Mattersburg gilt als Rumpelfußballtruppe. Aber wer sich die Spiele ein bisschen genauer angeschaut hat, bemerkte, dass Coach Franz Lederer im Sommer Richtung spielerische Verbesserung... Mattersburger Rumpelfußball? – Wir schauen genau hin!

Mattersburg gilt als Rumpelfußballtruppe. Aber wer sich die Spiele ein bisschen genauer angeschaut hat, bemerkte, dass Coach Franz Lederer im Sommer Richtung spielerische Verbesserung gearbeitet hat. Ein Blick auf die Statistik beweist auch, dass die Burgenländer öfters sehr knapp verloren hatten und demnach eigentlich weiter oben stehen könnten.

Mattersburg gegen Sturm Graz am Sonntagnachmittag: Franz Lederer, bekanntermaßen Österreichs längstdienender Fußballlehrer und vor einiger Zeit noch Freund des 3-5-2, schickte seine Mannschaft im 4-2-2-2 auf das Feld. Zum 3-5-2 dann aber später mehr. In der Verteidigung spielten vor Thomas Borenitsch Patrick Farkas, Nedeljko Malic, Adnan Mravac und Lukas Rath. Damit verfügt die Abwehr mit den Nachwuchsnationalspielern Farkas und Rath über zwei spielintelligente Außenverteidiger, auch wenn ersterer eigentlich Mittelfeldspieler ist. Davor agierten mit Ivan Parlov und Manuel Seidl zwei Sechser, von denen Seidl der offensivere war. Auf den Seiten spielten Alois Höller und Wilfried Domoraud, und damit schnelle Außenbahnspieler. Im Sturm liefen auf einer Linie Badboy Ilco Naumoski und der Topscorer der vergangenen Saison, Patrick Bürger, auf. In der Defensive sollten zwei Viererketten stehen, vorne zwei technisch Beschlagene für Gefahr sorgen und die Flanken verarbeiten. Im Endeffekt ein nicht zu hundert Prozent modernes System, aber nicht ineffizient. In dieser Saison fehlte den spielerisch verbesserten Mattersburgern noch das viel strapazierte Spielglück, von den fünf Niederlagen verloren die Burgenländer lediglich gegen die Wiener Austria mit mehr als einem Tor Unterschied. Und so sah das am Feld aus.

1:0 nach wenigen Augenblicken

Bereits die erste Aktion brachte das 1:0. Auch wenn Ilco Naumoski zwei Versuche brauchte, um den Ball im Kasten unterzubringen, entstand es nach schöner Vorarbeit. Stürmer Patrick Bürger verschaffte sich auf der rechten Seite Platz und gab den Ball flach und scharf, also gut, in den Rücken der noch unsortierten Abwehr. Wilfried Domoraud hatte sich von der linken Seite in den Raum um den Elfmeterpunkt geschlichen und abgeschlossen. Der ORF beschränkte sich in der Wiederholung darauf, lediglich das Gestochere kurz vor dem Treffer einzuspielen und nicht die Entstehungsgeschichte. In Folge präsentierte sich auch die Verteidigung um den bosnischen Nationalspieler Adnan Mravac gut, die Viererkette verschob intelligent. Allerdings verfiel Sturm in Schockstarre. Kein Wunder, fiel doch der Gegentreffer in einer Phase, als die Spieler noch gar nicht lange am Feld waren. In Minute 16 waren die Gäste aber dann erstmals wirklich gefährlich, jedoch nur aus einer Standardsituation. Davor hatte Lukas Rath Patrick Wolf im Strafraum noch einfangen können. Thomas Burgstaller setzte den Ball nach dem fälligen Eckball knapp über die Latte.

Lästigkeit? Pressing!

Das, was Kommentator Michael Roscher als „Lästigkeit“ erkennen wollte, nennt der Fußballfachmann Pressing. Es war auch zu beobachten, dass Franz Lederer eine zweite Grundkompetenz, in der Rückwärtsbewegung schnell viele Männer hinter den Ball zu bringen, für sich entdeckt hatte. In Minute 21 musste ebendieser dann umstellen. Für den jungen Manuel Seidl kam Alexander Pöllhuber ins Spiel. Seidl hatte sich ohne Fremdeinwirkung verletzt. Pöllhuber ist ein anderer Spielertyp, groß, schlaksig. Der SVM war daraufhin kurz verwirrt, die Abseitsfalle funktionierte plötzlich nicht und schon war Wolf auf und davon. Dieser vergab zum Glück für die Hausherren stümperhaft. Minuten später stellte sich die Ordnung wieder her, Patrick Farkas übernahm Seidls Part in der Mittelfeldzentrale, der Eingewechselte gliederte sich in der Viererkette ein und Mattersburg machte weiter mit der „Lästigkeit“.

Unordnung

Säumel zog in Minute 29 einen Sprint vor den Sechzehner an und wollte Wolf in Szene setzen, obwohl er sich selbst in guter Schussposition befand. Domoraud konnte dem Angespielten das Leder gut ablaufen, die Spieleröffnung war aber mies. Der Querpass etwa 25 Meter vorm Tor Richtung Mitte bringt schon den Miniknaben Schelte vom Trainer ein. Und so war es Säumel, der sich das Spielgerät schnappte und die Verwirrung der im Geiste schon konternden Hintermänner ausnutzte und Szabics einsetzte. Zum Glück für die Burgenländer traf dieser den Ball nicht richtig. Michi Roscher wechselte daraufhin auch, nämlich nahm er Lästigkeit aus dem Spiel und wechselte Forechecking ein. Nach einer halben Stunde erhöhten die Grazer dann das Tempo und sorgten für etwas Feuer im Mattersburger Strafraum, es fehlte aber die Präzision. Überhaupt wirkten die Sturm-Spieler auch in Situationen, in denen kein Grünweißer lästig oder „forecheckig“ war, sehr unkonzentriert. Als diese nämlich nachsetzen sollten, vernaschte Alois Höller Popkhadze und prüfte Cavlina aus spitzem Winkel.

Sturms Spiel, der Konter

Dann ging es schnell. Weber erkämpfte sich den Ball und Säumel schickte Wolf auf die Reise. Obwohl die Viererkette gut stand, hatten die Burgenländer kaum eine Chance, einen Torschuss zu verhindern. Der letzte Rettungsversuch durch ein Tackling wurde sehr fair vorgetragen, aber dadurch auch zu harmlos. Der Grazer war durch, der Ball zappelte im Netz und nach 40 Minuten startete das Spiel von neuem. Dass die Heimmannschaft aber dennoch gut stand, beweist ein Blick auf die Pausenstatistik. Durch das hohe Stehen liefen die Grazer gleich sechs Mal ins Abseits. Jedenfalls ist nicht wirklich etwas von Mattersburger Rumpelfußball zu erkennen gewesen, auch wenn Experte Mählich das anders sah.

Individuelle Fehler

Sturm kam nach einer der gefürchteten Kabinenansprachen von Trainer Franco Foda exzellent aus der Kabine und versuchte die Hausherren zu überrollen, einmal war Szabics ganz nah am Treffer. Malic war seinem Gegenspieler nicht entschieden genug in den Fünfer gefolgt. Danach scheiterten Bukva und Wolf aus aussichtsreichen Positionen. Die Viererkette wirkte mit Farkas und ohne Pöllhuber in den ersten zwanzig Minuten des Spiels agiler und sicherer. Obwohl beide Teams den Dreier gut brauchen konnten, lauerten beide auf den Fehler des anderen. Das Spiel war mit Mikado zu vergleichen – wer als erster wackelt, würde verlieren. Und Fehler gab es in Durchgang zwei genug, sie alle aufzuzählen würde den Rahmen des Berichts sprengen.

Ein Moment Genialität

In Minute 59 narrte Imre Szabics die zu weit entfernt stehenden Innenverteidiger und ließ den Ball zu Mario Haas durch, der zog ab und Borenitsch hatte keine Chance. Lederer reagierte und brachte Ronald Spuller, um die Offensive zu stärken. Lukas Rath verließ das Spielfeld. Und es erfolgte der Rückschritt in vergessen geglaubte Zeiten: Drei Mann bildeten die Verteidigung, Höller blieb auf seiner Seite, verstärkt dadurch den Eingewechselten. Variante B war also Hollywood, mit zwei Mann auf der rechten Flanke und ohne Rechtsverteidiger. Die Umstellung machte sich sofort bezahlt, zu viele Mattersburger im Strafraum der Blackies und Burgstaller musste den Ball von der Linie kratzen. Taktisch gesehen ist das 3-5-2 eine gute Variante, wenn nicht viel zu verteidigen ist. Nachdem auch Wolf auf der rechten Angriffsseite viel gefährlicher war als Bukva auf der anderen, keine dumme Überlegung. Nach 63 Minuten feierte dann Roman Kienast sein Comeback.

Hollywood

Gut sichtbar war, dass die rechte Abwehrseite vernachlässigt wurde. Nur Sturm bemerkte das nicht und kam über die eigene rechte Seite zu Chancen. Dennoch machte sich Hollywood bezahlt und die Heimmannschaft kam wieder besser ins Spiel und zu einigen, wenn auch zunächst nicht zwingenden Chancen. Dudic und Co. hatten alle Hände voll zu tun, die ungewohnten Überzahlsituationen zu entschärfen. Vor allem das Doppelgespann Höller/Spuller sorgte für Dampf über Sturms linke Abwehrseite. Des Weiteren fiel auf, dass die Grazer auch nach der Hereinnahme von Andi Hölzl für Haris Bukva diese Seite in der Offensive einfach – links liegen ließen. Es dauerte 20 Minuten, bis die Blackies endlich überzuckert hatten, dass Rath nicht mehr im Spiel war und schon stand es 1:3. Weiter Pass auf Szabics, der endlich den freien Raum auf der linken Seite entdeckt hatte, der brachte im Fallen den Ball zu Hölzl und das Spiel war entschieden. Oder doch nicht? Bürger gelang gegen siegessichere Gäste nach einer Spuller-Hereingabe noch ein herrlicher Flugferslertreffer in der 91. Minute. Nach Ablauf der drei Minuten Nachspielzeit kam es zu noch einem Eckball. Spuller schnappte sich den Rebound, dann Flipper und Zufall im Fünfer: Cavlina rutschte weg, ein Kopfball wurde von der Linie gekratzt, einmal Fersler, noch einer und Naumoski schob ein.

Klarerweise steht es dem Schiedsrichter frei, die Nachspielzeit zu verlängern. Dadurch, dass das 3:2 nach Ablauf der 90 Minuten fiel, war der Aufschlag gerechtfertigt. Im Endeffekt ist die Punkteteilung wohl nicht gerechtfertigt, aber Mattersburg setzte immer nach und manchmal muss Glück eben erzwungen werden. Und auch wenn Lederers Systeme noch nicht zur Gänze „2011“ sind, wird es ein beinharter Abstiegskampf werden, denn mit etwas mehr Glück könnten die Burgenländer bereits weitaus besser dastehen, als sie es tun. Schafft es der Trainer, mehr Präzision in die Offensive zu bringen, werden die Punkte schon kommen.

Georg Sander, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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