Neben Wiener Neustadt fiel mal wieder sehr oft der Name des Sportvereins Mattersburg als Antwort auf die Frage, wer die Liga verlassen würde. Doch... Kontinuität als Trumpf – Mattersburg legte den Grundstein zu einem weiteren Jahr in der Bundesliga

Neben Wiener Neustadt fiel mal wieder sehr oft der Name des Sportvereins Mattersburg als Antwort auf die Frage, wer die Liga verlassen würde. Doch Franz Lederer, seit 17. November 2004 im Amt, arbeitet akribisch an seiner Mannschaft – mit Erfolg.

Große finanzielle Sprünge kann der SV Mattersburg nicht machen. Und die will im Burgenland niemand machen, da die eigene Akademie gut arbeitet. Abgegeben wurden wenige Spieler: Thomas Salamon wurde nach Grödig verliehen, Stefan Bliem ging zu den eigenen Amateuren. Peter Chrappan und Matthias Lindner gingen nach Vertragsende: Chrappan wechselte zu Inter Baku nach Aserbaidschan und Lindner ein paar Kilometer in den Westen zu Wiener Neustadt.

Philipp Steiner und Peter Hawlik verstärken aus der eigenen zweiten Mannschaft Innenverteidigung und Mittelfeld. Adnan Mavrac kehrte von KVC Westerlo aus Belgien zurück, Markus Böcskör kam von „Doch-nicht-Aufsteiger“ Parndorf und aus Hartberg wurden Linksaußen Wilfried Domoraud und Innenverteidiger Martin Rodler geholt. Der Rest der Mannschaft wurde gehalten und somit konnte Franz Lederer im Sommer weiter an der spielerischen Linie arbeiten.

Lediglich fünf Legionäre und ein großer Haufen junger Spieler aus der Region sollten nicht nur die Klasse halten und ansehnlicher kicken, sondern auch wieder mehr Zuseher in das Pappelstadion locken. Die Marke „Rumpelfußball“ und eine gewisse Alltäglichkeit drückten zuletzt die Zuschauerzahlen.

Banges Warten auf den ersten Dreier

Die Saison begann nicht schlecht: Nach einer knappen Niederlage im Lokalderby gegen Wiener Neustadt (gerade einmal 18 Kilometer auf der Straße trennen die Spielstätten) konnte Meister Sturm und Vizemeister Salzburg je ein Remis abgetrotzt werden – beide Male auswärts. Gegen Aufsteiger Admira und Cup-Sieger Ried musste jeweils in der Schlussviertelstunde der entscheidende Treffer hingenommen werden. Gegen Wacker und Rapid (heim/auswärts) konnte wieder jeweils ein Remis erkämpft werden. Gegen Neustadt und die Wiener Austria setzte es wieder dasselbe Spielchen wie bei den anderen Niederlagen: Das aufwändige Spiel der Mattersburger reichte nicht für 90 Minuten, wieder fielen die Gegentreffer in der Schlussviertelstunde. Vier Punkte aus neun Spielen, oftmals reichte die Konzentration am Ende nicht aus.

Wende in Neustadt

Zu Beginn des zweiten Meisterschaftsviertels reisten die Burgenländer zu den Nachbarn aus Wiener Neustadt. Dort konnte ein 1:2-Auswärtssieg erkämpft werden und Mattersburg gab die rote Laterne an die Falken ab. In einem kuriosen Spiel in der elften Runde holten die Mattersburger einen Punkt gegen Sturm Graz. Die Steirer hatten bis zur 90.Minute geführt, bevor Bürger und Naumoski ausglichen. Nachdem es in Ried nichts zu erben gab, blieben die Grün-Weißen von Runde 13 bis 15 drei Mal ungeschlagen, setzten sich vom KSV ab. Einem Heimremis gegen die Admira folgte ein souveräner 3:0-Sieg gegen die Salzburger Bullen. Auch in Tirol konnte ein Punkt geholt werden. Nachdem Rapid in einer harten Partie gewinnen konnte, musste die Austria daheim einen Punkt hergeben und im „Sechspunktespiel“ gegen die Falken wurden ebendiese geholt. Ein kleiner Dämpfer war die knappe Last-Minute-Niederlage gegen Wiener Neustadt in der letzten Runde vor der Winterpause. Dennoch gehen die Mattersburger mit sieben Punkten Vorsprung auf den Kapfenberger Sportverein in den Jänner, während Neustadt lediglich fünf Punkte entfernt ist.

Taktikspiele

Die Zeiten des 3-5-2 sind auch im Burgenland längst vorbei. Franz Lederer ließ seine Mannschaft zumeist recht schnörkellos mit einer Doppelsechs im Mittelfeld vor einer Viererkette auflaufen, vorne mit zwei Stürmern. Einer der Stürmer arbeitete oftmals aus der Tiefe des Raumes. Über schnelle Flügelspieler wie Alois Höller oder Ronald Spuller sollte das Mittelfeld schnell überbrückt werden. Im Mittelfeld hat Lederer den Zahn der Zeit gefühlt: Im Gegensatz zu Ex-Rapid-Coach Peter Pacult etwa, der dort gerne zwei Zerstörer aufbot (bzw. aufbieten musste), organisierte der junge Manuel Seidl oder ein anderer aus der Riege der Akademiespieler einen modernen Auftritt. Zwar griff Lederer hin und wieder auf ein altbackenes Mittelfeld zurück, richtig gut lief es aber, wenn seine Sechser am Spiel teilnahmen und zum Einen das des Gegners zerstörten, als auch zum Anderer das eigene aufbauten.

Die in der Akademie gut ausgebildeten Nachwuchsspieler wie Rath, Seidl oder Farkas tun dem neuen Mattersburg gut. Klar, die Wortführer sind nach wie vor Mörz, Naumoski und Co., aber die jungen Wilden aus dem Osten arbeiten daran, den Vorwurf des Rumpelfußballs vergessen zu machen.

Moment der Hinrunde

Das Highlight war sicherlich das deutliche und mehr als verdiente 3:0 gegen Red Bull Salzburg. Nachdem in Mattersburg so ziemlich alles anders läuft, als beim Krösus aus der Mozartstadt. Ilco Naumoski, Patrick Bürger und Michael Mörz werden diesen 6. November wohl noch lange in Erinnerung behalten.

Fazit

Klarerweise stehen die Jungen immer unter Beobachtung, Patrick Bürgers Tore haben sich bis nach England durchgesprochen – aber Franz Lederer wird es wohl wieder einmal schaffen, die Klasse zu halten. Nicht auszudenken, wo die Mattersburger stehen würden, hätte die Kraft öfter für mehr als 75 Minuten gereicht. Bei entsprechender Vorbereitung können mehr als die bis dato drei Saisonsiege eingefahren werden. Arbeitet Franz Lederer weiterhin an der spielerischen Linie, werden auch die Unkenrufe des harten Fußballs verschwinden.

Georg Sander, abseits.at

Georg Sander