Der Kader ist zu groß, der Kader ist zu ausgeglichen – Peter Schöttel sprach sich vor kurzem in der Sky-Diskussionsrunde Talk & Tore dafür... Rapid baut im Winter erneut um – das sind die Absprungkandidaten und die besten Rohdiamanten in Grün-Weiß!

Der Kader ist zu groß, der Kader ist zu ausgeglichen – Peter Schöttel sprach sich vor kurzem in der Sky-Diskussionsrunde Talk & Tore dafür aus, dass er im Winter den Kader des SK Rapid verkleinern und verändern möchte. Wir nehmen heute die Personalien unter die Lupe, die der Rapid-Coach kurzfristig auswechseln könnte.

Schöttel wird drei bis vier Spielern im Winter nahelegen, dass sie sich einen neuen Verein suchen sollten, weil der 44-Jährige nicht mehr mit ihnen plant. Schöttel möchte daraufhin ein bis zwei „richtig gute“ Neue (die wir erst im Winter genauer behandeln werden) holen und den Rest des Kaders mit hungrigen Amateurspielern auffüllen. Entweder um verletzungs- und sperrbedingte Löcher zu stopfen oder tatsächlich um nach längerer Zeit wieder einen Eigenbauspieler an die Kampfmannschaft heranzuführen. Sowohl in der Masse der möglichen Abgänge als auch im kleinen Kreis der möglichen Neo-Profis kursieren mittlerweile konkrete Namen.

Christoph Saurer

Der 25-jährige Wiener Christoph Saurer, der 2009 – damals noch in Diensten des LASK – sogar ein Länderspiel für Österreich absolvierte, steht auf der Abschussliste weit oben. Der Mittelfeldspieler kam in der laufenden Saison nur in der zweiten Runde beim 2:0-Auswärtssieg in Wiener Neustadt zum Einsatz und wurde da nach 53 Minuten ausgewechselt. Der technisch versierte Mittelfeldakteur kam daraufhin nur noch im ÖFB-Cup gegen die LASK Amateure und Bad Vöslau zum Einsatz, passt jedoch im Allgemein nicht ins „Konzept der Dynamik“, das Peter Schöttel bereits zu seinem Amtsantritt vorgab. Saurer hat einen Vertrag bis Sommer 2013 und könnte diesen bekanntlich aussitzen, wie es zuletzt Mario Konrad tat. Allerdings hat Saurer noch Zukunftsperspektiven, will spielen, ist selbst mit seinem Status als Tribünenzierde oder Aushilfskicker für die Amateurmannschaft unzufrieden. In der Wintertransferzeit besteht neben der Frage des Angebots auch die der Nachfrage und so wird es Saurer, dem definitiv ein Vereinswechsel nahegelegt werden wird, nicht leicht haben einen neuen Verein zu finden.

Hamdi Salihi

Die albanische Strafraumkobra des SK Rapid ist ein sehr seltsamer Fall: In den letzten beiden Saisonen erzielte der 27-Jährige 33 Ligatreffer für den SK Rapid, ist trotzdem nur Bankdrücker. Das „unmoderne“ Spiel Salihis, der lieber auf Bälle wartet als am mühsamen Aufbauspiel im Mittelfeld teilzunehmen, passt in keinster Weise in ein 4-4-2 und auch in einem 4-2-3-1-System wird der ineffizient arbeitende und dennoch effizient treffende Salihi bereits nach wenigen Spielen ohne Tor in die Waagschale geworfen. In der laufenden Saison stand Salihi in nur 404 Bundesligaminuten auf dem Platz, erzielte dabei drei Tore, was an sich weiterhin einem guten Schnitt entspricht. Dennoch wird mit dem albanischen Mittelstürmer nur noch temporär geplant. Salihi fühlt sich allerdings in Wien wohl, schlug im Sommer ein Angebot eines türkischen Klubs aus, weil er seine aktuelle Lebensqualität nicht beschneiden wollte – in der Türkei passte es einfach nicht. Die Wintertransferzeit ist die letzte Gelegenheit für Rapid Geld für den Knipser zu bekommen, da sein Vertrag im Sommer 2012 ausläuft. Salihi selbst wird einem Wechsel in der kalten Jahreszeit nur dann zustimmen, wenn ein Angebot kommt, das für ihn als Gesamtpaket akzeptabel ist. Schnellschüsse gibt’s in der Causa Salihi keine.

Ragnvald Soma

Vor wenigen Tagen feierte der Norweger, dessen Vertrag im Sommer um ein Jahr verlängert wurde, seinen 32.Geburtstag. Dass er seinen 33.Geburtstag nicht im Rapid-Dress feiern wird steht außer Frage – möglich ist allerdings, dass er schon im Winter zurück nach Norwegen wechselt, da die Skandinavier ihre Ligen nach dem Kalenderjahr ausspielen und Soma somit die Saisonvorbereitung bei einem etwaigen neuen Klub bereits mitmachen könnte. Für Rapid bestritt Soma bisher 97 Pflichtspiele, überzeugte anfänglich durch seine technische Finesse, fiel aber im Laufe der Saison 2010/11 in ein tiefes Loch aus teils haarsträubenden Fehlern. Die Rapid-Innenverteidigung ist aktuell mit Sonnleitner, Pichler, Soma und Patocka zahlenmäßig gut besetzt – der Abgang eines der beiden Routiniers, also Soma oder Patocka, ist insofern wahrscheinlich, als dass Rapid bereits durchaus vehement Interesse an Christopher Dibon vom FC Trenkwalder Admira bekundete. Patockas Vertrag läuft ohnehin im Sommer aus, woraufhin der 34-Jährige einen Rückschritt innerhalb Österreichs vollziehen wird, um seine Karriere ausklingen zu lassen. Soma allerdings würde so oder so bald nach Norwegen zurückkehren und der Winter ist angesichts der norwegischen Ganzjahresmeisterschaft ein guter Zeitpunkt für einen Wechsel in die Heimat…

Boris Prokopic

Bei Wacker Innsbruck war der 23-jährige Prokopic eine Stütze, bei Rapid startete er unglücklich in die Saison, machte viele Fehler und sah im ersten Saisonderby glatt Rot. Seitdem konnte er sich nicht mehr an die Startelf heranpirschen, weil Drazan und Trimmel in der Zwischenzeit große Fortschritte machten. Schöttel weiß über die technischen Fähigkeiten des gebürtigen Slowaken Bescheid, dennoch machte Prokopic keine entscheidenden Schritte nach vorne und ist weiterhin nur Bestandteil des zweiten Glieds. Ein weiteres Leihgeschäft ist in seinem Fall allerdings ausgeschlossen – es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder der entscheidende Schritt nach vorne findet in den nächsten Monaten tatsächlich statt, oder man wird Prokopic nahelegen sich um einen neuen Verein umzusehen.

Christian Thonhofer

Die schwierige Beziehung zwischen Rapid und Thonhofer ist weiterhin nicht zu kitten. Der bereits 26-jährige Allrounder, der sein Debüt für die Admira im Alter von 17 Jahren feierte, pendelt weiterhin zwischen Bank und Tribüne. Nach einer starken Saison 2007/08 kam vom Außenverteidiger fast gar nichts mehr: Die Leistungen waren zu unbeständig, der Aufwand, den Thonhofer betrieb um sich ins Team zu spielen, zu gering. Nachdem er in der vergangenen Saison 35 Ligaspiele für den SC Wiener Neustadt (unter Schöttel) absolvierte, stehen in der laufenden Spielzeit unterm Strich nur drei Einwechslungen. Thonhofer, dessen Vertrag im Sommer ausläuft und dessen Chancen auch in Zukunft nicht von alleine steigen werden, ist daher ebenso ein heißer Kandidat für einen Transfer im Winter.

Kristijan Dobras

…und dann wäre da noch die andere Seite der Medaille. Nach einem aufgrund eines Generationswechsels schwierigen Jahr spielen die Amateure des SK Rapid nun wieder richtig gut und überwintern auf dem dritten Tabellenplatz der Regionalliga Ost. Einige Spieler, von denen man vor einigen Monaten noch kaum etwas hörte, drängen sich mittlerweile sehr laut für einen Platz im A-Kader Rapids auf. Einer davon ist der 20-jährige Kristijan Dobras, in Kroatien geborener Österreicher, der im zentralen Mittelfeld sowohl defensiv als auch offensiv Stärken hat, als guter Techniker und Zweikämpfer gilt. 2010/11 tastete er das Pflaster Regionalliga noch sehr vorsichtig ab, spielte nicht selten unsicher – 2011/12 ist dies anders und Dobras reifte zu einer Stütze für die Rapid Amateure. In 19 Pflichtspielen erzielte der 20-Jährige zudem sechs Treffer, wobei ihm vor allem das Tor und seine großartige Leistung beim 4:2-Sieg im Cup gegen WAC/St.Andrä am 20.9. einen Kick gab: Zwischen 7.10. und 11.11. traf Dobras vier weitere Male.

Konstantin Kerschbaumer

Von den Qualitäten des 19-jährigen Konstantin Kerschbaumer ist man bei Rapid restlos überzeugt. Allerdings wird der zentrale Mittelfeldspieler die Saison voraussichtlich dennoch beim First Vienna FC beenden, um dort Spielpraxis zu sammeln. Kerschbaumer besticht durch Dynamik, Torgefahr und eine gute Einstellung zum Sport. Der gebürtige Tullner erzielte in der laufenden Saison drei Treffer für die Vienna und kehrt in Länderspielpausen immer wieder zum Training nach Hütteldorf zurück um dort mit der Kampfmannschaft zu trainieren. Allerspätestens im Sommer 2012 wird Kerschbaumer zum Profikader des SK Rapid zählen.

Daniel Luxbacher und Andrey Lebedev

Der ebenfalls 19-jährige Daniel Luxbacher hingegen brauchte etwas länger um sich im Ländle zu akklimatisieren, zeigt jedoch beim FC Lustenau seit Ende September ebenfalls regelmäßig gute Leistungen. Der wieselflinke, kleine Techniker hält ebenfalls bereits bei drei Pflichtspieltoren und könnte bei Rapid ebenfalls im Sommer 2012 zum Thema werden. Im Winter ist eine Rückkehr nach Hütteldorf ausgeschlossen, da seine favorisierten Positionen mit Drazan und Trimmel stark besetzt sind. Ebenfalls in Lustenau kickt derzeit Rapid-Leihgabe Andrey Lebedev. Der 20-jährige Weißrusse spielt zwar weiterhin fix im U21-Nationalteam seines Landes, kam zuletzt auch in Lustenau wieder zu mehreren Einsätzen, setzte sich bisher aber noch nicht merklich durch.

Louis Schaub, Christian Schoissengeyr und Dominik Wydra

Ein Perspektivspieler, den Rapid sich derzeit warm hält ist der 16-jährige in Deutschland geborene Österreicher Louis Schaub. Der technisch versierte Schaub ist ein Spieler für den rechten Flügel, Halbpositionen im offensiven Mittelfeld oder sogar für den Angriff und unterzeichnete vergangene Woche einen Dreijahresvertrag, mit dem Rapid das große Interesse an der Entwicklung des 94er-Jahrgangs unterstrich. Ebenso ging man in Hütteldorf bereits im Sommer mit dem baumlangen Innenverteidiger Christian Schoissengeyr (17) vor, der ebenfalls für drei Jahre unterschrieb und im Frühjahr in der Amateurelf Fuß fassen soll. Sowohl für Schaub als auch für Schoissengeyr ist der Winter noch kein sofortiges Sprungbrett in die „Erste“, doch beide werden über kurz oder lang zum Thema werden. Früher könnte der Sprung in die Kampfmannschaft Dominik Wydra gelingen: Der 17-Jährige ist derzeit von allen 94er-Jahrgängen der Stabilste, organisiert als spielender Sechser das defensive Mittelfeld der Rapid Amateure und erzielte zudem bereits vier Saisontore.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

  • Johann Warburg

    15.November.2011 #1 Author

    Hallo Dannyo!

    Welche Perspektive siehst du für Lukas Grozurek? Schöttel hat ihn neben Wydra und Dobras vorige Woche im Standard als mögliche Profi-Kader-Kandidaten bezeichnet.

    derStandard.at: Wer drängt sich von den Amateuren auf?

    Schöttel: Wir haben in den Länderspielpausen Grozurek, Dobras und Wydra mittrainieren lassen. Alle drei haben aus meiner Sicht großes Potenzial. Wydra ist ein U18-Teamspieler im zentralen Mittelfeld, Dobras ein offensiver Mittelfeldspieler und Grozurek hat im Cup Wr. Neustadt und auch WAC/St. Andrä rausgeschossen und hat gezeigt, dass er gut ist.

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    • Anonymous

      16.November.2011 #2 Author

      Ich glaube – obwohl er sich zuletzt klar besser präsentierte – dass Grozurek nicht die Grundanlagen für Bundesligafußball hat. Bei Dobras und Wydra muss man positionstechnisch differenzieren: Wydra ist eher ein 6er, Dobras weniger ein 10er, dafür eher ein 8er.

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  • Rolandinho

    15.November.2011 #3 Author

    Soma weg, Saurer könnte bleiben, aber wenn er nicht spielt, dann auch weg! Thonhofer weg!Dibon unbedingt verpflichten

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  • Sabrina Skoda

    18.November.2011 #4 Author

    Sehe ich genauso. Rapid sollte unbedingt solche jungen Fußballer in nächster Zeit in die erste Mannschaft eingliedern. Soma war ohnehin immer ein Fehleinkauf, Saurer hat sich nie richtig durchgesetzt, Thonhofer hat es schon so oft probiert und ist im Endeffekt doch gescheitert. Boris Prokopic ist für mich der schwächste Spieler in dieser Liste, denn dieser bringt überhaupt keine Leistung und holt sich im Derby eine rote Karte, da er „unbedingt vom Platz wollte“.

    Louis Schaub ist für die Zukunft ein sehr vielversprechender Spieler, der hoffentlich ohne schweren Verletzungen, sich in ein paar Jahren durchsetzen wird. Hier gilt es abzuwarten und falls er sich weiterhin so gut entwickelt, ihn auch vor seinem Vertragsende 2014 an den SK Rapid Wien zu binden und ihn nicht wie Hoffer, Kavlak und Korkmaz zu verkaufen, damit man sich sportlich wesentlich verschlechtert, dafür aber ein paar tausend Euro kassiert.

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