Die Herbstsaison 2014/2015 in der tipico Bundesliga ist beendet. In dieser Serie nimmt abseits.at den bisherigen Saisonverlauf, die Taktik, die wichtigsten Team- und Spielerstatistiken... Mit Kühbauers Kontertaktik auf Platz zwei – Das war die Herbstsaison des Wolfsberger AC

Wolfsberger AC - Wappen mit FarbenDie Herbstsaison 2014/2015 in der tipico Bundesliga ist beendet. In dieser Serie nimmt abseits.at den bisherigen Saisonverlauf, die Taktik, die wichtigsten Team- und Spielerstatistiken und die besten Akteure der zehn österreichischen Bundesligaklubs unter die Lupe. In diesem Artikel sehen wir uns den Wolfsberger AC an.

Bisheriger Saisonverlauf

Der Wolfsberger AC krempelte sein Team im Sommer an vielen Stellen um. Einerseits verließen Leistungsträger wie Michele Polverino die Kärntner, andererseits wurden einige interessante, ablösefreie Spieler wie etwa Christopher Wernitznig, Tadej Trdina oder Manuel Weber geholt. Vor der Saison galt der WAC als Wundertüte, nach den ersten Runden kristallisierte er sich als das Überraschungsteam der aktuellen Saison heraus. Über den gesamten Herbst belegte er einer der ersten beide Ränge.

Herausragend war der Saisonstart der Lavanttaler: die ersten sechs Spiele wurden allesamt gewonnen. Darunter auch ein eindrucksvoller 4:0-Sieg gegen die Wiener Austria am zweiten Spieltag. Nach einer 0:1-Niederlage gegen Wiener Neustadt kam es zum Spitzenduell gegen Red Bull Salzburg, mit dem man damals gleichauf lag. Im heimischen Stadion gewann der WAC trotz Unterzahl mit 1:0 und führte vier Runden lang die Tabelle an. Dann kam aber der Einbruch, denn die Kärntner konnten keines ihrer letzten acht Bundesligaspiele gewinnen. Kein Team holte in diesem Zeitraum weniger Punkte.

Taktik und Spielweise

Dietmar Kühbauer lässt die Wolfsberger mit einer ähnlichen Taktik spielen wie es die Admira unter ihm tat. Sie praktizieren ein tiefes Mittelfeldpressing und werden im Allgemeinen mit simplen Angriffszügen gefährlich. Aufgrund dessen, dass sie den Gegner meist „kommen lassen“, haben sie nach Balleroberungen große Räume im offensiven Umschaltspiel. Besonders in der erfolgreichen ersten Hälfte des Herbsts war dieses Konterspiel kaum zu bremsen. In der Defensiven dominierten ebenfalls eher einfache Abläufe: es gab kein kollektives Gegenpressing, stattdessen ließ man sich fallen um stabil zu stehen.

Damit unterschied man sich grundlegend von den meisten anderen Teams, da deren Trainer immer wieder „nach vorne verteidigen“ wollten. Dies geschah aber selten gruppentaktisch geschlossen, was den Wolfsbergern in die Karten spielte. Mit Fortdauer der Saison mussten diese aber am Ball vermehrt selbst aktiv werden, was ihnen hingegen kaum lag. Es mangelte an den entsprechenden Aufbaumechanismen und auch im letzten Drittel sah man kaum zusammenhängende Abläufe. Dass man zwei der letzten drei Punkte gegen Mannschaften mit viel Ballbesitz (Salzburg und Rapid) holte, passt in dieses Bild.

Teamstatistiken

Obwohl die Wolfsberger auf Platz zwei stehen sind sie in kaum einer Statistikkategorie vorne zu finden. Einzig hinsichtlich der erhaltenen Gegentore sind sie mit deren 21 top. Wie gewohnt lässt sich der Spielstil einer Mannschaft aus der nachstehenden Grafik genauer ableiten. So zeugen beispielsweise 36,4 Pässe pro Schuss von einem schnellen offensiven Umschaltspiel. Dass man hingegen den Gegner erst nach 9,9 Pässen vom Ball trennt, zeigt das fehlende Gegenpressing. Auch anhand der vergleichsweise hohen Zahl an klärenden Aktionen (405) – nur die SV Ried hatte mehr – erkennt man die konservative Ausrichtung.

Andererseits zeigt die Grafik die negativen Aspekte im Kombinationsspiel auf. Die Wolfsberger meiden den Ballbesitz und spielen viele lange Pässe (25,3%) – keine andere Mannschaft tut dies prozentuell so oft. Die Passquote ist mit 66,5% erfolgreichen Zuspielen nur die drittschlechteste der gesamten Liga. Auch die Zahl der Abschlüsse ist relativ gering: insgesamt 174, was ebenfalls nur Platz acht bedeutet. Dass man dennoch die drittmeisten Tore erzielt hat, liegt an der guten Chancenauswertung (16,1%), wo man nur hinter zwei Teams liegt.

Spielerstatistiken

In diesem Abschnitt sehen wir uns die wichtigsten Spielerstatistiken, aufgeschlüsselt nach Positionen und normiert auf eine Einsatzzeit von 90 Minuten, an. Voraussetzung ist, dass ein Spieler mindestens 500 Minuten spielte.

Beste Zweikampfquote (Abwehr): Michael Sollbauer (58,6%)

Meiste Balleroberungen (Abwehr): Dario Baldauf (5,3)

Meiste klärende Aktionen (Abwehr): Nemanja Rnic (7,3)

Meiste Pässe (Mittelfeld): Peter Zulj (34,3)

Beste Passquote (Mittelfeld): Peter Zulj (74,3%)

Meiste Torschussbeteiligungen (Mittelfeld): Christopher Wernitznig (3,6)

Meiste Balleroberungen (Mittelfeld): Manuel Weber (5,3)

Meiste Pässe (Angriff): Silvio (29,2)

Meiste Torschüsse (Angriff): Tadej Trdina (1,6)

Beste Chancenverwertung (Angriff): Tadej Trdina (31,3%)

Die Topspieler

Manuel Weber – In Graz wusste man mit dem ehemaligen Kapitän nichts mehr anzufangen, in Wolfsberg fand der einmalige ÖFB-Teamspieler wieder zu alter Form. Wichtig war der 29-Jährige vor allem deshalb, weil er defensive Absicherungsaufgaben mit einem strukturierenden bzw. in Umschaltmomenten beschleunigendem Passspiel sowie ausreichender Pressingresistenz verband.

Michael Sollbauer – Der WAC-Kapitän bestach im Verbund mit Nebenmann Nemanja Rnic durch eine bärenstarke Strafraumverteidigung. Sollbauer war mit 58,6% gewonnener Zweikämpfe nicht nur der zweikampfstärkste Spieler seines Teams, sondern auch ein wichtiger Balleroberer (4,3 pro 90 Minuten) und Ausputzer (7 klärenden Aktionen pro 90 Minuten).

Jacobo – In der Offensive war der WAC durchaus variabel aufgestellt und hatte mehrere gefährliche Akteure, Jacobo war aber wohl der individuell stärkste und wichtigste. Mit seinen Dribblings sorgte er für Überraschungsmomenten. Zudem war er im Herbst mit neun Assists der beste Vorlagengeber der Liga.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem