„Aufgewärmt ist nur ein Gulasch gut“, besagt ein Wiener Sprichwort. Trotzdem wünschen sich viele Fans immer wieder Stars aus der Vergangenheit zurück. Was einmal... Kommentar: Warum Jimmy Hoffer kein „Gulasch“ ist
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_Erwin Hoffer

„Aufgewärmt ist nur ein Gulasch gut“, besagt ein Wiener Sprichwort. Trotzdem wünschen sich viele Fans immer wieder Stars aus der Vergangenheit zurück. Was einmal gut klappte, muss doch wieder funktionieren – möchte man glauben. Mit Betonung auf „möchte“.

Erwin „Jimmy“ Hoffer, Held der letzten Rapid-Meistermannschaft 2008, wurde in den letzten Wochen gezwungenermaßen wieder zum Gesprächsthema bei den Hütteldorfern, die einen schnellen, umrührenden Stürmer suchen.

Die aktuellen Stürmertypen in Grün-Weiß sind einander zu ähnlich: Joelinton und Kvilitaia haben ihre Stärken vor allem im Ballhalten und Gegner verschleppen. Prosenik ebenfalls, allerdings ist er zu träge, um zu einem Einserkandidaten zu werden. Jelic steht kurz vor einem Wechsel zum NK Rijeka und Sobczyk ist nach momentanem Befinden Stürmer Nummer drei, allerdings noch nicht weit genug.

Es braucht also einen Spieler, der die Tiefe sucht, gegnerische Ordnungen auseinanderreißt und im Idealfall auch noch trifft. Hoffer bewies von 2006 bis 2009, dass er in dieses Anforderungsprofil passt(e). Für Rapid erzielte der gebürtige Badener in 95 Spielen 44 Tore und bereitete 24 vor. Eine Statistik, von der die aktuellen Rapid-Stürmer nur träumen können.

Dennoch sprechen grundlegende Punkte gegen die Sinnhaftigkeit eines neuerlichen Hoffer-Transfers zu Rapid:

Fitness

Nach seiner Rapid-Zeit spielte Hoffer für Napoli, Kaiserslautern, Frankfurt, Düsseldorf und den KSC. Stammspieler war er bei keinem seiner Klubs. In seinen acht Saisonen im Ausland erzielte er 50 Tore, also durchschnittlich etwa sechs pro Saison und insgesamt nur sechs mehr als in drei Saisonen bei Rapid. Die Fans seiner Teams kritisierten ihn weniger wegen seines Einsatzes, sondern eher aus konzentrations- und technikbedingten Gründen, die allerdings auch damit zusammenhingen, dass er körperlich zumeist nicht voll auf der Höhe war.

Zuletzt wurde kolportiert, dass Hoffer gleich bei mehreren Fitnesstests durchfiel. Obwohl er in den letzten Jahren kaum von Verletzungen geplagt wurde, baute er körperlich ab, kämpfte phasenweise mit Gewichtsproblemen. Hoffer konnte in seiner Rapid-Zeit einfach und unbekümmert vertikal gehen – und das genügte. Er kam zum Abschluss, blieb zumeist eiskalt, war zu schnell für seine Gegenspieler. Aber nicht nur weil sich der Fußball änderte, sondern auch „Jimmys“ Körper, ist das heutzutage nicht mehr so.

Anderer Stil

Unter Peter Pacult war das Spiel Rapids extrem explosiv, fast überoffensiv. Das Mittelfeld der Hütteldorfer war enorm spielstark, die Angriffskonstellationen ergänzten sich perfekt und wurden auch ausreichend von den Hinterleuten gefüttert. Mittlerweile braucht Rapid aber einen flinken Angreifer, den man auch besser ins Spiel einbinden kann.

Hoffer ist technisch nicht stark genug für die aktuelle Rapid-Mannschaft. Er würde heutzutage deutlich mehr Ballaktionen pro Spiel haben als damals. Gerade in seinen beiden letzten Jahren beim KSC konnte man beobachten, dass er damit nicht zurechtkommt, viele Bälle vertändelt oder unpräzise weiterverarbeitet. Angesichts der momentanen Rapid-Spielweise braucht es also einen Stürmer, der im Kurzpassspiel auf engem Raum stärker ist. Und das war noch nie Hoffers Stärke.

Preis-Leistung

Obwohl Hoffer für seinen Herzensklub Abstriche machen würde, würde er nicht gerade zu den ärmlichsten Rapid-Verdienern zählen. Um dasselbe Geld gibt es zahlreiche Angreifer, die weniger Risiko mit sich bringen. Eine Ablösesumme würde sich Rapid zwar sparen, aber auch das ist bei anderen Spielern ebenso der Fall.

Neben der Tatsache, dass sich Hoffer für „seine“ Rapid natürlich niemals hängen lassen und sich voll in den Dienst der Mannschaft stellen würde, hat er also nur den Nostalgiebonus auf seiner Seite. So schön die Erinnerungen an den sympathischen „Jimmy“ auch waren, ein sprichwörtliches Gulasch ist er im Jahr 2017 leider nicht mehr.

Mittlerweile hört man aber ohnehin, dass Hoffer kein Thema mehr sein soll. Denjenigen, die glauben, dass man bei Rapid damit eine große Chance auslässt, sei gesagt, dass die echte Chance bereits ein halbes Jahr nach seinem Abgang im Sommer 2009 verpasst wurde. Hätte Rapid Hoffer damals leihweise mit etwaiger Kaufoption zurückgeholt, hätte man die Angriffsrakete vielleicht sogar zweimal teuer verkauft. Seitdem sind aber fast acht Jahre vergangen und jetzt ist der Zug abgefahren.

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen