Ein junger Kader und nur drei Legionäre – das ist die Zusammenfassung des Kaders des FC Admira Wacker Mödling. Aber was kann das, was... Kaderanalyse Admira Wacker Mödling – das schwierige „zweite Jahr“

Ein junger Kader und nur drei Legionäre – das ist die Zusammenfassung des Kaders des FC Admira Wacker Mödling. Aber was kann das, was sich so gut anhört, wirklich?

Das Tor (5/10)

Die Nummer eins im Tor der Südstädter ist Patrick Tischler (25). In seiner Jugend spielte er bei Höflein und Bruck an der Leitha, wechselte früh in die Akademie der Admira. 2005 ging er zu Schwadorf und verlieb seitdem im Trenkwalder-Fußballimperium. Seit dem Aufstieg hütet er das Tor, als hätte er nie etwas Anderes gemacht. Zu Beginn der Saison matchte er sich noch mit Hans-Peter Berger, etablierte sich aber schnell als Einsergoalie. Tischler ist grundsolide, erhielt aber viele Gegentore, grobe Schnitzer waren aber nicht dabei. Die hohe Anzahl an Gegentoren lag auch am Neuen der Liga, der offensiven Grundausrichtung des Teams und der Unbeflecktheit einiger Akteure.

Sein Ersatzmann ist Andreas Leitner (18). Der U19-Nationalteamspieler kam von der Akademie der Austria, wurde mit der U15 BNZ-Meister. Danach sicherte sich die Admira die Dienste des 1, 84 Meter großen Tormanns. Vor Jahren war der VfB Stuttgart schon an ihm interessiert, nun soll er hinter Tischler aufgebaut werden. Als Ersatz für den Ersatz steht mit Manuel Kuttin (18) noch ein weiteres Talent zur Verfügung.

Die Tormannposition ist eine, die sehr im Wandel begriffen ist. Ein Torwart ist mehr denn je Spieleröffner und letzter Mann. Bei der Admira ist dieser Umbruch zu sehen. Der Stil der Schlussmänner hat sich aber noch grundlegender verändert. Der Trend geht weg vom Grasfresser der Marke Oli Kahn, deren Vertreter die ehemaligen Goalies Thomas Mandl und Hans-Peter Berger waren, hin zu dem neuen Typus, der auch psychologisch anders agiert. Tischler und Co. verkörpern diesen neuen Torhüter, den Iker Casillas, den Manuel Neuer – allerdings fehlt den Herren des Strafraums bei der Admira noch die Erfahrung, es fehlt der Leitwolf. Das kann, muss aber nicht schief gehen.

Die Abwehr (6/10)

Auch hier setzt Coach Dietmar Kühbauer auf den Elan der Jugend. Abwehrchef ist Richard Windbichler (21), der bis ins Frühjahr im Schatten seines ehemaligen Kollegen Christopher Dibon stand. Windbichler ist nicht minder begabt, ist mit 1,82 Metern zwar nicht der Größte, aber dafür recht flott unterwegs, was dem hohen Stehen der Abwehr zu Gute kommt. Darüber hinaus ist das Eigengewächs auch noch Kapitän und war mit dem U20-Team in Kolumbien bei der WM 2011. Der größere der beiden Innenverteidiger ist Daniel Drescher (22). Mit 1,89 Metern kann er in der Luft wegräumen, was wegzuräumen ist. Er schloss die Lücke, die Dibons Ausfall bzw. Transfer zu Red Bull Salzburg hinterließ. Der Innenverteidiger begann seine Karriere, bevor er 2006 zur Admira kam, beim ASV Deutsch Jahndorf, wo auch ein gewisser Thomas Schrammel seine Karriere begann. Gegen Ende der vergangenen Saison kam Thomas Ebner (20) zu seinem Profidebüt in der Bundesliga und das gleich gegen Red Bull Salzburg, dann folgte Rapid Wien. Er wird nur die Nummer vier sein, als erfahrener Mann wurde Peter Pöllhuber (27) vom SC Austria Lustenau verpflichtet. Der zwei Meter große Schlacks lernte im Nachwuchs von (damals) Austria Salzburg, kam 2006 über den FC Puch und den SV Seekirchen zu einem Profivertrag im Ländle. Pöllhuber ist der große, erfahrene Verteidiger, den ein Team wohl braucht.

Ungewöhnlich, aber doch wahr, ist, dass die Außenverteidiger die routinierten Abwehrspieler sind. Rechts ist das Gernot Plassnegger (34), der seit drei Jahren bei der Admira ist. Der Leobener spielte unter anderem bei Wolfsburg, Hansa Rostock, Rapid Wien und Ergotelis, ehe er seit 2009 der Abwehr außen durch seine Erfahrung Stabilität verleiht. Auf der anderen Seite tut dies Andreas Schrott (30). Der in Hall geborene Tiroler lernte in der AKA Tirol und war nach Engagements bei Wattens, Wacker und dem GAK schon mit Anif Richtung Regionalliga West und Karriereausklang unterwegs, ehe er nach einem halben Jahr in Salzburg zur Admira kam. Rechts wie links kann Stephan Auer (21) spielen, links daheim ist Stephan Palla (23), rechts Rene Seebacher (24). Alle drei Außenverteidiger sind zwar talentiert, blieben den endgültigen Beweis aber noch schuldig. Diese Saison wird zeigen, ob sie an den Routiniers vorbeikommen, denn mit Anfang 20 ist man kein Talent mehr.

Normalerweise ist es umgekehrt: Routinierte Innenverteidigung, junge Außenverteidiger. Nach dem Hurra-Fußball in der ersten Saison seit der Rückkehr ins Oberhaus müssen die Verteidiger nun Stabilität ins Spiel bringen. Das hängt aber weniger von den unterschiedlichen Qualitäten der Akteure, sondern, wie Kühbauer auch dem Mittelfeld die notwendige Kompaktheit verleiht.

Das Mittelfeld (7/10)

Im flachen 4-4-2 gibt es eine klare Rollenverteilung: Die Doppelsechs räumt auf und schickt die Außenbahnspieler nach vorne. Die Gewichtung ist unterschiedlich. Während Patrick Mevoungou (26) und Bernhard Schachner (26) die Alternativen für ein defensiveres Spiel sind, vertraut der Trainer eher Stefan Schwab (21) und Daniel Toth (25). Beide sind gelernte Offensivleute und sollen das Spiel von Strafraum zu Strafraum anleiten. Als weitere Alternative in der Schaltzentrale steht Lukas Thürauer (25) bereit. Der ehemalige St.Pölten-Spielmacher scharte jahrelang in der zweiten Liga in den Startlöchern, im Winter klappte der Bundesligatransfer. Die bisherigen Geschichten der anderen vier zentralen Akteure sind aber auch jene von frühen Versprechungen. Der Kameruner wurde bei Sturm ausgemustert, Schwab schaffte bei Red Bull nicht den Sprung in die erste Mannschaft. Schachner war schon U21-Teamspieler, Toth spielte schon bei Ried, ehe er 2008 wieder in die Erste Liga ging. Geschadet haben die Enttäuschungen den Spielern retrospektiv gesehen aber nicht, sie gingen – das zeigte die letzte Saison – gestärkt daraus hervor.

Auf den Außenbahnen gibt es fasst unendlich viele Spieler. Die Position im linken Mittelfeld gehört Patrik Jezek (35). Der Tscheche erlebt bei der Admira seinen x-ten Frühling im Winter seiner Karriere. Auch wenn ihm mittlerweile die Kraft für 90 Minuten Power etwas fehlt, so ist er doch ein bärenstarker Kicker, dessen Qualitäten hinlänglich bekannt sind. Mit Benjamin Freudenthaler (23) gibt es einen Ersatzmann, der als sehr talentiert gilt, aber immer wieder ein bisschen Pech hatte. Aus dem LASK-Nachwuchs stammend wurde er nach Grödig und zur Lustenauer Austria verliehen, überzeugte vor allem in der vergangenen Saison in 24 Spielen mit fünf Toren und elf Assists für die Athletiker, ehe ihn eine Verletzung im November aus der Bahn warf. Wie in der Verteidigung gibt es auch im Mittelfeld links wie rechts Routiniers. Rene Schicker (27) ist ein grundsolider Rechtsaußen, mit Thorsten Schick (22) steht noch ein guter Back-Up bereit. Bernhard Fucik (21) und Dominic Burusic (19), der bei den Bayern im Nachwuchs spielte, sind weitere Alternativen, aber noch offensiver.

Im Mittelfeld verhält es sich beinahe wie in der Verteidigung. Junge in der Mitte, ältere Spieler außen, auch wenn der Mix etwas besser ist. Wie schon weiter oben angesprochen, wird viel von dem Grad der Kompaktheit abhängen – eine Trainersache. Die Fähigkeiten sind da, sie müssen nur noch gut zusammenspielen.

Der Sturm (8/10)

Zwei Namen blieben im Zuge der sensationellen Saison der Admira vor allem im Gedächtnis: Philipp Hosiner (23) und Marcel Sabitzer (18). Während Hosiner, der bei 1860 München im Nachwuchs spielte, sich seine Stellung und das Nationalteamdebüt durch eine durchwachsene Saison bei Sandhausen und eine tolle in der zweiten Liga bei der Vienna erarbeiten musste, ging es für den Sohn des ehemaligen Stürmers Herfried schnell. Am 26. März 2010 debütierte er gegen Schwechat in der RLO, wenige Monate später, am 14. September, lief er erstmals für die Profis auf, zehn Tage später netzte er das erste Mal. Gegen Rapid machte er am 16. Juli 2011 sein erstes Bundesligaspiel, am 7. März 2012 das erste Tor gegen den KSV und 5. Juni gab er sein Nationalmannschaftsdebüt. Weiter Stürmer im Kader sind Issiaka Ouédraogo (23) und Benjamin Sulimani (23).

Konstanz – das ist das entscheidende Wort. Der Teamstürmer Burkina Fasos traf vor allem zu Beginn der Saison, Hosiner im Spätsommer, Sabitzer gegen Ende. Wenn die Stürmer regelmäßiger treffen, die Form halten, dann werden sie auch im zweiten Bundesligajahr überzeugen können.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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