Rapid hat heute in der Südstadt gleich mehrere große Chancen. Als Ganzes und im Einzelnen. Wir erklären wieso die Partie gegen die Admira ein... Rapids große Chance(n) in der Südstadt

Rapid hat heute in der Südstadt gleich mehrere große Chancen. Als Ganzes und im Einzelnen. Wir erklären wieso die Partie gegen die Admira ein Schlüsselspiel für Grün-Weiß werden kann.

Tabellensituation

Sturm Graz schwächelt und obwohl Rapid derzeit noch immer neun Punkte Rückstand auf die Grazer hat, darf man sich vorsichtig in Richtung zweiter Platz orientieren. Mit einem Sieg in der Südstadt wären es nur noch sechs Punkte, danach kommen die Grazer nach Hütteldorf und Rapid kann Sturm bis auf drei Punkte nahekommen. Zudem hätte die Djuricin-Elf mit zwei Siegen aus den nächsten zwei Spielen definitiv die bessere Tordifferenz als Sturm. Diese wiederum müssen nach dem nächstwöchigen Wien-Auswärtsspiel gegen Tabellenführer Salzburg ran, während Rapid den LASK empfängt.

Auch die Admira kann Rapid heute in Schach halten: Der Gegner um die Europacup-Plätze liegt vier Zähler hinter den Grün-Weißen und könnte mit einem Sieg auf stolze sieben Zähler abgehängt werden. Der Vorsprung auf die Austria könnte heute sogar auf elf Punkte anwachsen.

Selbstreinigungsprozess

Am Montag wird das Strafmaß gegen Rapid nach dem (neuerlichen) Skandalderby erwartet. In der Südstadt darf von Fanseite nichts Negatives passieren. Probleme mit Wurfgeschossen gab es südlich von Wien in der Vergangenheit immer wieder, weil der Auswärtsblock sehr nahe am Spielgeschehen ist und keine Vorkehrungen gegen etwaige Wurfgeschosse gegeben sind.

Gefragt ist der „Block West“ selbst. Das äußerst impulsive Fan-Soziotop des Rekordmeisters vollendete in der Vergangenheit schon mehrere Reinigungsprozesse von innen heraus. So gelang es etwa in den letzten Jahrzehnten konsequent Politik aus der Kurve zu schaffen. Einen solchen Reinigungsprozess aus dem Block heraus braucht es auch jetzt. Die organisierten Fangruppen müssen selbst dafür sorgen, dass die „Unkultur des Reinwerfens“ keine Zukunft in der Rapid-Fanszene hat bzw. künftig klar und deutlich als verpönt gilt.

Dies ist im Interesse aller. Rapid würde sich sehr viel Geld sparen und auch der Block selbst würde gerne vergessene Vorteile behalten. Fakt ist nämlich, dass deutsche oder gar englische Verhältnisse in den heimischen Stadien nur eine Frage der Zeit sind, wenn gerade die größte Fangruppe des Landes die Kompromissbereitschaft vermissen lässt. Die spektakuläre Fankultur Rapids fußt auf den verhältnismäßig lockeren Richtlinien in Österreich. Würden die Verantwortlichen die Zügel fester ziehen, so wären Pyrotechnik und Co. wohl gar nicht mehr legal möglich. Das kann nicht im Sinne der gesamten Szene sein und das heutige Spiel bietet eine gute Möglichkeit, um nach der hässlichen auch die Schokoladenseite zu präsentieren. Alle Augen sind auf den Auswärtsblock gerichtet und das kann ebendieser zum Vorteil aller nützen.

Ersatzgeschwächte Admira

Die Admira muss heute nicht nur eine völlig neue Viererabwehrkette aufbieten, sondern hat auch offensiv Probleme in der Breite. Mit Strauss, Bagnack und Maranda fallen drei Abwehrspieler fix aus, Ebner ist mit einem grippalen Infekt fraglich und Wostry steht aus disziplinären Gründen nach der Bekanntgabe seines LASK-Transfers im Sommer auf dem Abstellgleis. Weiterhin fehlen Toth, Starkl und Sax. Der Abgang von Knasmüllner im Winter schmerzt durch die aktuellen Ausfälle ebenfalls doppelt. Der Admira bleiben somit zehn fitte Feldspieler aus dem engeren Kader und auf der Bank wird voraussichtlich kein Feldspieler älter als 20 Jahre sein. Da wirken auch Rapids Ausfälle Schwab, Bolingoli und Schaub nicht mehr ganz so drastisch.

Zehner und Neuner

Rapid muss in der Südstadt das Spiel machen, sich vor allem wieder auf intensives Pressing besinnen, was im Derby komplett fehlte. Nachdem Djuricin gegen die Austria eine Sicherheitsvariante mit Joelinton als Stürmer und Murg auf der Zehn wählte, kann er in der Südstadt wieder die Variante wagen, die gegen Ende des Herbsts wesentlich besser funktionierte: Joelinton als offensiver Mittelfeldspieler bzw. hängende Spitze, Berisha (oder der formschwache Kvilitaia) an vorderster Front und Murg auf der Außenposition. Dies ist gegen die Admira auch deshalb anzuraten, weil Joelinton dem physisch starken Admira-Kapitän Lackner auf der Sechs mehr entgegensetzen kann. Und dieser wird, wie die gesamte Admira-Elf, sehr tief stehen. Rapid benötigt also dringend Physis im Übergang von zweiten zum dritten Drittel.

Vertragliche Wackelkandidaten

Bei Rapid laufen im Sommer drei Verträge aus. Mit Joelinton und Petsos gibt es zudem zwei Leihspieler im Kader. Letzterer wird aufgrund von Schwabs Ausfall gesetzt sein und muss gegen die Admira beweisen, dass er nicht nur Schaltzentrale, sondern auch Fighter sein kann. Seit seiner Rückkehr aus Bremen bewies das der Grieche nicht, obwohl man immer wieder seine starken Leistungen im Training betont.

Mario Pavelic wird Rapid nach derzeitigem Stand im Sommer verlassen, erhielt bis dato noch keinen neuen Vertrag. Durch Bolingolis Verletzung dürfte Auer gegen seinen Ex-Klub nach links rutschen und Pavelic wieder auf seiner angestammten Position als rechter Verteidiger auflaufen. Für den 24-Jährigen sind die nächsten Wochen richtungsweisend, zumal er auch in den darauffolgenden Partien gegen Sturm und den LASK gesetzt sein dürfte. Der Rechtsverteidiger spielt um einen neuen Vertrag, was theoretisch auch für Andreas Kuen gelten könnte. Dessen Chancen stehen aber deutlich schlechter.

Auch der 37-jährige Ehrenkapitän Steffen Hofmann wird wieder auf der Bank sitzen und hofft auf seinen sechsten Ligaeinsatz in der laufenden Saison. Für Hofmann könnte es der letzte Südstadt-Einsatz in seiner Karriere sein.

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen