In einer enorm intensiven Partie trennten sich der SK Sturm Graz und der SK Rapid Wien am Sonntagnachmittag mit 2:2. Das Spitzenspiel um den... Hochintensiv: Starke Rapid-Elf kommt gegen effiziente Grazer über ein 2:2 nicht hinaus

Thanos Petsos - SK Rapid WienIn einer enorm intensiven Partie trennten sich der SK Sturm Graz und der SK Rapid Wien am Sonntagnachmittag mit 2:2. Das Spitzenspiel um den zweiten Platz hielt das, was es versprach und war über weite Strecken unterhaltsam. Auch wenn beide Teams vor dem Spiel ein Remis „genommen“ hätten, hat die Partie im Nachhinein mit Rapid einen gefühlten Verlierer.

An den Aufstellungen gab es keine großen Überraschungen, die Trainer stellten einander zwei 4-2-3-1-Systeme gegenüber, die eine ähnliche Spielanlage verfolgen sollten. Allerdings zeigte sich schnell, dass Rapid technisch weiter, insgesamt als Mannschaft kompletter war als der SK Sturm. Einzig der Mangel an Effizienz und umgekehrt die hohe Effizienz der Grazer machte Rapid einen Strich durch die Rechnung.

Rapids zentrales Mittelfeld klar besser

Die drei zentralen Mittelfeldspieler Rapids (und ihre späteren Ersatzleute) spielten im Laufe der Partie 177 Pässe, während die Sturm-Mittelfeld-Zentralachse nur auf 103 kam. Donis Avdijaj brachte in 63 Minuten nur fünf Pässe an den Mann und verlor 75% seiner Zweikämpfe. Sein schwaches Umschalten von Offensive auf Defensive hätte Rapid vor allem im Spiel mit Raum und Zeit besser ausnützen können, um noch mehr Konterchancen zu lukrieren. Daniel Offenbacher spielte in einer Viertelstunde nur einen Pass…

Eine entscheidende Viertelstunde zwischen Minute 55 und 70

Die Phase zwischen Petsos‘ 2:1 und Beichlers 2:2 war richtungsweisend für den Ausgang der Partie. In dieser Phase verabsäumte Rapid es, nach Ballgewinnen in der eigenen Hälfte noch konkreter auf Offensive umzuschalten. Nach erfolgreichen Balleroberungen verzettelte sich Rapid des Öfteren noch in der eigenen Hälfte und brauchte zu viele Ballaktionen, bevor man sich wirklich nach vorne orientierte. Dies bewies zwar eindrucksvoll die allgemeine technische Überlegenheit, gab einer schwach umschaltenden Sturm-Mannschaft aber zu häufig die Chance sich mit niedrigem Aufwand neu zu positionieren.

Verzetteln auf der Doppelacht

Obwohl Simon Piesinger auf der Zentralachse der einzige Grazer war, der sich im Umschaltspiel von Offensive auf Defensive richtig verhielt und die Abwehrreihe Sturms durch die Bank lückenhaft war, dauerten die Rapid-Konter stets um einige Sekunden zu lange. Diese Probleme bestanden aber nicht nur aufgrund des „Verzettelns“ in der Zentrale, in der vor allem Schwab merklich abfiel, sondern auch wegen einer schwachen linken Seite Rapids.

Keine klaren Muster auf Rapids linker Angriffsseite

Thomas Schrammel konnte offensiv kaum Akzente setzen, während Florian Kainz mit sich selbst haderte und nach einem „persönlichen“ Erfolgserlebnis gegen seinen Ex-Klub suchte. Geordnete Spielmuster, wie man sie auf der rechten Seite beobachten konnte, gab es links nicht. Schrammel stand im Schnitt einige Meter zu tief und so konnte Sturms Rechtsverteidiger Lukas Spendlhofer das Spiel sehr weit innen anlegen, was wiederum die Räume für den nach außen kippenden Robert Beric eng machte.

Schweres Spiel für Beric, Hofmann als Feldherr

Für Beric war es allgemein eine schwierige Partie bzw. ein Geduldspiel. Seine einzige zwingende Chance vergab der Slowene und durch seinen extrem antizipativen Stil, wurde Rapid in der „Zone der Wahrheit“ nur selten gefährlich. Beric konnte durch die ruppige Gangart seiner Gegenspieler auch nur wenige Bälle sichern und hing somit eher in der Luft. Die Ordnung verlor Rapid aber erst nach der Auswechslung von Steffen Hofmann, der durch seine intelligenten Laufwege das Mittelfeld leitete.

Sehr schwacher Spielaufbau bei Sturm

Bei Sturm funktionierte indes wenig. Die Grazer kamen nur schleppend bzw. über Härte ins Spiel, weil der Spielaufbau komplett stockte. Schon die Innenverteidigung ließ sich von Rapids pressenden Spielern sehr tief nach hinten drängen, wurde oft zu Fehlern oder weiten Bällen nach vorne gezwungen. Die Bindung zwischen dem defensiven und offensiven Mittelfeld stellte dann wenigstens Simon Piesinger her, ohne den das Sturm-Mittelfeld vor wesentlich größeren Problemen gestanden wäre. Avdijaj war ein Totalausfall, Hadzic nahm zumindest durch das Annehmen der Zweikämpfe eine halbwegs wichtige Rolle ein, zeigte spielerisch aber ebenso wenig. Dass Roman Kienast abgemeldet war, ist das Resultat der schwachen Grazer Offensivmitte.

Schiedsrichterleistung fragwürdig, aber mit Linie

Für Gesprächsstoff sorgte auch Schiedsrichter Ouschan, der viel durchgehen ließ und somit einigen Spielern frühzeitige Platzverweise ersparte. Einerseits verfolgte er damit eine klare, wenn auch fragwürdige Linie, weil er andererseits die Gesundheit der Spieler nicht ausreichend schützte. Selten zuvor in der laufenden Bundesligasaison waren derart viele gehässige Aktionen, Ellbogenchecks und Schläge, teilweise völlig offen ausgeführt, im Spiel.

Höchst unterhaltsam

Insgesamt sah man aber eine äußerst interessante Partie mit einer starken Rapid-Elf und einer effizienten Sturm-Mannschaft. Rapid fehlten im Grunde nur Details zum Sieg, Sturm vereinfachte den Fußball und zeigte, dass es auch mit Kampf und etwas Glück immer etwas zu erben gibt. In der nächsten Runde kann Franco Foda – aufgrund einiger Sperren – gegen die Austria nur eine Rumpftruppe aufbieten. Rapid muss sich im Falle eines Beibehaltens der in Graz an den Tag gelegten Aggressivität und technischen Sicherheit wohl keine Sorgen um das Ticket zur Champions-League-Qualifikation machen. Allerdings sind die Hütteldorfer naturgemäß launisch und beim Auswärtsspiel in Altach kann die Welt schon wieder anders aussehen.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen