Die Saison 2011/12 verlief für den SK Rapid Wien turbulent. Die Nachwehen des unsäglichen Platzsturms vom 22.Mai 2011 waren tief in die Saison hinein...

Die Saison 2011/12 verlief für den SK Rapid Wien turbulent. Die Nachwehen des unsäglichen Platzsturms vom 22.Mai 2011 waren tief in die Saison hinein spürbar. Die Spielzeit startete mit einem Geisterspiel, gefolgt von Stimmungsboykott durch die Fanblocks – die Rapid-Familie schien zerrüttet, machte eine schwere Zeit durch. Doch die Saison wurde relativ erfolgreich beschlossen und ist heute als Übergangsjahr zu werten.

Peter Schöttel hatte ein Jahr Zeit mit der Mannschaft zu arbeiten und gegen Ende der vergangenen Saison bekam das Rapid-Urgestein die Gelegenheit das Team nach seinen Wünschen und Vorstellungen zu verändern. Mit Gerson wurde ein stabiler Innenverteidiger gefunden, Muhammed Ildiz soll das kreative Loch im Mittelfeldzentrum stopfen und Terrence Boyd soll langfristig für die Tore in Grün-Weiß sorgen. Der vereinstreue Schöttel hatte somit ein Jahr Zeit sich wieder in Wien 14 zu akklimatisieren und kann nun im ersten Jahr mit „eigener Planung“ mit einer konkurrenzfähigen Mannschaft auf nationaler und internationaler Ebene durchstarten.

Rapid macht wieder Spaß

Immer wieder äußerte sich der Rapid-Trainer in seiner ersten Saison enttäuscht über die Probleme mit den Fans, meinte, dass die verjüngte, neue Rapid-Elf sich Support verdient hätte. Nachdem Rapid durch dieses tiefe Tal tauchte, scheint nun wieder alles eitel Wonne zu sein. In Wien-Hütteldorf herrscht Aufbruchsstimmung, es wurden wieder „Typen“ in der Mannschaft des Rekordmeisters angesiedelt. Das Publikum identifiziert sich wieder mit Rapid.

Edlinger mit unglücklicher Vorgehensweise

Für kleinere Nebengeräusche sorgt allerdings das Präsidium rund um Rudolf Edlinger. Thema ist dabei der Stadionumbau, der – wenn es nach dem Rapid-Präsidenten geht – ein Ausbau werden soll. Einzig die Planung stockt, Rapid präsentiert sich vorerst hilf- und planlos, was diese wichtige Thematik angeht. Auch die Außendarstellung und so manches Interview von oberster Ebene fiel unglücklich aus. Dies kann dem Rapid-Fan jedoch nichts anhaben, solange es auf dem Platz gut läuft.

Revolutionäre Schöttel-Philosophie

Mit seinem taktischen Konzept überraschte Schöttel alle Kritiker. Rapid präsentiert sich zu Beginn der Saison mit einer neuen Spielidee und einem enorm fluiden Mittelfeld. Das neue System ist ein Garant dafür, dass das Team noch weiter in den Vordergrund rückt. Spieler, die einst fürs Grobe zuständig waren – bestes Beispiel ist Stefan Kulovits – nehmen nun wichtige Positionen im Aufbauspiel des SK Rapid ein. Auf dem Papier ist das neue Rapid-System eine Mischung aus 4-4-2, 4-2-3-1 und 4-1-3-2, auf dem Platz sieht dies jedoch ganz anders aus. Durch das hohe Maß an Flexibilität und geringer Positionstreue greift Rapid praktisch in einem 2-7-1 an und lebt dabei von den enorm offensiven Außenverteidigern. Den gelernten Stürmer Christopher Trimmel an eine neue Position in der rechten Verteidigung zu gewöhnen war dabei ein ebenso cleverer Schachzug, wie die tiefe Spielmacherposition für den spielstarken Muhammed Ildiz, der im Auswärtsspiel gegen Wiener Neustadt Ballbesitz- und Passrekorde brach.

Team will den Titel

Was letzte Saison immer wieder erwartet wurde, tritt in der neuen Spielzeit ein: Rapid-Spieler reden offen über den Meistertitel. Wenn man im Vorjahr Zweiter wurde, muss schließlich eine weitere Steigerung das Ziel sein. In den Europacup muss Rapid mit dieser Mannschaft mindestens kommen, alles Weitere wäre Draufgabe – aber eine, mit der mittlerweile auch nach außen hin liebäugelt wird. Ob Rapid reif für den Titel ist werden erst die nächsten Spiele zeigen, wenn es gegen die direkten Konkurrenten Austria, Salzburg und Sturm geht. Der erste Eindruck bescheinigt Rapid allerdings eine deutliche Steigerung in den Bereichen Technik, Lauf- und Antizipationsspiel, sowie auch auf taktischer Ebene.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • kwaksi69

    1.August.2012 #1 Author

    Ich finde Edlingers Aussage hat nicht nur Nebengeräusche verursacht, sondern sie hat sogar (bei ebenso wirtschaftlich denkenden Sport/Rapidfans), ein noch nicht verhalltes Donnergewitter verursacht !!! Denn es zeigt eigentlich ganz genau wie unprofessionell der begehrteste österreichische Fussbalklub geführt wird.
    Dieses als Nebengeräusch bezeichnete Donnergewitter, lässt somit das gestriges Statement von Darko Djukic auf den gesamten österreichischen Sport implizieren !!! Rapid (der Vorstand) ist nicht im Stande Sponsoren für den Stadionausbau zu lukrieren. Mehr noch, für den Boyd Transfer mußten schon die letzten Cents zusammengekratzt werden … Gerson konnte nur über Leihe verpflichtet werden … an Murg z. B. konnte man sich aus finanziellen Gründen gar nicht interessieren … Also wieder einmal kein Geld in der Rapidkasse !!!
    Ich bin aber felsenfest davon überzeugt, dass Rapid das gleiche oder ein höheres Potenzial (wirtschaftlich, fantechnisch … und auf lange Sicht auch sportlich), als z. B. der FC Basel (Zuschauerschnitt von ~ 30.000), Anderlecht (Zuschauerschnitt von ~ 22.000) oder Ajax (Zuschauerschnitt von ~ 50.000), haben müßte !!!
    Und es ist traurig, dass sogar der Schweitzer Eishockeymeister (Bern) einen höheren Zuseherschnitt als Rapid hat. Vielleicht nicht die Tatsache, aber die Möglichkeit … es gibt somit in Bern eine Eishalle mit annähernd itenter Kapazität als das Hanappistadion … wir hingegen blamieren uns bei der Eishockey WM, weil wir in der veralteten Stadthalle nicht einmal das Eis frieren können …
    Noch dazu las ich heute in einem anderen Sportportal, vielleicht gäbe es Marketingpotenzial in den USA (durch Boyd). Doch wie lautet der coole Kuhn – Kommentar ??? Wir werden da nur abwarten und nicht von selbst aktiv werden … tja so wie immer …

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