Noch bevor das Transferfenster offiziell eröffnet wurde vermeldete die Wiener Austria den ersten Wechsel der Winterpause. Philipp Zulechner, der ohnehin nur vom SC Freiburg... Nicht Fisch, nicht Fleisch: Zulechner und seine Probleme bei der Austria

Philipp Zulechner - FK AUstria Wien_abseits.atNoch bevor das Transferfenster offiziell eröffnet wurde vermeldete die Wiener Austria den ersten Wechsel der Winterpause. Philipp Zulechner, der ohnehin nur vom SC Freiburg ausgeliehen wurde, verlässt die Veilchen nach rund einem Jahr und heuert in der Schweiz bei den Young Boys in Bern an.

Bei den Young Boys trifft Zulechner auf seinen einstigen Förderer Adi Hütter, unter dem er im Herbst 2013 in 20 Bundesligaspielen 15-mal traf und es in den Nationalteamkader schaffte. Der 25-Jährige wolle noch es einmal im Ausland versuchen. Franz Wohlfahrt sagte zwar, dass man ihm dabei keine Steine in den Weg legen wollte, gestand aber auch, dass „wir auch nicht sicher waren, ob wir ihn im Sommer letztendlich verpflichtet hätten.“ Ein Zeichen, das man mit ihm nicht voll zufrieden war.

Die Frage nach der passenden Einbindung

Als Zulechner im Jänner an den Verteilerkreis kam war er durchaus optimistisch, vor allem da es mit Gerald Baumgartner einen Trainer gab, den er sehr schätzte. Besonders seine damalige Aussage, dass Baumgartner wisse, wo die Stärken des Stürmers liegen, ist rückwirkend betrachtet äußerst interessant. Zwar sind Zulechner Statistiken in den Spielen unter Baumgartner nicht besser als jene unter dessen Nachfolgern, man hatte dennoch das Gefühl, dass er zur Spielphilosophie des 51-Jährigen am besten passte.

Schon in der ersten Partie beim WAC gehörte Zulechner zu den besten Spielern am Platz, band sich gut in Kombinationen ein und zeigte seine Fähigkeiten im Pressing. Auch in den folgenden Spielen konnte man diese guten Ansätze sehen, jedoch wirkte es so, dass sie nicht zum mannschaftlichen Kontext passten. Dabei wäre dies gerade bei einem Spielertyp wie ihm enorm wichtig. In der Saisonendphase unter Andi Ogris fehlte Zulechner die meiste Zeit, während es unter Thorsten Fink zunächst bergauf zu gehen schien.

Einseitiges Wechselspiel mit Kayode

Obwohl es mit Lary Kayode einen interessanten Neuzugang im Angriff gab, konnte Zulechner seinen Platz als Solospitze halten. Dabei zeigte er durchaus intelligente Bewegungen, die oft unscheinbar waren, aber die eindimensionalen Bewegungen des Nigerianers balancierten und ihm einige gefährlichen Aktionen erst ermöglichten. Kayode suchte vom Flügel meist mit seinen Sprints schon früh den Weg in die Tiefe. Somit war die Anforderung an Zulechner, dass er die Innenverteidiger so band, dass er sie zwar aus der Position zog, dabei aber nicht zu weit wegdriftete um ein klares Übergaben Kayodes an die Innenverteidiger zu verhindern.

Dieses Balance-Wechselspiel war jedoch einseitig, was sich besonders dann negativ äußerste, als Zulechner und Kayode mitten im Herbst die Rollen tauschten. Schon als Zulechner bei der Austria unterzeichnete, wurde erwähnt, dass „das Zusammenspiel mit den offensiven Mittelfeldspielern ein entscheidender Faktor für ein erfolgreiche Eingliederung Zulechners“ sei. Am Flügel war er dann verstärkt auf sich alleine gestellt und konnte aufgrund seiner überschaubaren individuellen Qualitäten im technischen Bereich und im Dribbling vom Gegner leicht isoliert werden.

Ursachen der Umstellung ungeklärt

Welche konkrete Idee Fink verfolgte als er Zulechner auf die Seite und Kayode in die Mitte zog, verriet der Deutsche bisher nicht. Trotz der erwähnten Probleme, die Zulechner am Flügel hatte, holte Austria in dieser Aufstellung enorm viele Punkte: von den sieben Spielen, in denen Zulechner links im Mittelfeld startete, gewannen die Wiener fünf, verloren kein einziges. Bei den beiden Niederlagen in den Runden 17 und 19 war er nicht dabei. Ein möglicher Grund für die Umstellung könnte Zulechners besseres Defensivspiel im Vergleich zu Kayode sein.

Dieses ließ der 22-Jährige nämlich bereits in Israel schleifen, konnte aber mit seiner Antrittsstärke als Stürmer im Pressing den Druck auf den ballführenden Gegner sprunghaft erhöhen. Dies erfordert weniger Abstimmung mit den Mitspielern und kann gerade gegen individuell schwache Teams bei überschaubarem Risiko erfolgreich sein. Am Flügel hingegen benötigt es ein höheres gruppentaktisches Verständnis, das bei Zulechner besser ausgeprägt scheint. Während Kayode biser pro 90 Minuten 1,6 Balleroberungen verzeichnete, sind es bei Zulechner aktuell 2,8.

Nicht Fisch, nicht Fleisch

Ein weiterer Grund für die Umstellung könnte gewesen sein, dass es das Aufbauspiel nach Finks Umstellungen im Zentrum flacher vonstattengeht und nicht mehr so viele lange Bälle auf den Stürmer gespielt werden. Zulechner konnte diese zwar durchaus gut verarbeiten – kein anderer Stürmer gewinnt mehr Kopfballduelle – dennoch fördert diese Strategie den Zufall. Mit dem kombinativ stärkeren Zulechner anstatt des eindimensionalen Kayode am Flügel hatte man hier zumindest theoretisch eine gute Basis.

Unterm Strich hatte man bei den Auftritten von Zulechner im violetten Trikot jedoch stets den Eindruck, dass es kaum außergewöhnliche Aktionen gab. Kein auflösendes Dribbling, keine individuellen kreativen Impulse. So zeigen seine Leistungsdaten – abgesehen von der erwähnten Stärke im Luftzweikampf – keine besonderen positiven Ausschläge. Weder gemessen an den Mittelfeldspielern, noch an den anderen Stürmern der Bundesliga. So gibt es, bei all den dargelegten guten taktischen Ansätzen, auch gute Argumente für die baldige Trennung. Eine eindeutige Einordnung des Transfers fällt, wie bei Zulechners Rolle am Rasen, daher äußerst schwer.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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