Wenige Änderungen, aber dennoch punktuelle Verstärkungen – die Austria geht frohen Mutes in die neue Saison und vertraut größtenteils dem Spielermaterial, das in der... Kaderanalyse FK Austria Wien – stark in der Breite, aber mit einigen Fragezeichen

Wenige Änderungen, aber dennoch punktuelle Verstärkungen – die Austria geht frohen Mutes in die neue Saison und vertraut größtenteils dem Spielermaterial, das in der Vorsaison hauptsächlich aus mentalen Gründen die Qualifikation für den Europacup versäumte. Die abseits.at-Kaderanalyse zum FK Austria Wien.

Tor (6/10)

Die Fans jammern und fordern Veränderung. Heinz Lindner (22) macht nicht immer die sicherste Figur, patzte etwa in der zweiten Runde gegen den SK Sturm. Auch sein Ersatzmann Pascal Grünwald (29) zeigte etwa beim Cup-Spiel in Oberwart, dass er nicht der sicherste Schlussmann ist. Lindner scheint unter Stöger die besten Karten zu haben, aber viele Fehler darf sich der jüngste der drei Keeper nicht erlauben, denn mit Ivan Kardum (25) scharrt eine weitere Unbekannte in den Startlöchern. Der Kroate kam in der Vorsaison vom NK Osijek und bestritt noch kein Spiel für die Austria. Die von ihren Torhütern nicht gerade verwöhnten Austria-Fans fordern allerdings erste Spiele für den 186cm-Mann, von Lindner und Grünwald hat man bis auf weiteres die Schnauze voll…

Abwehr (7/10)

Die Innenverteidigung ist praktisch unumstößlich: Manuel Ortlechner (32) wird auch in seiner vierten Saison in Violett gesetzt sein, auch wenn er speziell in der vergangenen Saison immer mehr zu einer Fehlerquelle avancierte. Neben ihm spielt der stabilere Georg Margreitter (23), der jedoch ebenfalls nicht vor Schnitzern gefeit ist. Insgesamt ist die Austria-Innenverteidigung als sehr kampfkräftig zu beschreiben und es wird auch weiterhin nicht leicht sein, den Veilchen Tore einzuschenken. Erster Ersatzmann dürfte weiterhin der Kroate Kaja Rogulj (26) sein, der seinen Status als Bankwärmer nicht zu Unrecht hat. Es ist allerdings auch sehr wahrscheinlich, dass Lukas Rotpuller (21) im Laufe der Saison noch eine Rolle in der Austria-Abwehr spielen wird, sei es als Innenverteidiger oder auf der rechten Abwehrseite. Rotpuller präsentierte sich bei der SV Ried sehr stabil und wertet den Austria-Kader in seiner Breite auf.

Auf der linken Abwehrseite ist Markus Suttner (25) praktisch nicht aus der Mannschaft zu spielen. Der laufstarke, schussgewaltige Ur-Austrianer gilt als Fanliebling und war einer der wenigen Austrianer, die 2011/12 konstant stark spielten. Sein Ersatzmann ist Marin Leovac (26), der jedoch voraussichtlich wenige Einsätze in der neuen Saison bekommen wird – auch weil seine potentielle Mittelfeldposition von anderen Spielern besetzt ist.

Auf der rechten Abwehrseite ist Emir Dilaver (21) im Begriff sich durchzusetzen. Der Eigenbauspieler bringt alles mit, was ein moderner Außenverteidiger können soll, allerdings muss er nun öfter sein Herz in die Hand nehmen und couragierter spielen. Ersatzmann für Dilaver ist Fabian Koch (23), der in seiner Entwicklung stehen blieb und für die Austria erst elf Ligaspiele bestritt. Zuletzt war er sogar nur bei den Amateuren in der Regionalliga Ost eingeplant.

Mittelfeld (8/10)

Für österreichische Verhältnisse verfügt die Austria über ein durch die Bank breites und technisch facettenreiches Mittelfeld. Die richtige Mischung muss allerdings noch gefunden werden. Im zentral-defensiven Mittelfeld setzt Stöger auf Florian Mader (29) und James Holland (23). Mader hat seine Stärken bei Standardsituationen und bei Weitschüssen, allerdings ist er fehleranfällig, besonders was Fehlpässe und defensives Stellungsspiel betrifft. Holland hatte es unter Vastic schwer, dürfte sich aber unter Stöger ebenfalls im defensiven Mittelfeld durchsetzen. Beim Australier sollte allerdings noch eine Leistungssteigerung drin sein.

Eine Unbekannte stellt derzeit Alexander Grünwald (24) dar. Der Box-to-Box-Midfielder spielt gegen Mader und Holland um seinen Platz in der Mannschaft, ist von allen der torgefährlichste Spieler für diese Position. Allerdings dürfte der ehemalige Neustadt-Akteur unter Stöger einen schweren Stand haben, wohl auch weil er die offensivste Facette für die zentral-defensive Mittelfeldlinie darstellt.

Den Part des „Spielmachers“ nimmt zweifelsfrei der Slowene Dare Vrsic (27) ein. Der 13-fache Teamspieler bringt alles mit, was ein typischer „10er“ können muss und ist nicht nur ein guter Vorbereiter, sondern auch ein enorm torgefährlicher und schussgewaltiger Spieler. Der ehemalige Olimpija-Ljubljana-Spieler und slowenische Torschützenkönig wertet das Kreativspiel der Austria ungemein auf und wird in der laufenden Saison noch ein wichtiger Baustein im „System Stöger“ sein.

Auf der rechten Seite spielt mit Alexander Gorgon(23) der wohl konstanteste Austria-Spieler der letzten Monate. Es dauerte bis Sommer 2011, dass Gorgon sich seinen Platz in der Austria-Elf erarbeiten konnte, aber seitdem ist er nicht mehr vom rechten Flügel wegzudenken. Er ist torgefährlich, schnell und auch immer wieder für Assists gut. Sein Ersatzmann ist Marko Stankovic (26), der auch in seiner dritten Saison bei Austria nicht über eine „Platz-Bank-Pendlerrolle“ hinauskommen wird.

Auf der linken Seite spielt der Tscheche Tomas Jun (29), der bei der Austria eine neue Rolle in einem 4-2-3-1-System erlernte, nachdem er etwa bei Altach, Teplice oder Trabzonspor stets als Stürmer eingesetzt wurde. Für die Austria ist er vor allem wegen seiner Durchschlagskraft und Dynamik enorm wichtig. Sein Backup ist mit Tomas Simkovic (25) ein filigranerer, aber ebenfalls hochtalentierter Fußballer. Die Position im linken Mittelfeld ist ein Sinnbild für die gute Kaderdichte der Austria – es macht schon einen Unterschied, ob man einen Mann wie Simkovic von der Bank bringen kann oder nicht.

Angriff (7/10)

Die Stürmer der Austria sind keine modernen Fußballer – aber für gewöhnlich treffen sie. Roland Linz (30) erzielte allein in den letzten zwei Saisonen 42 Tore für die Austria. Allerdings ist er ein Angreifer, der auf genaue Assists angewiesen ist, ein echter Strafraumstürmer, der keine spektakulären Tore macht, aber den Fuß dort hinhält, wo er hingehalten werden soll. Der bekennende Austria-Fan hilft seiner Mannschaft allerdings kaum im Spielaufbau und könnte daher auf Dauer seinen Platz in der Startelf verlieren.

Am ehesten an Roman Kienast (28). Der Ex-Rapidler kam bei der Austria bisher noch nicht auf Touren und erzielte erst zwei Tore im violetten Trikot. Aktuell dürfte er der zweite Stürmer hinter Roland Linz sein, aber sofern bei diesem Ladehemmung einsetzt, wird er schnell in die erste Elf schnuppern dürfen. Da der Konkurrenzkampf aber in etwa auf demselben Niveau abläuft, muss er seine Chance dann möglichst schnell nutzen.

Druck macht zudem ein junger Angreifer, die Peter Stöger behutsam aufbauen will: Thomas Murg (17) kam vom GAK und vergab bei seinem Bundesligadebüt gegen den SK Sturm Graz eine hundertprozentige Torchance. 

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • aaaaaaaa

    30.Juli.2012 #1 Author

    So wie du die Aufzählung machst, gehört Thomas Murg auch zu Mittelfeld

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