10.600 Zuschauer sahen in der Südstadt eine turbulente Partie, in der Aufsteiger Admira Wacker das bessere Ende hatte. Die Hütteldorfer konnten zwar einen 3:0-Rückstand... Kurioser Spielverlauf in der Südstadt – Admira zwingt auch Rapid in die Knie

10.600 Zuschauer sahen in der Südstadt eine turbulente Partie, in der Aufsteiger Admira Wacker das bessere Ende hatte. Die Hütteldorfer konnten zwar einen 3:0-Rückstand aufholen, bekamen aber knapp vor Schluss einen Strafstoß gegen sich gesprochen, den Mittelfeldspieler Ježek sicher verwandelte. In den letzten fünf Runden feierte die Admira somit Siege gegen Austria Wien, Sturm Graz, Red Bull Salzburg und Rapid Wien.

Fußballfans älteren Semesters erinnern sich nach dem gestrigen Spiel vielleicht an den 29. Juli 1992 zurück, denn auch damals ging die Admira in der Südstadt gegen Rapid Wien mit einem 4:3-Sieg als Gewinner vom Platz. Die Hütteldorfer führten bereits mit drei Toren Vorsprung, gaben die Partie jedoch komplett aus der Hand und hätten noch höher verlieren können. Kühbauer und Schöttel erlebten die bittere Niederlage als Rapid-Spieler mit. Gestern Abend standen sich die beiden als Kontrahenten gegenüber. Das Ergebnis war das gleiche, wie vor knapp 20 Jahren und auch der Spielverlauf war ähnlich kurios. Admira-Trainer Didi Kühbauer stand diesmal jedoch auf der anderen Seite und hatte das bessere Ende für sich.

DIE AUFSTELLUNGEN UND DER SPIELVERLAUF

Beide Trainer schickten wie erwartet eine 4-4-2-Formation aufs Spielfeld, wobei es ein paar Änderungen gegenüber den letzten Partien gab. Bei Rapid Wien musste Novota dem wiedergenesenen Payer weichen, obwohl der Slowake in der letzten Meisterschaftspartie sein Tor sauber hielt und rein von der Körpersprache wesentlich präsenter als Payer wirkte. Didi Kühbauer musste den verletzten Seebacher und den gesperrten Schwab ersetzen und schenkte Mevoungou und Schicker sein Vertrauen.

Die erste Chance des Spiels hatten die Gäste aus Wien: Hofmann passte zu Drazan, der den Ball scharf in den Strafraum brachte. Gartler schoss akrobatisch mit der Ferse vom Elfmeterpunkt ins gegnerische Tor, musste aber kurz darauf seinen Jubel abbrechen, da der Schiedsrichterassistent zu Recht auf Abseits entschied. Nur kurz darauf zeigten die Hausherren zum ersten Mal ihre Gefährlichkeit, als nach einem Doppelpass mit Ouédraogo Schicker zu einer guten Schussmöglichkeit kam. Ab diesem Zeitpunkt übernahm die Admira das Kommando und kam zu weiteren guten Chancen. Der spielfreudige Schicker spielte einen idealen Lochpass auf Hosiner, der den Ball jedoch nicht mehr erwischte, da Helge Payer vor dem 22-jährigen Stürmer am Ball war. Es dauerte bis zur 36. Minute, ehe die Hausherren ihr spielerisches Übergewicht in etwas Zählbares umwandeln konnten. Nach einer schwachen Freistoßflanke von Alar und einem Stoppfehler von Kapitän Hofmann schalteten die Hausherren blitzschnell um, brachten den Ball über Hosiner zu Rene Schicker, der gute 40 Meter unbedrängt mit dem Ball laufen konnte, ohne richtig attackiert zu werden, Knapp vor dem Strafraum spielte er den Ball ideal für den schnellen Ouédraogo auf, der Payer keine Chance ließ. Ein Konter wie aus dem Lehrbuch! Besonders beeindruckend war, wie schnell Ouédraogo vom eigenen Strafraum zum Torabschluss kam. Schauen wir uns dieses Tor genauer an:

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Nach dem schwachen Freistoß und dem Stoppfehler von Hofmann schaltet die Admira schnell um. Ouédraogo (neben dem Schiedsrichter) steht noch im eigenen Strafraum.

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In dieser Szene sehen wir, dass Ouédraogo noch klar in der eigenen Hälfte ist. Seit dem Ballgewinn sind fünf Sekunden vergangen.

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Seit der letzten Szene sind abermals fünf Sekunden vergangen. Eine Sekunde später ist der Ball im Netz. Unglaublich wie schnell Ouédraogo die letzten 50 Meter zurücklegte.

Kurze Zeit darauf hätte die Admira aus einer 2:7-Unterzahlsituation beinahe das 2:0 erzielt, da Patocka Hosiner ungehindert flanken ließ und sich niemand für Mevoungou zuständig hielt, der per Kopf nur die Latte traf.

SECHS TREFFER IN DER ZWEITEN HALBZEIT

Rapid-Trainer Schöttel reagierte zur Pause und brachte Pichler statt Soma in die Partie, da die langsame Innenverteidigung mit Ouédraogo und Hosiner heillos überfordert war. Nach einem Foul von Kulovits an Ouédraogo schlief die gesamte Rapid-Mannschaft, was Schicker gnadenlos ausnutzte. Er spielte den Freistoß, der nicht gesperrt war, schnell zu Ježek ab, der für die 2:0-Führung sorgte. Nur fünf Minuten später hatte Schicker im Mittelfeld wieder einmal freie Bahn und konnte ungehindert einen Distanzschuss auf Payer loslassen, der den Ball zur Mitte abprallen ließ. Ouédraogo bekam den Ball vor seine Füße serviert und erhöhte auf 3:0.

Zu diesem Zeitpunkt hätte wohl kein einziger Zuschauer in der Südstadt einen Euro auf die Hütteldorfer gesetzt. Durch einen schnellen Anschlusstreffer von Patocka kamen die Grün-Weißen jedoch zurück in die Partie. Rapid wurde stärker, spielte direkter nach vorne und bekam acht Minuten später einen Elfmeter zugesprochen, den Kapitän Hofmann verwandelte. Der 31-Jährige erzielte im dritten Spiel hintereinander einen Treffer vom Elfmeterpunkt. In der 78. Minute brachte Trimmel den Ball nach einem Corner noch einmal hoch in den Strafraum. Der eingewechselte Salihi verlängerte Burgstallers Kopfball ins gegnerische Tor zum 3:3-Ausgleich.

EIN UMSTRITTENER ELFMETER ENTSCHEIDET DIE PARTIE

Die Vorgeschichte zum letzten Treffer der Partie entstand abermals aus einem Eckball. Diesmal führte jedoch die Admira die Standardsituation aus. Emin Sulimani zog knapp außerhalb des Strafraums ab und traf Burgstaller, der mit einer drehenden Bewegung in den Schuss hineinsprang. Der Rapid-Neuzugang bekam den Ball auf den Oberarm und Schiedsrichter Eisner entschied sofort auf Elfmeter. Der Unparteiische sprach nach dem Schlusspfiff von einer unnatürlichen Handbewegung. Pechvogel Burgstaller und Schöttel waren nach der Partie anderer Meinung und selbst Admira-Trainer Kühbauer gab zu, dass manche Schiedsrichter diesen Elfmeter nicht pfeifen. Schiedsrichter Eisner stand jedenfalls ideal vom Geschehen entfernt, um diese Szene zu beurteilen. Den nachfolgenden Elfmeter verwandelte Ježek ohne Schwierigkeiten.

FAZIT

Bis zum Anschlusstreffer durch Patocka war die Admira die klar überlegende Mannschaft. Die Hausherren gewannen mehr Zweikämpfe und konterten die Gäste im eigenen Stadion gnadenlos aus. Das Duell der Flügelspieler im Mittelfeld entschied der Gastgeber eindeutig für sich, denn Trimmel und Drazan waren über weite Strecken der Partie mit Schicker und Ježek überfordert und konnten sich nie richtig entfalten. Die beweglichen und schnellen Sturmspitzen bereiteten der langsamen Rapid-Innenverteidigung wie erwartet große Schwierigkeiten. Das Abwehrzentrum war jedoch nicht nur in der Defensive überfordert, sondern machte auch zahlreiche Fehler im Spielaufbau nach vorne.

Die Admira bewies mit dieser starken Leistung eindrucksvoll, dass die jüngsten Siege gegen die Austria, Sturm Graz und Red Bull Salzburg kein Zufall waren. Erst als die Südstädter die Kräfte verließen, kam Rapid Wien besser in die Partie und drehte das Spiel beinahe um. Natürlich ist die Art und Weise, wie dieses Resultat zu Stande kam, bitter für die Gäste aus Wien. Dennoch muss man festhalten, dass sich die Admira diesen Sieg verdiente, da sie über das gesamte Spiel gesehen die besseren Chancen hatte und engagierter auftrat.

VIDEOS

Hier könnt ihr euch noch einmal die Höhepunkte der Partie ansehen:

Für alle Nostalgiker: Der 4:3-Sieg der Admira gegen Rapid aus dem Jahr 1992

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger