Der SK Rapid Wien trifft heute zum Auftakt des zweiten Saisonviertels auswärts auf die SV Ried. Bei den Hütteldorfern wird es nach dem Cup-Fight... Noch immer einer der besten: Steffen Hofmanns Statistiken nach neun Runden

Steffen Hofmann 2_abseits.atDer SK Rapid Wien trifft heute zum Auftakt des zweiten Saisonviertels auswärts auf die SV Ried. Bei den Hütteldorfern wird es nach dem Cup-Fight in Amstetten einige neue Gesichter in der Startelf geben. Eines von ihnen dürfte Steffen Hofmann sein, der trotz 35 Jahren noch immer zu den besten Kickern der Liga zählt.

Unter den grün-weißen Fans ist Hofmann längst eine Legende – einerseits aufgrund seiner Loyalität, andererseits wegen seiner einzigartigen Leistungen. Egal wer seine Mitspieler waren, der Deutsche ragte in den meisten Spielen heraus. Auch heuer zählt er wieder zu den besten Mittelfeldspielern der Liga. Wir sehen uns die Leistungsdaten des grün-weißen Fußballgotts an.

Selten 90 Minuten am Feld

Hofmann steht mittlerweile selten die vollen 90 Minuten am Feld. Trainer Zoran Barisic versucht seinen Kapitän so oft es möglich ist zu schonen. Nach 60 bis 70 Minuten ist für ihn meistens Schluss. Nur zweimal spielte er in bisher zwölf Pflichtspielen durch. Bei der Niederlage in Altach erhoffte man sich wohl noch spielerisch Impulse, in der Europa League gegen Villarreal sollte er in der engen Schlussphase vermutlich ein Ruhepol sein. In der Zeit, in der er am Feld stand, zeigte er aber seine nach wie vor herausragenden Fähigkeiten.

Antreiber im Kombinationsspiel

Die Analyse von Hofmanns Leistungsdaten wollen wir anhand seiner Radargrafik vornehmen. Radargrafiken sind nach bestimmten Gesichtspunkten aufgebaut, die wir an anderer Stelle bereits ausgeführt haben. Alle Daten sind dabei auf 90 Minuten Einsatzzeit normiert. Als Maßstab wurden nur Spieler mit mindesten 20% der möglichen Einsatzzeit berücksichtigt. Das erste Segment ist ein Indikator für die kombinativen Fähigkeiten eines Spielers. Hier schneidet Hofmann wie erwartet sehr gut ab.

Hofmann spielt im Schnitt 71,6 Pässe – ein außerordentlich hoher Wert, der auch mit der Spielanlage seines Teams zusammenhängt. Rapids hoher Ballbesitzfokus führt nämlich dazu, dass vier der Top5-Plätze an die Zentrumspieler der Hütteldorfer gehen. Nur Thanos Petsos (74) und Srdjan Grahovac (73,7) haben höhere Werte als Hofmann. Stefan Schwab liegt mit 65,9 Pässen hinter Hofmann und Naby Keita auf Platz fünf. Dahinter folgen der Mattersburger Jano und die FAK-Doppelsechs Raphael Holzhauser und Ognjen Vukojevic.

Interessant ist, dass Hofmann der einzige offensive Mittelfeldspieler im Spitzenfeld ist – ein Indiz dafür, dass er extrem oft von seinen Mitspielern gesucht wird bzw. sich selbst oft anbietet. Mit 81,3% erfolgreich gespielter Pässe ist er unter den offensiven Mittefeldspielern ebenfalls vorne.

Top bei Scorerpunkten und Torschussvorbereitungen

Im zweiten Segment sind Assists, Scorerpunkte, Torschussbeteiligungen und Torschussvorbereitungen zusammengefasst. Auch hier ist Hofmann in allen Kategorien im Spitzenfeld. Er hat zwar erst zwei direkte Torvorlagen auf dem Konto, aufgrund seiner relativ kurzen Einsatzzeit führt dies jedoch zu einem Schnitt von 0,5 Assits pro 90 Minuten. Besser sind nur Philipp Schobesberger (0,55) und Michael Perlak (0,51), die jedoch viel mehr Zeit am Rasen verbrachten.

Die Einsatzzeit dürfte auch ein unterstützender Parameter dafür sein, dass Hofmann die Mittelfeld-Scorerwertung mit 1,01 Scorerpunkten pro 90 Minuten anführt. Weniger Zweifel sind bei den Torschussbeteiligungen und Torschussvorbereitungen angebracht. Dort war er nämlich mit deren 4,8 und 3,6 schon letzte Saison ganz vorne. Aktuell sind beide Werte etwas gesunken, dennoch liegt er bei erstgenannter Kategorie im Ligavergleich als bester offensiver Mittelfeldspieler auf Platz vier. Bei den Torschussvorbereitungen kann ihm nur Thorsten Schick (ebenfalls 2,8 pro 90 Minuten) das Wasser reichen.

Passable Defensivwerte

Bei den defensiven Werten scheint Hofmann mit 2,5 Tackles und einem abgefangenen Ball pro 90 Minuten auf den ersten Blick schlecht abzuschneiden. Hier lohnt sich jedoch ein genauerer Blick auf das Zustandekommen der Radars. Opta, der Statistiklieferant der tipico Bundesliga, macht nämlich keine weiteren Unterscheidungen zwischen offensiven und defensiven Mittelfeldspielern. So sind in diesen beiden Kategorien Spieler weit vorne, die auf der Sechser- oder Achterposition spielen.

Je nach Definition verzeichneten in den ersten Runden rund zehn offensive Mittelfeld- bzw. Flügelspieler mehr Balleroberungen als Hofmann. Hinter ihm landen dennoch Akteure wie zum Beispiel seine Kollegen Thanos Petsos, Florian Kainz, Louis Schaub oder Schobesberger. Außerdem sollte berücksichtigt werden, dass Hofmann im Pressing nach dem Stürmer oft der erste Rapid-Spieler ist, der attackiert. Der Gegner hat dann im Allgemeinen mehr Anspielstationen und ist weniger unter Druck als wenn der Ball weiter vorne ist.

Erkennbar ist zudem, dass Hofmann den Großteil seiner Balleroberungen im Zweikampf – also durch Tackles – erreicht. Ein Indiz dafür, dass er sich trotz seines fortgeschritten Alters und seines herausragenden Status‘ nicht zu schade ist, in den Dienst der Mannschaft zu stellen.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem