Die Austria Wien empfang im heimischen Stadion den Wolfsberger AC. Ziel waren natürlich drei Punkte gegen den krassen Außenseiter, um die Tabellenführung zu verteidigen... Kein Sieger in Favoriten – Austria und WAC trennen sich 1:1-Unentschieden

Die Austria Wien empfang im heimischen Stadion den Wolfsberger AC. Ziel waren natürlich drei Punkte gegen den krassen Außenseiter, um die Tabellenführung zu verteidigen und gegebenenfalls auszubauen. Die Gäste hingegen wollten etwas Zählbares vom Tabellenersten mitnehmen und die Statistik sprach dafür: seit Mitte August hatten sie nicht mehr verloren, was eine eindrucksvolle Quote für den WAC darstellt. Trainer Nenad Bjelica versprach sogar, dass sie auf Sieg spielen werden und einen der Titelfavoriten ärgern wollen. Der Aufsteiger zeigte sich somit mutig und bewies dies im Spiel auch.

Zwar hatten die Gastgeber mehr vom Spiel und kontrollierten den Ball, doch vereinzelte Nadelstiche und Gefahr über Standards hielten den WAC in der Partie. Sie konnten sogar zu Beginn der Schlussviertelstunde den ersten Treffer verbuchen und es sah so aus, als ob die vollmundigen Ankündigungen Wirklichkeit werden würden. Erst kurz vor Schluss glichen die Veilchen aus und sorgten für ein letztlich mehr als verdientes Unentschieden. Viele Chancen blieben ungenutzt und es war nicht nur Mut und Aufopferungsbereitschaft beim WAC, sondern etwas Glück wegen der schwachen Chancenverwertung der Hausherren.

Der Matchplan des WAC

Die Gäste begannen mit ihrem 4-4-2-System, in welche sie sowohl das Aufbauspiel als auch ihr Pressing aufzogen. Über die Flügel hatten sie mit David De Paula und Jacobo Ynclán zwei dribbelstarke und offensive Akteure, welche möglichst die Lücken hinter den gegnerischen aufrückenden Außenverteidigern nutzen sollten. Desweiteren sollten sie bei Kontern als Anspielstation fungieren und sie betrieben in der Mittelfeldviererkette das Linienspiel mit, verschoben oftmals stark ein und verdichteten den Raum.

Die Doppelsechs wurde von Michele Polverino Michael und Liendl gebildet, welche sich bei Bedarf mit nach vorne einschalten sollten sowie defensiv von enormer Wichtigkeit waren. Die Austria musste nämlich aus dem Zentrum heraus in Schach gehalten werden, da sie hier mit drei spielstarken Akteuren auftreten. Die beiden Sechser des WAC hatten die Aufgabe mit ihrem Deckungsschatten Passwege nach vorne zu versperren sowie in der Raumdeckung hinter der Doppelacht des Gegners statt auf einer Linie mit ihnen zu agieren. Damit sollte der Raum zwischen den Linien verkleinert werden.

Hinten stellte sich die Viererkette bei Möglichkeit eng auf, sie wollten damit die diagonalen und inversen Ausflüge der Flügelstürmer neutralisieren. Sie spekulierten auch darauf, dass die Außenverteidiger nicht dynamisch aufrücken würden, sondern sich ungefährlich im Halbfeld aufhalten oder ohne Dynamik am Anfang des Spielfelddrittels als breite Anspielstation agieren würden. Der Grundgedanke dahinter war, dass die enge Anordnung die größte Gefahr ausschalten würde sowie aus den beiden Ketten heraus sich ein Spieler lösen und die Außenverteidiger noch rechtzeitig attackieren könnte. Danach verschob die gesamte Kette nach und versuchte sich auf Außen den Ball zu holen.

Kompaktheit zwischen den Dritteln und Rückwärtspressing

Eine der ersten Chancen im Spiel entstand, als die WAC-Stürmer gut rückwärtspressten und sich den Ball dadurch eroberten. Dies war dem Umstand geschuldet, dass die Mittelfeldkette der Gäste oftmals zu hoch stand und damit auf das Zurückfallen des gegnerischen Mittelfelds im Aufbauspiel reagieren wollte. Daraus entstand viel Raum zwischen den Linien, welchen die Austria jedoch erst nach dem Seitenwechsel verstärkt nutzen konnte. Immer wieder schalteten die Außenseiter dann im defensiven Umschaltspiel zu langsam um, dadurch waren weite Räume offen. Durch die enge Viererkette mit den gelegentlich weit aufrückenden Außenverteidigern und im Verbund mit der Schwäche von vorne nach hinten entstanden ballfern weite Räume, welche durch eine breitere Stellung der Flügelstürmer bei der Austria besser genutzt wurden.

Auch beim Ausgleichstreffer war Roman Kienast auf die Außen gegangen, dort wurde er vom rückwärtspressenden Außenverteidiger zwar gestellt, doch Markus Suttner blieb unbedrängt und auf ihn wurde vom Flügelstürmer davor beim Stand von 0:1 zu langsam nach hinten gepresst. Ein großer Fehler, die Halbfeldflanke kam dann – natürlich situativ etwas unerwartet, doch in Konsequenz des obigen Matchplans passend – präzise in die Mitte und sorgte für den Ausgleich.

Alles in allem lässt sich konstatieren, dass die Mittelfeldkette zu viele Räume offen ließ, diese aber nur unzureichend bespielt wurden. Bei langsamem Vorwärtsspiel der Austria konnten sie zumeist gut geschlossen werden, kamen Pässe ins Loch oder über die dynamischen Außen, dann war das Umschaltspiel nach hinten unzureichend und offenbarte große Löcher. Durch eine verstärkte Einbindung der Stürmer, die es sporadisch auch gab, hätte das Aufbauspiel der Austria besser gestört und ihr Spiel nach vorne eingeschränkt werden.

Die Austria in ihrem 4-3-3 beim Defensivverhalten

Ein interessanter Aspekt war die Reaktion der Austria auf das klassisch über die Flügel angelegte Offensivspiel im 4-4-2 des Gegners. Im 4-3-3 sind oftmals Lücken auf den Seiten vorhanden und können bespielt werden. Verstärkt wird dies, wenn die Flügelstürmer wie bei der Austria oftmals in die Mitte schieben oder sehr offensiv agieren, wodurch die Wege nach hinten natürlich länger werden.

Eine gute Gegenvariante ist das Verflachen des Mittelfelddreiecks, welches sich bei der Austria passenderweise in einen Sechser hinter zwei Achtern aufteilt. Wäre es umgekehrt, als ähnlich einer Stellung wie beim 4-2-3-1, wäre die Verflachung riskanter, da auch der nominelle Zehner zumeist weit vorne steht und somit die Mitte frei überlässt, wenn die Halbspieler auf die Seiten gehen.

Beim 4-1-2-3 funktioniert dies besser, weil die beiden Achter näher am Sechser sind und entweder statt ihm absichern können oder im Idealfall herausschieben. Der Sechser füllt die Lücke und die ballferne Acht lässt sich vor eine Schnittstelle fallen, wodurch eine 4-3-Formation in der Defensive entsteht. Diese ist ballfern gesichert, in der Vertikale kompakt und besitzt kaum geöffnete Schnittstellen.

Hinzu kommt, dass der herausgerückte Halbspieler den Außenverteidiger unterstützen kann, dadurch wird der gegnerische Flügelstürmer gedoppelt. Rückt der Außenverteidiger der anderen Mannschaft mit nach vorne, kann ihn der Außenverteidiger übernehmen oder es verstreicht durch das Stellen und Behindern des Flügelstürmers so viel Zeit, dass der eigene Flügelstürmer mit nach hinten kommen und die Defensive unterstützen kann.

Fazit

Die Austria hatte mehr vom Ball und einige Chancen, die aber entweder qualitativ nichts Besonderes waren oder aber vergeben wurden. Der WAC kam über seine Standards und gelegentliche Konter, konzentrierte sich auf die Defensive, hatte aber einige Probleme durch mangelnde Kompaktheit in den zwei offensiveren Mannschaftsteilen. Letztlich geht das Unentschieden in Ordnung, wenn auch die Austria die überlegene Mannschaft war, allerdings gehört die Chancenverwertung ebenfalls zum Fußball dazu, was das Unentschieden akzeptabel macht.

René Maric, www.abseits.at

Rene Maric