Die SV Ried empfing mit Sturm Graz einen schweren Gegner, insbesondere in Anbetracht der eigenen Formschwäche und Durststrecke. Die letzten zwei Spiele hatten sie... Eigentor entscheidet ausgeglichene Partie: Sturm Graz siegt in Ried mit 1:0!

Die SV Ried empfing mit Sturm Graz einen schweren Gegner, insbesondere in Anbetracht der eigenen Formschwäche und Durststrecke. Die letzten zwei Spiele hatten sie verloren und hielten ebenso bei neun Zählern, wie der Gegner aus der Steiermark. Doch zuhause hatten die Oberösterreicher schon zwei Spiele verloren und sahen sich vor den heimischen Fans unter Druck. Die Niederlage gegen Sturm erschwert diese Situation noch. Die Mannschaft von Trainer Hyballa hatte zwar einige Probleme mit den Riedern, besonders mit Meilinger, konnte das Spiel jedoch mit 1:0 für sich entscheiden, was an einem Eigentor von Reifeltshammer lag. Dieser lenkte eine Hereingabe Bukvas von der rechten Seite ins eigene Tor ab, was der einzige Treffer in der Partie bleiben sollte.

Beide Mannschaften hatten keine zwingenden Chancen und konnten jeweils nur einen Schuss auf den Kasten des gegnerischen Torwarts anbringen. Alles in allem hatte Gastgeber Ried leichte Vorteile, war jedoch nicht wirklich besser und ein Unentschieden wäre angebracht gewesen. Meilinger bei den Innviertlern und Sukuta-Pasu auf Seiten der Grazer waren die auffälligsten Akteure in einer mäßigen Partie.

Die Rieder ohne Dreierkette – Wieso?

Bis vor einem Jahr spielten die Oberösterreicher im 3-3-3-1 und waren – teilweise auch im deutschsprachigen Ausland – bekannt für diese Taktik. Sie definierte sich über das schnelle Umschaltspiel, die Flügellastigkeit und eine taktische Disziplin im Abwehrpressing, welche gegen die größeren Mannschaften in Österreich für Erfolge sorgte und auch von europäischen Mannschaften als sehr unangenehm empfunden wurde. Dieses System haben die Oberösterreicher aber bereits unter Gludovatz zu verwerfen begonnen, gingen nun zu einem System mit Viererkette über. Die Ursache war, dass sich die Gegner einerseits an die Dreierkette angepasst hatten, andererseits zumeist mit einem Stürmer sowie selbst auf Konter spielten, da die SV Ried teilweise als Favorit gegen schwächere Teams gesehen wurde. Damit wurde das 3-3-3-1 kontraproduktiv, da die Außen im ersten Drittel für Konter anfällig wurden und in der Offensive Spieler abgingen.

Das 4-1-4-1

Es ist kein Zufall, dass sie vom 3-3-3-1 auf ein 4-1-4-1 wechselten. Im Aufbauspiel konnten sie damit weiterhin mit einer Dreierkette agieren, während sie in der defensiven Grundformation besser standen. Im Aufbauspiel hatten sie ein 3-4-3, da die Außenverteidiger nach vorne gingen und die Innenverteidiger sich sehr breit schoben. Reiter ließ sich von der Sechs nach hinten fallen und half beim Spielaufbau, was verhindert wurde, dass die Gastgeber einfach gepresst werden konnten. Dies war wichtig, weil der Gegner mit zwei Stürmern auftrat und theoretisch ein „normales“ Aufbauspiel mit den zwei Innenverteidigern mit einfachen taktischen Maßnahmen hätte erschweren können. Durch die Dreierkette der Rieder im Aufbauspiel konnten sie die Passwege jedoch nicht zustellen und durch die dank dieser Formation aufrückenden Außenverteidiger wurden sie nach hinten geschoben. Darum hatte Ried auch etwas mehr Ballbesitz, was für sie in Zeiten des 3-3-3-1 sogar zuhause unüblich war.

Der Fokus auf die Flanken bleibt

Aus der Dreierkette im Aufbauspiel wollten die Innviertler mit langen Bällen parallel zur Auslinie weite Räume überbrücken und die gegnerische Formation, welche an eine Raute angelehnt war, aushebeln. Diese langen Linienbälle gingen bevorzugt auf den schnellen Meilinger, der dann diagonal Richtung Tor ging und von dort aus scharfe Hereingaben brachte. Unterstützt wurde er natürlich von dem nach vorne geschobenen Außenverteidiger, der ihn hinterlief und das Spiel breit machte. Auch gegenüber wurde so gespielt und bei solchen Angriffen rückte der ballferne Außenverteidiger mit auf, um das Spielfeld so breit wie möglich zu strecken. Zentral blieb dann Reiter in seiner tiefen Stellung und die Mittelfeldspieler agierten vorsichtig. Meist ging der Flügelstürmer nach innen und half Gartler vor dem Tor, während maximal einer der beiden Achter sich im Rücken der Abwehr anbot. Generell suchten die Rieder das schnelle Umschaltspiel, agierten kompakt und variierten die Höhe von ihrem Pressing. Mit leichter Bedrängnis durch Anlaufen suchten sie Ballverluste beim Gegner, welche sie sofort zu Gegenschlägen ausnutzen wollten.

Die Spielweise der Hyballa-Elf

Die Grazer versuchten sich ebenso kompakt mit einer etwas tieferen Ausrichtung zu formieren. Vorne hatten sie Szabics und Sukuta-Pasu, welche auf die Innenverteidiger gehen sollten. Dies klappte wegen der gegnerischen Dreierkette im Aufbauspiel kaum, weswegen Szabics oftmals hinten mithelfen musste und sich dafür ins Mittelfeld fallen ließ. Durch eine enge Kette spielten sie zwar der Flügellastigkeit der Rieder in die Karten, liefen jedoch nicht in Gefahr, zentral in Unterzahl zu kommen. Sie erduldeten die Flanken von der Seite und konzentrierten sich in weiterer Folge auf schnelles Umschaltspiel. Wenn sie selbst das Spiel machen mussten und die Hausherren sich in ihrem 4-1-4-1 formierten, dann tat Hyballa das Naheliegende: seine Mannschaft sollte versuchen in die Halbräume neben dem alleinigen Sechser zu kommen. Durch die Kompaktheit der Rieder war das schwer, doch Sukuta-Pasu bewegte sich gut und im Verbund mit dem aufrückenden Bukva sowie Sturmpartner Szabics hatten sie einige gute Aktionen, welche jedoch nur unzureichend abgeschlossen wurden.

Besonderheit im Spiel: der aufrückende Innenverteidiger

Wenn sich die Rieder in ihrer Kompaktheit tief formierten, dann taten sich die Sturm-Akteure schwer, in die Halbräume zu kommen, da diese fast nicht existent waren. Ried hatte dann mit fünf Mittelfeldspielern und vier Verteidigern natürlich die Überzahl, weswegen zumeist Dudic aus der Innenverteidigung mit Ball am Fuß aufrückte. Durch diese vertikale Spielweise eines Innenverteidigers riskierte man natürlich gefährliche Ballverluste, doch man hatte einen Spieler mehr im Mittelfeld, der sich am Kombinationsspiel beteiligen konnte. Der Gegner musste seine mannorientierte Raumdeckung ändern und bei guter Spielweise Dudics taten sich die Rieder natürlich beim Übergeben ihrer Gegenspieler schwer. Dadurch wurden Lücken offen und die gegnerische Formation war einfacher zu durchspielen. Insbesondere mit den nach vorne schiebenden Halbspielern der asymmetrischen Raute wurde versucht Überzahlen zu erzeugen und die Stürmer einzusetzen.

Fazit

Beide Mannschaften hatten gute Ideen und Ansätze im Offensivspiel, aber taten sich schwer gegen die jeweils kompakte Spielweise des Gegners. Es gab wenige Großchancen, beide Teams fanden über neunzig Minuten keine effektive Angriffsvariante, um den Gegner auszuspielen und es war letztlich ein Eigentor mit viel Pech, welches die Entscheidung zugunsten der Gäste herbeiführte. Damit hat Sturm nun zwölf Punkte, während die erfolglose Phase der Rieder noch kein Ende findet.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric