Zweites Sonntagsspiel der österreichischen Bundesliga in der Saison 2012/2013, zum zweiten Mal entscheidet der Doppelpack eines Stürmers die Begegnung. Die ersten beiden Saisontore von...

Zweites Sonntagsspiel der österreichischen Bundesliga in der Saison 2012/2013, zum zweiten Mal entscheidet der Doppelpack eines Stürmers die Begegnung. Die ersten beiden Saisontore von Philipp Hosiner brachten dem FC Admira Wacker Mödling beim FC Wacker Innsbruck die ersten Punkte der Spielzeit. Während die Niederösterreicher damit ihren Trend bestätigten, bleiben die Tiroler weiter ohne Zähler.

Am Donnerstagabend verzückte Admira Wacker mit dem 5:1-Sieg gegen Zalgiris Vilnius in der Qualifikation für die Europa League die gesamte Fußballnation, bei Wacker Innsbruck musste das Team von Dietmar Kühbauer jedoch härter kämpfen. Zwar ging es durch Hosiner, der einen schweren Patzer von Svejnoha ausnutzte, in der 14. Minute in Führung, kassierte aber postwendend den Ausgleich, als Keeper Tischler bei Schreters Hammer schlecht aussah. Zehn Minuten vor Abpfiff sorgte Hosiner mit seinem zweiten Treffer für die Entscheidung. „Es ist sicher bitter, weil wir uns selbst geschlagen haben“, spielte FCW-Coach Walter Kogler auf zahlreiche individuelle Fehler seiner Schützlinge an.

Rotation auf beiden Seiten

Der 44-Jährige veränderte seine Mannschaft im Vergleich zum 0:4-Debakel bei Rapid an zwei Positionen. Für die angeschlagenen Kofler und Abraham rückten Dakovic und Schreter in die Startelf, die sich weitestgehend als 4-4-1-1-Formation präsentierte. Dabei agierten die beiden Flügelspieler Schütz und Wernitznig äußert zentral, was im Verbund mit den teils verhaltenen Außenverteidigern eines der Hauptprobleme aufseiten der Gastgeber war. Didi Kühbauer rotierte heftiger als sein Trainerkontrahent. In der Innenverteidigung musste der Burgenländer auf den gesperrten Windbichler verzichten. An Stelle des nominellen Kapitäns bildete Ex-Innsbrucker Schrott zusammen mit Drescher die Innenverteidigung. Im Mittelfeld lief erstmals in dieser Spielzeit Schachner anstelle von Toth auf, weiters blieben mit Schwab und Ouedraogo zwei Europacup-Torschützen vorerst auf der Bank. Das Sturmduo bildeten wie schon in der ersten Bundesligarunde Sulimani und Hosiner. Bei den Gästen konnte man wieder eine recht starke Asymmetrie erkennen, die durch Jezeks relativ tiefe und zentrale Stellung auf der linken, sowie Sabitzers Außenstürmerposition auf der rechten Seite hervorgerufen wurde.

Ähnliche Konzepte in der Anfangsphase

Zu Beginn des Spiels waren auf beiden Seiten einige Analogien hinsichtlich des Spielaufbaus zu erkennen. Aufseiten der Hausherren agierte Schreter fast ausschließlich im Angriffszentrum und suchte vor allem die Räume zwischen den Linien, was ihm auch gut gelang. Dies schlug sich zunächst in der ersten Torchance in der zweiten Minute und dem Tor zum 1:1 nieder. Sein Sturmkollege Fernandes hingegen bewegte sich um ihn herum, war sowohl auf den Seiten als auch tief im Mittelfeld anspielbar – großen Nutzen konnte er daraus jedoch nicht ziehen. Bei den Admiranern zeigte sich eine ähnliche Beziehung zwischen den beiden Sturmspitzen – wenngleich in etwas abgeschwächter Form. Hier war Hosiner der eher statische Angreifer, während Sulimani um ihn herum kreiste. Weiters spielten die vier Außenverteidiger forsch auf. Plassnegger verzeichnete in der achten Minute nach einem schönen Solo einen Torabschluss, auf der gegenüberliegenden Seite nutzte der junge Weber Jezeks zentral-orientierte Rolle ebenfalls für Vorstöße. Bei den Schwarz-Grünen sorgte vor allem Rechtsverteidiger Bergmann für ordentlich Betrieb in der Vorwärtsbewegung, was ebenfalls mit dem mittig-angelegtem Spiel seines Vordermanns zu tun hatte.

Zentrale Löcher …

Eine weitere Analogie betrifft das zentrale Mittelfeld, in dem sich mit Saurer mehr oder weniger nur ein einziger kreativer Spieler befand. Dadurch mussten beide Teams im Spielaufbau  Abstriche machen. Bei Wacker Innsbruck kam erschwerend hinzu, dass sich die Innenverteidiger extrem tief und das Angriffsduo hoch positionierten. Bei der Admira gehörten Schachner und Mevoungou mit 29 bzw. 40 gespielten Pässen zwar zu den fleißigsten Ballverteilern, die Zuspiele gingen jedoch nur selten in vertikaler Richtung vonstatten. Die beiden konzentrierten sich mit dem Ball in erster Linie auf Pässe in die Breite, was die jeweils recht hohen Passerfolgsquoten (Schachner 86%, Mevoungou 80%) erklärt, und gegen den Ball auf das Zustellen der Mitte. Trotz dieser Sachlage klaffte beim Ausgleich ein ziemlich großes Loch, in das Saurer hineinstoßen und so Schreters Tor vorbereiten konnte.

… und wie sie gestopft wurden

Eben jener Saurer war auch sonst bei den Hausherren für die Anbindung der Verteidigung an den Angriff zuständig, indem er sich die Bälle von hinten abholte und sie nach vorne trug. Der 26-Jährige konnte gegen das massive Zentrum der Gäste jedoch im Großen und Ganzen wenig ausrichten. Dementsprechend versuchte Innsbruck das Spiel über die Außenpositionen umzuleiten, was angesichts der Statistiken – Wernitznig hatte fünf, Schütz zwei Torschuss-Vorlagen – durchaus gut gelang. Im letzten Angriffsdrittel waren Neuzugang Fernandes, der noch wie ein Fremdkörper wirkte, und Schreter, der sich mittlerweile noch weiter vorne positionierte, jedoch abgemeldet. Mit dergleichen Strategie versuchte auch die Admira das kreative Loch im Zentrum zu umgehen, so wie sie es schon in den Spielen zuvor machte. Die spielentscheidende Szene geht allerdings auf das energische Vorrücken eines zentralen Mittelfeldspielers zurück. Denn der Vorstoß von Schachner, der Hosiners 2:1 einleitete, war eine der wenigen erwähnenswerten Offensivaktionen der eingangs erwähnten vier zentralen Spieler.

Kühbauers Umstellungen greifen, Koglers nicht

Mit dieser Aktion zeigte Admira einmal mehr, dass sie auch während der Partie ihre Spielidee ändern kann. Wie schon gegen Zalgiris griffen Kühbauers Umstellungen. Gegen die Litauer brachte er drei neue Spieler, die allesamt einen großen Teil am Erfolg hatten. Neben der, zugegeben geringfügigen Änderung der Ausrichtung des zentralen Tandems, bewies er auch in personeller Hinsicht ein glückliches Händchen, denn Schwab sorgte nach seiner Einwechslung für viel Betrieb rund um den Innsbrucker Strafraum, war – auch aufgrund seines Körpers – enorm präsent. Kurz vor dem letzten Treffer hatte er eine Großchance, ebenso in der Nachspielzeit. Dass der Schuss des ebenfalls eingewechselten Thürauers in der Schlussphase auch nur knapp am Tor vorbeistreifte, ist ein weiteres Indiz für Kühbauers Goldhändchen. Sein Trainerkollege wirkte in dieser Hinsicht weniger glücklich. Weder Merino, dem nach seiner Sprunggelenksarthroskopie noch die Power fehlte, noch Perstaller konnten für frischen Wind im Tiroler Angriffsspiel sorgen.

Innsbruck nutzt unterbesetzte Flügel nicht aus

Dabei hätte Admira den Hausherren durchaus Räume angeboten, vor allem auf den Seiten. Die beiden jeweiligen ballfernen Außenbahnspieler rückten phasenweise extrem weit ein, halbierten quasi die Breite Spielfelds. In diesen Szenen hätten die heimischen Außenverteidiger und Flügelspieler durchwegs Platz gehabt um sich zu entfalten. Allerdings sah man von der Kogler-Elf keine Ansätze um diese nutzen zu wollen. Die Außenverteidiger hielten sich in ihren Offensivbemühungen – Bergmanns Lattenkracher nach einer Stunde außen vor gelassen – meist zurück und die äußeren Mittelfeldspieler drängten zu sehr in die Mitte. Auch auf der ballfernen Seite machte man keine Anstalten den Gegner mit einer schnellen Seitenverlagerung aushebeln zu wollen. Insofern trifft Koglers Eingangszitat absolut zu. Man mache derzeit „einfach zu viele individuelle Fehler“, so der Cheftrainer. „Wir müssen jetzt aber ruhigbleiben und schauen sukzessive in die Saison hineinzufinden.

axl, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

Keine Kommentare bisher.

Sei der/die Erste mit einem Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.