Nach der Verpflichtung des Schweden Rasmus Lindgren (Portrait folgt!) schlug Vizemeister Red Bull Salzburg noch einmal still und heimlich am Transfermarkt zu. Vom NAC... Ein "Schwieriger" für Moniz: Leonardo de Vitor Santiago wechselt nach Salzburg

Nach der Verpflichtung des Schweden Rasmus Lindgren (Portrait folgt!) schlug Vizemeister Red Bull Salzburg noch einmal still und heimlich am Transfermarkt zu. Vom NAC Breda kommt der gebürtige Brasilianer Leonardo de Vitor Santiago zu den Mozartstädtern. Früher als Wunderkind gehandelt, hat er eine bewegte Karriere hinter sich.

Name: Leonardo de Vitor Santiago
Nationalität: Brasilien/Niederlande
Geburtsdatum: 9. März 1983
Alter: 28
Hauptposition: Rechtsaußen
Nebenpositionen: Linksaußen, Mittelstürmer
Größe: 1,71cm
Gewicht: 70kg
Momentaner Verein: FC Red Bull Salzburg
Bisherige Vereine: Nova Sofra, Feyenoord Rotterdam, NAC Breda, Ajax Amsterdam

STÄRKEN UND SCHWÄCHEN

Leonardo Santiago ist ein typischer Flügelspieler der holländischen Tradition des „total foetbool“. Auf den Seiten fühlt sich der 28-jährige Brasilianer, der auch einen niederländischen Pass besitzt, besonders wohl. Er hat einen starken Antritt, einen guten Schuss und weiß durch Dribblings Eins-gegen-Eins-Situationen zu lösen. Leonardo beherrscht sowohl das Kreieren von Torchancen aus der Etappe, als auch das überraschende Auftauchen vor dem Tor und den damit verbundenen schnellen Abschluss.

Leider wurde das ehemalige Wunderkind immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen. Neben der Verletzungsanfälligkeit war auch das Dasein als „Enfant terrible“ ein stetiger Begleiter in seiner bisherigen Karriere. Immer wieder kam es mit seinen Trainern zu Problemen, da sich Leonardo bezüglich Aufstellungen uneinsichtig zeigte.

VOM WUNDERKIND ZUM DAUERPATIENTEN

Das Potential des Kickers aus Jacarezinho, dem Ort, wo auch Romario aufwuchs, wurde mit elf Jahren entdeckt. Seiner Rolle als Wunderkind wurde auf dem Platz und als Hauptdarsteller in Jos de Putters Dokumentation „Solo, de wet van de favela“ gerecht. Im Alter von zwölf Jahren wurde Leonardo Santiago in Rio de Janeiro schließlich von den Scouts von Feyenoord Rotterdam gescoutet und verpflichtet. Er durchlief den Rotterdamer Nachwuchs und debütierte im Alter von siebzehn Jahren gegen AZ Alkmaar. Durch die geltende Bestimmung der EU, dass nicht-EU-Bürger nicht vor Vollendung ihres achtzehnten Lebensjahrs in einem Profiteam spielen dürfen, bekam Feyenoord Probleme und Leonardo musste noch ein halbes Jahr warten, bis er wieder für die erste Mannschaft auflaufen durfte und schoss unter anderem ein Tor beim Sieg gegen den Erzrivalen Ajax Amsterdam, was ihm viele Sympathien bei den Fans einbrachte. In seinen ersten beiden Saisonen als Profi, 2000/01 und 2001/02 lief der Flügelflitzer 44 Mal für die Rotterdamer auf und erzielte vier Treffer, zeigte sich als äußerst mannschaftsdienlich und bereitete viele Treffer vor. 2002 gewann er mit Feyenoord den UEFA-Cup und erzielte im Auswärtsspiel gegen den SC Freiburg in der dritten Runde den späten Ausgleich.

Nach dem Gewinn des Europapokals versank Leonardo jedoch in der Versenkung und absolvierte bis Dezember 2005 nur elf Pflichtspiele. Einer Verletzung folgte die nächste und warf ihn lange Zeit zurück, hinzu kamen noch mehrere Auseinandersetzungen mit seinen Trainern Bert van Marwijk und Ruud Gullit. Im Jänner brach er seine Zelte in Rotterdam ab und wechselte zum Abstiegskandidaten NAC Breda, wo er seine beste bisher beste Zeit durchlebte.

RETTER UND TEILZEITKRAFT

Mit acht Toren in vierzehn Spielen trug er maßgeblich dazu bei, dass Breda die Klasse hielt. Die Probleme mit den Trainern gingen jedoch auch bei seinem neuen Klub weiter. Nicht nur mit seinem ersten Trainer Cees Lok gab es Streitigkeiten, sondern auch mit dessen Nachfolger Ernie Brandts, der ihn, den Linksfuß, auf der linken Außenbahn einsetzen wollte. Leonardo verweigerte dies, da er sich als rechter Außenstürmer sah und wurde suspendiert, nachdem er einfach ein Training verlassen hatte. Er absolvierte noch sechzehn Spiele für Breda und traf zwei Mal ins gegnerische Tor.

Im Dezember 2006 wechselte Leonardo schließlich zu Ajax Amsterdam, dem Erzrivalen seines holländischen Stammvereins Feyenoord, was ihm dort keine Sympathien einbrachte. Eine Besonderheit ist, dass er die Hälfte der 750.000 Euro Ablöse als Handgeld einstreifte. Im März 2007 verletzte er sich dann zu allem Überfluss noch sehr schwer und fiel mit einem Riss des vorderen Kreuzbandes sechs Monate aus. 2008/09 schien er sich wieder gefangen zu haben und verbuchte 33 Einsätze in Liga, Cup und Euopacup, traf aber nur vier Mal. Nach Ablauf seines Vertrags in Amsterdam kehrte Leonardo zu NAC Breda zurück, kam aber dort nie über die Rolle einer Kaderergänzung hinaus, wenngleich er in seiner ersten Saison als Rückkehrer immerhin je vier Mal in der Liga und dem Cup traf. In seiner zweiten, der abgelaufenen Saison durfte er zwar in 25 Ligaspielen mitwirken und traf dabei zwei Mal, bestritt jedoch nur 17 Spiele über die volle Distanz.

EINSATZ IN SALZBURG

Leonardo soll Druck auf Gonzalo Zaraté ausüben, der durch seinen selbst verlängerten Urlaub bei Trainer Moniz in Ungnade gefallen ist. Darüber hinaus verfügte Salzburg auf der rechten Außenbahn kaum über Alternativen zu Zaraté und man benötigt vor allem auf dieser Seite einen starken Spieler, da sowohl Schwegler als auch Schiemer nicht unbedingt als Offensivverteidiger gelten, ganz anders als Ulmer und „Aushilfeverteidiger“ Svento auf der anderen Seite, wo man ja mit Jantscher, Teigl und nochmals Svento über genug Alternativen verfügt.

Bleibt der Brasilianer fit, ist er sicherlich eine Bereicherung für das Spiel des Vizemeisters. Aber auch dann ist es ein Spiel mit dem Feuer, da Leonardo einen schwierigen Charakter hat und in der jungen und fragilen Mannschaft der Roten Bullen für Unruhe sorgen könnte. Ob das Konzept, Druck auf Zaraté auszuüben, aufgeht, ist alles andere als sicher, denn aufgrund der Leistungskurve in den letzten Jahren kann Leonardo de Vitor Santiago – trotz großem fußballerischen Potentials – nicht mehr als eine Kaderergänzung sein.

Georg Sander, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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