Wacker Innbruck wurde auf der Suche nach einem neuen Abwehrchef in Spanien fündig. Der 32-jährige Baske Egoitz Jaio Gabiola soll in der kommenden Saison... Egoitz Jaio Gabiola: Wackers neuer Abwehrchef im Portrait

FC Wacker Innsbruck (Logo, Wappen)Wacker Innbruck wurde auf der Suche nach einem neuen Abwehrchef in Spanien fündig. Der 32-jährige Baske Egoitz Jaio Gabiola soll in der kommenden Saison die Abwehrreihe der Tiroler stabilisieren und seine gesamte Erfahrung in die Waagschale werfen. Vom Typ her dürfte der Innenverteidiger auch gut zu seinem neuen Verein passen. Wir erklären euch in diesem Artikel weshalb und sehen uns seine bisherige Karriere an.

 

Name: Egoitz Jaio Gabiola
Geburtsort: Abadiño (Spanien)
Nationalität: Spanien
Geburtsdatum: 13.08.1980
Alter: 32
Hauptposition: Innenverteidiger
Nebenposition: Defensives Mittelfeld
Größe: 187cm
Gewicht: 79kg
Aktueller Verein: Wacker Innsbruck
Bisherige Vereine: Athletic Bilbao (B-Mannschaft), CD Baskonia, Racing Ferrol, Algeciras CF, Gimnàstic de Tarragona, Numancia

Egoitz Jaio Gabiola wurde am 13.08.1980 in Abadiño geboren, einer kleinen Stadt im Baskenland mit etwas mehr als 7000 Einwohnern. Die talentiertesten jungen Fußballer dieses Ortes kommen traditioneller Weise in die Nachwuchsmannschaften von Athletic Bilbao, so schafften in der jüngeren Vergangenheit beispielsweise Ustaritz Aldekoaotalora und Ander Iturraspe den Sprung zum Stammspieler beim achtmaligen spanischen Meister, der seit der Gründung der Primera Division im Jahr 1928 durchgehend in der obersten Spielklasse zu finden ist. Während Ustaritz mittlerweile für Dinamo Tiflis aufläuft, zählt der 24-jährige Ander Iturraspe aktuell zu den unumstrittenen Stammspielern.

Athletic Bilbao eine Nummer zu groß

Egoitz Jaio durchlief zunächst von 1995 bis 1998 die Athletic-Bilbao-Nachwuchsmannschaften und wurde 1998 an den Club Deportivo Basconia verliehen. In dieser Zeit kam er übrigens auch öfters im zentralen defensiven Mittelfeld zum Einsatz, was aufgrund der heutigen Anforderungen an den modernen Innenverteidiger sicherlich ein Vorteil ist – aber dazu später mehr. CD Basconia spielte damals wie heute in der vierthöchsten Spielklasse und ermöglicht seit 1997 jungen Kickern von Athletic-Bilbao Spielpraxis zu sammeln. Egoitz Jaio war einer der ersten Nachwuchsspieler, die ein Jahr an den Club Deportivo Basconia ausgeliehen wurden. Die Leihe erfüllte ihren Zweck, denn er bestritt immerhin 26 Pflichtspiele bevor er zu seinem Stammverein zurückkehrte.

Zu dieser Zeit war der ehemalige 60-fache französische Nationalspieler Luis Fernandez bei Athletic Bilbao Cheftrainer, der mit seiner Mannschaft 1998 auf dem zweiten Platz der Primera Division landete und somit das beste Ergebnis seit dem Meisterschaftsgewinn in der Saison 1983/84 erreichte. Dies gelang ihm auch aufgrund der Tatsache, dass sich der Verein dazu entschloss nicht nur waschechte Basken einzusetzen, sondern nun auch Spieler, die im Baskenland in Jugendmannschaften ihren Beruf erlernten. Der Klub rüstete für den internationalen Wettbewerb auf und für Kicker wie Egoitz Jaio brachen angesichts der starken Konkurrenz schwere Zeiten an. Egoitz Jaio kam drei Saisonen lang in der B-Mannschaft zum Zug und wechselte dann leihweise zu Racing Ferrol in die Segunda Division. Für die Amateurmannschaft von Athletic Bilbao absolvierte er insgesamt 99 Meisterschaftsspiele in denen er zwei Treffer erzielte – beide in seiner ersten Saison.

Ab- und Aufstieg mit Racing Ferrol

Bei seinem neuen Verein spielte er sich gleich in die erste Mannschaft und zeigte ordentliche Leistungen, auch wenn es für den Klassenerhalt in der Segunda Division nicht reichen sollte. Er kam auf 25 Einsätze, wobei er 24 Mal von Beginn an eingesetzt wurde und erzielte dabei zwei Tore. Er fiel durch seine relativ harte Spielweise auf und kassierte in der Saison acht gelbe und eine rote Karte. Racing Ferrol hätte ihn gerne in die Segunda Division B mitgenommen, doch Athletic Bilbao wollte, dass der junge Abwehrspieler weiterhin in der zweithöchsten Spielstufe Praxis sammelt, weshalb er für kurze Zeit an Aufsteiger Algeciras CF verliehen wurde. Nach ein paar Monaten beschlossen sie jedoch ihn wieder an Racing Ferrol zu verleihen, wo er in der zweiten Saisonhälfte als Stammspieler in der Innenverteidigung dem Verein half wieder in die Segunda Division aufzusteigen. Im darauffolgenden Jahr absolvierte er die vielleicht stärkste Saison seiner Karriere und landete mit dem Klub auf dem 16. Platz, was den Klassenerhalt bedeutete und als großer Erfolg gewertet werden darf. Er kam 27 Mal von Beginn an zum Einsatz, erzielte vier Treffer und sah 11 Mal eine gelbe Karte.

Vizemeister mit Gimnàstic de Tarragona in der Segunda Division

In der darauffolgenden Saison 2005/06 verpflichtete ihn der katalonische Verein Gimnàstic de Tarragona, der in der Saison davor auf dem siebten Platz landete und starke Aufstiegsambitionen an den Tag legte. Der Wechsel zahlte sich aus, denn es gelang ihm auf Anhieb der Aufstieg in die Primera Division, während sein ehemaliger Klub Racing Ferrol wieder hinunter in die dritte Spielklasse musste. Egoitz Jaio schaffte auch bei Gimnastic den Sprung zum Stammspieler und steuerte einen Treffer in 30 Einsätzen bei (28 von Beginn an). Nach dem Aufstieg in die höchste Spielklasse krempelte der Klub jedoch seinen Kader um und auch Egoitz Jaio wurde Opfer dieser Veränderungen, sodass ihm Einsätze in der Primera Division noch versagt blieben. Der Verein hätte vielleicht stärker auf Kontinuität setzen sollen, denn ein Jahr später stieg Gimnastic als Letzter der Primera Division wieder ab. Zu diesem Zeitpunkt hatte Egoitz Jaio allerdings einen anderen Arbeitgeber, dem er ganze sieben Jahre treu bleiben sollte.

Sieben Saisonen bei Numancia

Von 2006/07 bis zur vergangenen Saison 2012/13 stand der Abwehrspieler bei CD Numancia unter Vertrag und absolvierte insgesamt 148 Meisterschaftsspiele, in denen er fünf Treffer erzielte (Die Zahlen von Wikipedia [147 Spiele, 6 Tore] dürften knapp daneben liegen). Es dauerte jedoch ein wenig, bis er zum unumstrittenen Stammspieler avancierte. In den ersten beiden Saisonen absolvierte er 13 bzw. 15 Spiele für den Klub, wobei er im zweiten Jahr zwei Treffer erzielte. Nach dieser Saison stieg der Klub als Gewinner der Segunda Division in die höchste spanische Spielklasse auf. Egoitz Jaio blieben aber auch diesmal dort längere Zeit Einsätze verwehrt, denn der Verein setzte ihn erst in den letzten fünf Runden ein, als der Klub schon als Absteiger feststand. Danach begannen bessere Zeiten für den Abwehrspieler, denn in den letzten vier Saisonen wurde er durchgehend im Abwehrzentrum eingesetzt und er absolvierte immer mindestens 24 Spiele, wobei er in den letzten beiden Saisonen jeweils einmal ausgeschlossen wurde. CD Numancia landete in den letzten vier Spielzeiten immer im soliden Mittelfeld zwischen Platz 8 und 12.

Schmerzhafter Start bei Wacker Innsbruck

Egoitz Jaio freut sich laut eigenen Angaben auf sein erstes Auslandsengagement und machte den  Innsbruckern die Verhandlungen nicht allzu schwer. Inaki Bea, der seinem Landsmann das Angebot unterbreitete erklärte gegenüber der Kronen Zeitung:  „Irgendwann habe ich Jaio gefragt: Sag´ einmal verdienen willst du in Innsbruck eigentlich nichts? Und da hat er mir gesagt: Ach, Inaki – das machst du schon, das wird schon passen.“ Weiters meinte er, dass ihm der Verein kein Auto zur Verfügung stellen müsse, da er seinen Wagen aus Spanien nach Tirol holen würde, was seinem Trainer Roland Kirchler gefiel. Der Coach stellte fest, dass der Spieler anscheinend mit beiden Beinen im Leben stehen und Wacker genau solche Typen brauchen würde.

Leider erwischte der sympathische Abwehrspieler einen schmerzhaften Einstand, denn bei seinem Debütspiel gegen den albanischen Meister FK Skënderbeu schlug er sich nach einem Zusammenprall mit einem Mitspieler drei Vorderzähne ein. Zunächst hieß es, dass der Baske einige Wochen ausfallen würde, doch wie es aussieht kann er schon in der kommenden Woche mit einer Schiene ins Mannschaftstraining einsteigen und zumindest leicht mittrainieren. Noch steht allerdings nicht fest, ob die Vorderzähne diesen Crash überstehen und sich richtig erholen werden.

Seine Stärken und Schwächen

Wacker Innsbruck hatte nicht viel Geld für einen Abwehrchef zur Verfügung, weshalb man dem Klub zu dieser Lösung durchaus gratulieren kann. Der Baske verfügt über viel Erfahrung, kennt sich im Abstiegskampf gut aus und ist ein Spielertyp, der beim Innsbrucker Publikum gut ankommen dürfte. Wie oben bereits erwähnt verfügt er einerseits über keine Starallüren und steht mit beiden Beinen im Leben, andererseits zeichnet ihn eine gesunde Härte aus und er gilt als Kämpfer mit Herz, der alles für seine Mannschaft gibt. Hervorzuheben sind seine körperliche Stärke und sein gutes Kopfballspiel. Insbesondere in der Luft ist auf den Abwehrchef Verlass, denn er verfügt nicht nur über eine ordentliche Körpergröße, sondern hat bei Kopfbällen auch ein gutes Timing, was ihm auch bei Standardsituationen in der Offensive zu Gute kommt. Zudem besitzt Wacker Innsbruck nun einen Innenverteidiger, der eine gute Übersicht hat und den Ball vernünftig aus der Abwehr herausspielen kann. Egoitz Jaio kam in seiner Anfangszeit auch im Mittelfeld zum Einsatz und kann von hinten das Spiel organisieren. Sein Stellungsspiel ist prinzipiell in Ordnung, auch wenn sich hin und wieder Fehler einschleichen, die zu Gegentoren führen können. Vorteilhaft wäre es auf alle Fälle, wenn sein Kollege im Abwehrzentrum ein schneller Spieler ist, denn Geschwindkeit und Antrittsstärke zählen nicht unbedingt zu den Stärken Jaios. Zudem kann man ihm vorwerfen, dass er manchmal seine Gegenspieler etwas zu ungestüm attackiert, was zu unnötigen Fouls führt.

Wacker Innsbruck hat sicher nicht den perfekten Abwehrspieler verpflichtet, der alle Probleme auf Anhieb lösen wird – dies wäre mit den zur Verfügung stehenden Mitteln allerdings auch ein Wunder gewesen. Egoitz Jaio ist dennoch als guter Transfer einzustufen, da er mit seiner körperlichen Präsenz und seinem Einsatzwillen seine Mankos wettmachen kann und vom Spielertyp einfach perfekt zum Verein passt. Trotz seiner ersten Auslandsstation muss man beim 32-Jährigen keine Angst haben, dass er mit der Akklimatisierung große Probleme haben wird.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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