Mit einem überraschenden 1:0-Sieg gegen Rapid qualifizierte sich Admira Wacker Mödling für das Cup-Halbfinale. Den Siegtreffer erzielte mit Lukas Grozurek ein Spieler, der die... Ehemaliges Ausnahmetalent: Geht’s mit Christoph Knasmüllner wieder bergauf?

Admira Wacker Mödling - Wappen mit Farben_abseits.atMit einem überraschenden 1:0-Sieg gegen Rapid qualifizierte sich Admira Wacker Mödling für das Cup-Halbfinale. Den Siegtreffer erzielte mit Lukas Grozurek ein Spieler, der die Erwartungen bisher nicht erfüllen konnte. Ein anderer, der ebenfalls in diese Kategorie fällt, war gar nicht im Kader, obwohl er im Ligaspiel gegen Salzburg seine Qualitäten unter Beweis stellen konnte.

Dass Christopher Knasmüllner in seiner bisherigen Karriere viele Fehler gemacht hat, gesteht er sich mittlerweile öffentlich selbst ein. Sein ehemaliger Nachwuchstrainer Herbert Gager meinte, dass er fußballerisch vielleicht sogar das größere Talent als David Alaba war. Während der eine längst ein Weltstar ist, kämpft der andere in der österreichischen Bundesliga um den Anschluss.

Veränderte Admira-Spielweise als Chance

Insgesamt 438 Spielminuten stand Knasmüllner während der bisher gespielten 21 Bundesligarunden für die Admira auf dem Rasen. Nicht wirklich viel, aber dennoch fast genauso lange wie in der gesamten letzten Saison (509). Während er damals kein einziges Spiel über die volle Distanz absolvierte, tat er dies an jedem der letzten drei Spieltage. Dass er auch im Verlauf des Frühjahrs Spielminuten weiter Spielminuten sammeln wird, scheint aufgrund der veränderten Spielweise seiner Mannschaft wahrscheinlich.

In der letzten Saison kämpfte die Admira im wahrsten Sinne des Wortes lange gegen den Abstieg. Man fokussierte sich auf die Defensive, zeigte selten flüssige Kombinationen. Der Umschwung kam dann, als man verstärkt auf spielerische Mittel setzte. Diesen Weg verfolgte das Trainerduo Ernst Baumeister und Oliver Lederer auch in der aktuellen Saison weiter. In unserer Analyse zur Spieldynamik der Bundesligisten konnte man dies ebenfalls erkennen. Da fand man die Südstädter im selben Quadranten wie Rapid und Austria.

Markante personelle Umstellungen gab es dabei im offensiven Bereich, wo nun auf technisch stärkere Spieler gesetzt wird. Auf den Flügeln gibt es mit Srdjan Spiridonovic und Eldis Bajrami zwei trickreiche Akteure und im Sturmzentrum wird ein beweglicher Spieler eingesetzt. Neben Dominik Starkl und Lukas Grozurek kam im Herbst Knasmüllner hauptsächlich dort zum Zug. Im Vergleich zu den beiden genannten Akteuren agierte er dabei naturgemäß spielmachender.

Herausragende technische Fähigkeiten

Zum Frühjahrsauftakt gegen Red Bull Salzburg agierte der 23-Jährige im offensiven Mittelfeld – vermutlich jene Position, die seinen Anlagen am besten entgegenkommt. Im Herbst wurde dort mit Markus Blutsch ein anderer Spielertyp präferiert. Die LASK-Leihgabe ist ein zielgerichteter Spieler, der mehr über seine Physis als Kombinationsstärke ins Spiel. Gerade im Defensiv- und Umschaltspiel bringt das eine gewisse Stabilität – angesichts der personellen Besetzung rundherum sicherlich eine nachvollziehbare Entscheidung von Baumeister und Lederer. Gegen Salzburg zeigte Knasmüllner, dass er mit seinen Qualitäten ebenfalls ein wichtiger Spieler sein kann – vor allem beim zwischenzeitlichen Ausgleich.

Als der Ball zu Knasmüllner kommt wird dieser bereits von seinem Gegnerspieler attackiert. Das Herausrücken des Salzburger öffnet zwar den Raum in dessen Rücken. Dieser ist theoretisch jedoch äußerst schwer direkt bespielbar, weil Knasmüllner mit dem Rücken zu ihm steht. Würde er sich den Ball annehmen, wäre dieser Raum wohl bereits vom zweiten Salzburger Sechser besetzt. Dank seiner herausragenden technischen Fähigkeiten schafft es Knasmüllner jedoch sich bereits bei der Annahme um den Gegnerspieler herumzudrehen, hat nun viel Platz und ein offenes Sichtfeld nach vorne und viele Möglichkeiten.

Eine davon ist ein direkter Pass auf Spiridonovic auf der linken Außenbahn. Diese Option scheint naheliegend, da der Flügelspieler dort scheinbar viel Platz hat. Jedoch hat Salzburg dort ebenfalls noch zwei Spieler, die durch geschicktes Zurückfallen den Angriff wieder bremsen könnten. Knasmüllner wählt diese Option zunächst nicht, sondern entscheidet sich für einen Doppelpass mit dem Stürmer, was zwei entscheidende Dinge zur Folge hat.

Wie man in diesem Bild erkennt, orientieren sich die äußeren beiden Spieler der Salzburger – insbesondere der Linksverteidiger ist hier entscheidend – nun nicht mehr an Spiridonovic, da Knasmüllner sonst freie Bahn zum Tor hat. Die Dynamik ist damit weiterhin hoch und Spiridonovic hat zusätzlich mehr Platz, was er nutzt um den Ball in die Maschen zu dreschen.

Konstanz und Präsenz als Fragezeichen

Keinem anderen Spieler im Admira-Kader wäre es wohl gelungen, sich so präzise um den Gegenspieler herumzudrehen und dann noch die Ruhe zu haben, nicht sofort auf den Flügel zu spielen. Diese Eigenschaften sowie die Eleganz und Sauberkeit, mit der er seine Aktionen ausführt, sind es wohl, die Gager zur erwähnten Aussage bewegt haben. Dennoch hat die Spielweise des Mittelfeldspielers auch seine negativen Seiten – vor allem in puncto Konstanz bzw. dauerhafter Präsenz, gerade im Defensivspiel. Schafft es Knasmüllner, diese Mängel zu beheben, dürfte es mit dem einstigen Ausnahmetalent wieder steiler bergauf gehen.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem