Engagiert gespielt, beim Meister verloren – trotzdem holt die Admira einen Europacupplatz!
Bundesliga 19.Mai.2012 Rene Maric 0
Wie für die Wiener Austria ging es für die Admira auswärts um Platz drei und damit um den Einzug in einen europäischen Pokalwettbewerb. In Salzburg spielten sie gegen den frischgekürten Meister Red Bull Salzburg, also eine denkbar undankbare Aufgabe. Bei einem näheren Blick konnte man sich dennoch einige Chancen ausrechnen. Dies lag besonders daran, dass die Salzburger die zweite Garnitur ins Spiel brachten und den Ersatzspielern ein Spiel zum versöhnlichen Saisonabschluss schenken wollten. Deswegen war die individuelle Überlegenheit nicht mehr in diesem Ausmaß vorhanden, wobei die namhafteren Spieler dennoch die Salzburger ins Feld führten. Insbesondere Cristiano mit und auf der Zehn konnte überzeugen, er traf beide Male und sicherte den Sieg für den Meister.
Die Admira hielt allerdings gut dagegen. Über den gesamten Spielverlauf hinweg war man nicht deutlich schwächer und kam zu einigen guten Chancen. Am Ende sollte es 10:9 in der Chancenstatistik lauten, wobei die Salzburger alleine aufgrund ihrer Tore schon die qualitativ hochwertigen Torversuche ihr Eigen nennen dürfen. Da der Meister relativ unbekümmert spielte, entwickelte sich ein munteres Spielchen mit einem glücklichen Gewinner – und einem sogar glücklicheren Verlierer. Die Admira konnte trotz der Niederlage Platz drei behaupten und spielt das nächste Jahr zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit europäisch. Ein großer Erfolg für die Mannschaft von Dietmar Kühbauer, welche mit 59 Treffern die zweitbeste Offensive der Liga stellen konnte. Nur ein Tor mehr erzielte der Meister aus Salzburg.
Die Aufstellung Red Bull Salzburgs
In dieser Partie zeigten die Bullen, was ihr Kader wirklich für eine Stärke hat. Obwohl die meisten Stammspieler geschont wurden, konnte eine starke Elf auf das Feld gebracht werden. So stark sogar, dass man im offensiven Bereich keinei großen Probleme gegen die Admira hatte, was 61% Ballbesitz und zahlreiche gute Chancen eindrucksvoll belegen.
In der Viererkette begann der junge Hinteregger auf der linken Außenbahn und rechts spielte Hierländer. Damit kamen die meisten Offensivbewegungen der Abwehr über rechts, wobei auch diese nicht allzu gefährlich waren. Eigentlich sollten die beiden nur eine Anspielstationen auf Außen im zweiten Spielfelddrittel. Der Grund dafür ist, dass auf beiden Seiten Flügelstürmer aufliefen, die sowohl klassisch als auch invers agieren können. Teigl auf der rechten Außenbahn kam bereits einige Male in dieser Saison zum Einsatz und ist eine grundsolide Alternative. Er ist schnell, kann gute Flanken in den Strafraum bringen oder diagonal in denselben ziehen, um sich für Lochpässe anspielbereit bereit zu machen.
Sein Gegenüber lautete in diesem Spiel Savic. Dieser zeigte zum Teil hervorragende Ansätze, bewegte sich gut und ließ einige Male seine Gegenspieler schön aussteigen. Viele Situationen versucht er mit einem Dribbling zu lösen und mittelfristig könnte er eine Alternative für die Stammformation sein. Seine wohl spektakulärste Aktion hatte er, als er von der Seite nach innen zog und mehrere Spieler bis zum Strafraum ausspielte, wo er unsanft zu Fall gebracht wurde. Hier zeigte sich auch, was ihm noch fehlt – das richtige Timing und Auge für einen Abschluss oder Pass. Wenn er sein Endprodukt beziehungsweise seine Effektivität und Effizienz im Dribbling verbessert, könnte er auf links den bisherigen Stammspielern Konkurrenz machen und in der nächsten Saison mehr Einsätze sammeln.
Auch Cristiano zeigte eine gute Partie. Gemeinsam mit Soriano mussten sie sich auf die Bewegungen der beiden Flügelstürmer anpassen, was ihnen einigermaßen gut gelang. Sie nutzten die Räume meist, um sich aus der Deckung ihrer Gegenspieler zu befreien und in Halbpositionen anzubieten. Besonders Cristiano tauchte öfters in Räumen weg von der Mitte auf und bewegte sich gut. Bei seinem zweiten Tor lief er sich zentral mit und stand frei, was Maierhofer einen einfachen Pass ermöglichte. Maierhofer machte das sehr gut und uneigennützig, der Joker legte ab und fixierte somit indirekt selbst den Endstand – exakt, wofür ihn Moniz wohl eingewechselt hatte. Den Angriff zum ersten Tor hatte der zweite Edeljoker Leitgeb eingeleitet, der in seiner kurzen Zeit auf dem Platz Cziommer mehr als ersetzte und überzeugend spielte. Sein schöner Pass auf Cristiano setzte diesen alleine vor dem Torhüter in Szene und war eine der schönsten Aktionen des Spiels. Mit einem fitten Leitgeb im Zentrum wird Salzburg in der nächsten Saison wohl einen der Schlüsselspieler der Saison besitzen, falls die Spieler vor ihm weiterhin seine Pässe so gut antizipieren.
Die Admira-Aufstellung und kompaktes gegen den Ball arbeiten
Dass der Sieg nicht höher ausfiel beziehungsweise erst in den Minuten nach der Leitgeb-Einwechslung überhaupt entstand, lag an der defensiven Einstellung der Admira. Sie spielten stark ballorientiert und nutzten ihre Raumdeckung hervorragend, um das Zentrum zu verengen. Den einrückenden Flügelstürmern des Gegners wurden dadurch Räume genommen, was mit ein Grund für die fehlenden Abschlüsse nach Soloaktionen wie von Savic war. Auer und Plassnegger rückten dann stark ein, was die Schnittstellen zwischen ihnen und den Innenverteidigern verengte. Lochpässe wurden dadurch schwerer und das effektiv bespielbare Feld der Salzburger geringer. Im Idealfall konnte dann der Ball nach der Eroberung sofort in die Lücken auf den Außen gespielt worden, wobei die Bullen hier mit den eher defensiven Außenverteidigern taktisch gesehen gut standen.
Drescher und Windbichler in der Innenverteidigung agierten ebenfalls intelligent. Einer von ihnen manndeckte Soriano bei seinen Bewegungen ohne Ball, während einer der beiden leicht aufrückte und Toth sowie Mevoungou unterstützte. Dadurch wurde das Zentrum bei der Spielweise der Salzburger noch massierter, was Vorteile für die Admira brachte. Im Gegenzug konnten sie schnell auf Zeman und Sabitzer spielen, desweiteren ließ sich Hosiner manchmal weit zurückfallen. Alles in allem war es eine akzeptable Leistung, doch sobald die Admira versuchte, etwas aufzumachen und das Spiel in die eigene Hand zu nehmen, wurde es gefährlich. Wenn die Räume größer waren, tat man sich sowohl kollektiv als auch individuell schwer. Dies wurde in der Schlussphase durch Leitgebs Kreativität und die eigene Jagd nach den eminent wichtigen drei Punkten bestraft. Allerdings schien der Fußballgott ein Nachsehen bei der Admira zu haben, so gewährte er ihnen durchaus berechtigt trotz der Niederlage den Einzug in die europäischen Pokalwettbewerbe der nächsten Saison. Platz drei ist ein riesiger Erfolg und wird die Admira auch nächste Saison zu so vielen und noch mehr Toren sowie einer offensiven Spielweise ermutigen.
Rene Maric, abseits.at
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