Im Spiel Mattersburg gegen Sturm Graz stand das Spiel etwas im Schatten der internen Probleme bei den Grazern. Trainer Hyballa schien es sich mit...

Im Spiel Mattersburg gegen Sturm Graz stand das Spiel etwas im Schatten der internen Probleme bei den Grazern. Trainer Hyballa schien es sich mit Szabics und Haas verscherzt zu haben, außerdem gab es eine kleine Auseinandersetzung zwischen Stürmerstar Bodul und Abwehrspieler Madl im Training. Sportlich hätten sie es hingegen ruhig angehen lassen können, letzte Woche feierten sie ihren ersten Dreier unter Hyballa und die Mattersburger waren seit fast 6 Jahren ohne Sieg gegen die Grazer.

Dieses Mal wollten sie die drei Punkte unbedingt im heimischen Stadion und letzte Woche bewiesen sie gegen die Salzburger, dass sie durchaus für die eine oder andere Überraschung gut sind. Zwölf Siege und neun Remis aus den letzten 21 Spielen zuhause gegen Sturm sollten sie davon nicht abhalten. Ebenso wenig wie der frühe Rückstand durch ein sehenswertes Solo von Sukuta-Pasu.

Sturms Treffer – eine taktische Fehleranalyse

Das 1:0 für die Grazer war eine klassische Fehlerkette, in welcher die Defensivspieler der Mattersburger sich taktisch falsch verhielten. Dadurch gewährten sie Sukuta-Pasu einen schönen Weg diagonal übers Spielfeld, der letztlich zu einem vergleichsweise einfachen Treffer für den talentierten Deutschen führte.

Diese Fehlerkette begann mit Malics Fehleinschätzung in der Nähe der Mittellinie. Der Innenverteidiger verfolgte Sukuta-Pasu bis weit auf die Außenbahn und in die Tiefe, weil Farkas wie üblich weit mitaufgerückt war. Dort berechnete er einen weiten Ball der Grazer Defensivzentrale falsch und Sukuta-Pasu konnte sich durchsetzen. Der Grazer Stürmer nahm Fahrt auf und ging Richtung Tor, wo der zweite Innenverteidiger Rodler ihm den Weg absperren, sowie gleichzeitig in den Zweikampf gehen wollte. Diesen suchte er aber zu schnell und Sukuta-Pasu konnte entgegen seiner Laufrichtung ohne größere Probleme vorbei ziehen.

In weiterer Folge behinderten sich die beiden und kamen dem späteren Torschützen nicht hinterher. Ein weiterer Punkt waren die zu langsam nachrückenden Sechser. Geht Prietl sofort nach Ballverlust in der gegnerischen Hälfte Richtung Ball und später sprintet er in die Laufrichtung Sukuta-Pasus, kann er hinten noch aushelfen. So hatte Sukuta-Pasu nur noch Mravac vor sich, der durch den intelligent rochierenden Okotie in die andere Richtung gezogen wurde. Der Raum war nun offen und das Tor eine Frage der Routine.

Mattersburgs Rückkehr dank Naumoski

Kurz nach der Halbzeit war es ein weiter Ball Seidls auf den Kopf von Bürger, der nach einer Ablage auf Naumoski den Ausgleichstreffer bedeutete. Es war – wie in vielen Spielen der österreichischen Liga – eine Halbfeldflanke, die für unnötig viel Gefahr sorgt. Hier reagierten die Abwehrspieler auch zu langsam, als Naumoski den Abpraller erwischte und abstaubte. Kurz vor Schluss war es abermals Naumoski, der mit einem sehenswerten Dribbling auf engem Raum zum Abschluss kam und die Führung erzielte.

Es war Naumoskis Spielweise, die generell  für viel Gefahr sorgte. Immer wieder ließ er sich fallen und agierte als Spielgestalter im letzten Spielfelddrittel. Von dort aus wollte er die Flügelstürmer einsetzen und spielte die Lochpässe zwischen die Schnittstellen der Innen- und Außenverteidiger. Eine gefährliche Chance für Röcher entstand dadurch, dieser vergab aber und zeigte im Strafraum etwas zu wenig Übersicht – ein Pass wäre angebracht gewesen. Sein zweites Tor war ebenfalls das Resultat der tieferen Positionierung, wo er den Ball von Röcher mit etwas Glück erhielt und dann sein Solo anbringen konnte. Zwei Minuten später nutzten die Mattersburger die aufgerückte Stellung der Grazer, wo Lovin, der für Naumoski kam, den Endstand besorgte.

Mattersburgs Flanken

Ein interessanter Aspekt bei den Mattersburgern war, wie sie bei weiten Bällen ins Zentrum mit drei Mann aufwarteten. Die meisten Mannschaften versuchen einen zentralen Spieler nach vorne zu bringen oder mit nur zwei Akteuren vorne aufzuwarten, während der ballferne Flügel im Rückraum wartet. Die Hausherren wollten jedoch ohne diesen ballfernen Flügel agieren, der nur selten besetzt wurde. Stattdessen ging der ballferne Außen möglichst im letzten Moment vor der Flanke bis zum kurzen Pfosten durch. Damit sollten die gegnerischen Verteidiger verwirrt und nach vorne gezogen werden, was hinten Räume öffnen sollte.

Das Ziel war es also, den Ball nicht in den fernen Rückraum beim Sechzehnereck zu spielen, sondern ihn weiter vorne zu platzieren und damit in Tornähe frei zu werden. Auf den ersten Blick erscheint dies wie eine riskante Taktik, da über die ballferne Seite Konter möglich wären, doch das schwache Nachrücken der Grazer Offensivspieler sowie das Einrücken des Flügels neutralisierten das, denn der einzig verbliebene Außenspieler bei Sturm war jener ballferne Außenverteidiger, der ebenfalls miteinrücken musste. Das erste Tor von Naumoski resultierte aus einem solchen Lauf des fernen Flügelstürmers Mattersburgs, der Bürger Raum öffnete und Naumoski sein Abstaubertor ermöglichte.

Sturms Asymmetrie beim 4-2-3-1

Die Grazer spielen unter Hyballa weiterhin ein 4-3-3, welches sich sowohl als 4-2-3-1 als auch als 4-3-1-2 äußert. Bodul zeigt sich defensiv engagiert und lässt sich fallen oder sucht sich Räume in der Mitte, während Okotie und Sukuta-Pasu gerne ein Sturmduo bilden. Letzterer geht – wie bei seinem Treffer – dann nach links und Okotie orientiert sich in einer halbrechten Position. Beide versuchen somit sowohl die Innenverteidiger als auch ihren Nebenmänner auf den Außenverteidigerpositionen zu besetzen, was Kröpfl und Bodul Räume öffnen soll. In der Defensive entsteht dadurch ein 4-2-2-2, in welchem Okotie und Sukuta-Pasu im Rücken der aufrückenden gegnerischen Außenverteidiger zocken.

Bei ersterem Tor taten sie genau dies, denn insbesondere Farkas ist für seine Offensivvorstöße bekannt. In dessen Rücken positionierte sich Sukuta-Pasu, da Bodul hinten half und der Konter führte zum Führungstreffer der Grazer. Dennoch war die Taktik der Grazer etwas zu einfach. Viele Schüsse aus Distanz oder Bedrängnis, mangelnde Organisation und eine zu umständliche und offene Defensivspielweise sorgten letztlich für die Niederlage. Mattersburg hatte etwas weniger vom Spiel und konnte sich mit zehn Mann hinter den Ball sowie schnellen Kontern über die Flügel letztlich als taktischer wie spielerischer Sieger bestätigt fühlen. Eine gute Leistung kann man beiden Mannschaften dennoch nicht attestieren, sie hatten jeweils ihre Offphasen, in denen sie klar unterlegen waren und alles in allem war es keine besonders gute Partie.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric

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