Der WAC empfing im heimischen Stadion – inklusive Zuschauerrekord – die Wiener Austria mit neuem Trainer. Der erwartete Trainereffekt zeigte sich nicht, die disziplinierte... Noch kein Trainereffekt in Violett: Austria Wien nur 0:0 beim Wolfsberger AC

David de Paula (Wolfsberger AC)Der WAC empfing im heimischen Stadion – inklusive Zuschauerrekord – die Wiener Austria mit neuem Trainer. Der erwartete Trainereffekt zeigte sich nicht, die disziplinierte Leistung des WAC wurde ebenfalls nicht belohnt.

Das Pressing des WAC

Der auffälligste Faktor, insbesondere in der ersten Hälfte, waren die Probleme der Austria und das damit verbundene Pressing des WAC. Die Veilchen konnten zwar sehr oft relativ hoch zu Beginn des zweiten Spielfelddrittels mit den Innenverteidigern und dem gelegentlich abkippenden De Paula den Ball zirkulieren lassen, hatten aber Probleme beim Übergang ins letzte Spielfelddrittel und einer konstanten Ballzirkulation in der gegnerischen Spielhälfte. Diese stellte der WAC nämlich kompakt und mit guter Staffelung zu, gleichzeitig zogen sie sich bei Pässen in ihre Formation schnell zusammen und pressten aggressiv in Richtung Ball.

Dafür positionierten sie sich in einem relativ positionsorientierten 4-4-2, in welchem die beiden Stürmer eng am Mittelfeld agierten. Immer wieder rückte aber einer der beiden Stürmer nach vorne, um die Innenverteidiger der Austria punktuell unter Druck zu setzen, wenn die Situation es erlaubte. Auch hier erhielt die Austria dann die Probleme, weil Pässe auf die beiden Sechser wegen der dortigen Kompaktheit des WAC nur schwierig zu spielen waren. Meistens gab es dann lange Bälle oder Pässe auf die Flügel, wohin der WAC aggressiv verschob, die Außenstürmer mannorientiert herausrücken ließ und sofort Druck herstellte. Diese Aspekte sorgten im Verbund für eine schwache erste Hälfte der Austria. Diese präsentierten sich einmal mehr in einem oft beobachteten System.

Auch Gager lässt im 4-4-1-1 spielen

Auch unter dem zweiten Trainer nach dem Abgang von Peter Stöger gab es kein 4-1-4-1 wie in der Meistersaison zu beobachten, sondern ein 4-2-3-1/4-4-1-1, in welchem Roman Kienast einmal mehr hinter Philipp Hosiner eine verkappte zweite Spitze gab. Dahinter spielten James Holland und David de Paula auf der Doppelsechs, sie waren primär für die Ballzirkulation zuständig. Vorne sollten die in Richtung Flügel ausweichenden Kienast und Hosiner Räume hinter den Außenstürmern und Außenverteidigern des WAC bespielen, was aber nur vereinzelt klappte.

Insbesondere die Passgrafik von Kienast zeigt dieses versuchte taktische Mittel sehr gut, Kienast ließ besonders oft auf den linken Flügel fallen:

Kienast Pässe

Auch die vielen langen Bälle von Kienast in die Spitze im Umschaltspiel und auf die Flügelstürmer stehen in der Grafik ins Auge. Das brachte aber nur wenig Erfolg.

WAC im 4-4-2-Pressing

Durch das 4-4-2-Pressing des WAC mit den tiefen Stürmern wurde das Spiel der Austria zu früh auf den Flügel gezwungen, wo die Austria sehr oft isoliert werden konnte und die ausweichenden Bewegungen der beiden Stürmer kaum zum Tragen kamen. Auch die Außenverteidiger hatten bisweilen Probleme, insbesondere Emir Dilaver konnte sich oftmals nicht bis ins letzte Spielfelddrittel durchsetzen und blieb in seinem Offensivspiel relativ ineffektiv. Jun vor ihm rückte einige Male in den Halbraum und Richtung Tor ein, doch ging in der Kompaktheit und dem aggressiven Zusammenrücken des WAC unter.

Wegen des großen Drucks entstanden fast nur schwierige und kleine Chancen für Austria, welche lange Zeit kaum über mehrere Stationen sauber nach vorne kamen. Ähnlich sah es für den WAC aus, wobei dieser eine andere Spielphilosophie als die vielen Kurzpässe und ein konstantes Aufrücken verfolgte.

Der WAC im Offensivspiel

Im Gegensatz zur Austria versuchte der WAC gar nicht den Ball tief und stabil zirkulieren zu lassen, sondern fokussierte sich auf ein dynamisches Aufrücken in höhere Zonen. Dies gelang ihnen auf unterschiedliche Wege, welche weitestgehend schnelle Kombinationen mit vielen Vertikalpässen in den Zwischenlinienraum waren. Die Innenverteidiger brachten den Ball schnell auf die Sechser, welche wiederum möglichst schnell auf Falk, Zulj oder die Flügelstürmer zu spielen versuchten.

In der Passgrafik von Putsche auf der Sechs konnte man dies besonders gut sehen. Wie dieses Bild zeigt, versuchte er viele, auch riskante Pässe durch das gegnerische Mittelfeld hindurch und wollte mit raumgreifenden Vertikalpässen seine Vordermänner im Zwischenlinienraum ins Spiel bringen:

Putsche Pässe

Damit wollte man die teilweise unpassenden Kettenabstände in Horizontale und Vertikale bespielen und konnte nach Ballverlusten direkt ins Gegenpressing gehen, um zu versuchen nach sofortigen Balleroberungen erneut wieder anzugreifen. Neben diesen vielen schnellen Pässen in die Spitze gab es auch zahlreiche lange Bälle von den Innenverteidigern und sogar vom Abstoß aus, wo sich der WAC direkt auf die zweiten Bälle staffelte. Dort positionierten sich die vier Offensivspieler hoch und nahe aneinander, womit man bei Kopfballweiterleitungen, nach Abprallern und mit Kurzpasskombinationen präsent sein wollte.

In diesem Bild ist dies besonders gut zu sehen.

lange Bälle beim Abstoss ins 4-2-4

Obwohl der Ball vom eigenen Torwart kommt, haben sich die Innenverteidiger nicht hinten angeboten, sondern gingen weit nach vorne. Statt eines Aufbauspiels mit kurzen Pässen,  welches die Austria zu deren versuchtem höheren 4-4-2-Pressing eingeladen hätte, gab es vermehrt lange Abschläge. Dann gab es keine Aufbauformation wie z.B. in einem 2-4-4, welches sonst oft praktiziert wurde, sondern die Defensivformation: Ein enges, kompaktes 4-2-4 mit eingerückten Außenverteidigern und tiefen Kettenabständen. Erst wenn der Ball behauptet wurde, rückten die offensiven Außenverteidiger Baldauf und Standfest dynamisch mit nach vorne, um die offenen Flügelräume der Austria zu bespielen.

Ein anderes Beispiel für diese Ausrichtung des WAC gibt es hier.

Putsche vs De Paula

Der Unterschied zwischen De Paula, dem ehemaligen WAC-Sechser und nunmehrigen Partner von James Holland, und seinem Gegenüber Roland Putsche in puncto Passgenauigkeit ist enorm. Putsche versuchte mit vielen riskanten Pässen den Ball nach vorne zu bringen, was seine Quote senkte. De Paula hingegen war im eher ballbesitzorientierten System der Austria (64% gegen Spielende) für eine ruhige und oftmals horizontale Ballzirkulation zuständig.

Mit abnehmendem Pressing des WAC funktionierte dies aber besser, in der zweiten Hälfte konnte die Austria mehr Chancen herausspielen und hatte generell mehr Zugriff auf den gegnerischen Strafraum. Die grundlegenden Probleme, die auch schon aus der Zeit vor Herbert Gager sichtbar waren, blieben jedoch bestehen. Teilweise mangelte es an der defensiven Kompaktheit und den sauberen Abständen, während es offensiv an Kreativität, Durchschlagskraft, Synergien und durchstrukturierten Spielzügen mangelte. In Anbetracht dieser Umstände geht das 0:0 in Ordnung.

Fazit

Eine durchwachsene Partie von beiden Mannschaften. Bei der Austria konnte der erwartete Trainereffekt noch nicht beobachtet werden, während sich der WAC zuhause mit einem Punkt begnügen muss. In den nächsten Wochen wird interessant sein, welche Hebel Gager umzusetzen gedenkt – er wird sicherlich einige Zeit benötigen und muss sich neben gruppentaktischer Sauberkeit auch um grundlegende strategische Anpassungen kümmern, um mit einem disziplinierten und aggressiven Gegner wie dem WAC umgehen zu können.

Rene Maric, abseits.at

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Rene Maric

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