Anfang März wurde es konkret – der LASK enthüllte erste Pläne zum beabsichtigten Stadionneubau. Dieser ist direkt neben der wichtigsten und meistbefahrensten Eisbahnroute Österreichs... Ein neues Stadion für Linz

Anfang März wurde es konkret – der LASK enthüllte erste Pläne zum beabsichtigten Stadionneubau. Dieser ist direkt neben der wichtigsten und meistbefahrensten Eisbahnroute Österreichs geplant – der Westbahnachse im Stadtteil Pichling. Doch dort sorgt auch der Badesee für Naherholung im Linzer Süden, ist beliebtes Terrain für Freizeitaktivitäten aller Art. Nicht zuletzt deshalb regt sich Widerstand in der Stahlstadt. Auch die Finanzierung sorgt für Missgunst bei Politik und Bevölkerung. Wir sehen uns heute das Projekt „LASK-Stadion“ näher an.

Der Linzer Fußballfan generell und der LASKler im Besondern sind sich einig: Die alte Betonschüssel Gugl hat ausgedient. Der LASK zog nicht zuletzt deswegen im Mai des Vorjahres in die Peripherie. Im Linzer Speckgürtel trägt der Tabellenzweite seitdem seine Heimspiele aus. In Pasching ist man eher geduldet als willkommen. Die Infrastruktur ist passabel, mehr recht als schlecht. Langfristig wird das Waldstadion oder neuerdings die TGW-Arena aber nicht die Lösung der Herbergssuche sein. So will der Verein auf der grünen Wiese in Pichling eine neue, 19.000 Zuschauer fassende Linzer Fußballarena hochziehen.

Verkehrstechnisch gut erschlossen

Ein wesentlicher Aspekt eines Neubauprojekts ist die Kundennähe. Oder konkret: Wie kommt der Fan in seinen Fußballtempel? Hier scheiden sich schon die Geister, je nach Interpretation kann man diesen Standort positiv wie negativ sehen. Per Auto ist er ganz günstig gelegen, weil über die Abfahrt Asten gut von der A1 erreichbar. Dazu mit genügend Möglichkeiten für Parkraum – deren 4.000 Abstellplätze sollen entstehen.

Per Bahn? Der Bahnhof Pichling liegt in Gehweite, ist ein Regional- bzw. Schnellbahnbahnhof. Somit ein klitzekleiner Schönheitsfehler: Die Fans aus dem östlichen Teil des Landes fahren erst direkt am Stadion vorbei, steigen in Linz um und fahren wieder retour. Die Railjets und Westbahnzüge aus der Bundeshauptstadt halten in Pichling ebensowenig, wie jene aus Salzburg oder Innsbruck. Doch alles in allem kann man Fanmassen mit der S-Bahn gut abwickeln. Will man aus der Stadt zum LASK-Schauen aufbrechen, ist man vom Hauptbahnhof in knapp zehn Minuten beim Stadion.

Die Anreise per Rad oder zu Fuß ist vom Zentrum suboptimal – so wie bei den vielen Stadtrandstadien-Neubauten. So waren auch immer wieder Standorte in unmittelbarerer Stadtnähe (zB am alten Uno-Shopping-Areal) im Gespräch.

Knackpunkt: Die Umweltfrage

Umweltstadträtin Eva Schobesberger spricht von einem „groben Foul am Naturschutz“. Die ökologische Komponente der Standortwahl widerspricht nicht nur der Grünpartei. Eine breite Bürgerinitiative hat sich bereits formiert, gilt doch der Badesee Pichling als die größte Naherholungsoase der Stahlstadt. Ein Stadion samt deren Menschenströme direkt am Ufer sorgt für viel Kritik.

Auch wenn sich Badetouristen und Fußballfans saisonbedingt nur eher selten begegnen würden, so bleibt die Verschmutzung und Abwertung des Seeareals ein berechtigtes Bedenken. Die Beschneidung des Lebensraums für Flora und Fauna lässt Anrainer wie Umweltaktivisten dagegen Sturm laufen. Man möchte das Areal als Ort der Ruhe für Familien und Erholungssuchende erhalten.

Für eine Sportstadt notwendig

Aus sport- und gesellschaftspolitscher Sicht wäre eine zeitgemäße Sportstätte für die zweitgrößte Stadt Österreichs – die sich als „Sportstadt“ tituliert – mehr als angebracht. Während zur Euro die Chance auf ein finanziell stark gestütztes Stadion zugunsten des Kulturhauptstadtjahres abgelehnt wurde, sind diese Bestrebungen jetzt mehr als ein Jahrzehnt später ungleich schwieriger umsetzbar.

Die bestehende Variante nach Pasching auszuweichen ist temporär begrenzt. Ein Umzug auf die altehrwürdige Gugl – einen um 30 Millionen Euro sanierte Betonschüssel mit feinstem Ostblock-Charme – für alle Beteiligten keine reizvolle Option.

Wer soll es bezahlen?

Wie immer und überall, wenn Neues entstehen soll, muss die Finanzierung aufgestellt werden. Hier hat der Verein seine Hausaufgaben gemacht und ein solides Budget zusammengestellt. Von den kolportieren Kosten von zirka 45 Millionen will der Verein die Hälfte selber aufbringen. Die restlichen knapp 23 Millionen sollen für das Linzer Fußballstadion von der öffentlichen Hand beigesteuert werden.

Aus dem Bürgermeisterbüro kommt aber jetzt schon ein klares „Nein“. In Zeiten knapper Kassen mit gesellschaftspolitisch relevanteren Themen (Stichwort Verkehr, Soziales) will man keine zehn Millionen in eine „GmbH“ investieren. Ein Privatunternehmen wie der Stadtchef verlautbaren lässt. Die Fronten zwischen Stadt und Verein sind nicht erst seit dieser Thematik verhärtet. Der Dauerclinch zwischen den Schwarz-Weißen und dem Bürgermeisterbüro ist da wenig hilfreich. Durch das Ausscheiden von Sportlandesrat und LASK-Sympathisant Michael Strugl – dem größten Fürsprecher im Landtag – werden auch die Voraussetzungen seitens des Landes Oberösterreich in Zukunft nicht leichter.

Eine mögliche Bürgerbefragung in der Stadt zu einem möglichen Neubau wurde letzte Woche abgelehnt. Bei der Finanzierung herrscht also der größte Problempunkt: Dieses Projekt hat bei den politischen Entscheidungsträgern kaum eine Lobby – wenig im Landtag, fast überhaupt keine im Rathaus.

Wie geht es jetzt weiter?

So gesehen bleibt es spannend die fast wöchentlichen Diskussionen um dieses Projekt weiter zu verfolgen. Der LASK selbst hält sich vorerst bedeckt. Es wird ein Einlenken aller Beteiligten notwendig sein, damit Linz sportinfrastrukturtechnisch den Anschluss an Graz, Innsbruck, Salzburg oder selbst auch Klagenfurt nicht ganz verliert. Ein zeitgemäßes Stadion sollte in einer 200.000 Einwohner-Stadt mit einem ambitionierten Verein möglich sein.

Schwierig wird die Umsetzung generell, am gewählten der Standort aber im Besonderen. Für den schwersten Brocken, die Finanzierung seitens der Politik, bräuchten die Schwarz-Weißen schon ein kleines Weihnachtswunder. Vielleicht ein solches wie am 24.12.2013 – als die Freunde des LASK den Traditionsverein übernahmen und mittlerweile aus der Regionalliga wieder in ruhigeres Gewässer führten. Mehr dazu in unserer gestrigen Analyse wie sich der Chaos- zum Vorzeigeverein entwickelte.

Werner Sonnleitner, abseits.at

Werner Sonnleitner