Der SC Wiener Neustadt wird bei der Frage nach dem Abstiegskandidaten Nummer eins zumeist zuerst genannt. Was können die Niederösterreicher wirklich?      ... Kaderanalyse SCWN – Abstiegskandidat aufgrund zahlreicher Problemzonen

Der SC Wiener Neustadt wird bei der Frage nach dem Abstiegskandidaten Nummer eins zumeist zuerst genannt. Was können die Niederösterreicher wirklich?

 

 

 

Tormann 

Jörg Siebenhandl war die Nummer eins im letzten Jahr und durch seine starken Leistungen half er einerseits, sein Team weit weg vom Abstiegskampf zu halten, andererseits spielte er sich ins Blickfeld des Nationalteams. Nach einem Jahr bei Columbia Floridsdorf kam er im Juli 2011 zurück zu Wiener Neustadt und eröffnete die Saison mit seinem Weitschusstor. Siebenhandl hat gute Reflexe und ist ein sicherer Rückhalt. In 13 von 34 Saisonspielen blieb er in der vergangenen Saison ohne Gegentor, diese Statistik kann sich durchaus sehen lassen, bedenkt man den Status, den die Neustädter als Abstiegskandidat inne hatten.

Da der Einsergoalie aufgrund seiner Fähigkeiten nicht ewig beim Verein bleiben wird, holte man gleich zwei Ersatzmänner. Der eine ist der erfahrene Thomas Vollnhofer (28), dessen Vertrag beim SKN St. Pölten im Juni auslief. Allerdings brach sich der Tormann im Jänner den Mittelfuß. Als zweiter Back Up fungiert der 25-jährige Thomas Glänzer, der aus der Kärntnerliga von Drautal nach Niederösterreich wechselt.

Wiener Neustadt beweist mit der Verpflichtung von Vollnhofer einen gewissen Weitblick, denn Siebenhandl könnte noch im Sommer abhanden kommen, wenn sich bei einem der Bundesligisten noch etwas tut. De facto wird er nicht ewig zu halten sein, er ist für die Mannschaft extrem wichtig und wird einige Big Points sichern. Die Vertretung ist gut, aber nicht so außergewöhnlich wie Siebenhandl.

Der Abwehrverbund 

Einziger Fixstarter in der Abwehr wird Neuzugang Dennis Mimm sein. Der 29-jährige Innsbrucker, der unter anderem beim FC Wacker, Altach und Pasching spielte kam vom FC Lustenau, wo er sich durch auffällige Leistungen auf der rechten Außenbahn zurück in die Bundesliga spielte. Drei Tore und fünf Assists sind angesichts des Tabellenplatzes, um den der FCL spielte, eine gute Leistung. Statt dem erfahrenen Mimm können auf Bernd Besenlehner (26) und Mario Pollhammer (23) rechts hinten spielen. Die linke Seite ist ebenfalls mit Wolgang Klapf (34) mit einem erfahrenen Mann besetzt, Jiri Lenko, 27-jähriger Tscheche, der von Grödig kam, soll Klapf vertreten können. Die Außenpositionen sind im System Pfeifenberger nicht unbedingt offensiv interpretiert, Mimm und Klapf sollen zu machen und die starken Flügelspieler der Gegner beschäftigen. Beide können bei Bedarf auch in die Innenverteidigung rücken, dieser fehlt es nämlich an großen Routiniers.

Christian Ramsebner, der sich im März 2012 die Achillessehne riss und zu Beginn der Saison an einer Schambeinentzündung laborierte, ist noch nicht 100 Prozent wieder fit. Darüber hinaus zog der 23-Jährige durch gute Leistungen und dank seiner Lufthoheit, er ist 1,91 Meter groß, die Aufmerksamkeit auf sich. Mehrere Talentproben lieferte in der vergangenen Spielzeit Matthias Maak (20), Thomas Kral (22), Manuel Wallner (23) und Ex-Vienna-Spieler Mahmoud Imamoglu (21) ab. Die drei recht jungen Innenverteidiger absolvierten solide Partien, halfen bei Standards und können das Spiel recht passabel eröffnen viel wird aber davon abhängen, ob Ramsebner fit wird und bis 31. August bleiben wird.

Es ist eher ungewöhnlich, dass die erfahrenen Spieler auf den defensiven Außenbahnen agieren. Das heißt aber nicht, dass das schlecht ist, denn bis auf Ex-Veilchen Wallner und Imamoglu erfuhren die Innenverteidiger ihre Ausbildung in der FSA Hollabrunn, die bekanntlich auch Aleksandar Dragovic und David Alaba besuchten. Die Schwachstelle der Neustädter in der Vorsaison, die sogar ein Tore weniger als die drittplatzierte Admira erhielten, war nicht die Verteidigung. Wichtig wird sein, die schnelle Spieleröffnung zu forcieren und da sind bekanntlich die Innenverteidiger erste Ansprechpartner. Diese Offensivtugenden stellten schon einige Abgänger der FSA unter Beweis.

Das Mittelfeld 

Um die junge Innenverteidigung zu entlasten, wurde zur neuen Saison Peter Hlinka verpflichtet. Der 34-jährige Routinier, der seit 2001 in Österreich spielt, war zuletzt bei der Wiener Austria unter Vertrag und soll im defensiven Mittelfeld für Ordnung sorgen. Aufgrund seines Alters ist er nicht mehr der Schnellste, ein moderner Sechser war er im Grunde genommen noch nie, besticht eher durch seine Abräumerqualitäten, Erfahrung und die Gefährlichkeit bei Standards. Ebenfalls recht erfahren ist Daniel Wolf, der 27-jährige Mittelfeldspieler kickte vier Jahre in Italien und zog schon in der Vorsaison im Mittelfeld die Fäden. Mit Christoph Freitag (22), Dominik Hofbauer (21) und Daniel Offenbacher (20) stehen einige junge Vertretungen zur Verfügung. Freitag spielte zuletzt beim FC Lustenau, konnte seine Qualitäten mit drei Toren und fünf Assists unter Beweis stellen, ist ein Mann für die Zentrale. Hofbauer, der vom SKN kam, agierte zumeist als linker Mittelfeldspieler, kann als spielerische Alternative in der Zentrale gebracht werden. Von der Marke Spielmacher ist Offenbacher, der von Red Bull kam und in der Vorsaison kurzfristig bei BW Linz im Kader war. Der Blondschopf hat ähnliche Fähigkeiten wie Christoph Leitgeb, gilt aber auch als Bruder Leichtfuß. Wenn Pfeifenberger ihn richtig anpackt, kann er ein Spiel durchaus anleiten.

Auf den Außenpositionen ist der SCWN etwas schwächer besetzt. Stefan Rakowitz (22), der vom TSV Hartberg geholt wurde, ist ein kleiner Wirbelwind (1,69) auf den Außenbahnen, die Torgefahr fehlt allerdings. Ähnlich verhält es sich bei Pollhammer und Besenlehner, die mehr als Kaderergänzungen verstanden werden können. Pollhammer konnte immerhin vier Tore vorbereiten, Besenlehner keines. Die Pässe in die Tiefe und die Flanken müssen aber kommen, wenn man oft hinten drin stehen wird.

Einzig Offenbacher und Hofbauer können vom Potential her wirklich der Typ Ballverteiler sein, der dem Spiel seinen Stempel aufdrücken kann. Ein Konterspiel verlangt nun mal wirklich gute und schnelle Spieler. Es wird viel von der Saisonvorbereitung abhängen, ob die unerfahrenen Mittelfeldspieler einen Plan zu Recht gelegt bekommen, nach dem auch nach vorne gearbeitet werden kann. Dass noch einmal nur 26 Tore für den Klassenerhalt reichen werden, ist schwer zu glauben. Simkovic, Madl und Reiter, die Spieler, die im Mittelfeld spielten und die zehn der 26 Tore erzielten, sind nun mal nicht mehr da.

Die Angreifer 

Torgefährlichster Stürmer mit fünf Toren war in der abgelaufenen Spielzeit Günther Friesenbichler. Der 1,93 Meter große Spieler hat elf verschiedene Vereine auf seiner Visitenkarte stehen. Die Torquote des 33-Jährigen war nie wirklich berauschend, seine Erfahrung könnte ihm aber einen Fixplatz im zu erwartenden Zweimannsturm einbringen. Neben Friesenbichler stehen noch etliche junge Angreifer im Kader. Thomas Helly (22), der eine Zeit lang zwischen Neustadt und Wiener SK pendelte, kam in der Regionalliga Ost auf eine beachtliche Torquote, netzte in 49 Spielen 41 Mal. In der vergangenen Spielzeit traf er vier Mal, bereitete zwei weitere Treffer vor. Großes Manko bei Helly ist, dass er mitunter vor dem Tor zu überhastet ist, doch einige Großchancen auslässt. Eine Unart, die ihn den Stammplatz kosten könnte. Da Ciftci und Lindner den Verein verließen, legte der SCWN nach und verpflichtete zwei neue Stürmer. Dario Tadic (22) wechselte vom Verteilerkreis kurz nach bekannt werden des Transfers von Peter Stöger auf die violette Betreuerbank nach Wiener Neustadt. Der Stürmer, der vom Typ her Helly nicht unähnlich ist, erhielt bei der Austria einige Chancen, konnte diese aber nicht entscheidend genug nutzen. Er ist recht schnell und könnte somit dem Konterspiel der Neustädter entgegen kommen. Thomas Fröschl (23) hat ebenfalls sehr gute Anlagen. Er kommt vom SKN St. Pölten und hatte seine beste Saison 2010/11, als er in 26 Spielen zwölf Tore erzielte. Rapid verleiht ihn nun in die Bundesliga, um zu testen, wie er sich hier schlägt. In der abgelaufenen Spielzeit konnte er seine gute Saison nämlich nicht bestätigen, absolvierte auch aufgrund eines Bänderrisses im Knöchel vor knapp einem Jahr kein Spiel über 90 Minuten.

Von den Stürmertypen her gibt es wenig Abwechslung im Kader. Ein Leuchtturm und drei Spieler, denen der endgültige Durchbruch bisher nicht gelang, klingen wenig erfolgsversprechend. Von Friesenbichler sind keine zehn Tore zu erwarten, einem der anderen Vier muss der Knopf aufgehen, wenn das Experiment Klassenerhalt gelingen soll. Am ehesten ist das Thomas Helly zuzutrauen, Fröschl und Tadic rotieren wohl schon zu lange am Talentestatus, der in Österreich aber nach wie vor ein weit gefasster ist. Auch auf dieser Position ist eine weitere Verstärkung vorstellbar, einzig die Alternativen scheinen rar gesät. Ein Typ wie Hannes Aigner, der für eine gewisse Anzahl an Toren gut ist, fehlt Wiener Neustadt.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander

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