Wenig Gegentore und keine Niederlagen waren es in den letzten Ligaspielen und dennoch konnten die Bullen aus Salzburg keineswegs überzeugen. Zu knapp die Siege,... Keine Dynamik, keine gemeinsamen Laufwege – Salzburg nach dem 0:1 gegen Mattersburg heute gegen den FC Wacker gefordert!

Wenig Gegentore und keine Niederlagen waren es in den letzten Ligaspielen und dennoch konnten die Bullen aus Salzburg keineswegs überzeugen. Zu knapp die Siege, zu fad die Unentschieden, zu unbemerkbar das Aufbäumen der Mannschaft gegen den Negativtrend der letzten Wochen, welcher in den beiden Spielen gegen Metalist seinen Höhepunkt fand. Ganz anders bei den Mattersburgern, welche in der Rückrunde überraschen und bereits einige Punkte sammeln konnte. Gegen den Underdog kamen nur 4.900 Zuschauer ins Stadion bei Wals und mitunter könnte man glauben, dass es auch sie bereuten. Die Gäste schafften es – wie schon gegen Ried – einen schwächelnden Favoriten noch weiter in die Krise zu stürzen.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

Im Sturmzentrum begannen die Salzburger mit Soriano hinter dem Wandspieler Maierhofer. Letzterer sollte für Robustheit und einen Anspielpunkt für die weiten Bälle aus der Verteidigung sorgen, während Soriano sich teilweise sehr weit nach hinten und auf die Flügeln fallen ließ, um seine spielgestalterischen Fähigkeiten ins Spiel zu bringen. Dafür rückte einige Male Svento nach vorne auf und hinterließ Lindgren als einzigen Sechser, doch es waren viel zu wenige solcher Rochaden und Rotationen, um für Großchancen zu sorgen. Die gegnerische Doppelsechs in Person von Stefan Ilsanker und Manuel Seidl sicherte das Zentrum sehr gut und es war ein Armutszeugnis für die Salzburger, dass Hinteregger einmal mehr der kreativste Spieler der Abwehrreihe war.

Bis auf Sventos Vorstöße und Kurzpasskombinationsversuche konnte man nur lange Bälle in Richtung Maierhofer oder auf die Außenbahnen beobachten, wo Jantscher und Leonardo die üblichen Schwächen zeigten. Jantscher fehlt es auf der rechten Seite zu oft an der nötigen Durchsetzungskraft und er kann zumeist nur ansatzweise sein Talent zeigen, während Leonardo den richtigen Zeitpunkt für den Pass zum Mitspieler gerne übersieht und dadurch das Spiel im letzten Drittel hemmt. Der Gegner kann sich hinten reinstellen und die Schnittstellen verschließen, weil der Ball nicht schnell genug zirkuliert wird und damit beschneiden sich die Salzburger mit ihrer teilweise zu egoistischen und laufschwachen Leistung indirekt selbst.

Ein großes Manko natürlich auch Ulmer und insbesondere Schiemer, welche nicht dynamisch genug beim Hinterlaufen sind und dadurch etwas an der potentiellen Flexibilität dieser Mannschaft knabbern. Leonardo beispielsweise zieht ungemein gerne ins Zentrum, Jantscher hin und wieder auch, darum bräuchte man auf den Außenverteidigerpositionen dynamische und offensivstarke Spieler, welche im richtigen Moment (aufgrund der defensiven Stabilität natürlich nicht durchgehend) unterstützen und Pärchen in der gegnerischen Hälfte binden.

Mattersburg trat mit ihrem 4-4-1-1/4-4-2-System an, welches vorzugsweise konterte und mit offensiven Außenverteidigern den Gegner auseinanderzog, um im Zentrum durch schnelle Vorstöße zu Chancen zu kommen. Dieses Mal benötigte man diese durchaus riskante Taktik allerdings nicht, da die Salzburger bereits nach sieben Minuten zurücklagen und als Heimmannschaft ohnehin das Spiel machen mussten. Die Gäste nahmen diese Einladung dankend an und zogen sich zurück, zeigten ab und zu die Versuche, Nadelstiche zu setzen, aber statistisch gesehen war man zu Spielende hoffnungslos unterlegen. Unter 40% Ballbesitz und nur ein Bruchteil der gegnerischen Chancen sprechen eine klare Chance, das Spiel wurde allerdings dennoch gewonnen, was zwar auch, aber nicht nur am Schiedsrichter lag. Die Salzburger gingen viel zu lässig mit ihren Tormöglichkeiten um, vielmehr lag es allerdings auch an der Art der Versuche – zu ungenau, zu verzweifelt, zu schlecht herausgespielt. Weite Bälle auf Maierhofer sind keine adäquate Spielweise, um tiefstehende Mannschaften zu knacken – mit Teigl wurde es zumindest ansatzweise besser und der Joker brachte frischen Wind in die Partie.

Das Problem der Überbrückung

Sehr große Schwierigkeiten haben und hatten die Salzburger, wenn sie sich durch eine kompakte Mannschaft kombinieren müssen. Die Räume werden eng, die Einzelspieler verdribbeln sich, was zu unnötigen Ballverlusten und einem Neubeginn der gesamten Angriffsaktion kurze Zeit später zufolge hat. Ein Beispiel war natürlich das Metalist-Spiel, wo die Mittelfeldspieler des Gegners schnell umschalteten und die Doppelsechs sehr spielintelligent agierte, man erhielt nie Zugriff auf den Raum zwischen den Linien und Cziommer war als primärer Spielmacher durchgehend ineffektiv. Die Gäste aus Mattersburg besitzen diese Stärke im Umschaltspiel und bei der Spielintelligenz natürlich nicht, allerdings konnten sie nach der Führung weit zurück in die eigene Spielhälfte, womit sie die Räume einfach und simpel dicht halten konnten. Die Salzburger liefen gegen diesen Bunker an, hatten viel mehr vom Spiel, konnten sich aber nie darüber hinwegsetzen. Dazu standen die Gäste zu tief hinten drin und die Versuche Salzburgs waren zu unkreativ, um Löcher in die gegnerischen Reihen zu reißen. Die Schnittstellen konnten nur nach wenigen gelungenen Läufen genutzt werden, hier hatten die Mattersburger etwas Glück mit dem Schiedsrichter, alles in allem war es trotzdem keine gute Leistung der Hausherren.

Fazit

Mit einem überraschenden 1:0-Auswärtssieg vergrößern die Mattersburger ihren Vorsprung auf die zweite Liga, während die Salzburger Trauerspiele weitergehen. In dieser Truppe steckt sehr viel Potenzial, welches brach liegt und nicht genutzt wird. Fehlende Dynamik, nicht vorhandene Laufwege und kein Spielmacher vor der Abwehr, der diesem Namen gerecht wird, sind die Hauptursachen der aktuell wenig berauschenden Leistungen.

RM schreibt auch für spielverlagerung.de

Rene Maric

  • Peda

    7.März.2012 #1 Author

    Das große Problem der Salzburger ist und bleibt meiner Meinung nach der Trainer. Nicht Moniz selbst, aber die Tatsache, dass ein (ausgezeichneter) Individualcoach am Chefposten sitzt.
    Es kommt einem bei seinen Interviews so vor, als ob er die Umstellung noch nicht ganz mitbekommen hätte, er stellt noch immer die Entwicklung des Einzelnen über die Entwicklung der Mannschaft – und damit auch über die Resultate.

    Ich bin für einen Kompetenztausch zwischen Moniz und Kovac. Kovac hat zwar auch keine Erfahrung als Cheftrainer einer ersten Mannschaft, ist aber seit mittlerweile sieben Jahren in Salzburg, hat mit den Juniors gute Vorstellungen abgeliefert und kennt den Verein wie kaum ein anderer.

    Wenn er nicht weiß an welchen Schrauben man drehen muss, wer dann?

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