Der SK Rapid komplettierte einen perfekten Ligastart mit einem 2:1-Erfolg über Red Bull Salzburg. Die Bullen ließen in ihrem ersten Ligaheimspiel der Saison eine... Rapid kompakt, Salzburg ohne klare Linie: Grün-Weiß siegt 2:1 und besiegelt Red-Bull-Fehlstart

Thanos Petsos - SK Rapid Wien_abseits.atDer SK Rapid komplettierte einen perfekten Ligastart mit einem 2:1-Erfolg über Red Bull Salzburg. Die Bullen ließen in ihrem ersten Ligaheimspiel der Saison eine klare spielerische Linie vermissen und fanden gegen eine massive Wiener Zentrale kaum Mittel. Rapid zeigte sich hingegen sehr stabil, technisch gut und kampfkräftig, wenn auch ausbaufähig.

Mit der Doppelacht Petsos-Schwab entschied sich Zoran Barisic für die robusteste seiner Optionen im defensiven Mittelfeld. Nicht nur, weil seine beiden zentralen Mittelfeldspieler mit ihren Toren zu den Matchwinnern wurden, erwies sich diese Variante als echter Glücksgriff. Petsos und Schwab organisierten Rapids Mittelfeldzentrale, kämpften wie verrückt und machten der vorerst ungeordneten Salzburger Zentrale das Leben sehr schwer.

Salzburg auf der Suche nach einer Linie

Red Bull Salzburg hatte einige Ausfälle zu verkraften: Allen voran fehlte natürlich Kapitän Soriano, der an Wadenproblemen laborierte. Die Ausfälle von Schwegler, Yabo und Lazaro taten Salzburg jedoch auch weh, da man sich speziell von Yabo erwartet, dass er die Mannschaft aus der Zentrale heraus besser zusammenhalten kann. In der gestern gesehenen Konstellation fehlte im Salzburger Mittelfeld jedoch völlig die Ordnung. Natürlich tummelten sich zahlreiche große Talente auf dem Platz, aber ein zusammenhängendes Konzept ist in dieser jungen Mannschaft noch nicht auszumachen.

Die Arrivierten enttäuschten, die Jungen machten vieles falsch

Taktisch betrachtet waren die beiden Außenspieler David Atanga und Felipe Pires Totalausfälle, während auch die etwas Älteren wie etwa Valon Berisha, der inferiore Marco Djuricin oder der weiterhin sehr enttäuschende Paulo Miranda schlechte Tage erwischten. Alleine in der ersten Halbzeit schaffte Rapid jede Menge Überzahlsituationen im Konter und hatte Möglichkeiten das Spiel vorzuentscheiden. Salzburgs Ordnung wurde erst in der zweiten Halbzeit hergestellt. Rapid fand weniger Kontersituationen vor, wurde hinten reingepresst – Salzburg versuchte es offensiv dennoch zu häufig mit Hauruck-Fußball.

Schwer zu überwindende Rapid-Zentrale

Es ist sicher auch der Jugend der tragenden Offensivkräfte geschuldet, dass das Angriffsspiel der Roten Bullen über weite Strecken viel zu eindimensional war. Die Mozartstädter versuchten es zu häufig durch die Mitte, mit dem Kopf durch die Wand, ließen den Ball nicht gut laufen, bauten vieles auf Einzelaktionen auf. Rapid konnte dies über weite Strecken recht einfach verteidigen, indem die Innenverteidiger und die defensiven Mittelfeldspieler als eine Art symmetrisches Defensivviereck agierten. Innerhalb dieser Zone hatte Rapid das Spiel kämpferisch im Griff. Schon Petsos und Schwab waren schwer zu überwinden – wenn es die Salzburger aber doch einmal schafften, waren mit Sonnleitner und Dibon zwei Verteidiger zur Stelle, die clever und energisch aus der Viererkette rückten, um den jeweiligen Gegenspieler in einer höheren Position zu stören.

Rapids Pressing aggressiv, aber nicht perfekt

Dabei hätte die Grundausrichtung der Hütteldorfer ebenfalls Lücken gehabt. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen bei gegnerischem Aufbauspiel waren zu groß, was eine spielstärkere Mannschaft ausgenützt hätte. Salzburg zeigte aber bereits beim Rausspielen aus der Defensive eklatante Schwächen, die durch relativ simples Offensivpressing hervorgerufen wurden. Dies ging zwar aggressiv und konsequent vonstatten, zog sich aber nicht immer bis ins Mittelfeld. Rapid stand einerseits hoch um punktiert zu pressen, andererseits tief, weil man nichts desto trotz die schnellen Salzburger Offensivspieler fürchtete. In der Mitte setzte sich schließlich die Cleverness durch. Rapids zentrale Mittelfeldakteure waren kampfstärker, schneller im Kopf und vor allem technisch variabler, als die „immer gleich“ angreifenden Salzburger.

Frühzeitige Entscheidung verabsäumt

In der ersten Stunde gegen eine ideenlose Salzburger Mannschaft kann man Rapid mangelnde Chancenverwertung bzw. das zu inkonsequente Zu-Ende-Spielen von Kontersituationen vorwerfen. Danach wurden die Probleme Rapids aus personellen Gründen ernster. Philipp Schobesberger ersetzte nach 55 Minuten Philipp Huspek und dieser Wechsel brachte eine für Rapid entspannte Partie wieder unnötig an die Kippe.

Rapids Probleme auf der rechten Seite

Sowohl beim Spiel gegen Ajax, als auch beim Aufeinandertreffen mit Salzburg war zu erkennen, dass Rapids Gegner ihr Angriffsspiel gerne auf die linke Seite lenken, um damit die schwächere Abwehrseite Rapids zu bespielen. Thomas Schrammels Ausfall schmerzte, aber Stefan Stangl machte aus der Not eine Tugend und war mit zwei starken Partien der Gewinner der Woche. Anders sieht die Sache aber auf der rechten Abwehrseite Rapids aus. Stephan Auer hat erwartungsgemäß schwerste Probleme im Stellungsspiel und kommt auch technisch noch nicht mit. Dies kann sich freilich noch ändern, zumal sich Auer erst an die höheren technischen Anforderungen gewöhnen muss. Das Stellungsspiel ist jedoch ein Problem, das sich etwas schwerer ausmerzen lässt, weil es starke Interaktionen mit den Mitspielern erfordert.

Schobesberger vernachlässigt Defensivarbeit

Philipp Huspek rackerte bei seinem Startelfdebüt in der Liga ordentlich, half immer wieder defensiv aus bzw. hatte allgemein eine sehr tiefe Grundposition, die seinem explosiven Spielstil in einer Konterpartie entgegenkommt. Sein Ersatzmann Philipp Schobesberger hielt diese Woche jedoch weniger von Defensivarbeit. Der Shooting Star der vergangenen Saison brachte den ohnehin strauchelnden Auer immer wieder zusätzlich in die Bredouille, weil er in der heißen Phase nach dem 1:2 nicht nur seine Angriffe zu kompliziert zu Ende spielte, sondern auch viel zu wenig Abwehrarbeit verrichtete. Diese Tatsache ist ein Grund dafür, dass am Dienstag in Amsterdam eine rechte Seite mit Auer und Schobesberger fatal wäre, zumal Ajax dieses Problem nicht unbekannt ist. Vermeidbar wäre dieses Problem dennoch, da Schobesberger im letzten Saisonviertel der Vorsaison bereits zeigte, dass er es auch anders kann.

Das Positive überwiegt in Grün-Weiß

Alles in allem zeigte Rapid aber eine reife Leistung, die aber mit etwas mehr Killerinstinkt gar nicht mit großem Zittern quittiert hätte werden müssen. Dass das Spiel noch einmal spannend wurde, ist der mangelnden Chancenauswertung und dem instabilen rechten Flügelpaar in der zweiten Halbzeit geschuldet. Es überwiegen aber eindeutig die Lichtblicke in Grün-Weiß: Die Innenverteidigung präsentierte sich ebenso wie die Doppelacht sehr gut, Florian Kainz spielte eine tolle Partie, traf praktisch immer die richtigen Entscheidungen und wurde zudem von Stefan Stangl hinter sich und dem ebenfalls guten Louis Schaub neben sich immer wieder gut abgefedert. Auch Jan Novota zeigte einmal mehr eine starke Leistung. Die Erkenntnis, dass der Rapid-Kader in der Breite deutlich stärker ist, als in der Vorsaison, ist natürlich auch nicht zu verachten.

Geduld notwendig – so ist Salzburg keine Macht mehr

Und Salzburg? Bei den Bullen stimmen die Automatismen noch überhaupt nicht und dies könnte angesichts des Verlusts zahlreicher Topleute ein anhaltender Zustand sein. Betrachtet man die taktischen Probleme der Salzburger, fällt es schwer zu glauben, dass sich die grundlegenden Schwierigkeiten in ein paar Wochen aus der Welt schaffen lassen. Nun ist das geschehen, wovon so lange gesprochen wurde: Red Bull Salzburg sieht aktuell wie ein klassischer Ausbildungsverein aus. Zahlreiche Rohdiamanten dürfen sich ihre Sporen verdienen, aber fertige Spieler sind im Vergleich zur Vergangenheit Mangelware. Früher wurden derartige Probleme mit zusätzlichen Spielerkäufen abgefedert. Heute muss man bei dieser neuen Salzburger Mannschaft aber tatsächlich große Geduld haben und die Erwartungserhaltung etwas herunterschrauben.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen