Starostyak, Autor für abseits.at und User im Austrian Soccer Board, verfasste nach Bekanntwerden der groben Pläne rund um das Gerhard-Hanappi-Stadion, einen Beitrag in Österreichs... Fankurve | Milchmädchenrechnung: So wird Rapid nach dem Hanappi-Umbau konkret sein Budget erhöhen!

Starostyak, Autor für abseits.at und User im Austrian Soccer Board, verfasste nach Bekanntwerden der groben Pläne rund um das Gerhard-Hanappi-Stadion, einen Beitrag in Österreichs größtem Fußballforum, in dem er durchrechnet, wie die Umbauaktion im Westen Wiens die „drei allgemeinen Säulen“ des SK Rapid beeinflussen könnte. Starostyak führt dabei in einfach gehaltenen, bewusst nicht stark in die Tiefe gehenden Ziffern aus, wieso Rapid nun die einmalige Chance hat, sein Budget mit Fertigstellung des „neuen“ Gerhard-Hanappi-Stadions drastisch zu erhöhen. Die Milchmädchenrechnung eines treuen Anhängers – Monate bevor erste Pläne auf dem Tisch liegen. Wir werden diesen Beitrag eines Tages mit der Realität vergleichen 🙂

 

Ein Fußballklub sollte in der Regel drei Säulen haben, auf dem seine Finanzkraft aufgebaut ist.

1.) Das so genannte ‚Matchday Income‘, also alles, was an Spieltagen reinkommt – Kartenverkauf (dazu zählen auch Abos), Gastronomie, Umsatz im Fanshop, sonstige Aktionen etc. – da können wir jetzt [nach dem Stadion-Umbau, Anm. d. Red.] definitiv VIEL MEHR rausholen in Zukunft, als das bisher der Fall war.
2.) TV-Geld/Prämien… da sind wir an den TV-Pool gebunden bzw. hängen die Einnahmen auch davon ab, ob wir uns für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren.
3.) Sponsoren. Alles, was mit Sponsorenverträgen zu tun hat.

Im Idealfall – was bei uns aber aufgrund von gewissen Spezifika der Liga NICHT möglich ist, teilt sich das prozentuell gesehen halbwegs gleich auf… und ist ein gutes Zeichen dafür, dass der Klub finanziell gesund wäre. Ein paar Indikatoren, wie dies zukünftig aussehen wird, haben wir ja (Achtung, wem Milchmädchenrechnungen nicht gefallen, der hört am besten hier zu lesen auf).

Zu Beginn ein paar grundlegende Annahmen, auf die ich meine Ausführungen stütze: Das Matchday Income werden wir ganz sicher steigern können. Ich gehe jetzt von einer Kapazität von 23.000 Plätzen aus und denke, dass das fair ist. Skyboxen werden es wohl so um die 15 werden – mit mehr ist wohl kaum zu rechnen, da – so denke ich – nicht jede Tribüne vollends umgebaut werden wird.

ad 1.) Wir nehmen jetzt einfach an, dass der Durchschnittspreis für eine Karte seinen Plafond bei 35€ fürs Erste erreicht hat – wobei natürlich Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen (werden). Durch die höhere Kapazität und den höheren Komfort werden garantiert – das zeigen internationale Beispiele in aller Deutlichkeit – auch mehr Abos verkauft… da rechne ich mit ca. 13.000-14.000 – die jetzigen Abonnenten plus eine nicht zu hoch angesetzte neue Zahl an Abonnenten, die durch das Stadion und das ‚Drumherum‘ (neu, schick, toll) angezogen werden. Man darf nicht vergessen, dass mit 10.600 momentan eine Zahl erreicht ist, bei der jeder, der will, ein Abo bekommt. Es ist zwar schön kommuniziert und tituliert seitens des Vereins, dass man eine ‚Abogrenze‘ erreicht hat, aber im Endeffekt ist das unter den momentanen Umständen (Stadiongröße, Nachfrage) die Sättigungsgrenze.

Für die Skyboxen würde ich jetzt konservativ von einem Wert von 60.000€ pro Saison ausgehen. Das macht summa summarum etwa 900.000€ zusätzlich, allerdings sind internationale Spiele dabei noch nicht eingerechnet. Mit dem Kartenverkauf nur aus der Liga bzw. in dem Fall nur dem Aboverkauf sind Brutto-Einnahmen von ca. 3 Mio.€ drin, wenn man konservativ rechnet (rund 4.000 Abos auf den Hintertortribünen, 9.000 Längsseite / Faktor einmal 180 EUR, einmal 250 EUR) – die weiteren Einnahmen sind schwierig zu kalkulieren, weil es Greenie-Spiele gibt, Karten verschenkt werden o.Ä., aber ich denke, dass da ziemlich viel möglich sein wird – man bedenke nur etwa ein Spiel gegen die Austria bzw. Salzburg, wo man mit oben genannten Zahlen etwa 9.000 Plätze (Durchschnittspreis 20€, und das ist enorm niedrig angesetzt) verkaufen wird (denn, dass die tatsächlich verkauft werden, ist meiner Ansicht nach fix).

Man kann weiters davon ausgehen, dass hier bei 18 Heimspielen nochmal Bruttoeinnahmen von etwa zwei Millionen Euro möglich sind. Ohne Europacup – wo ja immer alle bezahlen müssen – sind da also locker 6-7 Millionen Bruttoeinnahmen nur mal aus dem Kartenverkauf möglich – da ist jedoch noch keine Gastronomie und kein Umsatz aus dem Fanshop mit eingerechnet. Dieser Umsatz ist in den vergangenen fünf Jahren kontinuierlich gestiegen. Ich hab meine Aufzeichnungen nicht bei der Hand, erinnere mich aber dunkel, dass wir bereits die 3 Mio.-Umsatzgrenze gesprengt haben – bei einer Gewinnspange von etwa 25% ist das zwar (noch) nicht die Welt, aber auch da kann und wird weiter angesetzt werden, v.a. wenn der geplante Fanshop in der Stadt dazu kommt und man Europacupspiele zusätzlich hat. Ich würde es klasse finden, wenn man sich zur Optimierung der Abläufe in diesem Bereich bei internationalen Topvereinen umsieht. Was da an Geldmitteln rauszuholen ist, mag zwar dem ein oder anderen nicht gefallen (Stichwort Kommerz, man ‚melkt‘ die Kunden), wäre für den Verein aber definitiv günstig.

Kurz gesagt: Mit Europacup (im Hanappi wohlgemerkt, im Happel ist‘s logischerweise nochmal mehr) sind wohl so 10 Millionen EUR (aufwärts) Bruttoeinnahmen in diesem Bereich möglich, wobei ganz klar zu sagen ist, dass wir davon noch a.) etwas an die Stadt abliefern müssen und b.) logischerweise Steuern fällig werden usw.

ad 2.) Zu den Prämien: Diese sind im Europacup bekanntermaßen äußerst lukrativ. So bekommt man für den Einzug in die Gruppenphase der Europa League eine Million Euro, für einen Sieg 140.000€ und für ein Unentschieden immerhin noch die Hälfte. In der Champions League ist nochmal um einiges mehr an Geld zu machen, aber gut, daran muss und soll man sich nicht orientieren. In diesem Bereich ist für einen Klub wie Rapid unter dem Strich sicherlich wesentlich weniger Geld zu machen als in Bereich 1, weil man mit manchen Faktoren auch nicht fix kalkulieren kann (Prämien; sehr wohl jedoch nationales TV-Geld).

ad 3.) Es ist kein Geheimnis, dass Wien Energie zumindest drei Millionen Euro pro Jahr bezahlt und noch der eine oder andere Sponsor im siebenstelligen Bereich sponsert. Mit einem „neuen“ Stadion hat man gänzlich neue Vermarktungschancen (Stadionname – wer glaubt, dass der nun, wo wir die Möglichkeit haben, ihn selbst weiterzugeben, mittelfristig gesehen bleibt, ist meiner Meinung nach leider fern der Realität – für eine siebenstellige Summe pro Jahr darf man da gar nicht lange nachdenken), kann neue Sponsoren anlocken. Bei einem zuletzt vom Kreditschutzverband veröffentlichten Umsatz von bereits jetzt über 30 Millionen Euro für das letzte (Spiel-)Jahr (wobei da die Europa League mit drei Heimspielen im Happel-Stadion und enorm hohen Personalkosten von 13 Millionen Euro mitgespielt haben) ist davon auszugehen, dass man in diesem Bereich wohl locker zweistellig (Millionen) werden kann – wenn man es nicht ohnehin bereits ist.

Unter dem Strich wird es für Rapid möglich sein, ein Budget von etwa 30 Mio. Euro bei guter Umsetzung des nun gestarteten Stadionprojektes auf die Beine zu stellen. Ohne genaue Details zu kennen vermute ich, dass in diesem dann aber wohl auch die Rückzahlungen für das Stadion beinhaltet sein werden, auch wenn dies finanziell gesehen laut Edlinger getrennt gehandhabt werden soll. Technisch gesehen mag er dabei Recht haben, in der Realität wird der Kredit, den wir fürs Stadion aufnehmen werden, den Verein aber sehr wohl ‚belasten‘. Das Wort Belastung soll dabei aber nicht heißen, dass der sportliche Bereich eingeschränkt(er als jetzt) sein wird – wir werden schließlich auch weit mehr Geld zur Verfügung haben. Das Ziel muss es dann sein, sich (gewiss auf niedrigerem Niveau, aber doch) an Arsenal zu orientieren: Das Stadion bzw. den Umbau abzuzahlen und trotzdem konkurrenzfähig zu bleiben. Sportlicher Erfolg ist für die Umsetzung unabdingbar und würde uns extrem helfen, die finanzielle Belastung zu stemmen. Man denke nur dran, dass nur der Einzug in eine Champions League-Gruppenphase heutzutage bereits 7,1 Millionen Euro garantiert und jeder weitere Punkt mit 400.000 Euro versüßt wird. Das ist kein Geld, mit dem man kalkulieren kann – aber eines, das man in jedem Fall gerne mitnehmen würde, wenn sich die Möglichkeit dazu ergibt.

(Starostyak)

Starostyak

  • michael.lz

    29.November.2011 #1 Author

    ich möchte deinen letzten Absatz nehmen und noch weiter spinnen – würde man wieder etwas mehr finanzielles Risiko nehmen, würde man Mittel in die „richtigen“ Spieler investieren und den Kader somit sportlich wieder an ein internationales Niveau heranführen, man wieder international spielt, dann würden wir auf der anderen Seite wieder Geld lukriieren.

    Sprich Ziel muss es sein wieder international zu spielen und sich dort festzusetzen. Keine one-hit-wonders. Dann würden wir automatisch sportlich sowie finanziell in anderen Dimensionen denken können.

    Die Renovierung und der Ausbau des Stadions ist der erste Schritt in neue Umsatzdimensionen vorzudringen. Man sollte allerdings nicht wieder in ein Sparprogramm fahren und alles gute Verkaufen was da ist. Abgänge von Bozkovic, Hoffer, Kavlak, Pehlivan,… und den zwei ungeliebten Spielern Jelavic und Maierhofer taten zwar gut im Börserl nur sportlich hatte damit ein Abwärtstrend begonnen.

    Also „auf geht’s Rapid kämpfen und siegen!“

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